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25.06.13

Stuffle, Shpock, Osom: Langsames Heranpirschen der mobilen Kleinanzeigenmärkte

Startups wie Stuffle, Shpock und Osom wollen den Flohmarkt auf das Smartphone bringen. Ihr Aufstieg erfolgt sachte, aber zielstrebig, und wird den etablierten Akteuren der Branche nicht entgehen.

Das Segment mobiler Kleinanzeigenmärkte sollten man in diesem Jahr genauer im Auge behalten. Mit über 30 Millionen Smartphone-Besitzern in Deutschland, gut die Hälfte davon "always on", existiert ein fruchtbarer Boden für junge Startups, die Nutzern den unkomplizierten, gebührenfreien An- und Verkauf von Kleidung, Einrichtungsgegenständen und Trödel ermöglichen und quasi den Flohmarkt ins Internet bringen. Mit dem deutschen Anbieter Stuffle, dem österreichischen Konkurrenten Shpock und dem schwedischen Angreifer Osom buhlen gleich drei Dienste aus unseren Breitengraden und mit ähnlichem Ansatz um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Ihre Zahlen entwickeln sich nicht schlecht. Shpock und Stuffle ziehen Fazit

So gab Shpock, dessen Name sich von dem Slogan "Shop in your Pocket" ableitet, Anfang Mai bekannt, die Marke von 500.000 Downloads seiner App durchbrochen zu haben. Die Wiener bezeichneten sich zu diesem Zeitpunkt als "die größte mobile Marktplatz-App im deutschsprachigen Raum nach eBay". Seit dem Launch im Dezember seien 500.000 Produkte im Wert von mehreren Millionen Euro über Shpock angeboten worden.

Der aus Hamburg stammende, ebenfalls im vergangenen Jahr lancierte Wettbewerber Stuffle (der genau genommen zuerst da war), kommuniziert die etwas aussagekräftigere Zahl aktiver Nutzer. Im Interview mit Etailment sprach Gründer und Geschäftsführer Morten Hartmann jüngst von mehr als 175.000 aktiven Anwendern. Insgesamt hätten seit dem Debüt Waren im Gesamtwert von 2,5 Millionen Euro über Stuffle die Besitzer gewechselt. Der Wert sämtlicher derzeit über die App feilgebotener Waren liegt bei 12,5 Millionen Euro, so Hartmann.

Osom ist unter den drei Services der jüngste. Das Stockholmer Unternehmen versucht sich durch eine konzeptionelle und emotionale Anlehnung an Instagram von den zwei D-A-CH-Startups zu differenzieren. Zahlen gibt es von den Skandinaviern, die momentan dabei sind , die von jungen, modebewussten Frauen dominierte schwedische Bloggerszene als Botschafter für sich zu gewinnen, bisher nicht.

Viel Luft nach oben

Ein Blick auf die App-Store-Charts zeigt, dass Shpock in seinem Heimatmarkt Österreich (Platz 2 in der Kategorie Lifestyle) und Deutschland (Platz 12) recht gut aufgestellt ist. Stuffle dagegen hat mit Rang 66 in Österreich und Rang 64 in Deutschland (jeweils in der Kategorie Lifestyle) noch viel Luft nach oben. Gleiches gilt für Osom, das lediglich in Schweden einen mittelmäßigen 39. Platz in der Lifestyle-Kategorie belegt. Ähnlich sieht das Kräfteverhältnis auch im Google Play Store aus (Stuffle und Shpock stehen auch für Android bereit, Osom bisher nicht).

Monetarisierung oder schneller Exit

Von den ganz großen, viele Märkte einbeziehenden Erfolgen sind alle Protagonisten bisher noch weit entfernt. Doch mit Finanzierungen im niedrigen bis mittleren sechsstelligen Bereich sowie bisher nicht existenten Umsätzen sind die Firmen gezwungen, mit den vorhandenen Ressourcen zu haushalten und ihr Wachstum langsam voranzutreiben. Von sämtlichen Akteuren ist zwar zu vernehmen, dass sie bald auch ihre Monetarisierung anschieben wollen, etwa durch die Implementierung eines Bezahlsystems innerhalb der Apps, das ihnen Beteiligungen an Transaktionen ermöglicht. Vorstellbar ist aber auch, dass den ein oder anderen Gründer die Hoffnung auf einen schnellen Exit antreibt - was sie freilich nicht zugeben würden.

Interessenten gibt es bereits. Wir hören, dass ein nordeuropäisches Medienhaus derzeit mit einer Beteiligung in diesem Segment liebäugelt. Mit eBay existiert zudem ein potenter Wettbewerber, der zwar eine eigene Kleinanzeigen-App anbietet, aber deutlich vom Coolness- und Trend-Faktor der Branchenneulinge profitieren könnte. eBays Anwendung macht optisch einen exakt so langweiligen, einfallslosen Eindruck, wie ihr Name "eBay Kleinanzeigen" es erahnen lässt. Ebenfalls als Käufer in Frage kommen sämtliche Unternehmen, die in irgendeiner Form im Kleinanzeigengeschäft oder verwandten Segmenten tätig sind.

Die Zukunft des digitalen Flohmarkts ist wie die aller anderen Bereiche des Webs mobil. Stuffle, Shpock und Osom haben den Vorteil, von vornherein für den Handel von unterwegs geschaffen worden zu sein und keinen mentalen und strukturellen Ballast aus dem Desktop-Business mit sich herumtragen zu müssen. /mw

Offenlegung: Der Autor dieses Artikels schreibt gelegentlich Blogbeiträge für Twingly, wo einer der Mitgründer von Osom in der Vergangenheit beschäftigt war.

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