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23.03.11Leser-Kommentare

StepMap-Mitgründer Ole Brandenburg: "Marketing oder PR machen wir nicht. Das Produkt muss überzeugen"

Bald zwei Jahre nach der Gründung besteht StepMap noch immer aus seiner dreiköpfigen Anfangsformation. Da das innovative Berliner Startup kein Risikokapital aufgenommen hat, muss es die Kosten im Zaum halten.

 

Es ist schon ein Weilchen her, dass wir das letzte Mal einen Blick auf StepMap geworfen haben, den Berliner Dienst zur Erstellung personalisierbarer Karten. Das erste Mal stellten wir den Service kurz nach seiner Gründung im Sommer 2009 vor und berichteten dann nochmals etwas ausführlicher einige Monate später.

Bei StepMap können private und gewerbliche Anwender Karten erstellen und in externe Websites integrieren. Auf diesem Weg lassen sich Reiserouten skizzieren, nachrichtenrelevante Ereignisse in einen geografischen Kontext bringen oder Infokarten erstellen. Im Unterschied zu Google Maps setzt StepMap auf stilisierte Karten mit hoher Anpassungsfähigkeit und zahlreichen Formatierungsfunktionen, zudem werden User des in der Basisversion kostenfreien Dienstes bei der Kreation ihrer Karte getreu dem Namen "StepMap" Schritt für Schritt ans Ziel geführt.

Gestern sprach ich mit Ole Brandenburg, Mitgründer des Berliner Startups, um mich über die Entwicklung von StepMap auf den neuesten Stand zu bringen. Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile diverse namhafte Presseangebote die Karten des Dienstes für die visuelle Illustration von geografischen Zusammenhängen verwenden - von der dpa über RP-Online, das Hamburger Abendblatt, die Bild-Zeitung bis hin zur FAZ (was z.B so aussieht) - müsste Brandenburg, der in der Vergangenheit unter anderem als Co-Founder von Pageflakes agiert hat, doch eine faszinierende Wachstumsstory für mich haben, nahm ich an.

Die Überraschung war daher groß, als mir der erfahrene Internetunternehmer erklärte, dass sich das StepMap-Team noch immer auf die Gründer beschränkt, zu denen neben ihm selbst Veit Spiegelberg und Thomas Gottfried gehören. Während er und Spiegelberg sich auf den Vertrieb konzentrieren, ist Gottfried, der früher ebenfalls bei Pageflakes involviert war, für die Technik zuständig.

Dass das Unternehmen nach bald zwei Jahren noch immer aus der Startformation besteht, hat einen simplen Grund: Die drei Gründer haben die Entwicklung bisher aus eigener Tasche finanziert und kein Risikokapital aufgenommen. Zwar präsentierten Brandenburg und Spiegelberg das Konzept rund 30 bis 40 Investoren, konnten sich jedoch mit keinem potenziellen Geldgeber auf für alle Beteiligte passende Konditionen einigen.

Der Bootstrapping-Ansatz - der durchaus Früchte tragen kann - erfordert von einem Startup eine hohe Disziplin hinsichtlich der Ausgaben. Nur was an Geld eingenommen wird, kann in das Produkt und seine Mitarbeiter investiert werden.

Eine zukünftige Kapitalspritze schließt Co-Founder Ole Brandenburg nicht kategorisch aus, macht sie jedoch nicht zur Bedingung für den weiteren Erfolg: "Wenn mir heute einer sagen würde, er investiert in die Firma zu Konditionen, die auch für uns sinnvoll sind, dann würde ich das annehmen. Wir haben viele Ideen für das Produkt und die Technik, die wir dann einfach schneller realisieren könnten. Aber das Produkt entwickelt sich auch so."

Konkrete Umsatzzahlen ließ sich Brandenburg zwar nicht entlocken, verriet aber zumindest, dass sich die Erlöse im aktuellen Monat im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres verfünffacht haben. Den ersten zahlenden Kunden hieß StepMap im Januar 2010 willkommen.

Dass StepMap die Erwartungen seiner gewerblichen Anwender offenbar erfüllt, legt die Tatsache nahe, dass 99 Prozent der Geschäftskunden, die ein monatliches kostenpflichtiges Abo abschließen und dafür Zusatzfunktionen und -rechte rund um die Erstellung und Veröffentlichung von Karten erhalten, ihren Vertrag nach dessen Ablauf verlängern.

Wenig verwundern muss angesichts der gewählten Finanzierungsform und der niedrigen Personalkosten die Tatsache, dass StepMap profitabel arbeitet - was bei eigenfinanzierten Startups auch kaum anders möglich ist, sofern nicht die Gründer selbst Millionen auf der hohen Kante haben, die sie in das Unternehmen stecken können.

Obwohl es die Geschäftskunden sind, mit denen StepMap sein Geld verdient und individuelle Verträge abschließt, unterstreicht Brandenburg die Bedeutung der Privatanwender. Diese würden helfen, die Bekanntheit von StepMap zu erhöhen, zumal jeder früher oder später auch einmal im professionellen Rahmen mit Karten in Verbindung kommt und sich dann vielleicht an die Berliner und ihr B2B-Angebot erinnert. "Die Zahl der Neuanmeldungen im März 2011 hat sich im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres etwas mehr als verdoppelt", so der Webunternehmer.

Für 2011 haben sich die drei StepMap-Macher vorgenommen, die Monatserlöse nochmals um 70 bis 80 Prozent im Vergleich zum aktuellen Stand zu erhöhen und das Produkt weiter zu vereinfachen. Denn was Brandenburg und Spiegelberg bei der Vertriebsarbeit besonders viel Zeit kostet, sind die Erklärungen zur Funktionsweise - zumal auch Redakteure, Journalisten und Blogger bei der Erstellung einer Karte so wenig Zeit wie möglich aufwenden wollen.

Und sobald es sich die junge Firma leisten kann, soll das Team um zwei Personen vergrößert werden. Entwickler, versteht sich. Denn "Marketing oder PR machen wir gar nicht. Das Produkt muss überzeugen", sagt Ole Brandenburg.

Link: StepMap

Kommentare

  • Ole

    23.03.11 (10:43:21)

    Danke für das Interview. Der Link zur FAZ ist wohl leider veraltet. Nimm einfach diesen hier: http://www.faz.net/s/Rub9FAE69CECEA948EAAFE2806B54BF78AA/Doc~E4F2EC21628924013B30A05561E1DF89C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • Ali

    23.03.11 (14:28:34)

    Machen eine ähnliche Entwicklung durch. Nur, dass wir Zahlen offener kommunizieren und mit nur einer Handvoll Investoren gesprochen haben und dann uns schnell fürs Bootstrapping entschieden haben. Die Investoren kommen noch. Nicht entmutigen lassen, einfach konsequent weitermachen!

  • ig

    26.03.11 (05:34:08)

    Denn “Marketing oder PR machen wir gar nicht. Das Produkt muss überzeugen”, sagt Ole Brandenburg. Wirklich nicht? Dann hat mich wohl ein Geist mit gleichen Namen per e-mail angeschrieben, ob ich für mein Projekt nicht StepMap Karten nutzen möchte...

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