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09.04.09Leser-Kommentare

Studie: Musikvideos auf YouTube steigern Einkünfte für Musiker

Eine Studie im UK zeigt auf: Die Hälfte der Erwachsenen, welche ein Musikvideo auf YouTube gesehen haben, erwerben anschließend eine CD, Musikaufnahme im Downloadshop oder ein Konzert-Ticket des jeweiligen Künstlers.

Immer wieder weisen wir auf den Werbe-Effekt von Online-Angeboten wie Musikvideos auf YouTube für die Urheber hin. Das scheinbare Verschenken von mutmasslichen Produkten online führt zu Werbeeffekten, aufgrund dessen man die eigentlichen Produkte besser verkaufen kann. Für Musikvideos müsste das eigentlich besonders offensichtlich sein.

Allerdings ist das ein Umstand, der von vielen auch und besonders auf der Labelseite ignoriert wird. Selbst die GEMA, als Verwertungsgesellschaft eigentlich die Vertretung der ihr beigetretenen Musiker, scheint diesen Aspekt bei den Lizenzverhandlungen mit YouTube völlig auszublenden (Was durchaus etwas über die Bedeutung von Verwertungsgesellschaften allgemein aussagt, die eben nicht am bestmöglichen Gesamtergebnis für ihre Mitglieder interessiert sind, sondern an einer möglichst umfangreichen von ihnen initiierten Ausschüttung. Aus dieser schließlich ergeben sich wiederrum anteilig die eigenen Verwaltungseinnahmen und nicht zuletzt die eigene Daseinsberechtigung. Das sollte man auch in Hinblick auf die Kulturflatrate nie vergessen.).

Die BBC verweist nun auf eine Studie zum Konsumentenverhalten bezüglich Musikvideos auf YouTube. Untersucht wurden 1500 Menschen in Großbritannien im März 2009. 57% der 15- bis 24-Jährigen schauen Musik auf YouTube. TV liegt mit 56% ungefähr gleichauf.

Aber hier kommt der interessante Teil der Studie:

Man hat herausgefunden, dass die Hälfte der Erwachsenen, welche ein YouTube-Musikvideo angeschaut haben, anschließend Musik von diesem Künstler erwarben die Hälfte der Erwachsenen, welche YouTube-Musikvideos im letzten Jahr  angeschaut haben, als Resultat davon Musik von diesem Künstler erwarben.

Die Mehrzahl davon kauft noch CDs (36%). Nur 15% gehen den Weg, für digitale Downloads zu bezahlen. 7% kaufen Konzert-Tickets.

Für etwas, das von Seiten der Musiker oder deren Management mit minimalen Zusatzaufwand und keinerlei Kosten verbunden ist, sind das ziemlich gute Ergebnisse.

Ebenfalls interessant: Die Studie fragte auch, ob YouTube nach dem geplatzten Lizenz-Deal mit PRS (dem UK-Äquivalent der GEMA) gerechtfertigt die Premium-Videos der PRS-Mitglieder entfernte. 47% der Befragten waren auf der Seite von YouTube. Nur 28% fanden dieses Vorgehen von YouTube falsch, 25% konnten sich dazu nicht äußern.

Mehr zur Studie auf der Seite von Ipsos MORI, welche die Untersuchung durchgeführt haben.

 

Fazit: Musiker erhöhen ihre Verkäufe aller möglichen Art durch Musikvideos auf YouTube. Diese auf YouTube einzustellen, kostet sie praktisch nichts. Wenn diese Musikvideos durch geplatzte Deals mit den Verwertungsgesellschaften von YouTube entfernt werden, ist die überwiegende Mehrheit der Konsumenten, die diese Vorgehen mitbekommen, auf der Seite von YouTube. Klartext: Die Musikfans sind nicht auf der Seite der Verwertungsgesellschaften, die schließlich auch die Seite der Musiker repräsentieren soll.

Geht es noch offensichtlicher?

Wie lang wird es wohl dauern, bis alle Musiker erkennen, dass das Vorgehen der Labels und Verwertungsgesellschaften, das diesen Werbeeffekt auf YouTube und die Wünsche der eigenen Kunden ausblendet, ihnen mehr schadet, als nützt?

 

(via Mail, danke Petar!)

Kommentare

  • Daniel Niklaus

    09.04.09 (22:33:56)

    Ohne Frage, je mehr Musikvideos, desto höher die möglichen Verkäufe. Aber sagt mir mal einen vernünftigen Grund, warum die Rechteinhaber, Verwerter & Co. aus dem Poker um Abgaben aussteigen sollten. Jedes neue Medium hat nach einem zähen Ringen Geld an die MI abgeliefert. Sei dies das Radio, die Musikkassette oder MP3 Player, ja sogar PC's in Anwaltskanzleien müssen GEZ abliefern. Da ist es doch offensichtlich, dass die Industrie auch Abgaben im Internet durchsetzen will. Also warum sollen sie auf ihre Forderungen verzichten?

  • Martin Weigert

    09.04.09 (23:02:16)

    Du vergleichst doch nicht wirklich das Radio, die Musikkassette oder den MP3-Player mit dem Internet und dessen unbegrenzten Möglichkeiten? Da bleibt mir fast die Spucke weg. Als hätten wir nicht wieder und wieder gebetsmühlenartig darauf hingewiesen, dass das Internet eben NICHT mit vorherigen Medien- und Distributionskanälen sowie Abspielgeräten verglichen werden kann. Es sei denn, man entscheidet sich für die totale Regulierung und Kontrolle des gesamten Webs. Was in demokratischen, freien Staaten mehr als eine gefährliche Vorgehensweise wäre.

  • Daniel Niklaus

    09.04.09 (23:15:01)

    Doch Martin. Genau das vergleiche ich. Was ist am Internet so speziell anders? Ich habe einen Song, denn ich über einen Sender an einen Empfänger sende und manchmal kann der Empfänger den Song speichern. Ob das nun ein Radiosender Analog an ein Radiogerät mit Kassettenrekorder sendet und ich dort ein Band zum aufnehmen habe oder den gleichen Song übers Internet schicke, macht einfach keinen Unterschied. Und die Demokratie ist auch nicht gefährdet. Ich kann ja an ganz verschiedenen Orten die Hand aufmachen. Im Netz beim Provider oder bei Youtube oder wenn es offline sein soll erhöhe ich einfach die Abgaben auf PC's, Harddisk, MP3 Player usw. Warum sollte also die Musikindustrie auf ihre Forderung verzichten?

  • Marcel Weiss

    09.04.09 (23:32:45)

    @Daniel: "Jedes neue Medium hat nach einem zähen Ringen Geld an die MI abgeliefert. Sei dies das Radio, die Musikkassette oder MP3 Player, ja sogar PC’s in Anwaltskanzleien müssen GEZ abliefern. Da ist es doch offensichtlich, dass die Industrie auch Abgaben im Internet durchsetzen will." Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz und in anderen Ländern ausschaut, aber in Dtl. war und ist das so, ja. In den USA wird aber mWn von Radio oder auch MTV nichts an die Labels/Rechteverwerter ausgezahlt. Ich halte es übrigens auch nicht für gesellschaftlich wünschenswert, dass die Rechteverwerter überall ihre Hände aufhalten. Nicht nur kommt das Geld aus diesen Kanälen selten bei den eigentlichen Urhebern an, auch ist die Argumentation etwa bei der Leermedienabgabe ziemlich fadenscheinig. Besonders wenn die Zahlungen stattfinden und die Argumentationen der MI sich trotzdem nicht ändern (kopieren böse etc.). (Was Du hier mit der GEZ willst, erschließt sich mir nicht.) "Also warum sollen sie auf ihre Forderungen verzichten?" Konkret YouTube: Es geht um angemessene Forderungen. Denn es wird ignoriert, dass YouTube ihnen ohne zusätzliche Kosten ihrerseits eine Öffentlichkeit in einer Größenordnung bietet, die sie so im Internet nicht noch einmal finden. Ihnen das Zunutzemachen dieser Öffentlichkeit nichts kostet und der Betreiber der Plattform, Google, zwar insgesamt viel Gewinn macht aber genau mit dieser Plattform immense Verluste einfährt. Ergo: Es ist im Eigeninteresse der Musiker, dass diese Plattform nicht aufgrund noch höherer Kosten vor die Hunde geht. Natürlich nicht im Interesse der Verwertungsgesellschaften und Rechteverwerter, die es einen Scheißdreck interessiert, womit die eigentlichen Musiker _insgesamt_ bessergestellt sind. Die Rechteverwerter dürften aber zumindest aus den generierten Verkäufen weitaus mehr Einnahmen generieren, als über irgendwelche Direkteinnahmen über pay per view vom Plattformanbieter o.ä.. Auch hier wieder: Indirekte Einnahmen schlagen direkte Einnahmen. Das ist ziemlich oft so im Internet.

  • Daniel Niklaus

    10.04.09 (00:19:29)

    Indirekte Einnahmen schlagen vielleicht für den Musiker die Einnahmen, aber nie für den Hauptprofiteur im ganzen Spiel - Vater Staat. Der wird dieses System schützen, solange er es nur schützen kann. Er profitiert bei der MwSt., bei den Unternehmensgewinnen, den Lohnsteuern und sichert darüber Arbeitsplätze. Musik ist nur das Vehikel und darum unterstützt er auch die Industrie, wenn sie zum Beispiel bei Leermedienabgabe mit abkassieren will. Es geht um angemessene Forderungen. Richtig. Aber was sind angemessene Forderungen? Keine Angst, weder die Gema noch die Majors wollen Youtube sterben lassen. Auch Onlineradio finden die alle ganz toll. Aber zu welchen Konditionen ist eine andere Frage. Sicher, wir leben im Heute und denken: "wie schlimm wenn sie Youtube abschalten". Tatsache aber ist, hier spielen verschiedene Spieler um die zukünftigen Gewinne. Youtube sagt 10Cent, wir nehmen die Videos runter. Dabei stellt man kurz darauf fest, dass es sich gar nie um 10Cent handelte. Aber die Aktion hat für viel Goodwill gesorgt und war eine ganz passable Drohgebärde im Verteilungskampf. Für diesen Verteilungskampf sind alle Seiten mit Kommunikationsprofis gerüstet. Youtube setzt dabei eher auf die Stimme des Volkes und die Rechteinhaber mehr auf Lobbying beim Gesetzgeber. Was wir hier erleben, ist verhandeln in Reinkultur. Es geht nicht um die Kosten und Einnahmen von heute. Es geht darum, wer die nächsten 20 Jahre wie viel Geld verdient. Denn ob Youtube 7% der Werbeeinnahmen pauschal abgibt (wie beim Radio in der Schweiz) oder ob sie der Gema 15% abdrücken und dazu noch mit den Majors einzeln verhandeln müssen, macht einen Riesenunterschied - für alle. Aktuell versucht jede Interessensgruppe das grösste Stück vom Kuchen für sich zu ergattern und dieser Kampf kann durchaus noch eine Weile dauern.

  • DieterK

    10.04.09 (12:21:29)

    "In den USA wird aber mWn von Radio oder auch MTV nichts an die Labels/Rechteverwerter ausgezahlt." Komponisten und Texter bekommen (praktisch) von Anfang an Tantiemen für die Nutzung ihrer Werke durch Radio (1920er Jahre) und Fernsehen (1940er Jahre). Internetradios müssen außerdem (über SoundExchange) Gebühren an Labels/Interpreten für die Nutzung der "Tonaufnahmen" zahlen. Die Einführung einer solchen Gebühr für "normale" Radiostationen (UKW/MW) konnte die National Association of Broadcasters (NAB), eine der mächtigsten Lobbyorganisationen in Amerika, bislang verhindern. Für Videos muss MTV (selbstverständlich) Lizenzgebühren zahlen. Durchgesetzt haben diesen Anspruch PolyGram und MCA Records, die ihre Videos (trotz der kostenlosen Werbung) für MTV gesperrt hatten. Marcel, bei aller berechtigten Kritik an Verwertungsgesellschaften wie der GEMA, vielleicht solltest Du einmal die rechtliche/finanzielle Position von Interpreten gegenüber ihren Labels mit der rechtlichen/finanziellen Position von Komponisten/Textdichtern, deren Rechte kollektiv verwertet werden, gegenüber Musiknutzern miteinander vergleichen. Oder hast Du in der Pressemitteilung zur Gründung von Vevo - Besitzer: Universal Music Group, technische Infrastruktur/Vermarktung: YouTube - irgendetwas darüber gelesen, wie die Interpreten an den Einnahmen beteiligt werden? Die Interessen der Komponisten & Textdichter gegenüber Vevo werden von GEMA & Co. vertreten. Wer kümmert sich um die Rechte der Interpreten?

  • David Bauer

    10.04.09 (15:15:07)

    Ohne die Studie en detail angesehen zu haben, meine ich, dass sie als Beleg für den Titel dieses Artikels nicht standhält. Auch die Kernaussage stimmt nicht: "Man hat herausgefunden, dass die Hälfte der Erwachsenen, welche ein YouTube-Musikvideo angeschaut haben, anschließend Musik von diesem Künstler erwarben." Die Frage, worauf sich diese Aussage bezieht, ist so umfassend gestellt, dass solch "positive" Resultate fast zwingend herauskommen müssen (weshalb man mal nachforschen sollte, wer denn diese Studie finanziert hat). Zur Veranschaulichung: Wenn ich mir jeden Tag 10 Musikvideos auf YouTube anschaue (z.B. damit ich mir die entsprechenden Songs nicht kaufen muss) und ein einziges Mal in den letzten 12 Monaten anschliessend etwas von einem dieser Künstler gekauft habe, tauche ich in der Statistik als Käufer auf. Bei 3649 Videos dagegen habe ich nichts gekauft und die entsprechenden Künstler gehen (zumindest finanziell) leer aus.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (15:48:53)

    @Daniel Niklaus: "Keine Angst, weder die Gema noch die Majors wollen Youtube sterben lassen." Schau Dir die aktuellen News zum Lizenzierungsgebahren an. Die Majors oder die GEMA interessiert es nicht, ob aufgrund ihrer Forderungen Startups pleite gehen oder gar nicht erst starten. Genau so sieht ihre Haltung gegenüber YouTube aus. Natürlich wäre es rational, zu schauen, dass diese Angebote sich tragen können. Aber die Entscheider bei den Majors handeln nicht rational. Sie handeln auch und besonders aus ökonomischen Gesichtspunkten völlig irrational. Jenseits von gut und böse. Das bekommt man, wenn die Topmanager einer Branche keine ökonomische Ausbildung haben (zumeist Quereinsteiger, die sich vom Bandmanager hochgearbeitet haben). @DieterK: Danke für die Infos! @David Bauer: Hörst Du wirklich YouTube-Videos an, um die entsprechende Musik hören zu können aber nicht kaufen zu müssen? Da gibt es doch weitaus bequemere Methoden. Das halte ich für ein bisschen weit hergeholt. Was die Zahlen angeht: Natürlich darf man das nicht allzu wörtlich nehmen. Es geht mehr um die Tendenz als die eigentlichen Zahlen. Es ist in meinen Augen aber unbestritten, dass Musikvideos auf YouTube alles andere als negative Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Musiker haben. Kostenlose zusätzliche Aufmerksamkeit, potentiell global. Was das, entsprechend gut umgesetzt, bedeuten kann, hat man bei Monty Python gesehen. "Bei 3649 Videos dagegen habe ich nichts gekauft und die entsprechenden Künstler gehen (zumindest finanziell) leer aus." Und? Was hat es sie gekostet? Sind ihnen dadurch zusätzliche Kosten entstanden, die sie ohne YouTube-Präsenz nicht gehabt hätten? Ein großes Problem der Musikbranche ist, dass man immer und überall zu allem direkt Geld sehen will. Egal, ob das im Gesamtkontext Sinn ergibt oder nicht. Es ist eine völlige Überbewertung des eigenen Produkts, die Potentiale und Kostenstrukturen völlig ausblendet und damit Schritt für Schritt Türen schließt.

  • David Bauer

    10.04.09 (16:01:08)

    @Marcel Weiss Mir ging es nicht darum, die grundsätzlichen Überlegungen zu kritisieren oder zu bestreiten (ich höre auch nicht Musik in YouTube-Videos um sie gratis zu bekommen - ich habe nur die typische Argumentation von Musiklabels und Verwertungsgesellschaften aufgegriffen). Was ich meine, ist: Du hast die Statistik falsch gelesen oder einfach so ausgelegt, dass sie zu deinen Vorstellungen passt. Du sagst: "Was die Zahlen angeht: Natürlich darf man das nicht allzu wörtlich nehmen. Es geht mehr um die Tendenz als die eigentlichen Zahlen." Das ist Unfug. Natürlich geht es genaue Zahlen, wenn du eine Statistik zitierst. Die Tendenzen sind ja nichts neues, im Übrigen aber auch nicht ganz so unbestritten, wie du schreibst. Nochmals: Es geht nicht darum, ob ich grundsätzlich mit dir einverstanden bin oder nicht. Sondern darum, dass die Studie, auf der du deinen Artikel aufbaust, deine Aussagen schlicht nicht stützt.

  • Marcel

    10.04.09 (16:14:19)

    Marcel nur ganz kurz: Schau Dir die aktuellen News zum Lizenzierungsgebahren an. Die Majors oder die GEMA interessiert es nicht, ob aufgrund ihrer Forderungen Startups pleite gehen oder gar nicht erst starten. Genau so sieht ihre Haltung gegenüber YouTube aus. Wieso sollte sie das interessieren? Bei aller berechtigten Kritik an Labels, GEMA und den Strukturen der MI. Das sind ja keine Business Angles die den Preis ihrer Produkte so weit runterschrauben bis irgendwo ein Startup mit VC Kapital im Rücken damit Kohle verdient.

  • Martin Weigert

    10.04.09 (16:23:17)

    Daniel: Es ist schwierig, Forderungen aufzustellen, wenn man sie schwer bis nicht komplett durchsetzen kann. D.h., solange die Musikindustrie im Netz die Hand zu großzügig (ohne dies jetzt näher zu definieren) aufhält, wird es illegale Quellen geben.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (16:31:20)

    @Daniel Bauer: "Sondern darum, dass die Studie, auf der du deinen Artikel aufbaust, deine Aussagen schlicht nicht stützt." Meine Aussage ist: YouTube-Musikvideos animieren einen Teil der Konsumenten zum Musik- oder Konzertticketkauf etc. Die Studie würde diese Aussage nur nicht unterstützen, wenn man behauptet, dass die, die sagen, dass sie etwas vom Musiker erwerben, das so oder so also unabhängig vom YouTube-Konsum getan hätten. Verstehe ich Dich da richtig? Ich glaube, wenn man beide Interpretationen nebeneinander stellt (YouTube hat keine Auswirkungen gegen YT hat Auswirkungen), dass meine plausibler ist. Wäre sie es nicht, würden MTV, Radio, YT und co. keine Auswirkungen auf den Musiksektor haben. Was eine ziemlich absurde Aussage wäre. @Marcel: Ja, ganz genau. Majors, GEMA und co. argumentieren aber immer, sie wöllten nur das Beste für die Musiker. Wollen sie aber nicht, wie man am Verhalten sehen kann. Das versuche ich aufzuzeigen. Dass Musikstartups überleben können, wäre im Interesse der Musiker, weil sie helfen, ihre Musik effizient bekannt zu machen. Was die Musikbranche aktuell mit ihren Lizenzen online anstellt, wäre äquivalent in der analogen Welt in etwa so, wie wenn aufgrund der Lizenz-Forderungen 90% der Radiosender mit Musik schließen oder erst gar nicht starten könnten.

  • Daniel Niklaus

    10.04.09 (16:41:06)

    @Marcel Ich sehe dein Engagement für die Musiker und kurzfristig gedacht, gebe ich dir sogar recht. Da sieht es sogar so aus, als ob der MI tatsächlich der ökonomische Verstand fehlt. Langfristig sieht dies jedoch ganz anders aus. Da fehlt dir das Verständnis für Verhandlungstaktik und eine langfristige Sichtweise. Denn eine Gema existiert nur solange, wie sie Rechteinhaber vertreten kann. Sollte das Urheberrecht abgeschafft werden, wird die Gema aufgelöst. Also ist ihr Kampf ökonomisch absolut nachvollziehbar und aus ihrer Sicht das einzig richtige. Grundsätzlich kämpfst du den falschen Krieg. Du willst mit deinen Forderungen Rechteinhaber enteignen. Das wird dir nicht gelingen. Wenn du es ernst meinst, solltest du dich für jenen Bereich einsetzen, für den es sich - aus deiner Sicht - lohnt zu kämpfen: Musiker von der CC zu überzeugen. Konzertveranstaltern zeigen, wie sie CC Events organisieren und diese richtig bei der Gema anmelden. Wenn du nämlich recht hast, wird der "alte" Markt durch den "neuen" Markt abgelöst. Das sollte dein Kampf sein. @Martin Weigert Das sehe ich ganz anders. Die MI ist schon relativ nahe an einer Kulturflatrate. Die wird entweder beim Provider erhoben oder bei den einzelnen Diensten. Da steckt ein Business dahinter, welches um ein vielfaches grösser ist, als es der CD Markt je war.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (16:56:27)

    Daniel, lies doch bitte auch die Artikel, die Du kommentierst. Du sagtst: "Da fehlt dir das Verständnis für Verhandlungstaktik und eine langfristige Sichtweise. Denn eine Gema existiert nur solange, wie sie Rechteinhaber vertreten kann." Im Text oben steht: "Was durchaus etwas über die Bedeutung von Verwertungsgesellschaften allgemein aussagt, die eben nicht am bestmöglichen Gesamtergebnis für ihre Mitglieder interessiert sind, sondern an einer möglichst umfangreichen von ihnen initiierten Ausschüttung. Aus dieser schließlich ergeben sich wiederrum anteilig die eigenen Verwaltungseinnahmen und nicht zuletzt die eigene Daseinsberechtigung." Mir ist das alles durchaus bewusst und ich versuche in diesen Artikeln die Bigotterie und/oder Kurzsichtigkeit der Argumentation der MI aufzuzeigen. Btw. ich will niemanden 'enteignen'.

  • Martin Weigert

    10.04.09 (16:59:57)

    Daniel, aber da ich einer Kulturflatrate kritisch gegenüber stehen, ist dies für mich in meiner Argumentation eben keine Option ;) Aber es erklärt natürlich deine Denkweise.

  • David Bauer

    10.04.09 (17:04:44)

    @Marcel Weiss Nein, du verstehst mich falsch. Es ist einfach ein sehr grosser Unterschied, wie die statistisch verbürgte Aussage lautet: a) 50% der YouTube Nutzer haben innerhalb von einem Jahr irgendwann einmal als Konsequenz des Videoschauens etwas damit verwandtes gekauft b) 50% der YouTube Nutzer kaufen als Konsequenz des Videoschauens jeweils etwas damit verwandtes. Die zitierte Statistik sagt a), du legst es so aus, als wäre es b), was tatsächlich sehr bemerkenswert wäre. a) dagegen ist m.E. trivial, bzw. bemerkenswert wäre vielmehr: 50% der YouTube Nutzer haben im letzten Jahr NIE irgendetwas käuflich erworben von einem Künstler, dessen Video sie auf YouTube gesehen haben. Selbstverständlich diskutieren wir nicht darüber, ob YouTube Auswirkungen hat oder nicht, sondern wie stark diese sind und wie sie zu bewerten sind. Und hier hast du dir schlicht die falsche Statistik ausgesucht.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (17:15:43)

    @Daniel Bauer: Die Studie verbindet den YT-Musikvideokonsum direkt mit dem anschließenden Kauf: " 50% of all adults who have watched YouTube music videos in the last year have, as a result, gone on to spend money on that artist or group, such as buying CDs, DVDs, downloads, ringtones, merchandise or tickets for live performances." nochmal: "as a result" Ich sehe nicht, was ich da fehlinterpretiert haben könnte, bin aber offen für Gegenargumente. :) Ich verstehe auch nicht den Unterschied zwischen Deinen Alternativen A und B. Bei beiden ist YT der Auslöser für Konsum.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (17:24:23)

    Ah, jetzt versteh ich den Unterschied zwischen A und B, David. B bedeutet jeweils nach jedem Videokonsum. Da habe ich im Text wohl eher schlecht formuliert, denn das ist nicht der Fall. Ich werde das im Text umformulieren.

  • David Bauer

    10.04.09 (17:27:44)

    @Marcel Weiss Et voilà. Das Problem mit dem Umformulieren ist allerdings, dass von der Aussage, wie ich bereits beschrieben habe, nicht viel übrig bleibt.

  • Daniel Niklaus

    10.04.09 (18:26:02)

    Nein Marcel, da siehst du was falsch. Die Gema hat nur eine Existenzberechtigung, wenn Sie Rechteinhaber vertreten kann und nicht weil sie hohe Ausschüttungen erzielt. Ich habe deinen Text gelesen. Auch solltest du Sätze wie "ich will niemanden ‘enteignen’" lassen. Du hast schon mehrfach das Gegenteil bewiesen. Nehmen wir alleine unsere kürzlich geführte Disskussion um Nirvana. Ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass wir in Blog Diskussionen zu einem Ergebnis kommen. Vielleicht treffen wir uns per Zufall einmal irgendwo Face to Face, dann besteht vielleicht eine kleine Chance... @Martin Ob ich für die Kulturflatrate bin? Da bin ich selbst noch unschlüssig. Bis jetzt habe ich noch keine bessere Alternative gesehen. Wenn wir sie aber einführten, dann müsste man sie zu einem hohen Preis zugunsten der Konsumenten verkaufen. Lessings Ansätze sind stark zu berücksichtigen.

  • Marcel Weiss

    10.04.09 (20:45:33)

    @David Bauer: Das stimmt nicht. Die Studie stellt die direkte Verbindung heraus, um die es im Artikel geht.

  • David Bauer

    10.04.09 (20:54:05)

    @Marcel Weiss Nein. Weil die Untersuchungsfrage genau darauf ausgelegt ist, dieses Ergebnis zu erzielen. Oder findest du es bemerkenswert, dass 50% der Nutzer irgendwann einmal in einem Zeitraum von einem Jahr nach dem Schauen eines Videos Geld für den entsprechenden Künstler ausgegeben haben? Ich finde viel bemerkenswerter, dass 50% das ganze Jahr YouTube-Videos anschauen, ohne ein einziges Mal danach Geld auszugeben.

  • DieterK

    11.04.09 (13:58:20)

    Das ist eine Studie von vielen. Andere Untersuchungen behaupten genau das Gegenteil: Die Nutzung von kostenlosen On-Demand-Diensten (wie YouTube) führt dazu, dass weniger Geld für Musik ausgegeben wird. "According to information supplied to CNET News by the music executive, who requested anonymity, a recent study showed that music purchases made by people who listen to three free-music sources fell 44 percent from the first quarter of 2005 to the third quarter of 2008. Over the same period, the purchases made by people who listened to four sources declined 49 percent." Quelle: http://news.cnet.com/whats-the-real-cost-of-free-music/

  • ben

    11.04.09 (16:08:56)

    Der Satz "...watched YouTube music videos in the last year have, as a result, gone on to spend money on that artist ..." ist ja mehr als fragwürdig. "As a result" währe ja nur dann richtig wenn von einem Künstler etwas kaufen würde wenn man diesen *durch* Youtube kennengelernt hat, also z.B. über den "Ähnliche Videos"-Link. Denn, wenn man einen Künstler mag, konsumiert man dessen Stücke sehr wahrscheinlich durch verschiedene Medien, unter anderem eben über Youtube. Aber so einen Kausalzusammenhang herzustellen ist ohne weitere Angaben schon etwas gewagt.

  • Oliver Springer

    12.04.09 (23:29:10)

    Zum Anfang der Diskussion: Das Internet verändert sehr viele Dinge, aber ich denke, Daniel sieht es insoweit richtig, als dass mit einem neuen Medium (wie viel anders als die anderen sein mag) eine neue Pokerrunde stattfindet, bei der alle Beteiligten möglichst gute Konditionen für sich erkämpfen wollen. Werbewirkung von YouTube: Die sehe ich sehr positiv. Das mit der Werbewirkung funktioniert aber nur, weil es eben kein Modell ist, bei dem alles Gratis ist, sondern eher Ähnlichkeiten mit dem hier im Blog oft genannten Fremium-Modell hat. Offizielle Musikvideos gibt es nicht zu sämtlichen Songs eines Künstlers und auch von den Songs, die ein Video haben, gibt es verschiedene Versionen / Mixe. Offiziell angeboten werden damit schon mal nur einige Songs, nicht alle. Außerdem erfordert es zumindest einen kleinen - aber entscheidenden! - Aufwand, sich die Songs bzw. Videos aufzunehmen / zu speichern. Auf YouTube werden die Songs nicht verschenkt. An dem Punkt ist ein Videoportal wie YouTube nicht viel anders als ältere Medien wie TV (--> Musiksender) und Radio. Natürlich nützt es den Künstlern, Rechteinhabern etc., wenn sie Airplay bekommen. YouTube wirkt wie ein TV-Sender, der Videoclips spielt. Wichtig ist, dass noch genügend Dinge bleiben, die die Konsumenten nicht kostenlos bekommen, die dann aufgrund der Werbewirkung verkauft werden können. Videoportale wie YouTube können aus Sicht der Künstler und Rechteinhaber / der Musikindustrie dann in der Tat großartige Promotion-Werkzeuge sein. Nicht nur der Aufwand ist niedrig, sogar die gewaltigen Kosten (mit Blick auf die 470 Millionen Dollar Verlust, die YouTube dieses Jahr eventuell einfährt) für den Promotion-Apparat zahlen sie nicht einmal selbst. Aber noch einmal, es muss noch genug zum Verkaufen bleiben. Das sage ich gerade mit Blick auf die laut genannter Studie angeregten CD-Verkäufe. Wäre jeder dazu in der Lage, jeden Song sofort auf beliebige Endgeräte on Demand zu streamen, müsste niemand mehr Musik kaufen. Und wie wird dann verdient? Da erscheint ein System, das einen Mini-Betrag für jedes Abspielen generiert, durchaus vernünftig zu sein.

  • Carlos

    14.04.09 (12:48:07)

    Das eigentliche Problem liegt ja bei Labels, Vertrieben und Verwertungsgesellschaften. Die sind ja nicht ausschließlich an einer Verbesserung der Bedingungen für die Künstler interessiert, sondern müssen für sich selbst sorgen. Ein Label verdient an den Verkäufen von CDs und Downloads, jedoch nicht an den Einnahmen eines Konzerts. Ein Vertrieb kann nur an den CDs verdienen. Und die Verwertungsgesellschaften haben Angst, dass sie durch die fortschreitende Digitalisierung im Internet überflüssig werden. Ein Log-File kann eben doch ganz genau ausrechnen, wie oft das ein oder andere Video gespielt wurde...wozu also der ganze Apparat der GEMA in Zukunft? Aber für die Künstler und Musiker, ja, da ist jede Werbemaßnahme von Vorteil und Airplay insbesondere.

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