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10.05.13Leser-Kommentare

Startups zum Erfolg führen: Die idealen Charaktermerkmale von Gründern

Erfolgreiche Gründer lassen sich nicht alle in die selbe Schublade stecken. Doch es gibt einige Charaktereigenschaften, die Startup-Machern besonders gut zu Gesicht stehen.

FounderIch befand mich zwar selbst noch nie hinter dem Steuer eines Startups, habe jedoch seit Jahren mit einer Vielzahl von jungen sowie erfahrenen Entrepreneuren Kontakt. Schriftlich, per Skype/telefonisch oder im Rahmen persönlicher Treffen. Im Laufe der Zeit lernte ich, welche Charaktereigenschaften ich bei Gründern bevorzuge und als Erfolgsfaktoren ansehe, und welche meine Sympathie und meine Einschätzung des Potenzials negativ beeinflussen. Im Folgenden fasse ich die Persönlichkeitsmerkmale meiner persönlichen "Supergründer" zusammen. Für mich ist der perfekte Entrepreneuer... Authentisch

Manchen Gründer nehme ich ab, dass sie ihr Konzept aus innerer Überzeugung heraus verwirklichen. Bei anderen wirkt es, als lassen sie sich primär von Trends und externen Einflüssen leiten, und als müsse man stets damit rechnen, dass sie morgen auf den nächsten Zug aufspringen. Das sind auch die Kandidaten, die erst davon sprechen, etwas ganz Großes aufbauen zu wollen, und sich kurze Zeit später von Facebook, Google o.ä. im Rahmen einer Talentakquisition aufkaufen lassen. Den Eindruck eines besonders authentischen Gründers macht zum Beispiel Evernote-Chef Phil Libin.

Selbstkritisch

Jede noch so geniale Idee hat ihre Schwächen. Perfkte Gründer sind sich über diese im Klaren und stehen zu ihnen, anstatt sie unter den Teppich zu kehren.

Ehrlich

Schon oft habe ich mit Gründern gesprochen, die einfach nicht dazu in der Lage waren, einen offensichtlichen Missstand oder eine augenscheinliche Herausforderung beim Namen zu nennen. Wahrscheinlich im Glauben, dass sie sich kompromittieren würden, wenn sie etwa einen Konkurrenten loben oder eine Branchenpraxis kritisieren. Doch so zu tun, als wäre immer alles perfekt, unterminiert ihre Glaubwürdigkeit und Überzeugungsfähigkeit. Denn einen derartigen Zustand gibt es nicht, wodurch offensichtlich wird, dass sie etwas verbergen.

Konsistent

Es ist wichtig und richtig, die eigene Idee immer wieder mit der Marktsituation abzugleichen und ausgehend von Fehlern sowie Erfolgen Strategien zu justieren. Wer jedoch permanent die eigenen Aussagen der Vorwoche revidiert und überhaupt keinem roten Faden zu folgen scheint, der weckt zumindest bei mir große Zweifel an der Eignung als Entrepreneur.

Konsequent

Nicht immer läuft alles so wie erhofft, Verzögerungen und gelegentliche Planänderungen sind unvermeidlich. Manche Gründer besitzen jedoch ein besonderes "Talent" dafür, dass grundsätzlich immer alles etwas anders kommt, als sie es ursprünglich geplant haben. Stur auf der eigenen Roadmap, Zeitplanung und Kommunikationsstrategie zu verharren, wenn es klare Argumente dagegen gibt, ist sicherlich keine empfehlenswerte Option. Einigen Entrepreneuren scheint es jedoch besser zu gelingen als anderen, konsequent den Weg zu gehen, den sie im Vorfeld skizziert haben.

Zuverlässig

Jeder kennt Leute, die häufig Versprechungen machen oder Maßnahmen ankündigen, sie aber nie einhalten. Gründer, die sich so verhalten, sind unberechenbar und dürften es schwer haben, ein gutes Verhältnis zu Teammitgliedern, Geldgebern, Stakeholdern und der Öffentlichkeit zu pflegen.

Empathiefähig

Sich in andere hineinversetzen zu können, hilft zu verstehen, wieso Nutzer, Kunden, Investoren und Journalisten anders reagieren, als man es erwartet hat. Anstatt artikulierte oder gedanklich Schuldzuweisungen zu machen, wissen empathiefähige Gründer, welche Stellschrauben sie betätigen müssen, um ihre eigenen Ziele sowie die anderer Akteure und Individuen in Einklang zu bringen.

Vergleicht man diese Liste mit den tatsächlichen Charaktereigenschaften herausragender Startup-Macher, wird man sowohl Übereinstimmungen als auch Widersprüche finden. Freilich habe ich als Berichterstatter in Teilen andere Ansprüche an und Idealvorstellungen über Gründer als ein Business Angel, ein Teammitglied oder ein Geschäftspartner. Doch selbst wenn manchen renommierten Unternehmern von Weltruhm nachgesagt wird, charakterliche Parallelen zu Psychopathen aufzuweisen, bin ich überzeugt davon, dass eine stimmige, gut ausbalancierte Kombination aus den oben beschriebenen Attributen eine gute Voraussetzung dafür darstellt, erfolgreich ein Startup aufzubauen. Vorausgesetzt natürlich, die Idee ist gut.

Wie sind eure Erfahrungen mit Gründerpersönlichkeiten? /mw

(Foto: stock.xchng/stefan)

Kommentare

  • Malte Goesche

    10.05.13 (20:43:36)

    Empathiefähigkeit findet man leider viel zu selten. Ist meiner Meinung nach aber unglaublich wichtig, wenn man ein harmonierendes und produktives Team haben will. Ich finde aber auch, dass wenn man 2-3 Gründer hat, nicht jeder perfekt sein muss, sondern die Schwächen des einen durch die Stärken eines anderen ausgeglichen werden können. In dem Fall muss die Kommunikation stimmen.

  • Robert Frunzke

    12.05.13 (20:51:39)

    Schöne Liste. Ich würde das aber um das Attribut "flexibel/anpassungsfähig" ergänzen. Ganz bewusst im Kontrast zu "konsistent" und "konsequent". Und es gehört ganz oben auf die Liste! Ein Unternehmen aufzubauen und zu führen ist ein Prozess, vom einstigen Gründer zum Unternehmer, und der muss sich anfangs oft noch um 180° drehen, weil der Markt, die Kunden, die Realität ganz und garnicht zu den einstigen Planspielen passen. Die Ursachen dafür sind so vielfältig wie die Märkte selbst. "Crystal Pepsi" schien mal eine gute Idee zu sein, so sehr, dass Coca Cola schnell ein Konkurrenzprodukt "Tab Clear" auf den Markt brachte (welches aber eigentlich nur existierte um den Konsumenten das Thema transparente Cola abspinstig zu machen, es ihnen zu vermiesen, und es funktionierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Clear_Cola). Die Stilblüten des Marktes sind so vielfältig, sicher fällt Jedem etwas Eigenes dazu ein. Ein Gründer sollte zielstrebig sein, nicht konsistent! Das Ziel zählt, aber um dort hinzugelangen muss man flexibel sein, sich an die Gegebenheiten anpassen. Konsistenz und Konsequenz sind geradezu schädlich. Und sobald man in einer direkten Konkurrenzsituation steckt, wird die eigene Konsistenz zur Schwäche, weil sie einen durchschaubar macht, wie eine Crystal Pepsi. Jedenfalls: Wer nicht anpassungsfähig ist, oder sein will, wer lieber der Konsequenz wegen, oder dem eigenen Ego zu liebe sein Ding durchzieht, der wird untergehen. Deshalb: konsistenz sollte von der Liste gestrichen werden. Konsequenz ist nur insofern wichtig, als dass man das Unternehmen nicht bei der kleinsten Krise gleich aufgeben sollte. Aber dann sollte das Attribut wohl eher "Hartnäckigkeit" heißen.

  • Martin Weigert

    13.05.13 (05:54:01)

    Gute Ergänzungen und Einwände. Ja, einige Attribute lassen sich durch andere ersetzen. Hartnäckigkeit könnte auch einfach noch einen weiteren Punkt darstellen.

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