<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

04.04.14

Statt komplexem Doo nun simple Scanbot-App: Frank Thelen wandelt auf den Pfaden der 6Wunderkinder

Das ambitionierte Dokumenten-Startup Doo strich kürzlich seine Segel. Doch das Team um Gründer Frank Thelen hat die entwickelte Technologie genutzt und eine Scanner-App für das iPhone veröffentlicht. Dass die Strategie kleiner Brötchen statt riesiger Torten funktionieren kann, haben die Macher von Wunderlist bewiesen.

ScanbotVor einigen Wochen gab das Bonner Startup Doo seinen Traum eines strukturierten Systems zur Aufbewahrung digitaler Dokumente auf. Das Nutzerinteresse für den Dienst, in den zehn Millionen Euro investiert wurden, war schlicht zu gering. Da halfen auch keine großen Ambitionen sowie die Erfahrung des Gründers Frank Thelen. Dieser kündigte aber umgehend an, an neuen Projekten zu arbeiten. Eines davon schickte er gestern offiziell ins Rennen: Scanbot, eine bislang nur für das iPhone, dafür aber von Beginn an in 13 Sprachen angebotene Scanner-App, entwickelt von Teilen des Team, das auch schon an Doo arbeitete.

Scanbot, ausprobiert mit der Website des Dienstes

Was Thelen und seine zwei Co-Founder Marc Sieberger und Alex Koch jetzt machen, erinnert an den Strategiewechsel von 6Wunderkinder. Als das Berliner Startup im Herbst 2012 einsah, dass die mit großen Zielen versehene und mit viel Getrommel bekannt gemachte Produktivitätssuite Wunderkit nicht auf die notwendige Resonanz bei Usern stieß, stampften sie den Service kurzerhand ein und konzentrierten sich stattdessen auf den Taskmanager Wunderlist. Dieser war eigentlich nur geschaffen worden, um Aufmerksamkeit für Wunderkit zu generieren, wurde dann aber plötzlich zum Herzstück des Unternehmens. Bislang hat sich der Beschluss, auf Simplizität (Wunderlist) statt Komplexität (Wunderkit) zu setzen, für die Hauptstädter ausgezahlt.

Zwar unterscheidet sich der aktuelle Fall insofern, als das Scanbot erst veröffentlicht wird, nachdem Doo aufgegeben wurde. Eine klare Parallele liegt aber darin, dass auch die Bonner nun anstatt riesiger Torten kleine Brötchen backen. Bei der Rezeptur können sie von ihrem bisherigen Know-how profitieren. So besitzt Scanbot "fortschrittlichste Technologie

zur automatischen Erkennung von Dokumenten", wodurch das Scannen schneller und besser funktionieren soll als bei der Vielzahl existierender Scan-Apps.

Scanbot ist "nur" eine Scanner-App mit Anbindung an diverse Clouddienste, genauso wie es sich bei Wunderlist "nur" um einen Aufgabenmanger handelt. Man darf durchaus gespannt sein, ob es Thelen und seinen Kollegen gelingt, durch die Hintertür doch noch die ursprüngliche Vision zu verwirklichen. Indem sie Anwendern erst einmal ein Werkzeug an die Hand geben, das ihnen sofort und ohne Erklärungen im Alltag hilft, und alles Weitere sukzessive und bedarfsabhängig hinzufügen.

Dass Scanbot kostenpflichtig (wenn auch günstig) angeboten wird, macht eine unerwartete Karriere à la Wunderlist etwas unwahrscheinlicher. Allerdings muss das nicht immer so bleiben. Und sollte die App wirklich ihr Premium-Versprechen halten - mein erster Eindruck stimmt mich optimistisch - , dann muss selbst die "Bezahlhürde" kein Hindernis zum großflächigen Erfolg darstellen. Dann würde ihr Ruf ihr schnell vorauseilen, nicht nur in Form von positiven Bewertungen.

Gelegentlich lohnt es sich, sofort auf die Pauke zu hauen und am liebsten alle Probleme der Welt auf einmal lösen zu wollen. Manchmal ist es aber auch besser, sich auf eine Problematik zu konzentrieren und dies besser zu machen als alle anderen . Schauen wir, ob Scanbot das gelingt. /mw

Link: Scanbot

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer