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01.08.13Leser-Kommentare

Stetiges Streben nach Wachstum: Der Makel der Generalisten

Die führenden Internetfirmen lassen keine Gelegenheit aus, zu wachsen. Nicht selten geht dies auf Kosten der Nutzer. Es ist Zeit für mehr Perfektion und weniger aus chronischem Wachstumsstreben resultierendem Generalismus.

WachstumFacebook plant laut Bloomberg die Einblendung von 15-sekündigen Werbespots innerhalb seines sozialen Netzwerks. 2,5 Millionen Dollar sollen so täglich in die Kasse des Unternehmens fließen, dessen Aktie gerade allen Unkenrufen zum Trotz eine beachtenswerte Entwicklung durchmacht. Was Facebook von einem entsprechenden Schritt hat, liegt auf der Hand. Den Mehrwert, den 15-Sekünder für Besucher des Social Networks bringen, kann man jedoch lange suchen.

Der Vorstoß zeigt das Grundproblem des ungebrochenen Drangs nach Wachstum. Fast ausnahmslos verwandelt der ökonomische und psychologische Druck, Umsatz, Gewinn und andere elementare unternehmerische Kennzahlen unaufhörlich in neue Dimensionen zu bringen, irgendwann jede an Endkonsumenten gerichtete Firma im Websektor in eine nur noch die eigenen Interessen befriedigende Organisation. Das Facebook von vor fünf Jahren war noch deutlich stärker darauf ausgerichtet, die Anwenderschaft zufriedenzustellen, als man dies von Facebook im Jahr 2013 behaupten kann. Damals ergab sich Wachstum schlicht aus dem unaufhörlichen Zulauf neuer Nutzer. Mittlerweile stößt das soziale Netzwerk mit seinen 1,15 Milliarden aktiven Mitgliedern in vielen Märkten an eine Sättigungsgrenze. Deshalb verlagert sich der Schwerpunkt auf das "Melken" der existierenden Nutzerschaft. Ökonomisch legitim, aber aus Sicht der Betroffenen bedauerlich. Wachstumsstreben schadet Anwendern

Facebook ist dabei nur ein Beispiel unter vielen. Auch Google reicht es nicht mehr länger, die beste und weltweit führende Suchmaschine zu sein und eine Reihe diese ergänzender, innovativer Onlinedienste bereitzustellen. Stattdessen will man unbedingt an neue Geldtöpfe. Oder man meint, dies zu müssen. Notgedrungen, um nicht im Wettbewerb um das Zeitbudget, die Aufmerksamkeit und die Werbeetats der Wirtschaft gegen die Kontrahenten den Kürzeren zu ziehen. User müssen die teils unangenehmen Konsequenzen in Kauf nehmen. Auch Yahoo agiert kaum anders und übernimmt momentan nahezu jedes Startup, das nicht bei drei auf den Bäumen ist. Dabei geht es CEO Marissa Mayer weniger darum, das existierende Produktportfolio zu verbessern (Stichwort Flickr) und die Zufriedenheit der bisherigen und künftigen Nutzer zu erhöhen, sondern primär um quantitatives Wachstum und das prestigevolle Mitspielen in der ersten Liga des Webs. Hauptsache, mehr von allem. Dito Twitter. Und viele andere Anbieter, im Technologiebereich und darüber hinaus.

Schädlicher Trieb nach dem "Mehr"

Das ewige Streben nach Wachstum stellt den Kern jeder Kapitalismuskritik dar. Dabei geht es mir gar nicht so sehr darum, Profitstreben und große Ambitionen generell anzuprangern. Beides ist erforderlich, um gesellschaftlichen, technischen und auch sozialen Fortschritt zu erreichen, und beides ist gewissermaßen menschlich. In Maßen. Erst wenn alle einstigen Ziele aus dem Sichtfeld verschwinden, alle anfänglichen Ideale verloren gehen und Wachstum zum Selbstzweck wird, entsteht daraus ein Problem. Ab diesem Punkt werden Kunden/Nutzer zu Verlierern. Dass der Drang nach unbegrenztem Wachstum regelrecht krankhafte Züge annehmen kann, wird deutlich, betrachtet man das am Rande des Größenwahns befindliche Treiben der Samwer-Brüder. Wie viele Menschen unter ihrem als extrem aggressiv geltenden Vorgehen schon leiden mussten, darüber kann man nur spekulieren.

Die Annahme, alles müsse stetig mit Volldampf in neue Höhen vorstoßen, ist fest in unserem Bewusstsein verankert. Ich merke das immer, wenn mich Leute fragen, wo denn netzwertig.com in zwei oder drei Jahren stehen wird. Im Unterton schwingt dabei meist die Erwartung mit, dass ich ihnen von Welteroberungsplänen berichte. Dass es für eine Onlinepublikation auch einfach erstrebenswert sein könne, mit Kontinuität ein qualitatives Angebot zu betreiben, ohne dass die Verzehnfachung der Seitenaufrufe und die Verdrängung der Konkurrenten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten als Parole ausgerufen wird, scheint als ähnlich exotisch zu gelten wie Startups, die nicht für den Exit sondern für eine unabhängige, wirtschaftlich nachhaltige Existenz gegründet werden.

Generalismus statt Perfektion

Am Motto "Think Big" ist nichts auszusetzen, solange sich daraus nicht das Missverständnis entwickelt, mit allem und jedem konkurrieren zu müssen. Nahezu alle renommierten Unternehmen der IT-Landschaft sind dazu übergangen, eine möglichst breite Produkt- und Dienstepalette abzudecken. Anstatt eine Sache richtig gut zu beherrschen und die hohen Erwartungen von Usern und Kunden zu übertreffen, mischen sie lieber in unzähligen Geschäftsfeldern mit und nehmen in Kauf, dass dabei das ein oder andere Bedürfnis der Zielgruppe unerfüllt bleibt oder gar mit Füßen getreten wird. Wer in der bisherigen Industrie- und Konsumgesellschaft so agierte, wurde üblicherweise von den Kunden abgestraft und damit in die Schranken gewiesen. Ein natürlicher Selbstreinigungsprozess sozusagen. Doch im Internet- und Technologiesektor scheint dieser Mechanismus zumindest kurzfristig nicht mehr richtig zu funktionieren.

Was Sushi mit der Wirtschaft zu tun hat

Der 86-jährige japanische Sushi-Meister Jiro Ono widmet sich seit mehr als fünf Jahrzehnten Tag für Tag dem gleichen Job: für eine ausgesuchte Zahl der bis zu einem Jahr im Voraus reservierenden Gäste seines legendären Tokioter Sushi-Restaurants Sukiyabashi Jiro eine perfekte Sushi-Kreation zu zaubern. Anstatt zu expandieren, verpflichtete sich Ono - der angeblich im Alter von zehn Jahren erstmals mit der Zubereitung von Sushi begann und im Fokus des sehenswerten Dokumentarfilms "Jiro Dreams of Sushi" steht - die japanische Spezialität zur Perfektion zu bringen.

Perfektion statt ungezügelter, aggressiver Expansion, bei der allerlei Qualitäten und positive Werte unter die Räder kommen - unsere heutige Wirtschaft, insbesondere der Technologie- und Internetbereich - benötigt mehr Jiro Onos! /mw

Foto: Back view image of businessman drawing graphics on wall, Shutterstock

Kommentare

  • Julian

    01.08.13 (09:20:56)

    Ich kann jeden Unternehmer und Aktionär verstehen. Kapitalismus: - Wachstum ist notwendig weil Lohnniveau steigt - Marktführerschaft häufig notwendig damit Investment-Rechnung aufgeht Ich finde wir als Verbraucher müssen etwas dagegen tuen und zum Beispiel Schuhe nicht bei Zalando kaufen, wenn man Samwers Strategie nicht mag. Mit unserem Verhalten können wir die Unternehmer erziehen.

  • John

    01.08.13 (09:24:27)

    Grosses Kompliment, Martin, für diese grundsätzliche Reflektion - ich teile Deine Meinung und wertschätze netzwertig.com eben wegen solchen nachdenklichen Beiträgen ganz besonders. Grüsse, John

  • Christian

    01.08.13 (09:27:34)

    Das Problem Quantität > Qualität liegt zum Teil auch in der Beziehung zwischen Vertrieb und Kunde begraben. Es ist für den Vertrieb wesentlich einfacher mehr von einem Produkt zu verkaufen als für eine bessere Variante eines Produktes mehr Geld zu erhalten. Wie viele Kunden würden schon für ein WhatsApp mit Verschlüsselung 50 Cent mehr zahlen? Windows7 ist auch deutlich besser als seine Vorgänger und das zu einem eher niedrigerem Preis.

  • Frank-Michael Preuss

    01.08.13 (09:36:29)

    Guter Artikel, danke! Ein generalistisches Umdenken wird mehr und mehr nötig!

  • Oliver Springer

    01.08.13 (13:13:39)

    Mir gefällt diese Entwicklung auch nicht, weil sie auf Kosten der Qualität der Angebote geht. Wie sehr sich das Streben nach Qualität für ein Unternehmen lohnt, hängt aber ganz wesentlich von den Usern ab. Und da bin ich nicht besonders optimistisch. Bequemlichkeit, alles aus einer Hand haben können, ist dagegen ein deutlicher Wunsch vieler. Die große Reichweite, die Unternehmen wie Google haben, lädt aus Unternehmenssicht allerdings auch dazu ein, sie für weitere Angebote zu nutzen. Es ist völlig natürlich, dass Facebook Bewegtbildwerbung zeigen möchte. Als werbefinanziertes Angebot kann sich Facebook diesem Trend kaum verschließen. Speziell darin sehe ich keine Abweichung vom ursprünglichen Kurs. Ich fürchte, was die Ausweitung der eigenen Angebote angeht, kommt die große Welle erst noch. Ich wundere mich darüber, dass Unternehmen, die so viel über die Wünsche und Interessen von Menschen wissen wie Google und Facebook - und noch dazu direkte Kontakte zu diesen haben - dieses Wissen nicht dafür nutzen, weit mehr eigene Angebote zu entwickeln bzw. sich in Branchen einzukaufen.

  • Martin Weigert

    01.08.13 (20:03:31)

    @ Julian "Ich finde wir als Verbraucher müssen etwas dagegen tuen und zum Beispiel Schuhe nicht bei Zalando kaufen, wenn man Samwers Strategie nicht mag. Mit unserem Verhalten können wir die Unternehmer erziehen." Stimmt. Und schnell lässt man da die eigenen Prinzipien sausen... @ John & Frank-Michael Preuss Danke! @ Oliver Springer Jep vermutlich kommt das dicke Ende noch. Aber die Akzeptanz der Nutzer kennt vielleicht doch irgendwelche Grenzen.

  • Oliver Springer

    01.08.13 (21:07:45)

    @Martin Weigert: Sofern die Unternehmen es geschickt anstellen, rechne ich mit einer hohen Akzeptanz seitens der Nutzer. Ob sich die bisherigen Nutzer deshalb von einem Unternehmen abwenden, weil es bei Brand Extension oder der Konzern-Diversifizierung übertreibt? Das glaube ich nicht. Zudem muss ja nicht alles über die etablierte Marke laufen. Die Online-Riesen könnten auch unabhängig von ihrem Kerngeschäft unter neuem Namen in Branchen einsteigen, in denen sie durch ihre bestehenden Angebote einen Informationsvorsprung haben. Die Daten der bestehenden Nutzer und die Fähigkeiten zur Datenanalyse können in zahlreichen Branchen starke Wettbewerbsvorteile bieten. Wer genau weiß, was Verbraucher wollen, kann entsprechende Produkte entwickeln bzw. bestehende Produkte den tatsächlichen Kundenwünschen anpassen.

  • Tobias

    02.08.13 (00:01:27)

    Danke für diesen Artikel. Das kurzfristige Wachstumsstreben zerstört auch potentiell lukrative, neuartige Geschäftsideen. Manchmal entscheiden Details über den Erfolg von neuen Diensten. Wer nicht die Ausdauer mitbringt, und gewillt ist sein Produkt zu perfektionieren, landet schnell bei einem Klon, anstatt ein innovatives, differenziertes Unternehmen zu schaffen.

  • Horsti

    03.08.13 (18:41:32)

    Die Notwendigkeit umdenken zu müssen sehe ich für Facebook & Co. aktuell keineswegs. Man ist konkurrenzlos und wird es bleiben, bis man unabänderlich von der Bühne abtritt. Ab diesem Zeitpunkt helfen dann auch keine Reparaturarbeiten mehr. Siehe hier MySpace, die VZ-Netzwerke etc. Man wächst, wird groß, wird riesig und tritt ab. Dies ist IMHO darin begründet, dass ALLE Jagd auf den Platzhirsch machen und bei Webdiensten zusätlich noch damit, dass die Kundschaft oben teilweise heraus wächst und unten neues entdeckt, weil man ja sicher nicht mit seinen Eltern, Onkel und Tanten in einem Netzwerk befreundet sein will. (Da war die Sektiererei bei VZ mit Schueler, Studi schon cleverer...) Der Sinn eines Webdienstes ist es deshalb IMHO in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel Geld zu verdienen. Man legt das Unternehmen doch nicht auf Jahrzehnte an. Eher bläst man ganz bewusst einen Hype auf (Groupon etc.) grast denn Markt ab und lässt dann das Gras verdorren. Solange die Initiatoren dabei auf ihre Kosten kommen und ggf. sogar reich werden, ist doch alles gut. Nur ist dieses Vorgehen für deutsche mittelSTÄNDISCHE Verhältnisse natürlich ungemein uverträglich, da man ja auf Jahrzehnte plant und etwas ewiges aufbauen will. Die Amis schmeißen Bierdosen aber eben genau so weg wie Inc's. Parallel fahren die aber eben auch Dutzende neue Dienste hoch und einer wird schon seine Chance nutzen. Unser letzter großer deutscher IT-Newcomer wurde voriges Jahr gerade 40 Jahre als und denkt laut darüber nach, warum Entwickler nicht in Hinterkleckerhausen oder Walldorf oder sonstwo sondern zumindest in Berlin, besser in Kalifornien arbeiten wollen. Bei uns ist eben leider das Denken auch diesbezüglch unhipp und eher mittelständisch. In Letzterem ist ja schön das Beharrungsvermögen, Stillstand und Zukunftsunfähigkeit beschrieben. Nun komme mir keiner mit innovativem Maschinenbau. Der ist die Technologie von gestern und vorgestern und auch die Automobilie Revolution wird nicht von einem Autokonzern angezettelt werden. Genau wie Sony & Co. iTunes nie zu Stande gebracht hätten.

  • Horsti

    03.08.13 (18:44:01)

    Soll ich meine Schuhe lieber um die Ecke im "Fachgeschäft" kaufe, wo meine Schwiegermutter bis vor 2 Jahren mit 5,50 €/h abgespeist wurde? Die Welt ist leider weder eine Scheibe noch schwarz oder weiß.

  • Horsti

    03.08.13 (19:01:41)

    Ich denke, der Ansatz "Perfektion" kann im Kleinen ganz gut funktionieren. Ich selbst bestreibe seit 20 Jahren ein Ingenieurbüro. Seit nunmehr 10 Jahren fokussieren wir uns ausschließlich auf lukrative Nischen, die bei überschaubarem Einsatz den maximalen Gewinn versprechen. Dabei bleibt dann automatisch das Wachstum auf der Strecke, da Wachstum Größe nach sich zieht und diese in "schlechten Zeiten" dazu zwingt, jeden Müllauftrag anzunehmen, nur um die Kosten zu decken. Also lautet unsere Antidevise: Kosten runter, Auftragspicking und in der Konsequenz im Schnitt nur 25 h/Woche arbeiten müssen um gut leben zu können. Dies ist aber leider einer Autoindustrie, deren Produktivität im Jahr um durchchnittlich 4 % steigt, leider nicht zu vermitteln. Auch ist dieses Vorgehen nur im kleinen Kreis akzeptiert. Grundvoraussetzung ist nämlich, Durststrecken problemfrei überstehen zu könen, was bedeutet, dass man ohne Bankverbindlichkeiten etc. lebt und somit ein freier und nicht schudversklavter Mensch ist. Konsumnarren mit geleasten Autos und kreditiertem "Altersvorsorgehaus" geht meine Einstellung sicher völlig ab, da diese Leute = breite Massen anders sozialisiert wurde. Man lernte offenbar vielerorts, dass Bäume traditionell in den Himmel wachsen.

  • DJ Nameless

    04.08.13 (14:24:02)

    Sehr guter Artikel und sehr gute Kommentare! Ich glaube, dass wir durch diese ständigen kurzfristigen Gewinnmaximierungs-Gedanken (die ja nun mal durch das Marktwirtschaftssystem vorgegeben sind) dafür sorgen werden, dass unser Geldsystem irgendwann demnächst kollabrieren wird. Da bargeldloses Zahlen per EC-/Kreditkarte, Online-Banking usw. immer mehr zunimmt, werden jüngere Generationen keinen Bezug mehr zum "anfassbaren" Geld mehr bekommen, und Erfolg bzw. Misserfolg definiert sich dann nur noch über virtuelle Zahlen im Computer, die sich mit ein paar Mausklicks manipulieren lassen. Von daher wird "Geld" m. E. langfristig etwas VÖLLIG wertloses; die breite Masse der Bevölkerung ist aber nach wie vor daran interessiert, dass die Sachen, die wir benötigen - von Lebensmitteln über Autos bis hin zu Freizeitprodukten - uns weiterhin erhalten bleiben. Ich könnte mir also in Zukunft durchaus vorstellen, dass viele Leute einfach ihren Job weitermachen, egal welcher virtuelle Geldbetrag auf dem virtuellen Konto des Arbeiters vermerkt ist. Der Wikipedia-Artikel zum bedingungslosen Grundeinkommen http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen schreibt: "Bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der modernen Wohlfahrtsgesellschaft ist von den Einkommen anderer oder Leistungen der Sozialversicherung abhängig. Diese Situation wird sich aufgrund der Bevölkerungspyramide weiter verschärfen. Zugleich sinkt der Bedarf an Arbeitskräften in der Industrie durch die kontinuierlichen Rationalisierungsprozesse strukturell weiter. Eine Bindung der sozialen Sicherung an eine immer weiter abnehmende Basis führt zu einer Belastung der betrieblichen Lohnkosten, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zunehmend verschlechtert." Im Klartext: Wenn bereits jetzt rund 60% der Bevölkerung in der zivilisierten Welt subventioniert werden muss, werden wir in wenigen Jahrzehnten bei über 90% sein. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass bald die Wirtschafts- und Politik-Experten eine Lösung finden, und dann auch ein funktionierendes Geschäftsmodell für Branchen, die nicht mehr groß wachsen können, existiert. DJ Nameless

  • Horsti

    04.08.13 (16:27:31)

    Ich denke eher, dass die Masse der Leute, die heute arbeiten gehen MUSS dies tut, um sich Konsumwünsche zu erfüllen oder aber sie muss ihre Haut für frühere auf Kredit konsumierte Sachen zu Markte tragen. Leute finanzieren Einfamilienhäuser über 25 Jahre, obwohl die Deutschen absehbar massiv weniger werden. Leute leasen Autos, Leute fahren auf Kredit in den Urlaub. Ich glaube leider nicht daran, dass die finanzielle Elite soweit gemolken werden kann bzw. sich soweit melken lässt, dass 90 % durchfütterbar sind. Eher sehe ich bei den eigenen Kindern die Tendenz sich hierzulande noch die Bildung zu holen und sich dann in Länder abzusetzen, in denen man mit unseren Ausbildungen sich von der Masse abhebt, also einen deutlichen Mehrwert erzielt. Letztlich kann man es auf den FDP-Satz "Leistung muss sich wieder lohnen" reduzieren, denn tut sie es nicht, verweigern immer mehr Leute einfach die Leistung. Dies durften die Schweden in den 1990ern und die DDR in den 1970ern und 1980ern erfahren. Mehrleistende = Leistungsträger wurden massiv, in der DDR bis 90 %, besteuert. Also hat man sich ganz konsequent ausgerechnet, ab wann sich Leistung nicht mehr lohnt. Eben deshalb gab es in privaten DDR-Bäckereien ab 15 Uhr kein Brot und keine Brötchen. Es hat sich einfach nicht gerechnet für "den Staat" zu produzieren. Also buk mein Großvater seine letzten Brötchen gegen 10 Uhr und erkaufte die letzten noch vor der Mittagspause. Danach saß er im Garten, las und erholte sich anstatt für das Sozialprogramm der DDR mehr oder weniger kostenlos zu schuften. Schuldsklaven sind die Ausnahme, die müssen, sonst verlieren sie alles für sie ach so wichtige an Besitztümern. Die Frage ist nur, wie viele Leute dies durchschauen und auf die Bremse treten. Umerteilung ist ein Machtsystem der Abhängigkeit und der größte Schaden ist in diesem System die erweigerung von Leistung, weil dann nicht sumzuverteilen ist. Ergo dreht der Apparat leer und die Klientel, die von der Umverteilung profiziert (aktuell > 50 % der Wohnbevölkerung) bekommt Probleme. Die Erfahrung zeigt, dass man verlassen ist, wenn man sich auf "den Staat" verlässt. Als Renten- oder sonstiger Empfänger ist man letztlich ein willfähriger und abhängiger Spielball der Umverteilungsmaschine. Die Grenzen des Wachstums halte ich persönlich noch lange nicht für erreicht. Wohl aber die Grenzen beim Wachstum des Ressourcenverbrauchs. Nur muss eine Wirtschaft nicht unbedingt materiell wachsen. Zeit ist Geld, also ist Freizeit ebenfalls Wohlstand. Zumindest für mich persönlich. Also arbeite ich zunehmend gebremst, weil ich materiell alles habe, keinen Q7 brauche und mir Freizeit und Reisezeit deutlich mehr wert sind als 26 Paar Schuhe oder 25 Hosen oder eben einen Q3 oder Q5 oder Q7 zu besitzen.

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