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23.04.14Leser-Kommentare

Streit-Thema Individualbeförderung: Warum WunderCar den Konflikt um Uber entspannt beobachtet

Während Uber den geballten Zorn der Taxibranche auf sich zieht, glaubt der Konkurrent WunderCar, mit seinem Konzept weniger Aggressionen zu provozieren. Zudem bedrohe die von dem Startup aus Hamburg vorangetriebene Bewegung eher die Automobilbranche, sagt Gründer Gunnar Froh.

WunderCarDie aktuelle Aufregung um Uber wirft nicht nur die Frage auf, wie myTaxi sich künftig verhalten wird. Auch WunderCar, ein anderes, noch ganz junges Startup aus Deutschland, muss eine Entscheidung treffen, wie es sich angesichts der aufgeheizten Stimmung positioniert. Es könnte zwar versuchen, sich in die derzeit umfassende Medienberichterstattung zum Fall Uber "einzuschleichen", um ebenfalls von der großen Aufmerksamkeit zu profitieren. Dann allerdings bestünde die Gefahr, dass auch der Dienst aus Hamburg ins Visier des Establishments geraten würde. Vielleicht ist das der Grund, warum die Norddeutschen bislang auf aktive PR mit Anknüpfung zur aktuellen Debatte verzichtet haben. Trotzdem interessierte uns, welche Haltung das Ridesharing-Unternehmen im Bezug auf den aktuellen Streit einnimmt. Auf unsere Anfrage hob WunderCar-Gründer und Geschäftsführer Gunnar Froh den grundsätzlichen konzeptionellen Unterschied zu Uber hervor: "Bei uns bieten Privatpersonen unentgeltliche Mitfahrten an. Es gibt mit Hilfe der App lediglich die Möglichkeit, ein freiwilliges Trinkgeld zu geben. Der Community Aspekt und das Kennenlernen anderer Menschen stehen im Vordergrund. Unsere Fahrer sind nur wenige Stunden auf der Straße und wenn man die Kosten des Fahrzeugs berücksichtigt, ist wohl niemand mit Gewinnerzielungsabsicht unterwegs".

Mit dieser Erläuterung wird klar, welche Positionierung WunderCar wählt: Die aktuellen Streiterein zwischen Uber und der Individualbeförderungslobby tangieren den Service nicht, da Fahrer rein privat und vorrangig durch die Freude am Fahren und Kennenlernen neuer Menschen motiviert werden. Diese Eigenheit des WunderCar-Ansatzes, der Fahrer und das Startup von den Pflichten des Personenbeförderungsgesetzes ausnimmt, betonen die Norddeutschen zwar dem Debüt vor einigen Monaten. Von Froh aber so eindeutig zu hören, dass WunderCar-Fahrer sich keine zu großen Hoffnungen auf Gewinn machen sollen, hilft dabei, das Selbstverständnis des Dienstes und seiner Macher zu verstehen.

Die Beschreibung offenbart jedoch gleichzeitig den im System von WunderCar eingebauten Konflikt: Denn das Startup erwirtschaftet Umsatz über eine 20-prozentige Provision vom Trinkgeld, das Fahrgäste den Fahrern nach einem Trip freiwillig über die App zukommen lassen können. Wenn zu wenige oder zu geringe Trinkgelder gezahlt werden, dürfte das Unternehmen kaum jemals schwarze Zahlen erreichen. Zudem erschwert eine schlechte Zahlungsbereitschaft der Passagiere die Rekrutierung von Fahrern, die bei WunderCar immerhin ihre Privatfahrzeuge nutzen und die Spritkosten tragen. Sowohl für WunderCars Bilanz als auch die partizipierenden Fahrer ist es demnach wünschenswert, dass so viel Trinkgeld wie nur möglich mittels der App von Fahrgästen an Fahrer fließt. Dann jedoch laufen die beteiligten Parteien Gefahr, gegen das erwähnte Personenbeförderungsgesetz zu verstoßen, das für den kommerziellen taxiähnlichen Betrieb eine Lizenz voraussetzt. WunderCar bewegt sich also auf einem äußerst schmalen Grat.

Auf diesem scheinen Gunnar Froh und sein Team zumindest in Bezug auf die rechtlichen Aspekte vorläufig gut entlang balancieren zu können. "Auf der rechtlichen Seite haben wir bislang keine Probleme", erklärt der Entrepreneur. "Wir stehen sowohl mit den Behörden in Hamburg und Berlin als auch mit Vertretern des Taxigewerbes im Austausch, um unsere App und die Motivation unserer Fahrer zu erklären. Mehrere prominente Politiker auf Landes- und Bundesebene unterstützen unser Modell", so Froh.

Was den Norddeutschen hinsichtlich des Wohlwollens offizieller Stellen helfen dürfte, ist die artikulierte Nachhaltigkeitsvision. Während Uber sich als elitärer Limousinenvermittler präsentiert, will WunderCar die Idee einer besser vernetzten Stadt mit weniger Autos verwirklichen. Froh hat sich zum Ziel gemacht, bis Ende 2015 in Hamburg und Berlin 50.000 Autos zu ersetzen. "Die früheren Autobesitzer werden sich mit einem Mix aus unterschiedlichen Transportmitteln durch die Stadt bewegen: U-Bahn, Stadtrad, Drive-Now, WunderCar". Auch Taxis würden in diesem Transportmix weiter eine wichtige Rolle spielen: Der Umbruch, den WunderCar vorantreiben will, gehe primär zu Lasten der Automobilhersteller - "sofern sie sich nicht an modernen Transportalternativen beteiligen", prognostiziert der WunderCar-Gründer.

Angenommen, es gelingt dem Startup, sich auf Dauer mit Behörden und Branchenorganisationen gut zu stellen, dann liegt die größte Herausforderung bis auf weiteres darin, genug Fahrer zu finden, die Hobby-Chauffeur spielen wollen, ohne dafür mehr als die Mittel für ein (großes) Feierabendbier als Gegenleistung zu erwarten - oder, sollten doch signifikante Summen den Besitzer wechseln, zumindest nach außen so zu tun, als gebe es mit WunderCar nicht viel zu verdienen. /mw

Kommentare

  • Anti Piracy Company

    23.04.14 (21:06:55)

    Kannte wundercar noch gar nicht. Ich verstehe aber nicht, wieso das ganze kostenlos ist? Also wie kann das denn kostenlos sein?

  • David

    29.04.14 (14:20:10)

    Ist es doch nicht?

  • Florian Hofmann

    02.05.14 (14:11:53)

    Toller Artikel, die Jungs von Wundercar machen eine herrliche Arbeit. Allerdings ist die Deklarierung des vom Fahrgast geleisteten Obolus als "Trinkgeld" wie bei WunderCar aus meiner Sicht wohl nicht allzulange verteidigungsfähig. "Zwar genügt die bloße innere Erwartung einer Gegenleistung, wie sie beim Wunsch nach Trinkgeld vorliegt, noch nicht, damit das Personen-Beförderungs-Gesetz auch wirklich greift. Allerdings geht eine App, welche die Vergütung bereits mit einberechnet und deren Höhe vorgibt, über eine solche innere Erwartung weit hinaus. Zumal das Geschäftmodell von Wundercar ja eben auch auf der "freiwilligen Spende" aufbaut.

  • Joern Napp

    08.05.14 (09:19:01)

    NATÜRLICH ist Wundercar NICHT kostenlos! Genau DA liegt ja der Scherz und die Crux dieses Geschäftes! Privatleute fahren in der Landschaft herum, machen sich sogar SELBSTSTÄNDIG damit, um GELD zu verdienen! Was sonst? Und WC möchte daran partizipieren und ebenfalls Kohle machen! Aber wie kann man von NICHTS 20% haben wollen? Wie soll das überhaupt festgestellt werden, wieviel der Fahrgast tatsächlich dem Fahrer gegeben hat? Und was würde passieren, wenn der Fahrgast NICHTS gibt? Im Taxi wäre das Zechprellerei, aber im Privatwagen? Wenn aber die Preise schon auf der App erscheinen würden und über die Kreditkarte abgezogen werden, DANN ist das natürlich KEIN Trinkgeld mehr, sondern ein zu zahlender Fahrpreis! Damit wäre das dann ein kostenpflichtiger Personentransport und keine Mitfahrgelegenheit! Und dann wäre ein P-Schein erforderlich, da der Fahrer sonst rechtlich OHNE Führerschein fahren würde! Bisher verhält sich unsere Behörde in Hamburg ruhig, was die Jungs von WC offensichtlich ermutigt weiterzumachen!?

  • Fred

    19.05.14 (11:57:31)

    Das ist nichts weiter als eine Anstiftung zur Steuerhinterziehung und zum sozialabgaben Betrug, damit Herr Froh sich bereichern kann. Welcher Erwachsene macht sich zum Kasper, und bewegt sein Fahrzeug mit fremden Leuten drin nahezu zum Selbstkostenpreis durch die Stadt ? Keiner. Nichts anderes ist aber erlaubt !! 1 € für eine 10km Strecke ist laut OLG gerade noch legal. Offizielle Mitfahrzentralen nehmen zwischen 4 und 7 € pro 100 KM !!! Also auch DAS ist legal. Aber ein halber Taxipreis wie auf der Homepage ist schlicht und ergreifend illegal. Das ist Personenbeförderung ohne Lizenz, ohne Umsatzsteuerabgaben, ohne Einkommenssteuer Abfuhr, ohne Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung, ohne ausreichende Kfz-Haftpflichtversicherung, ohne staatlich festgelegte 0,0 Promillegrenze für den Fahrer, ohne EU-Rauchverbot im Wagen, ...usw. Fred

  • Taxi Mann

    19.05.14 (12:12:54)

    "Bei uns bieten Privatpersonen unentgeltliche Mitfahrten an." !!! Das ist ja wohl mehr als lächerlich ! Ich bestelle die Fahrt, ich sage das Fahrziel an !!! Und das soll keine gewerbliche Personenbeförderung sein ?? Ja Ne, ist klar ...

  • Eduard Storberg

    08.06.14 (16:36:13)

    Wer glaubt, dass die Fahrer kostenlos arbeiten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Wenn WC "Mindesttrinkgeld" verspricht und von dem "Trinkgeld" 20% einbehält, dann ist doch offenkundig, dass es zumindest für WC kommerziell ist. Wenn der "Preis" die Betriebskosten deckt und von diesem "Preis" nur 80% beim Fahrer ankommt, dann macht dieser bei jeder Fahrt 20% VERLUST! Eine Fahrt kann aber nur dann als nicht kommerziell bewertet werden, wenn Niemand bei dem Modell Gewinn macht, es reicht nicht aus, dass die Fahrer über den Tisch gezogen werden.

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