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08.11.09Leser-Kommentare

Strukturwandel: Die Folgen der digitalen Disruption für die Volkswirtschaft

In einer vernetzten Welt werden Mittler überflüssig. Außerdem sinken die Kosten für die Produktion und Distribution von Inhalten und Diensten aller Art. Die Folgen der digitalen Disruption für die Volkswirtschaft sind tiefgehend.

(Bild: iStockphoto.com)Die größte gesellschaftliche und wirtschaftliche Revolution seit der Industrialisierung eröffnet Menschen und Unternehmen unbegrenzte Möglichkeiten. Sie erleichtert unseren Alltag, verändert die Art, wie wir zusammenarbeiten, sie unterstützt globale Kommunikation, weltweiten Handel und sie verändert Politik. Alte Geschäftsmodelle brechen weg, neue entstehen. Vieles ist schon jetzt nicht mehr so, wie es einmal war. Und zahlreiche Bereiche stehen erst am Anfang ihrer durch die digitale Disruption ausgelösten De- und Rekonstruktion.

Doch so aufregend die Entwicklung ist und so groß die Zuwächse an Lebensqualität für Menschen auch sein mögen, so wichtig ist es, sich über die Herausforderungen im Klaren zu sein, welche die Digitalisierung für die Volkswirtschaft mit sich bringt. Diese wird in den nächsten Jahren das Wegbrechen einiger bisher für sie wichtiger Geschäftsmodelle und Branchen verkraften müssen.

Auslöser dafür sind hauptsächlich zwei bedeutende Charaktereigenschaften einer vernetzten Welt, die dafür sorgen, dass eine ganze Reihe von Wirtschaftszweigen komplett überflüssig wird: Zum einen der Wegfall der Notwendigkeit von Mittlern, und zum anderen die Möglichkeit, im Web aufgrund minimaler Distributionskosten Inhalte und Dienstleistungen kostenlos anbieten zu können.

Im Folgenden zähle ich drei Beispiele auf, bei denen einer oder beide Faktoren zusammen bereits tiefgreifende Veränderungen einer Branche nach sich gezogen haben:

Kleinanzeigen: Craigslist

Eine bedeutende Einnahmequelle von Zeitungen sind seit jeher Kleinanzeigen (Stellenangebote, Immobilien, KFZ-Angebote usw). Privatpersonen und Unternehmen, die Gesuche oder Angebote abdrucken lassen wollen, müssen dafür zahlen. Doch mit dem Internet tauchte eine übermächtige Konkurrenz auf. Das Aufgeben von Inseraten ist bei entsprechenden Online-Portalen nicht nur komfortabler, sondern mitunter sogar kostenlos.

Bestes Beispiel hierfür ist Craigslist, das größte Kleinanzeigenportal der USA. Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Jobangebote in einigen größeren Städten) kann dort jeder kostenlos eine Kleinanzeige aufgeben. Craigslist liegt laut Alexa auf Platz 32 der am meisten besuchten Websites der Welt. Das eigentlich Spannende ist: Während die Umsätze der US-Zeitungen aus Kleinanzeigen zwischen 2005 und 2009 von rund 16 Milliarden auf rund 5 Milliarden Dollar zurückgegangen sind, erwirtschaftet Craigslists "nur" geschätzte 100 Millionen Dollar jährlich.

Zwar dürften zum Einbruch der Kleinanzeigenerlöse im Print-Bereich auch andere Faktoren beigetragen haben, aber die Zahlen zeichnen trotzdem ein deutliches Bild: Obwohl Craigslists mittlerweile die führende Anlaufstelle für Kleinanzeigen in den USA ist, erwirtschaftet es mit seiner Kostenlosstrategie nur einen Bruchteil dessen, was Zeitungen früher aus derartigen Inseraten erlösen konnten. Für Craigslists ist dies jedoch gar kein Problem, da es mit gerade mal rund 30 Mitarbeitern eine derartige geringe Kostenstruktur hat, dass die Margen dennoch blendend sind.

Mit Hilfe des Internets erledigen 30 Mitarbeiter die Arbeit, die bisher teure Sales-Abteilungen hunderter Zeitungshäuser übernahmen - und machen aus dem ehemaligen Milliardengeschäft ein Millionengeschäft.

Nachschlagewerke: Wikipedia

Noch vor zehn Jahren hatte jeder, der etwas auf sich hielt, die 30-bändige Brockhaus Enzyklopädie (oder die Lexikon-Reihe eines anderen Verlages) im heimischen Bücherregal. Heute gibt es Wikipedia. Mit dem digitalen Non-Profit-Lexikon entfiel schlagartig die Notwendigkeit, 3.270 Euro (aktueller Preis) für 30 Ausgaben des Brockhaus hinzublättern. Das Wissen der Welt gibt es nun kostenlos, in Dutzenden von Sprachen, von jedem Gerät mit Internetanschluss aus.

Wenig überraschend entschloss sich der Brockhaus-Verlag 2008, das Nachschlagewerk nicht mehr über die 21. Auflage hinaus fortzuführen. Wikipedia hat den Mittler - nämlich Enzyklopädie-Verlage in der ganzen Welt - überflüssig und stattdessen Privatpersonen zu Wissenslieferanten gemacht. Das läuft zwar nicht immer ohne Konflikt, wie die aktuelle Relevanz-Diskussion rund um Wikipedia zeigt, aber ist dennoch eines der größten Erfolgsprojekte im Web.

Musikvertrieb: Vom Künstler direkt zum Hörer

Jahrezehnte lang sah die Wertschöpfung in der Musikbranche ungefähr so aus: Plattenfirmen nahmen Künstler unter Vertrag, pressten, bewarben und verkauften deren Alben und verdienten sich damit eine goldene Nase. Die Musiker selbst bekamen einen Anteil der Einnahmen, was ein paar von ihnen - die Bekanntesten - ebenfalls zu Millionären machte.

Mit dem Web wird der Mittler in dieser Wertschöpfungskette zunehmend überflüssig. Zwar reicht das große Netzwerk und die Marketingpower der Major Labels noch immer dazu aus, mehr oder weniger talentierte Nobodies in Stars zu verwandeln, die anschließend Stadien füllen. Aber Musiker, die keine Lust mehr darauf haben, sich in einer Abhängigkeit zu befinden, können ihrem Label nun einfach kündigen und ihre Produktionen selbst vertreiben. Digital, mit minimalen Kosten und einer globalen Zielgruppe.

In den meisten Fällen führt ein solcher Schritt zwar zu quantitativ sinkender Reichweite (im Radio gespielt zu werden, kann man dann vergessen), aber Dank des fehlenden Mittlers müssen Erlöse eben auch nicht mehr geteilt werden. Selbst eine begabte Band, die ihre Alben kostenlos als MP3 zur Verfügung stellt, wird im weltweiten Netz ein paar Hundert Menschen finden, die an der Premium-Variante als DVD, an XXL-Postern oder T-Shirts interessiert sind - oder die ganz einfach mit einer Spende "Thank you" sagen wollen.

Auf diesem Weg reich zu werden, wird mit Sicherheit auch nur einem Interpreten unter Tausenden gelingen. Den meisten Musikern geht es aber gar nicht darum, mit einem Hummer durch die Gegend zu fahren und eine Villa mit fünf Schlafzimmern zu besitzen. Sie wollen einfach mit Musik ihren Lebensunterhalt verdienen. Und das ist im Zeitalter der Digitalisierung nicht schwerer als früher, sofern man gut ist und sich verkaufen kann.

Konsequenzen für die Volkswirtschaft

Craigslists entzieht dem Kleinanzeigen-Markt Milliarden. Wikipedia zerstört das Geschäftsmodell von Verlagen in aller Welt. Interpreten mit Web- und Marketing-Kompetenz geben ihren Plattenfirmen den Laufpass. Drei Beispiele von vielen. Ich hätte auch andere wählen können: Autoren kündigen Verlagen, um in Eigenregie ein eBook zu publizieren. Eine Handvoll Video-on-Demand-Anbieter macht Tausende Videotheken überflüssig. Amazon bedrängt den stationären Handel, ähnlich wie Online-Reisebüros ihre stationären Pendants. Dezentrale Blog-Netzwerke wie die Huffington Post erreichen Reichweite und Umsätze namhafter Zeitungen - mit einem Bruchteil ihrer Kosten. Dienste für P2P-Kredite wie smava oder Zopa dringen in die Domäne von Banken ein und ermöglichen Kredite zwischen Privatperson und Privatperson.

Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Durch das Wegfallen der Notwendigkeit eines Mittlers sowie durch die deutlich geringeren Kosten bei der Distribution digitaler Inhalte und Services verschwinden auf der einen Seite Unternehmen, die aufgrund eines nicht an die digitalen Gegebenheiten angepassten Geschäftsmodells und einer dafür ungeeigneten Organisation nicht mehr wettbewerbsfähig oder ganz einfach überflüssig geworden sind.

Auf der anderen Seite entstehen neue Firmen und Projekte, die deren Aufgaben übernehmen und deutlich besser machen - das allerdings meist unter Einsatz von erheblich weniger menschlicher Arbeit. Die vielen Hunderttausend Angestellten von Videotheken, Reisebüros oder Buchhändlern, die im Zuge der digitalen Revolution wegfallen, werden nicht im gleichen Umfang durch neue Onlineservices ersetzt. Zumal dort ganz andere Profile gefragt sind als bei den stationären Händlern.

Eine der Folgen des aktuellen Wandels ist somit die Tatsache einer fortschreitenden Automatisierung, die zu einem geringeren (und qualitativ veränderten) Bedarf an manueller Arbeitskraft führt. Darauf müssen sich die Volkswirtschaften dieser Welt einstellen und endlich akzeptieren, dass effektivere und bessere Prozesse keine Bedrohung sondern eine Errungenschaft sind. Eine Neudefinition und -assoziation des Begriffs "Arbeitslosigkeit" ist damit unausweichlich. Genau wie eine erneute Diskussion um die Frage eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Eine zweite tiefgreifende Konsequenz wird deutlich, spinnt man das in den Beispielen oben bereits angedeutete Szenario weiter: Stellt euch einen Zustand vor, in dem nahezu alle Mittler verschwunden sind und in dem "Free" die Preispolitik bestimmt: Sämtliche digitalen Inhalte werden kollaborativ erstellt, unter Creative Common-Lizenz angeboten und ohne Mittelsmänner über Plattformen à la Wikipedia verbreitet.

Im Handel dominieren wenige große E-Commerce-Anbieter, die sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen den direkten Vertrieb von Produkten ermöglichen. Sämtliche Mittler in der Wertschöpfungskette sind verschwunden. Da sich Mittler üblicherweise ihren Teil vom Kuchen abzweigen, führt das Fehlen dieser Parteien zu deutlich niedrigeren Preisen.

Das ist aus Verbrauchersicht ein Idealzustand. Mit der globalen Vernetzung entfällt in vielen Sektoren die Notwendigkeit von Mittlern, deren Aufgabe nichts anderes war, als Produkte oder Dienstleistungen an- und weiterzuverkaufen und dabei Gewinne zu erwirtschaften. Die Aufgabe des Mittlers übernimmt das Web - und wird aufgrund des fehlenden Triebs zur Profitabilität dabei objektiver und besser arbeiten.

Doch was für Konsumenten ein Paradies wäre, hätte womöglich gravierende Steuerausfälle für den Staat zur Folge. Denn wenn ich auf alle immateriellen Güter zugreifen kann, ohne dafür zahlen zu müssen, und gleichzeitig materielle Güter aufgrund fehlender Mittler und größtmöglicher Transparenz billiger werden, verringert sich das in den Markt fließende Kapital und damit auch die Steuereinnahmen des Staates.

Natürlich ist es vorstellbar, dass dann neue materielle Bedürfnisse aufkommen , die sicherstellen, dass das sich im Markt bewegende Kapital trotzdem nicht abnimmt - zum Beispiel durch den gestiegenen Bedarf nach erschwinglichen, privaten Miniflugzeugen für jedermann. Auch entsteht gerade im Bereich virtueller Welten eine völlig neue, globale Volkswirtschaft, in der eifrig mit virtuellen Gütern gehandelt wird - momentan allerdings noch größtenteils außerhalb der Reichweite nationaler Finanzbehörden. Aber die Frage, was allgemein sinkende Preise für Produkte und Dienstleistungen für den Geldfluss bedeuten würde, muss in jedem Fall gestellt werden.

In meinen Augen ist es wichtig, auf die möglichen Auswirkungen der aktuellen Entwicklung auf die Volkwirtschaft aufmerksam zu machen. Es sind keine unlösbaren Herausforderungen. Sie erfordern jedoch eine veränderte Sichtweise und die radikale Abkehr von bisher für selbstverständlich hingenommenen Denk- und Handelsweisen. Denn eines ist klar: Vieles wird nicht mehr so sein, wie es einmal war.

Kommentare

  • Joachim Klöckner

    09.11.09 (13:07:08)

    Hallo, Ich vermute das geht noch in ganz andere Bereiche hinein: Wie Politik. Wir alle zusammen bestimmen sie. Und brauchen dann nur noch Repräsentanten und Umsetzer. Würde enorme Summen sparen. Setzen wir auf kollektive Intelligenz. Joachim

  • Helge

    09.11.09 (13:57:34)

    Diese grandiose Effizienzsteigerung durch Ausschaltung unnötiger Mittler führt nicht nur zu höherer Innovationsgeschwindigkeit und niedrigeren Preisen, sondern leider auch zu instabileren, weil am Anschlag arbeitenden Systemen. Behauptet zumindest recht glaubhaft Bernhard Litaer. Das ist ja an deinem Text schön ablesbar: Du sprichst von einer Handvoll Anbieter, die tausende ersetzen. Was wenn ein riesig gewordenes Amazon - oder Google! - einmal strauchelt? "Too big to fail" gibt es nicht nur bei Banken. Diese kontinuierliche Effiziensteigerung sehen wir ja schon das ganze 20. Jahrhundert hindurch, genau genommen gar seit der Industriellen Fossilen Revolution. Nur war sie je so schnell wie heute? Klingt ein bisschen pessimistisch, ist es eigentlich aber nicht gemeint. Ich hoffe noch immer, dass die Menschheit auch für dieses Problem - einmal bewusst gemacht - einen Mechanismus findet, der zu Nachhaltigkeit führt. Der einzige Weg dort hin ist nach vorne.

  • Andreas Mai

    09.11.09 (14:01:52)

    Die Prozesse und die Web-Services, die du beschreibst sind eigentlich nichts neues mehr. Diese gab es schon Ende der Neunziger. Darüber gab es schon damals viel Fachliteratur, Studien, Prognosen etc. Und trotz oder sogar wegen des Internets steigt das BIP von Jahr zu Jahr. (Krisenjahr mal ausgenommen. Die Ursachen für den Einbruch sind denke ich bekannt). Das Beispiel mit Craiglists ist zwar anschaulich, aber nicht zu Ende gedacht. Die Kleinanzeigen werden doch nicht nur auf Craiglists online aufgegeben... eBay, Flirt-Börsen, Sammlerforen etc. stehen eben so im Wettbewerb mit den Zeitungen im Kleinanzeigenmarkt. Ich denke durch das Web werden sogar deutlich mehr Kleinanzeigen aufgegeben, dadurch werden andere Sektoren angekurbelt. Die Menschen werden aktiver. Andere Sektoren profitieren dadurch z.B. Versandhändler. Hab jetzt leider wenig Zeit näher auf den Artikel einzugehen... Deswegen ein paar Stichpunkte zum Innehalten. - Trotz Amazon und Co. expandiert z.B. der Media Markt schon seit Jahren. - Trotz der vielen Blogs, bezieht die werberelevante Zielgruppe ihre Informationen nach wie vor von Zeitungen und Zeitschriften großer Verlage (print und onine). - Es gibt nach wie vor ein dramatisches Überangebot an Print-Medien - Kennst Du auch nur eine Band, die ohne ein Label ernsthaft und mit Erfolg ihre Platten an den Massenmarkt verkaufen? - Bis sich Online Videotheken durchsetzen bzw. auch nur einen Marktanteil von 20% erkämpfen, vergehen noch viele Jahre - Dass es im Web keine Mittler gibt ist falsch. Wenn Du Deine Produkte dort präsentiert haben willst, wo sie von der Zielgruppe gesehen bzw. gekauft werden, brauchst du auch im Web Mittler

  • Lissy

    09.11.09 (14:14:58)

    Joachim, das wär was :) Liquid Democracy ist vielleicht ein Anfang

  • Jürgen Pansy

    09.11.09 (14:38:47)

    Ich sehe die Problematik genau umgekehrt. Sind nicht Google, Amazon, Facebook & Co. die grössten Mittler der Welt? Natürlich auf einer anderen Ebene als es die klassischen Mittler waren, aber das Internet entwickelt sich - mit zunehmender Geschwindigkeit - zu einem Medium in dem wenige digitale Mittler (= v.a. grosse US Konzerne) den Grossteil der Vermittlungstätigkeit übernehmen. Da immer mehr Geschäft digital wird und ins Internet abwandert, werden diese digitalen Mittler auch immer mächtiger. Das Geschäftsmodell ist zum Teil noch viel brutaler als es bei klassischen Mittlern war: Googles Versteigerungsmodell für Anzeigen führt dazu, dass den - im gegenseitigen Wettbewerb befindlichen - Anbietern dahinter sämtliche Margen entzogen werden und in die Taschen von Google fliessen. Das ist IMHO bedrohlicher, als dass sich einzelne Geschäftsmodelle in Luft auflösen. Das hat's schon immer gegeben.

  • Martin Weigert

    09.11.09 (15:03:26)

    @ Helge Agreed, Effizienzsteigerung gab es schon immer. Heute ist sie aber schneller und tiefgreifender denn je. @ Andreas Ich denke, wir stehen trotz der angegebenen Beispiel erst vor einem Beginn der geschilderten Veränderungen. Momentan betreffen sie nur einzelne Anbieter und Branchen - das Videothekensterben, Einzelhändlersterben, Buchhändlersterben usw usw hat noch gar nicht richtig begonnen. Zu deinen Punkten: Ja, MediaMarkt expandiert, aber eine ganze Schar von Fachhändlern verschwindet. The Winner takes it all. Stimmt, Blogs können etablierten Zeitungen nicht das Wasser reichen. Aber unter den Zeitungen selbst wird radikal konsolidiert. Was die Bands betrifft: Der Massenmarkt ist für viele gar nicht interessant. Im Artikel hab ich deutlich gemacht, dass die erwähnte Strategie sich für den Großteil der Musiker eignet - die nämlich einfach aus ihrem Hobby einen Beruf machen wollen. Es ist eine Illusion, zu glauben, jeder Musiker möchte unbedingt im Massenmarkt landen. Was natürlich nicht heißt, dass er/sie sich nicht über 1 Mio Views bei YouTube freuen würde. Aber dafür braucht man nicht notwendigerweise ein Label. Und ja - natürlich können noch viele Jahre vergehen. Ich behaupte ja nicht, dass all das in wenigen Monaten aktuell ist. @ Jürgen Ja man kann eBay, Google & Co auch als Mittler sehen. Aber wie du sagst - eben auf einer anderen Ebene. Primär auf einer technischen Ebene. Die eigentliche Allokation von Gütern findet immer häufiger direkt zwischen zwei Verbrauchern statt, Peer 2 Peer also. Und zu dem Eis-Beispiel: Klar, die Eisbranche hat sich durch die Kühlschränke verändert. Aber die Arbeitsplätze der Eisbranche wurden durch die zwar automatisierte, aber dennoch manuelle Arbeit benötigende Kühlschrankbranche ersetzt. Heute ersetzten 30 Craigslists-Mitarbeiter oder ein paar Google-Mitarbeiter im Sales-Bereich hundertausende Sales-Leute. Aber wie auch im Artikel angemerkt - natürlich kommen gleichzeitig neue Branchen auf, deren Entwicklung und Einfluss auf uns heute nur schwer vorherzusehen ist. Womöglich werden in 20 Jahren 50 Prozent der Bevölkerung Jobs in virtuellen Welten haben. Man kann nichts ausschließen.

  • Helge

    09.11.09 (15:12:12)

    @Martin: (Und das ist ganz und gar nicht als Entgegnung zu verstehen, sondern als Bestätigung:) In der ~40ern hat man zehntausende Fräuleins vom Amt durch Wählscheibenselbstwähltelefone (was für ein Wort) ersetzt. Genau das passiert jetzt mit Craigslist und den früheren Drückerkolonnen. Aber eben noch stärker, in allen Branchen und mit ungekannter Geschwindigkeit. So wie Geschindigkeit irgendwann ansteht (sobald sie "realtime" / "instant" erreicht hat), sehe ich auch Effizienz irgendwann am Limit, zumindest in den Branchen, wo keine technologische Revolution mehr drin ist (Beispiel: Nachrichtenbusiness - siehe "instant"). Was ist dann? Übrigens sehen wir solche Punkte, wo durch Effizenzsteigerung kein Wettbewerb mehr möglich ist, derzeit im - mörderischen und extrem niedrigmargigen - Lebensmitteleinzelhandel. Extrembeispiel: Milchpreise. (Kein Beispiel für Informationstechnologie, nur eine Analogie.)

  • Dorian

    09.11.09 (15:15:58)

    Martin, Dir ist die Ironie Deiner Argumentation bewusst? Sowohl Craigslist (Kleinanzeigen) wie auch Itunes (Musik) sind Mittler im klassischen Sinn. Sie bündeln Nachfrage und Angebot. Ja man kann argumentieren, dass die neuen digitalen Mittler mächtiger sind als die bisherigen. Craigslist hat Kleinanzeigenmärkte in ganz Amerika grundlegend verändert und nicht nur in SF. Der lokale Verleger hatte national nie den gleichen Einfluss.

  • Martin Weigert

    09.11.09 (15:27:28)

    Inwieweit Mittler ganz wegfallen oder nur deutlich weniger werden, variiert. Manche agieren teilweise wie traditionelle Mittler, aber geben sehr viel mehr Kontrolle in die Hände der Konsumenten - andere beschränken sich ganz allein auf die Bereitstellung einer technischen Plattform. Die Unterschiede zu traditionellen Wertschöpfungsketten sind in einigen Bereichen enorm. Wenn eine Band ihre Musik direkt an die Fans vertreibt, ein Autor sein Buch ohne Verlag veröffentlicht oder ein Verbraucher Geld über eine entsprechende Plattform einer anderen Privatperson leiht, dann wird das sehr deutlich. Also: rein technisch gibt es Mittler noch, ja. Quantiativ aber sehr viel weniger, und mit grundsätzlich anderen Charaktereigenschaften.

  • Hans-Dieter Zimmermann

    09.11.09 (16:18:56)

    Da kann ich Dorian nur beipfichten: Mittler werden nicht ersatzlos verschwinden (oder nur in ganz seltenen Fällen), sondern sie verändern sich fundamental und führen somit zu einem massiven Strukturwandel in vielen Branchen. Bsp. Musik: Werden Kunden zukünftig direkt beim Künstler ihre Musik abholen? Sicher nicht, sondern via einer Plattform z.B. wie MySpace - ein typischer Intermediär! Der Künster ist Künstler und kein Plattformbetreiber etc. Mittler haben klar eine wirtschaftliche Berechtigung, nur in welcher Form sie ihre Leistung erbringen, die ändert sich. Diese Veränderungsprozesse haben schon 1995 drei Autoren in vier verschiedenen Szenarien analysiert, die heute nach wie vor gültig sind: Intermediaries and Cybermediaries: A Continuing Role for Mediating Players in the Electronic Marketplace.

  • Michael Völker

    09.11.09 (16:37:03)

    Perfektes Timing, man werfe einen Blick auf eine aktuelle Meldung im Buchreport: In den USA hat sich ein Bündnis von Autoren gebildet, die dem traditionellen Verlagsbetrieb den Rücken kehren, um ihre Bücher exklusiv über Amazons Kindle- und Sonys Reader-Programm zu vertreiben – Verlage sollen dabei komplett umgangen werden, damit den Autoren vergleichsweise hohe Honoraranteile bleiben. Es ist genau das was Martin schreibt. Die Verlage als traditionelle Mittler fallen weg, Amazon als neuer Mittler macht das Geschäft.

  • henteaser

    09.11.09 (16:41:36)

    Wie stark, würdet ihr meinen, sollte (Welt-)Politik in die eMärkte eingreifen? Bei Craigslist z.B. kann ich nicht beurteilen, wie groß die Gefahr ist, dass sie "evil" werden. Google und Amazon hingegen nehmen sich ziemlich viel raus, was das Datenabgleichen und -sammeln angeht. Und wer was dagegen sagt, wirkt fast wie ein Maschinenstürmer. Ich bin übrigens gespannt, ob RFID-verchippte Verpackungen das Okay bekommen. Falls ja, werden nämlich vermutlich binnen weniger Jahre weitere Arbeitsplätze - die der Kassenkräfte nämlich - draufgehen und Supermärkte zu reinen Selbstbedienungsläden werden. Bezahlt wird am Scanner.

  • Martin Weigert

    09.11.09 (17:39:41)

    @ Michael Völker Danke für den Link, das passt. @ henteaser In meinen Augen sollte - wie im Artikel schon erwähnt - die Politik (und Gesellschaft) ihre Definition von Arbeitslosigkeit ändern und erkennen, dass eine Vollbeschäftigung ob der Entwicklung weder realistisch noch notwendig ist. Da ist ein wirklich grundlegendes Umdenken notwendig, mit entsprechenden Konsequenzen. Was regulatorische Eingriffe betrifft: Hier verlasse ich mich auf die Beharrlichkeit der Datenschützer. Problematisch ist aber die von Land zu Land unterschiedliche Gesetzeslage, die bei einem globalen Netz einfach nicht wirkt.

  • henteaser

    09.11.09 (17:58:04)

    Ein Fakt, den wir nicht übersehen sollten, ist jedoch, dass die Arbeitsplätze nur in der sog. Ersten Welt merklich schwinden. Die Drecksarbeit wird outsourced und wir ernten die Früchte. Zudem sorgt unser Geiz unter anderem bereits jetzt dafür, dass die Festung Europa von Armeeflotten verteidigt wird, auf dass uns niemand von den Volksstämmen den Wohlstand streitig macht, auf deren Ressourcen unser Wohlstand überhaupt beruht. Auch unter Berücksichtigung von drohenden Rohstoff-Engpässen (und zwar nicht nur Öl!) wird's spannend sein, zu beobachten, ob "die Menschheit" sich zügeln wird oder in Verteilungskriegen untergeht. Bereits mittelfristig werden Copyfights und eine Neudefinition von Arbeitslosigkeit (etwa durch die Umbenennung von Hilfsbereitschaft zu "Minijob") die kleinsten Probleme liefern.

  • henteaser

    09.11.09 (19:22:05)

    ..., wobei sich beide Themen prima dazu eignen, noch einige Jahre von jenen unbequemen Wahrheiten abzulenken, die sich nicht mit Netzsperren und Neusprech scheinlösen lassen. Womit ich nicht gesagt haben will, solch eine Arbeitsbegriffs-Neudefinition wäre unwichtig. Nur kommt's immer drauf an, welcher Menschenschlag diese Definition vornimmt und welche Hintergedanken "sie" verfolgen.

  • Christoph Kappes

    10.11.09 (00:46:31)

    Schöner Artikel. Beim Trend zu "Free" als "zweite tiefgreifende Konsequenz" jedoch Einspruch: 1. Free wird hochwertiger Inhalt nie sein, weil die Urheber immer versuchen werden, sich die Ur-hebung vergüten zu lassen. 2. Ferner: Wenn die alten Mittler verschwinden, sinken die Endpreise entweder um die Marge der Mittler (Beispiel eBooks; es ist wunderlich, dass der Börsenverein das Gegenteil fordert) ODER die Hersteller=Autoren erhöhen ihre Preise ODER die neuen digitalen Mittler stecken einen Teil der entfallenden Marge ein. Letzteres ist meine Beobachtung. Da es sich ausserdem fast durchweg um "digitale Oligopolbildung" handelt, bin ich in Sorge, dass in einigen Jahren neue sehr mächtige Player entstehen, die ihre Marktmacht ausnutzen.

  • Patrick

    10.11.09 (11:05:18)

    Alte Mittler auf Papier verschwinden. Zeitungen sind solche Mittler. Gelbe Seiten oder alle anderen Verzeichnis auch. Das heisst aber nicht, dass die Vermittlung damit nicht mehr notwendig wird. Sie wird einfach anders gemacht. Jetzt kann zwar jeder publizieren, d.h. aber immer noch nicht, dass er auch gefunden wird. Neue Mittler entstehen. Und es wird nicht nur Google sein. Google ist sehr gut in flachen Suchen. Wer mehr oder tiefere Informationen sucht, geht zu anderen Quellen wie Wikipedia. Da liegt Potential für weitere Mittlere. Experteer ist solch ein Mittler für Jobs. Heute gibt es hunderte Sites mit Jobangeboten, so dass die Suche mühsam geworden ist. Eine Site, die mir nur relevante Jobs anzeigt, schafft Wert, da ich ja eigentlich nicht den Tag mit Suchen verbringen möchte, sondern mit Bewerben bei den richtigen Jobs. Dumm ist es nur für Bündelprodukte, die eben Inhalte durch Rubriken finanziert haben. Zeitungen brauchen Rubriken, Rubriken brauchen aber keine Zeitungen. Mehr dazu auf http://blog.business-model-innovation.com/2009/09/who-says-paper-is-dead-business-model-innovation-in-the-newspaper-industry/

  • Mirko Riedel

    10.11.09 (11:50:00)

    Effizienzsteigerungen könnten zum Entstehen einer vielfältigen Dienstleistungskultur beitragen. Hier in Berlin gut zu beobachten; Menschen ohne feste Anstellung versuchen sich in kreativer Jobfindung und Bereichern damit die regionale Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Es werden sich neue Wirtschaftsoptionen aufzeigen, die eine Weiterentwicklung der Gesellschaft bedeuten, wie das schon seit der Entwicklung der Menschheit zu beobachten ist.

  • Marcel Weiss

    10.11.09 (14:08:33)

    @Christoph Kappes: "1. Free wird hochwertiger Inhalt nie sein, weil die Urheber immer versuchen werden, sich die Ur-hebung vergüten zu lassen." Free bedeutet nicht, dass es keine Vergütung gibt. Free bedeutet nur, dass die Vergütung nicht direkt erfolgt. Sie erfolgt indirekt.

  • Oliver Springer

    10.11.09 (19:59:55)

    Die Veränderungsprozesse erreichen eine Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Das hat viel mit der Einstellung zu den Veränderungsprozessen zu tun. Um den Wandel positiv gestalten zu können, muss man sich der Realität stellen. Das sehe ich nicht allein als Problem bestimmter Branchen, sondern auch gesamtgesellschaftlich. Dem Einwand, dass es vor allem neue Mittler gibt, schließe ich mich an. Mich irritiert etwas die negative Beurteilung von Mittlern, die dem Artikel innewohnt. Fachhändler (ob online oder offline) können beispielsweise Service und Beratung bieten. Sie können als Mittler eine wichtige Funktion erfüllen, um nur ein Beispiel zu nennen. Thema Arbeit: Die Arbeit wird uns bestimmt nicht ausgehen. Das Problem besteht darin, dass Bereiche, in denen Arbeitskräfte benötigt werden, gewissermaßen außerhalb des Marktes stehen. Die Frage ist dabei auch, für welche Leistungen man bereit ist, Geld zu bezahlen. In Deutschland wird ja gerade über die Folgen einer Verkürzung des Zivildienstes diskutiert. Anstatt Menschen zur kostenlosen (ok, es gibt einen Sold) Arbeit zu zwingen, könnten in den Bereichen, in denen Zivildienstleistende eingesetzt werden, sehr viele Arbeitsplätze entstehen. Und zwar solche, die nicht morgen nach in Rumänien oder China verlagert werden. Und solche, in denen Menschen arbeiten könnten, die "gering qualifiziert" sind. Das nur als ein Beispiel dafür, dass es nicht die Arbeit ist, die unserer Gesellschaft ausgeht! RFID: Dann könnte man Google auch danach fragen, was man noch im Kühlschrank stehen hat... ;-)

  • Hans-Dieter Zimmermann

    12.11.09 (21:47:20)

    Und ganz aktuelle ein Kommentar in der NZZ von heute zum Thema: Chronik einer Ankündigung.

  • Jürgen

    13.11.09 (16:41:33)

    Zur evtl. Übernächtigkeit eines Internet-Mittlers: wer sich nicht benehmen kann, ist morgen weg vom Fenster, von Google oder Amazon ist niemand abhängig. Die Zahl der Anbieter ist groß und auch hier werden neue Generationen es besser können als Google. Nichts ist festgeschrieben, das war es noch nie. zu Strukturwandlung: noch nie konnte sich jemand darauf verlassen, daß sein Geschäftsmodell oder Arbeitsplatz von Dauer war. Bekannt ist das spätestens seit den Weberaufständen, die dadurch ausgelöst wurden, daß Tuche maschinell statt in Handarbeit gefertigt wurden. Zu Arbeitslosigkeit: die wäre von heute auf morgen behoben, wenn der Staat alle Bürger bürokratielos arbeiten lassen würde. Um das zu erreichen, müßte nur eine für alle verbindliche einklagbare Lohnuntergrenze eingeführt und sämtliche Sozialabgaben abgeschafft werden. Also im Klartext: jeder Bürger wäre dann ein Kleinunternehmer, der für jeden anderen Dienste ausführen und Waren herstellen kann. Dazu muß es nur noch ein pauschaliertes Sozialeinkommen geben, das jeder bekommt, der nichts oder nicht genug verdient, und zwar bürokratielos. Der Staat muß sich Möglichkeiten verschaffen, Einnahmen zu generieren. Das ist eine Frage der Kreativität, ich denke an Produktionssteuer, Importsteuer, Umsatzsteuer, Straßenbenutzungsbebühr für jeden Kilometer (nach GPS -Aufzeichnung kein Problem, aufwändige Technik nicht nötig)Abgabe auf Gewässer - und Luftverschmutzung etc. Medien: jeder Journalist könnte seine Recherchen selbst vermarkten; eine Grundversorgung mit Fernsehen, Radio und Zeitung müßte der Staat gewährleisten, aber erstens ohne jede Unterhaltung und zweitens komplett ohne Eingriff in die Inhalte. Medien, die ihr Geld mit Industrieanzeigen verdienen, kann man nicht als unabhängig betrachten, sie sind immer, wenn auch unbewußt, interessensgesteuert. Medien, die Unterhaltung liefern, sollten dafür Geld bekommen, und zwar direkt durch micro-payment. Ein Kapitel z.B. 2 Cent, ein Film 20 Cent und so fort, nicht astronomische Preise, wie sie heute von Zeitungen und Fernsehsendern gefordert werden.Damit schaufeln sie sich ihr GRab selbst wie die Musiklabels, die astronomische Preise für eine CD haben wollen oder Verleger, die dem Autor 1,50 geben wo das Buch 30 Euro kostet. Geschäftsfelder: mir fallen viele Geschäftsfelder ein, die entstehen würden, wenn jeder unbürokratisch arbeiten bzw. kleinunternehmerisch tätig sein könnte: Minitaxi statt eigenes Auto, viel mehr Kleinspediteure anstatt selbst zu fahren, viel mehr Reinigungskleinunternehmen, Seelenpfleger (die einfach hinhören, vorlesen, Zeit mit Menschen verbringen etc.)Kleinlandwirte die einfach saisonal anfallendes Gemüse vermarkten (50-er Jahre-üblich), Minikinos als Treffpunkte, Tourismus - und Adventure-Kleinunternehmer(gibt es auch heute schon in beachtlichem Ausmaß, was kaum zur Kenntnis genommen wird, und die Behörden machen es diesen Leuten schwer). Wenn es endlich vorgeschrieben wäre, ausgediente Produkte in ihre verwertbaren Bestandteile zu zerlegen, wäre auch das ein lihnendes Geschäftsmodell für kleine Anbieter. Eine ökologische Landwirtschaft könnte eine große Zahl an Arbeitern bzw. Kleinunternehmern gebrauchen. Um das zu ereichen, braucht man nur die Subventionen in der Landwirtschaft abzuschaffen und die Transportkosten und Herstellungskosten durch den ökologischen Anteil zu erhöhen: wer ökologische Schäden anrichtet, soll dafür zahlen. Dann ist ökologische Landwirtschaft plötzlich nicht mehr teurer. Verteilung volkswirtschaftlich gemeinsam erarbeiten Vermögens: wenn heute 600 Facharbeiter ein Autowerk darstellen und 10x soviel Fahrzeuge herstellen wie 1965, dann ist das kein Verdienst der Manager, die das Werk leiten, sondern aller handwerklichen, wissenschaftlichen und sozialen Kräfte (nicht zuletzt der Infrastruktur und Bildung), die dazu geführt haben. Daher brauchen wir eine Einrichtung, die diesen Rationalisierungsvorteil abschöpft und sie Rationalisierungsopfern zugute kommen läßt. Daher plädiere ich für Produktionssteuer. Das behindert auch ausufernde Lagerhaltung und verhindert unsinnige Typenvielfalt, sondern befördert Herstellung auf Bestellung, was ich für ökölogisch sinnvoller halte. Insgesamt halte ich das Internet mit all ihren direkten Möglichkeiten für eine logische Konsequenz menschlichen Handelns. Das Gleiche gilt für Automation. Wichtig ist, unnötige Bremsen auszubauen und Kontrollen dort einzurichten, wo es nötig ist. Die Technik muß sicherer und einfacher werden, das ist klar. Aber untergehen oder arm werden nur die, die unflexibel sind, ungebildet sind, ignorant sind, zu lange an Altem festhalten wie Zeitungen gegenwärtig vormachen. Alle gestalten wir die Welt mit, in der wir leben, auf die eine oder andere Art. Also beteiligen wir uns konstruktiv, und haben unseren Spaß und unseren Erfolg.

  • Peter Meier

    14.11.09 (00:18:40)

    > und machen aus dem ehemaligen Milliardengeschäft ein > Millionengeschäft Dieselbe Leistung zu geringeren Kosten heisst Produktivitätssteigerung, das gesparte Geld wird für andere Dinge ausgegeben. > Musikvertrieb: > Michael Völker > Verlage sollen dabei komplett umgangen Sind sie in Deutschland heute schon, in besserer Form: Hat der Autor sein Buch in Word eingetippt, macht u.a. bod.de den Rest automatisch, per ISBN-Nummer in jedem Buchladen bestellbar, als echtes Buch, kein PDF-Download (für den man Amazon nicht bräuchte, selbst dieser Mittler ist schon überflüssig) > Jürgen Pansy > die grössten Mittler der Welt Ja, find ich auch, nur die alten Mittler (Händler) werden halt überflüssig. Stoff-Weber und Zeitungs-Setzer sind auch überflüssig geworden, haben gejammert, aber die Gesellschaft lebt ohne sie ganz gut, und wir werden gut leben, wenn wir direkt beim Hersteller bestellen und die Post uns das bringt.

  • Stefan Lorenz

    14.11.09 (21:43:19)

    Ich sehe es auch sehr positiv das die alten Zwischenhändler wegfallen. Am Ende bekommen wir mehr Waren für weniger Geld und das gesparte wird entweder angelegt oder wieder ausgegeben. Die Arbeitsplätze werden also nie wegfallen, nur die Anforderungen werden sich verschieben. @Jürgen: Diese Umverteilung ist der größte Unsinn, am Ende werden die Vorteile dann abgeschöpft, durch eine riesige Gießkanne dann auf alle verteilt und am Ende ist alles wie vorher. Sie freuen sich einerseits über die gewonnene Freiheit aber verfallen dann doch wieder in kollektive Theorien, damit geben sie die Freiheit wieder auf. Wie passt das zusammen?

  • Julia Wagner

    02.12.09 (11:12:20)

    Im Web 2.0 wird es so sein wie in der Welt 1.0, große Player werden den Markt beherrschen, im Web 2.0 entsteht nur ein neuer Markt. Das Google von morgen sind nicht soziale Netze, sondern: Google. Amazon dominiert den eCommerce, daran ändern auch die social commerce Angebote, so spannend sie sind, nichts. Und die großen Medienmacher bleiben Springer und Konsorten. Zwar kommt eine neue Generation ins Web 2.0 (z.B. das Magazin netzpublik.de), aber wenn ein Web 2.0 zu gut und groß wird, kauft es einfach ein Verlag (Holtzbrinck StudiVZ!). Its a new world with old players!

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