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11.05.12

Stuffle: Flohmarkt in der Hosentasche

Stuffle, die erste eigenständig entwickelte App der Beteiligungsgesellschaft von Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz, will den Flohmarkt aufs Smartphone bringen. Das Konzept wirkt simpel aber solide, nun müssen die Nutzer anbeißen.

Jeder von uns hat irgendwann einmal das Bedürfnis, Raum für neue Einrichtungsgegenstände zu schaffen, sich von einem alternden Gadget zu trennen oder sonstige Dinge loszuwerden, die sich nicht mehr als besonders nützlich erweisen. Wege, um derartige Sachen spontan zu veräußern, gibt es sehr viele. Doch entweder erfordern sie wie der Flohmarkt ein gewisses Zeitinvestment oder wie Onlinemarktplätze einen längeren Prozess, um eine Kleinanzeige aufzugeben und mit Interessenten zu interagieren - mitunter funktioniert dies dann auch nur über einen herkömmlichen Rechner, der vielleicht gerade nicht verfügbar ist.

Digital Pioneers (DP), die Beteiligungsgesellschaft von Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz, sieht in jedem Fall deutlichen Verbesserungsbedarf, was das unkomplizierte mobile Verkaufen und Ankaufen von Gegenständen aller Art angeht, und hat deshalb in dieser Woche die iPhone-App Stuffle lanciert. "Stuffle bringt den Flohmarkt auf das Smartphone", so die unmissverständliche Selbstbeschreibung des Dienstes, dessen Funktionsumfang ungefähr so ausfällt, wie man ihn sich vorstellt:

Nutzer der App - die einen Login über Facebook erfordert - können in sehr wenigen Schritten standortbasierte Kleinanzeigen aufgeben, die aus einer Überschrift, einer kurzen Produktbeschreibung, einem Foto und dem geforderten Preis bestehen. Dieser darf auch bei null liegen. Eingetragene Gegenstände tauchen anschließend für andere Stuffle-Anwender in der Umgebung in visueller Listen- und Kartenform auf. Wer sich für ein Angebot interessiert, kann dies über die jeweilige Produktseite entweder direkt akzeptieren oder einen Verhandlungsprozess einleiten, um den Preis herunterzuhandeln. Einigt man sich oder hat man die Konditionen von vorne herein akzeptiert, ist die Arbeit von Stuffle getan - Käufer und Verkäufer müssen dann einen Übergabeort und -Zeitpunkt bestimmten, an dem auch die Bezahlung erfolgt.

Man merkt es an der kurzen Erläuterung der Funktionsweise: Stuffle zeigt sich weder technisch noch konzeptionell besonders originell. Das jedoch ist nicht wirklich ein Problem, denn eine überzeugende mobile Flohmarkt-Applikation muss gar nicht unzählige Elemente höchster Innovations- und Programmierkunst mitbringen. Nein, ein mobiler Flohmarkt muss vor allem zwei Dinge erfüllen: Optisch und in der Bedienung möglichst jeden Menschen ansprechen können UND von einer maximalen Zahl an Personen frequentiert werden. Wie es mit blutjungen Apps nun einmal so ist, fehlt es noch an einer kritische Masse. Das erstgenannte Kriterium aber erfüllt Stuffle schon einmal: Die App sieht nett aus und sollte eigentlich keinen Smartphone-Besitzer mit Fragen zum grundsätzlichen Ablauf zurücklassen. Eine kurze Tour beim erstmaligen Starten der App wäre allerdings dennoch wünschenswert, weil es weniger versierten Anwendern - und diese dürfen von einer Flohmarkt-Anwendung nicht vernachlässigt werden - einen schnelleren Einstieg erlauben würde. Persönlich vermisse ich auch eine Suchefunktion. Allerdings wollen die Stuffle-Macher ja gerade zum Stöbern animieren und richten sich weniger an Nutzer mit zielgerichteten Kaufanliegen.

Die Herausforderung wird darin liegen, hinreichend viele Anwender auf Stuffle aufmerksam zu machen, sie dazu zu bewegen, einmal selbst etwas über die App feilzubieten und dann auch ab und an nachzuschauen, ob andere Anwender begehrenswerte Dinge loswerden wollen. Langfristig kann Stuffle nur funktionieren, wenn zumindest in Ballungsgebieten sowohl hinreichend viele Anbieter als auch Nachfrager von der Applikation Gebrauch machen.

Auch muss sich zeigen, wie ernsthaft eingetragene Angebote und signalisierte Kaufintentionen am Ende wirklich sind. Laut Stuffle-Geschäftsbedingungen (die innerhalb der App nirgends verlinkt zu sein scheinen) ist der Käufer zwar verpflichtet, den in der Verkaufsanzeige dargestellten Gegenstand zu verkaufen, während der Verkäufer ebenfalls zu einem rechtsgültigen Kaufvertrag mit entsprechenden Pflichten einwilligt. Allerdings war mir das nicht wirklich klar, als ich spaßenshalber eine leere Wasserflasche bei Stuffle zum Preis von null Euro eintrug. Das farbenfrohe, sympathische Design und die Abwesenheit langer Hinweistexte animieren zum unverbindlichen Herumspielen, was zwar einerseits ein positives Zeichen darstellt, andererseits jedoch der Seriosität der Angebote hinderlich sein kann. Zumal wohl nur die wenigsten nicht eingehaltenen Kaufverträge zu juristischen Konsequenzen führen würden - stattdessen hätten zu viele negative Erfahrungen der Anwender zur Folge, dass sie sich von Stuffle zurückziehen.

Stuffle ist die erste App, die von DP selbst konzipiert und entwickelt wurde. Jüngst hatte der Inkubator mit AppMe ein Projekt unterstützt, das allerdings sofort als eigene GmbH mit dediziertem Team an den Start ging. Der mit Stuffle gewählte Weg soll jedoch zum typischen DP-Ansatz werden: Ein Team von rund einem Dutzend Programmierern entwickelt unter interner Leitung neue Onlinedienste, die anschließend auf dem Markt getestet werden. Entsprechen die anfänglichen Nutzungsmetriken den Vorstellungen des Inkubators, kommt es zur Ausgründung des jeweiligen Dienstes als eigenständiges Startup mit einem hinzugezogenen "Gründer" beziehungsweise Geschäftsführer. Stellt sich kein initialer Erfolg ein, dürfte sich die Lebensdauer eines Projektes in Grenzen halten.

Im Falle von Stuffle hängt dessen Zukunft nun nicht mehr so viel an den Entwicklern als mehr an DPs Marketingteam, das alle Register ziehen muss, um die App in einen Downloadhit zu verwandeln. Eine Android-App ist gepant. Ob diese realisiert wird, entscheidet sich ausgehend davon, wie das Debüt von Stuffle verläuft , heißt es bei DP.

Weitere Meinungen zu Stuffle findet ihr bei den netzpiloten und bei Etailment .

Link: Stuffle

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