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19.01.11Leser-Kommentare

Studie: Social Networking bereichert das reale soziale Leben

Eine umfangreiche Studie von Pew Research belegt, dass sich die Nutzung des Internets sowie sozialer Netzwerke positiv auf die Gruppenzugehörigkeit und den Umgang mit anderen Menschen auch im realen Leben auswirkt.

 

Mein Artikel mit Antworten auf sieben gängige Facebook-Plattitüden hat für reichlich Reaktionen und Zündstoff gesorgt. Dass es in der Kommentardiskussion zu den von mir in Frage gestellten Plattitüden nicht nur sachlich zugehen würde, war absehbar. Stattdessen wurde auf meine Plattitüdenkritik teils mit neuen Pauschalaussagen reagiert, die ebenfalls gut in den Beitrag gepasst hätten.

Eine davon ist der seit dem Aufkommen des Internets immer wieder in die Debatte gebrachte Ratschlag, keine Zeit mit dem Web bzw. Social Networks zu verschwenden und stattdessen "lieber rauszugehen und Spaß zu haben".Wer selbst aktiv bei sozialen Netzwerken präsent ist und nur ein Quäntchen soziale Kompetenz mitbringt, der weiß, dass diese unreflektierte Aussage auf einer sehr einseitigen Betrachtungsweise basiert und die Tatsache ignoriert, dass sich durch Social Networking im digitalen Raum das reale soziale Leben erheblich bereichern lässt (erst recht, seit man auch mit dem Mobiltelefon von unterwegs netzwerken kann).

Doch letztlich kann man noch so oft die eigene Erfahrung unterstreichen, durch digitale Netzwerke zahlreiche neue Freunde und gute Bekannte im realen Leben gewonnen zu haben - notorische Zweifler mit über viele Jahre hartnäckig verteidigten vorgefertigten Meinungen überzeugt dies nicht (was gewisserweise verständlich ist, denn individuelle Erfahrungen sagen mitunter wenig über das Gesamtbild aus).

Insofern freue ich mich über seriöse Studien, die statistisch belegen, dass sich die Präsenz bei Online-Netzwerken tatsächlich positiv auf die sozialen Aktivitäten im realen Leben auswirkt. Eine aktuelle Untersuchung der Marktforscher von Pew Research tut dies.

Die Pew-Forscher haben auf Basis von 2.303 Telefoninterviews mit US-Amerikanern über 18 Jahren die "soziale Seite des Internets" unter die Lupe genommen (die maximale Abweichung der Resultate vom US-Durchschnitt wird mit maximal 2,3 Prozentpunkten angegeben). Zentraler Gegenstand der Studie war der Einfluss des Internets auf die Aktivität von 27 unterschiedlichen zivilen, sozialen sowie religiösen Gruppen (die Top-5-Nennungen: kirchliche/spirituelle Organisationen, Sportvereine, Verbraucherclubs ["Consumer Groups"], gemeinnützige Organisationen, berufliche/geschäftliche Netzwerke).

75 Prozent der Teilnehmer zählten sich zu mindestens einer Gruppe. Während unter den Internetnutzern 80 Prozent der Befragten angaben, Mitglied mindestens einer zivilen, sozialen oder religiösen Gruppe zu sein, traf dies lediglich auf 56 Prozent derjenigen zu, die nicht regelmäßig online gehen. Und während 82 Prozent der Nutzer sozialer Netzwerke sowie 85 Prozent der Twitter-User mindestens eine Gruppenzugehörigkeit bejahten, traf dies nur auf 77 Prozent der Internetnutzer ohne Mitgliedschaft bei einem Social Network bzw. 79 Prozent derjenigen ohne Twitter-Aktivität zu.

Weitere erwähnenswerte Resultate:

  • 69 Prozent der Internetnutzer gaben an, innerhalb der vergangenen 30 Tage eine Zusammenkunft oder Veranstaltung der jeweiligen Gruppe besucht zu haben. Bei den Offlinern traf dies lediglich auf 54 Prozent zu.
  • Nutzer von Social Networks und Twitter attestieren dem Internet einen deutlich größeren Einfluss auf ihre Möglichkeiten, mit Gruppen zu interagieren, als User ohne Konten bei Facebook, Twitter & Co.

  • 24 Prozent der befragten Internetnutzer gaben an, zu mindestens einer Gruppe über das Internet gefunden zu haben. 75 Prozent hingegen wurden bei keiner der für sie relevanten Gruppen in Folge der Webnutzung Mitglied.
  • 46 Prozent der befragten Internetnutzer gaben an, dank des Webs innerhalb von mehr Gruppen aktiv sein zu können, als dies sonst der Fall gewesen wäre. 53 Prozent sahen hier keinen Einfluss des Internets.
  • 7o Prozent der befragten Internetnutzer unterstrichen, dass das Internet keine Auswirkung auf die Zeit hat, die sie innerhalb ihrer Gruppen verbringen. 23 Prozent gaben dagegen an, durch das Netz mehr Zeit mit ihren Gruppen zu verbringen als vorher, 6 Prozent stellten eine Verringerung ihres zeitlichen Engagements in Gruppen in Folge der Onlinenutzung fest.

Fazit:

Die Pew-Studie verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Onlinenutzung und Aktivitäten in zivilen, religiösen sowie sozialen Gruppen: Demnanch sind Onliner aktiver in Gruppen als Offliner. Die Teilnahme an Gruppen wiederum ist ein Garant dafür, im realen Leben andere Menschen zu treffen.

Die Studie schließt damit zwar nicht aus, dass es im Falle einer extremen Nutzung von sozialen Netzwerken und virtuellen Welten zu Suchtzuständen und einer tatsächlichen sozialen Isolation kommen kann (was letztlich für fast jede Art von Abhängigkeit gilt), zeigt aber, dass sich Aktivitäten im (Social) Web in der Regel positiv und nicht negativ auf das reale Leben, auf die Zugehörigkeit in Gruppen sowie auf die Intensität des Umgangs mit anderen Menschen auswirken. Oder anders formuliert: Social Networking und "rausgehen und Spaß haben" schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich hervorragend.

Ein PDF mit den vollständigen Studienergebnissen gibt es hier.

via ReadWriteWeb

(Illustration: stock.xchng)

Kommentare

  • Nerddeutschland

    19.01.11 (08:40:21)

    Bevor man über etwas diskutiert, sollte man wissen worum es geht. Umfrageergebnisse als Argumentationsgrundlage sind immer gern dem Totschlagargument der "beeinflussten oder manipulierten Statistik" ausgesetzt. Bevor also jemand auf diesem Ross hier reingeritten kommen will, kurz ein paar Anmerkungen: - die Methodiken sind auf den Seiten 38-40 wiedergegeben. Allesamt anerkannt. - die Stichprobengröße von 2303 Personen ist ebenfalls ausreichend. In Deutschland gelten für bundesweite Umfragen >=1000 Teilnehmer als repräsentativ, gemäß der größeren Bevölkerung der USA ist die Stichprobengröße angessen. - der Anbieter ist eine seriöse NPO, das einzige was man dem Ergebnisbericht ankreiden könnte, ist die Tatsache, dass die Fragen nicht im originalen Wortlaut mit in den Ergebnissen abgebildet wurden. Das ist bei telefonischen Umfragen wichtig, um anhand der Intention/Konnotation eine mögliche Einflussnahme des Interviewers festmachen zu können. Da Fragestellung jedoch eine Wissenschaft/Kunst für sich darstellt, werden diese in öffentlichen Reports nicht mit veröffentlicht. Interne Adressaten werden einen anderen Report bekommen, in denen die Fragen im Original mit dargestellt werden. In öffentlichen Reports schützt man jedoch sein KnowHow. Fazit: Ich halte die Erhebung für seriös und aussagekräftig. Wer diese in ihrem Aussagegehalt anzweifeln möchte, nur um damit seine Gegenposition (die ich teilweise auch vertrete,mehr dazu in der Mittagspause) zu untermauern, sollte das schon fachlich begründen können. Viel Spaß bei der Debatte! mobil versendet

  • Martin Weigert

    19.01.11 (08:52:21)

    Oh, danke für die präventive Unterstützung ;)

  • Dennis

    19.01.11 (09:57:53)

    Sehr interessanter Beitrag Martin. Wenn ich so darüber nachdenke, kann ich das sogar in meinem Bekanntenkreis beobachten. Ich kenne nur sehr wenige Leute die wirklich was mit sozialen Netzwerken anfangen können - die sind aber auch *offline* ausnahmslos extrem aktiv.

  • André Luce

    19.01.11 (12:13:18)

    Danke für Beitrag und Hinweis zur Studie. Großes Bedenken habe ich bei der gewählten Überschrift. Die Verwendung von "real" für offline (und "virtuell" für online - auch oft gelesen) hält die Annahmen aufrecht, dass online nur heiße Luft ist und irreal, ja wertlos. Vielmehr ist es aber so, dass "sozial" keinen Unterschied zwischen on- und offline macht (wie auch die Studie zeigt). Gerade bei netzwertig würde ich erwarten, dass die Überschrift z.B. "Social Networking bereichert das soziale Leben auch offline" o.ä. heißt.

  • Marco

    19.01.11 (13:24:41)

    Epic Fail hatte den Beitrag nur überflogen und dachte es geht mal wieder nur über Facebook. Jetzt kann ich meinen Comment weder editieren noch eine delete request schicken. Martin lösche den mal bitte! Hier mein neuer: Ich kann nur wiederholt sagen, ich hatte eine gegenteilige Erfahrung gemacht. Ohne Facebook war bei mir mehr los. Kann sein, dass es für einige anders ist, bei mir war es halt so. Und ja ich habe Kontakte zu vielen Menschen weltweit, was auch heutezutage Pflicht ist. Mit denen habe ich aber schon damals, wie es sich gehört, über das Blackberry geschrieben ;). Online social networking per se ist nichts Schlechtes, wobei mir das Networking von FacetoFace, Telefon, SMS, Email und PIN besser gefällt. Gruß

  • Martin Weigert

    19.01.11 (13:37:21)

    @ André Luce Du hast vermutlich recht, ein guter Punkt, an den ich nicht gedacht habe. @ Marco Done. Ich hatte mich schon über deinen Kommentar gewundert ;)

  • Krani

    19.01.11 (19:05:38)

    Die Überschrift müsste lauten "Social Networking KANN das reale soziale Leben bereichern". Per se tut es das nämlich nicht, es kann sogar das Gegenteil bewirken (z.B. Cybermobbing) Ich glaube, dass die Einflussnahme bei Netzwerken, die sich einem bestimmten Thema/einer Subkultur (Beruf, Autos, Religion, Musik...) widmen größer ist, als bei allgemein ausgerichteten Netzwerken wie Facebook. Bei Facebook pflegen die Mitglieder ihre Kontaktkreise und erweitern diesen (nach meiner Einschätzung) selten allein durch die Plattform. In einer Community für Oldtimer beispielsweise aber sind die Mitglieder eher bewusst auf der Suche nach direkten neuen Kontakten. Facebook bereichert, meiner Meinung nach, das soziale Leben nicht wirklich, aber es kann es behindern, wenn du nicht dabei bist.

  • Marco

    19.01.11 (19:28:43)

    haha jaaa sry war eh ein wenig schlecht gelaunt ^^

  • Marco

    19.01.11 (19:44:53)

    http://edition.cnn.com/2011/CRIME/01/18/colorado.mother.charged/index.html?hpt=T2

  • Paula

    20.01.11 (08:37:24)

    Ich fühle mich durch soziale Netzwerke auch unheimlich bereichert im Leben, denn ich habe Gruppen gefunden und kennengelernt, an die ich offline deutlich schwerer herangekommen wäre (vor allem, da ich mir lieber vorher einen Überblick verschaffe, anstatt "blind" irgendwo hinzugehen). Mein Freund_innenkreis profitiert insofern durch Facebook, als dass alle zwar gerne etwas gemeinsam unternehmen, aber niemand seinen Ar*** hochkriegt, etwas zu organisieren, alle anzuschreiben etc. - das läuft nun über FB deutlich besser, weil wir viel besser miteinander verknüpft sind und z. B. X sieht, wenn ich bei Y (der gerade einen Trailer gepostet hat) frage, ob wir diesen Film nicht im Kino sehen wollen... schon klinkt X sich mit ein, und Z & Co. bekommen ebenfalls davon mit. Da haben diejenigen, die sich nicht bei Facebook angemeldet haben, eher das Nachsehen. Twitter finde ich toll, um einerseits auf mein Interessensgebiet zugeschnittene Nachrichten zu lesen (ich hätte gar nicht die Zeit, das alles zu suchen und zu finden) und andererseits, um mal eben Belanglosigkeiten oder witzige Bemerkungen auszutauschen, die ich im Freund_innenkreis durchaus genauso sagen würde, aber für die es seltsam wäre, extra eine E-Mail zu versenden. ;) Danke also für die Studie. :)

  • paul

    20.01.11 (09:55:19)

    Ein spannendes Projekt, das sich genau damit auseinandersetzt, Social Networking mit “rausgehen und Spaß haben” über eine spielerische Form miteinander zu verbinden. Die Pervasive Game Commnunity [snab] unter http://snab.me (unabhängiges, nicht-kommerzielles Projekt von Intermedia Design-Studenten).

  • Alexander Stocker

    20.01.11 (16:25:34)

    Gute Studie. Danke!

  • Robert Frunzke

    20.01.11 (20:57:38)

    Ich glaube, das Fazit sollte so lauten, dass Menschen die aktiv in Gruppen teilnehmen sich auch häufiger in sozialen Netzwerken beteiligen. DAS ist eine Feststellung, die sicherlich auch eine Studie rechtfertigt, aber das ist bei weitem nicht so überraschend. Nicht wahr?

  • sanne

    21.01.11 (11:28:45)

    Na endlich merkt man das auch einmal in Deutschland. Hier in Finnland sind fast alle 20-40jährigen bei FB und nutzten die Seite täglich, um Freundschaften und Bekanntschaften aufrechtzuerhalten, sich zu verabreden (!), sich besser kennenzulernen und einfach auf dem Laufenden zu bleiben - viele Freunde wohnen ja leider nicht mehr einfach so um die Ecke. Und es ist viel leicher, ins Gespräch zu kommen, wenn man sich auch zufällig trifft, wenn zumindest ungefähr weiss, was der andere so treibt.

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