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16.06.11

Studien rund um Streaming und digitale Downloads: Im Netz spielt die Musik

Zwei aktuelle Studien beleuchten die Nutzungsmuster und Einstellungen der deutschen User rund um den Konsum von Musik. Offensichtliche und überraschende Erkenntnisse wechseln sich ab.

 

Foto: stock.xchngWenn es nach einschlägigen Onlinediensten wie simfy oder Spotify geht, ist Streaming die Zukunft des Musikkonsums. Ich würde mich dieser These anschließen. Der kostenpflichtige Erwerb von MP3-Dateien zum Beispiel über iTunes stellt lediglich einen Zwischenschritt beim Prozess des Übergangs vom Modell physischer Tonträger zu digitalen Tönen dar.

Der einzelne Song ist angesichts von Millionen von online verfügbaren Titeln (auf legalen sowie illegalen Wegen) nicht mehr länger ein Objekt, dem sich aus Hörersicht ein signifikanter monetärer Wert zuordnen lässt. Auch wenn das Umsatzvolumen kostenpflichtiger Downloads absolut gesehen wächst, wird für eine steigende Zahl von Netzbürgern der unbegrenzte und geräteunabhängige On-Demand-Zugriff auf Millionen von Titeln zur attraktiveren Option (was natürlich vorrangig für massenkompatible Musik gilt und gewisse, von Streamingservices vernachlässigte Genres ausklammert).

Doch wie groß das Potenzial von On-Demand-Diensten tatsächlich ist, dazu gab es bisher sehr wenige konkrete Erkenntnisse. Zwei aktuelle Studien bringen nun etwas mehr Licht ins Dunkel.

Anfang Juni veröffentlichte media control eine kurze Pressemitteilung zu einer durchgeführten Umfrage unter deutschen Internetnutzer ab 15 Jahren (genauere Angaben zur Repräsentativität gibt es nicht). Demnach verwenden bereits 28 Prozent der "Onliner" Streaming-Dienste, was neben den genannten On-Demand-Angeboten aber auch personalisierte Radioservices wie Last.fm oder Aupeo sowie die Onlinestreams von Radiosendern beinhaltet.

75 Prozent derjenigen, die Musik über das Netz streamen, verwenden laut media control grundsätzlich nur kostenfreie Angebote. Beim Blick auf kostenpflichtige Dienste führt simfy das Popularitätsranking an: 34 Prozent derjenigen, die für Streaming zahlen, machen dies bei simfy (das eine Gratis- und eine Bezahlvariante bietet), dahinter folgen Napster mit 30 Prozent, Musicload Nonstop mit 27 Prozent und Spotify - das in Deutschland offiziell noch gar nicht verfügbar ist - mit sieben Prozent.

Gerne hätten wir an dieser Stelle noch weitere Erkenntnisse der media-control-Untersuchung vorgestellt, aber 870 Euro zzgl. Mehrwertsteuer für die Studienergebnisse war uns doch etwas zu teuer.

Da kam uns eine zweite Studie zum Thema ganz gelegen: simfy hat bei forsa.omninet nämlich selbst eine Untersuchung rund um den digitalen Musikkonsum in Auftrag gegeben, die zudem eindeutig als repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (zwischen 14 und 39 Jahren) ausgewiesen wird. Das Kölner Startup hat uns einen detaillierten Bericht zu der Studie zukommen lassen. Hier sind einige der teils überraschenden, teils offensichtlichen Ergebnisse:

  • 84 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich der Musikkonsum über das Internet durchsetzen wird (was sowohl Downloads als auch Streaming umfasst).
  • Für 60 Prozent soll Musik möglichst einfach zugänglich und verfügbar sein.
  • 35 Prozent sprechen Downloads das größte Zukunftspotenzial zu, 28 Prozent Streaming und 26 Prozent beiden Ansätzen.
  • 73 Prozent hören Musik über den PC.
  • Das Autoradio ist das beliebteste Empfangsgerät für Musik (genannt von 26 Prozent), dahinter folgen PC/Laptop mit 22 Prozent der Nennungen und Handy/Smartphone, was für 8 Prozent die präferierte Quelle für Musik darstellt.
  • Von den Personen, die Musik am PC/Laptop hören, geben 83 Prozent Songs von der eigenen Festplatte wieder, 50 Prozent nutzen auch On-Demand-Streaming (dieser Wert beinhaltet auch YouTube-Videos) und 44 Prozent Internetradio.
  • YouTube wird von 63 Prozent der Befragten zum Musikkonsum genutzt (was den 50-Prozent-Wert beim zuvor erläuterten Punkt fehlerhaft erscheinen lässt), iTunes von einem Viertel, Last.fm von 6 Prozent (bei einer beachtlichen Bekanntheit von 24 Prozent), Napster von 3 Prozent (Bekanntheit 53 Prozent), simfy von einem Prozent (Bekanntheit 6 Prozent) und Grooveshark von einem Prozent (Bekanntheit 2 Prozent). Diese Ergebnisse stehen also im Gegensatz zu den Erkenntnissen der media-control-Untersuchung).
  • 47 Prozent finden, dass Musik im Internet immer kostenfrei sein sollte, 81 Prozent behaupten jedoch, ausschließlich legale Musikportale zu besuchen.
  • Präferenzen des Musikkonsums sind eine Generationenfrage. Je jünger die Konsumenten sind, desto größer ist die Zuneigung zu von physischen Tonträgern unabhängiger Musik.

Ein Fazit der repräsentativen Untersuchung lautet daher, dass digitaler Musik wenig überraschend die Zukunft gehört, und dass Konsumenten das größte Potenzial in den Verfahren sehen, die sie kennen. Lediglich 8 Prozent bevorzugen Mobiltelefone als Musikquelle - was wohl etwas unter der Smartphone-Dichte liegen dürfte.

Sollte dieser Wert zunehmen (oder ganz allgemein der internetbasierte Musikkonsum über Smartphones mehr Anhänger finden), dürften davon vor allem Streaminganbieter profitieren - denn so würde sich die Notwendigkeit zum manuellen Abgleichen von Musik zwischen Geräten erübrigen.

Für Streamingdienste gilt es, weiter an ihrer Bekanntheit zu arbeiten. Und wem es zuerst gelingt, serienmäßig und im großen Stil einen Weg ins Auto zu finden und dort das herkömmliche Radio zu verdrängen, dessen Nutzerzahlen werden explodieren.

(Foto: stock.xchng)

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