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22.09.10

studiVZ-Chef Clemens Riedl: "Wir sind Deutschlands größte Spieleplattform"

Seit Dezember 2009 gibt es Applikationen bei den drei VZ-Netzwerken studiVZ, meinVZ und schülerVZ. Mittlerweile ist VZ Deutschlands größte Spieleplattform, so CEO Clemens Riedl.

 

Am Montag äußerte sich Clemens Riedl, Chef der VZ-Gruppe, im Interview mit RP Online über die aktuellen Rahmenbedingungen für Social Networks, Geschäftsmodelle und Datenschutz. Was er offen ließ, war die Entwicklung des neuen VZ-Heilsbringers, der App-Plattform. Seit einigen Monaten stellt das Unternehmen Entwicklern eine Payment-Funktionalität zur Verfügung, so dass diese über ihre Applikationen Güter (virtuell oder physisch) an Nutzer verkaufen können. Uns beantwortete der im Februar 2010 angetretene studiVZ-CEO einige Fragen rund um die App-Plattform.

Seit Dezember 2009 können Nutzer von studiVZ, meinVZ und schülerVZ Applikationen zu ihren Profilen hinzufügen. Wie lautet Ihr bisheriges Fazit?

Unser Open-Social-Konzept hat sich seit dem Start extrem erfolgreich entwickelt: Als einziges deutsches Unternehmen haben wir es geschafft, uns als App-Store auf dem deutschen Markt erfolgreich zu etablieren. Sowohl für unsere Nutzer, als auch für nationale und internationale Entwickler.

Clemens RiedlAnders als bei Facebook müssen Anwendungen vorab von der VZ-Gruppe freigegeben werden. Wieso haben Sie diesen Ansatz gewählt?

Im Gegensatz zu den anderen großen Playern Apple und Facebook setzen wir auf Qualität statt Quantität. Wir wollen Klasse statt Masse. Wir nehmen bei jeder App eine Qualitätsprüfung vor und entscheiden, ob die jeweilige App zu uns, zu unserer Strategie bzw. unseren Nutzern passt. Zudem spielt Datenschutz eine Rolle. Mit unseren personalisierten „Visitenkarten“, mit denen die Nutzer jederzeit die volle Kontrolle über die eigenen Daten behalten, haben wir einen guten Weg für Nutzer und Entwickler gefunden. Das ganz Konzept zahlt sich in zweierlei Hinsicht aus: Unsere Nutzer erhalten ausgewählte, sichere Apps mit echtem Mehrwert und die externen Entwickler haben die Chance mit ihrer App große Erfolge zu feiern.

Die VZ-Netzwerke haben 17 Millionen Nutzer. Facebook hat über 500 Millionen. Warum sollten Entwickler eine App für das viel kleinere Netzwerk entwickeln?

Natürlich stellen sich viele App-Entwickler diese Frage. Doch für VZ und den deutschen Markt gibt es entscheidende Vorteile. Wer es bei uns durch die Qualitäts-Auswahl schafft, hat große Chancen, sehr erfolgreich zu werden: Bei uns gehen gute Apps nicht in einer unüberschaubarer Masse an Apps unter, sondern erhalten hohe Aufmerksamkeit und werden sehr aktiv genutzt. App-Anbieter müssen bei uns im Gegensatz zu Facebook nicht Millionen an Werbegeldern in die Hand nehmen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Der Aufwand, die App „FrontierVille“ (zweiter großer Hit von Zynga) bei Facebook groß zu machen, schätzen wir beispielsweise auf ein dreistelliges Millionen-Werbebudget. Außerdem ist der ARPU, also der durchschnittliche Umsatz pro Unique User, in Deutschland extrem hoch.

Wie viele VZ-Mitglieder verwenden Apps?

Aktuell nutzen bereits 5,4 Millionen Mitglieder Apps, also rund 30 Prozent, Tendenz steigend. Aber entscheidend ist insbesondere die hohe Aktivität im Bereich der Spiele: Schon heute zählen wir dort 1,8 Mio. Unique User. Damit sind wir inzwischen Deutschlands größte Spielplattform und liegen u. a. vor den Marktführern jetztspielen.de, gameduell.de oder bigpoint.de (laut Google Adplanner). Trotz des derzeitigen Hypes um Browser-Games setzen wir nur auf echte Social Games, die bei unseren Nutzern extrem gut ankommen

Seit vier Monaten bieten Sie eine Bezahlfunktionalität für Apps z.B. für den Kauf von virtuellen Gütern. Außerdem vermarkten Sie die Anwendungen. Sind Sie zufrieden?

Ja. Apps als Werbeformen haben sich inzwischen erfolgreich etabliert. Und seitdem wir Payment vor vier Monaten gestartet habe, machen wir alleine mit Apps bereits eine Million Euro Außenumsatz pro Monat – und das mit stark steigender Tendenz.

Wie viele Apps bieten VZ von deutschen Entwicklern an?

Insgesamt bieten wir – leider – noch sehr wenige Apps aus Deutschland an, was vor allem an der geringen Anzahl an deutschen App-Entwicklern liegt. Trotzdem haben wir schon sehr innovative Partner hierzulande, die sich stark um die Zukunft kümmern. Ein Beispiel dafür ist Plinga.

Wo sehen Sie die Zukunft, was Applikationen betrifft?

Ganz klar im mobilen Bereich. Mixi, das erfolgreichste japanische Social Network, macht damit schon heute dreistellige Millionen-Umsätze. In Europa haben wir jedoch andere Voraussetzungen: Das mobile Surfen ist hier immer noch sehr teuer. Für VZ haben wir dieses Problem jedoch über unseren neuen VZ-Tarif gelöst, mit dem wir Rahmen unserer Flatrate das Abrufen von zwei VZ-Apps für jeden kostenlos anbieten. Das noch ungelöste Thema ist, dass die meisten Smartphones keinen Flash unterstützen.

Sind Games angesichts der zunehmenden Facebook-Konkurrenz in Deutschland Ihre neue Kernstrategie?

Nein, das wäre zu kurz gedacht. Viele Netzwerke suchen ihr Heil heute in Games, aber als größtes Netzwerk in Deutschland wollen wir mehr. Gaming ist also nur ein wichtiger Baustein einer Gesamtstrategie – dazu bald mehr…

Zum angeblich geplanten studiVZ-Like-Button sowie zu "studiVZ Connect" hielt sich Clemens Riedl trotz Nachfrage bedeckt.

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