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12.08.09

studiVZ: Daten von Google Ad Planner nicht relevant für uns

Meedia verkündet Facebook als Social-Network-Nummer Eins in Deutschland auf Grundlage von Daten des Google Ad Planners. StudiVZ widerspricht dem wenig überraschend und hat wohl recht.

studivzMit dem Google Ad Planner können Werbetreibende Websites miteinander vergleichen und als Entscheidungsgrundlage für ihre Werbeschaltungen nutzen. Websitebetreiber, welche Google Analytics benutzen, können diese Daten in den Google Ad Planner zum Teil einfliessen lassen. Wo Google die Daten herbekommt, wenn das nicht geschieht, gibt der Internetriese nicht an. Wer hierzu mehr Informationen hat: über Hinweise in den Kommentaren dazu würde ich mich freuen. Update: siehe hierzu auch den Kommentar von Jens Schröder /Update

In einigen Fällen wird Google Suchverhalten und Klickraten auf die tatsächliche Nutzung extrapolieren, wenn die entsprechenden Sites etwa keine Google Ads einsetzen, deren Zugriffe Google ebenfalls auswerten könnte.

Das alles muss man wissen, um zu verstehen, dass die Zahlen, die der Google Ad Planner ausgibt, mal mehr, mal weniger zutreffend sein können.

Im Branchendienst Meedia hat Jens Schröder die aktuellen Zahlen des Google Ad Planners verglichen und kommt zum Ergebnis: Facebook nun auch Nr. 1 in Deutschland unter den Social Networks. Demnach liegt Facebook nun mit 7,4 Millionen Unique Visitors an erster Stelle, gefolgt von studiVZ mit 6,8 Millionen und schuelerVZ mit 6,7 Millionen Besuchern.

Wer diesen Artikel von Schröder nicht kennt, wird ein wenig verwundert auf den aktuellen Blogeintrag bei studiVZ geschaut haben. Dort schrieb man nämlich heute ohne Bezug auf das auslösende Ereignis zu nehmen:

Für die VZ-Netzwerke schülerVZ, studiVZ und meinVZ sind die Ergebnisse des Google Ad Planners nicht aussagekräftig. Das Verfahren berücksichtigt keine Internetseiten, die nicht von Google durchsucht werden und in die auch kein Code von Google eingebunden ist. Da die Inhalte der VZ-Netzwerke zum Schutz der Privatsphäre nicht bei Google auftauchen, werden sie auch nicht gemessen. Lediglich die Startseite, Presseinformationen, Edelprofile und AGBs können gegoogelt werden.

(Das ist der gesamte Blogeintrag.)

Die Argumente von studiVZ sind zutreffend: Die einzelnen Seiten der VZ-Netzwerke sind für Google unsichtbar. Da die Seiten weder indiziert werden (und somit keine direkten Klickraten einbezogen werden können) und keine Google-Dienste innerhalb der VZ-Familie zum Einsatz kommen, kann der Google Ad Planner die Zugriffe nur auf einem sehr dünnen Datenfundament aufbauend bestimmen. Das Gleiche gilt im übrigen auch recht ähnlich für Facebook.

Die Aussagen des Google Ad Planners bezüglich Facebook, der VZ-Familie und anderen geschlossenen Sites ohne Google-Anbindung sind also mit Vorsicht zu geniessen.

Ein direkter Vergleich, der annähernd akurat wäre, wäre nur gegeben, wenn eine unabhängige Drittpartei, wie etwa die IVW, die Sites direkt messen würde.

Selbst die Angaben zu den aktiven Nutzern, die Facebook regelmäßig veröffentlicht, sind Zahlen, die man dem Unternehmen blind glauben muss.

Genaue Zahlen für eine Vergleichsgrundlage sind also für Außenstehende entweder schwer oder gar nicht zu bekommen. Die verschiedenen Möglichkeiten, die einem offen stehen, sind oft kaum mehr als Krücken. Google Ad Planner dürfte in diesem Fall sogar eine ausgesprochen schlechte Krücke sein.

Ist Facebook nun Social-Network-Nummer Eins in Deutschland oder nicht? Alle Anzeichen sprechen eher dagegen. Aber ohne eine Vergleichsgrundlage kann man das nicht sagen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nichts genaues weiß man nicht.

Davon abgesehen:

Facebook entwickelt sich stetig weiter und versteht sich weniger als "klassisches Social Network" und mehr - richtigerweise - als Grundlage, als Tool, für zwischenmenschliche Beziehungen und Interaktionen über das Netz und treibt dementsprechend die Entwicklung ohne Scheuklappen voran. Währenddessen scheint die VZ-Familie vor allem damit beschäftigt, den Kopf irgendwie über dem Wasser zu halten.  Hierzulande tritt das Facebook von heute gegen ein in Rot getünchtes Facebook von 2006 an.

Überhaupt "VZ-Familie": Die Auftrennung in studiVZ und meinVZ, die das einfach zu bedienende Netzwerk unnötig verkomplizierte, dürfte der langfristigen Entwicklung massiv geschadet haben. Das und praktisch ein Stillstand bei der technischen Weiterentwicklung, von eher feigenblattesken Ausnahmen abgesehen, deutet auf das Unvermeidliche: studiVZ wird von Facebook, dem größten Social Network der Welt, irgendwann überrollt. Das mag heute noch nicht der Fall sein. Aber die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wann.

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