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07.12.09

studiVZ-CEO Markus Berger-de León: "studiVZ Connect" kommt

Am heutigen Montag öffnet sich studiVZ für externe Applikationen. Wir sprachen mit CEO Markus Berger-de León über den Freigabeprozess für Entwickler, die Bedrohung durch Facebook und das, was nach dem Start der Plattform kommt.

studiVZLange wurde sie angekündigt, und am heutigen Montag ist es soweit: studiVZ öffnet seine auf OpenSocial basierende Entwicklerplattform. Bis zu 15 Apps von pizza.de über spickmich und steereo sind zum Start dabei und können von den Mitgliedern von studiVZ (6 Mio Mitglieder), schülerVZ (5,5 Mio) und meinVZ (4,2 Mio) in ihre Profile integriert werden. Die Anzahl der verfügbaren Applikationen variiert dabei von Netzwerk zu Netzwerk.

Um den Datenschutz zu gewährleisten, muss vor der Installation einer Applikation auf dem eigenen Profil eine Visitenkarte angelegt werden, in der Mitglieder festlegen, auf welche Daten eine Anwendung zugreifen kann. Theoretisch können User für jede App eine neue Visitenkarte erstellen.

Auf diese bei sozialen Netzwerken bisher einzigartige Lösung ist Markus Berger-de León besonders stolz. In einem halbstündigen Interview hatte ich heute die Möglichkeit, den studiVZ-CEO näher zum Thema OpenSocial, zur Zukunft von studiVZ und zur Bedrohung durch Facebook zu befragen.

Visitenkarte mit Datenfreigabe für Applikationen

Anders als erwartet möchte studiVZ grundsätzlich jedem Entwickler die Möglichkeit bieten, auf den VZ-Plattformen präsent zu sein. Auch Applikationen von Konkurenzangeboten werden nicht kategorisch ausgeschlossen, wobei man sich mit Freigabekriterien ganz im Stile des Apple App Stores die Möglichkeit offen hält, Anwendungen abzulehnen.

Zu den Kriterien, die für eine Freigabe erfüllt werden müssen, gehören das Vorhandensein eines klaren Zusatznutzens für die User, das Berücksichtigen rechtlicher Aspekte (wie z.B. Impressumspflicht und Einhaltung der Datenschutzrichtlinien) sowie eine saubere Programmierung gemäß der technischen Spezifikationen. Entwickler, die mit ihrer Anwendung auf den VZ-Plattformen vertreten sein möchten, können sich registrieren, mit der Sandbox experimentieren und ihre fertige App zur Freigabe übermitteln.

Wer will, kann seine Applikation durch studiVZ vermarkten lassen. 30 Prozent des Umsatzes gehen an das Berliner Unternehmen, 70 Prozent an den Betreiber der Anwendung - Apple lässt grüßen. Eigens eingebundene Anzeigen sind nicht gestattet.

studiVZ CEO Berger-de LeónIn den Augen von Markus Berger-de León ist das neue VZ-Feature vor allem für solche Entwickler und Websites interessant, die sich auf Anwender im deutschsprachigen Raum konzentrieren. Während er zugibt, über Facebook eine internationale Zielgruppe erreichen zu können, ist die VZ-Gruppe weiterhin das mitgliederstärkste Social Network in den deutschsprachigen Märkten. Auch hebt er das kontrollierte Umfeld hervor, in dem Apps mit schlechten Intentionen, wie es sie auf Facebook - wo keine formelle Freigabe notwendig ist - häufiger gibt, von vorn herein keine Chance haben. Das wiederum stelle die vorhandenen Anwendungen in ein besseres, seriöseres Licht.

In einigen Monaten wird studiVZ außerdem ein Bezahlsystem starten, welches Entwicklern das Anbieten von Premiuminhalten oder -funktionen gegen Entgelt ermöglicht. Mitglieder, die beispielsweise virtuelle Güter kaufen wollen, können dann ihre Zahlungsdaten bei studiVZ hinterlegen. Das Netzwerk übernimmt die Abrechnung, Abbuchung sowie Auszahlung an die Entwickler - Beitreiber von Applikationen erhalten also keinen Zugriff auf die Kontodaten der Nutzer. Auch hier behält die VZ-Gruppe 30 Prozent des Umsatzes.

studiVZ-CEO Berger-de León erhofft sich von der OpenSocial-Plattform neben weiterem Nutzerwachstum eine steigende Mitgliederaktivität, sprich häufigere Logins sowie eine längere Aufenthaltsdauer. Mittelfristig hält er 1000 Applikationen in den VZ-Netzwerken für nicht unrealistisch.

Zwar liegt studiVZ mit der Öffnung seiner Plattform rund zweieinhalb Jahre hinter Facebook, doch Berger-de León sieht dies nicht als einen Nachteil: "Die speziellen Anforderungen an den Datenschutz machen eine lange und sorgfältige Vorbereitung notwendig. Nun haben wir aber auch die Gewissheit, den Mitgliedern eine innovative und sichere Lösung anbieten zu können." Spätestens seit dem Datenleck bei schülerVZ weiß das Unternehmen, welche unangenehmen Auswirkungen eine mangelnde Sicherheit der Nutzerdaten haben kann.

Facebook hält Berger-de León gar nicht so sehr für eine Konkurrenz: "studiVZ und Facebook können friedlich koexistieren." Mit Andeutungen zu einer eigenen studiVZ-Applikation bei Facebook möchte er diese Aussage unterstreichen. Facebook sei stark technisch geprägt, während die VZ-Netzwerke den Mitgliedern Orientierung geben wollen, wie beispielsweise mit der Wahlzentrale. Zudem sieht er Facebook stärker in Richtung Twitter und öffentliche Kommunikation gleiten. "studiVZ wird auch weiterhin ein Ort für die private Kommunikationen bleiben", so der studiVZ-CEO.

Der nächste logische Schritt nach einer Öffnung für Applikationen ist für Markus Berger-de León eine Art Login-System für externe Seiten, ähnlich Facebook Connect. Zwar möchte er sich noch nicht zu Details äußern, aber bestätigt entsprechende Pläne und erwähnt namentlich das bekannte, aber mit Akzeptanzproblemen kämpfende Single-Sign-On-System OpenID - ob nur beispielhaft oder als Hinweis auf eine bevorstehende Unterstützung von OpenID durch studiVZ, ist unklar.

Während das in letzter Zeit deutlich angezogene Innovationsniveau der VZ-Netzwerke für Nutzer und das Web positiv ist, geht es kaum verwunderlich auf Kosten der Profitabilität. Trotz einiger "positiver Monate" schreibt die Gruppe über das Jahr gesehen weiterhin rote Zahlen. Mit einer Bezahlplattform in der Pipeline und dem Verkauf von virtuellen Gütern in Aussicht haben die Berliner aber immerhin ein Eisen im Feuer, welches sich sehr positiv auf die nächste Bilanz auswirken könnte.

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