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14.04.14Kommentieren

Streetspotr: Mit 240.000 Nutzern und frischem Kapital auf internationalem Expansionskurs

Über zwei Jahre lang haben die Gründer des Vermittlers von Smartphone-Microjobs, Streetspotr, den Betrieb ihres Startups aus eigener Tasche finanziert. 2014 wissen sie, dass ihr Produkt funktioniert, und planen für großes Wachstum - auch international. Damit war die Zeit reif für eine Kapitalspritze.

StreetspotrSmartphone-Besitzer in mobile Arbeitskräfte zu verwandeln, die unterwegs kleine Aufträge für Firmen und Organisationen erledigen - als Dorothea Utzt, Werner Hoier und Holger Frank im Herbst 2011 die geschlossene Beta-Phase für ihren Dienst Streetspotr begannen, wusste niemand, ob eine solche Idee tatsächlich funktioniert. Auch die drei Gründer konnten sich nicht sicher sein, dass das Konzept bei Anwendern und Auftraggebern gleichermaßen ankommen würde. Ein Proof of Concept existierte nicht, und das mobile Web stand noch vor dem endgültigen Durchbruch auf breiter Front. So sah das Trio erst einmal davon ab, sich Vollzeit dem neuen Projekt zu widmen und die gemeinsam betriebene Agentur aufzugeben. Stattdessen wählten die Drei einen Bootstrapping-Ansatz: Streetspotr sollte aus eigenen Mitteln durch die Anfangsphase gebracht werden, unterstützt durch die "Querfinanzierung" mittels Umsätzen aus dem Agenturgeschäft.

"Wir, die Gründer und das ganze Team, haben auf viel verzichtet", beschreibt Mitbegründerin Dorothea Utzt diese Phase; "nicht zuletzt auf ein marktübliches Gehalt". Dabei mangelte es dem Startup aus Nürnberg nicht an Usern. Diese strömten in Scharen zu dem Service, angetrieben von der Vorstellung, sich während alltäglicher Erledigungen nebenbei ein paar Euro hinzuzuverdienen. Übliche standortspezifische Jobs, die heute über die Streetspotr-Apps erledigt werden können, sind Überprüfungen von Produktplatzierungen, Konkurrenzbewachungen sowie Servicetests. Die deutsche Presse fand schnell ein Interesse an dem Modell und berichtete in regelmäßigen Abständen über Streetspotr und die kurze Zeit später gestarteten Wettbewerber AppJobber und WorkHub. Das große Interesse der Medien sei für Streetspotr eine enorme Hilfe gewesen, erklärt Utzt. Denn durch die selbstgewählte Kapitalknappheit fehlten der Firma aus Franken die Mittel für Marketing. Heute sagt die gebürtige Bayerin, dass der Dienst ohne die für einen stetigen Strom neuer Anwender sorgende Medienbewachung wahrscheinlich nicht überlebt hatte. Denn dann wäre es noch schwieriger gewesen, Unternehmen davon zu überzeugen, Streetspotr eine Chance zu geben.

250 Firmen vergeben Aufträge über Streetspotr

Die Streetspotr-Gründer Dorothea Utzt, Werner Hoier und Holger Frank

Es benötigte einiges an Überzeugungsarbeit, um erste Kunden zu gewinnen. "Wir waren damals ein wenig zu früh", meint Utzt mit Blick auf die Resonanz seitens Unternehmen im Vergleich von heute zu vor zwei Jahren. Zumal die Nürnberger bis vor kurzem kein Vertriebsteam hatten. Die Akquise wurde von den Gründern selbst getätigt, zum Teil ausgelagert auf das "Self-Service"-Kundenportal, über das beliebige Firmen und Dienstleister in Eigenregie Arbeiten an die rund 240.000 Streetspotr-User deligieren können.

Doch seit einigen Monaten hat sich die Situation signifikant verändert. Smartphones sind im Mainstream angekommen, was die grundsätzliche Skepsis bei Firmen verringert. Außerdem wurden Vertriebsmitarbeiter eingestellt und das nicht mehr zeitgemäße Kundenportal erneuert, das in dieser Woche scharf geschaltet wird. Rund 50 Großkunden betreut Streetspotr mittlerweile persönlich, darunter bekannte Namen wie Sony, Microsoft und BMW. Zudem haben bislang etwa 200 Firmen eigenhändig Aufträge über Streetspotr "ausgelagert". Zwei Drittel der Erlöse daraus werden an die User ausgeschüttet, ein Drittel verbleibt bei den Süddeutschen als Vermittlungsgebühr (im internationalen Vergleich ein überdurchschnittlicher Wert).

"Dieses Jahr ist entscheidend", betont Utzt mit Bezug auf die Frage, welche Wachstumsmöglichkeiten sie und ihre Mitstreiter für das aktuell 18 Leute beschäftigende Startup für realistisch halten. Bereits beschlossen ist eine Internationalisierung des Dienstes. Neben dem deutschsprachigen Raum, wo Streetspotr eine gute Marktabdeckung erzielt habe, rückt nun Großbritannien ins Visier. Ein "Soft-Launch" laufe dort gerade. Sobald fünf bis zehn Kunden gewonnen worden seien, gehe es auf der Insel richtig los. Weitere europäische Länder sollen noch 2014 an die Reihe kommen. Utzt evaluiert außerdem gerade Möglichkeiten, in den US-Markt vorzustoßen. Seit zwei Wochen und für einige Monate verweilt sie in San Francisco, unterstützt vom German Silicon Valley Accelerator, der deutschen Startups beim Markteinstieg in Nordamerika hilft.

Finanzierung im hohen sechsstelligen Bereich

Die Entscheidung, lange auf eine Finanzspritze zu verzichten, wurde für die Firma durch die Gewissheit erleichtert, jederzeit Zugang zu Venturekapital zu haben. Laut Dorothea Utzt gab es eine Vielzahl guter Angebote, wodurch die Gründer von der mentalen Last der Alternativlosigkeit befreit wurden. Wäre es an irgendeinem Punkt zu einem ernsten finanziellen Engpass gekommen, hätte Streetspotr relativ unproblematisch frisches Geld aufnehmen können. Am Ende vergingen mehr als zwei Jahre, bis die Macher Investoren ins Boot holten: Die Kfw und Steff Concepts investieren in einer gerade verkündeten ersten Runde einen "hohen sechsstelligen Betrag" in das Startup. Mit der Finanzierung möchten die Gründer das Expansionstempo sowie die Vertriebstätigkeit erhöhen. Etwas, das mit Blick auf die Konkurrenz sowie die USA-Pläne alternativlos ist. Sollten diese verwirklicht werden, ist mit der bisherigen "Gemütlichkeit" endgültig Schluss.

Mindestens genauso wichtig wie die Verdienstmöglichkeiten ist für die Streetspotr-Community laut Utzt der Spaß, der durch Gamification-Elemente und Social-Networking-Features gefördert wird. In einer Umfrage unter 2.000 Nutzern hätten 60 Prozent angegeben, Streetspotr in erster Linie zu nutzen, weil es Spaß macht. Reich werden User mit Streetspotr aktuell auch nicht: Die Mehrzahl von ihnen verdient maximal Kleinstbeträge. Nach Aussage von Dorothea Utzt seien aber 2013 für die aktivsten Anwender immerhin bis zu 1.500 Euro ausgezahlt worden. Und sie hält es nicht für ausgeschlossen, dass "Hardcore-Nutzer" irgendwann in der Lage sein werden, einen niedrigen fünfstelligen Jahresbetrag zu erwirtschaften. /mw

Link: Streetspotr

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