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18.09.14Leser-Kommentare

Startups wollen das Auto schlauer machen: Vimcar präsentiert elektronisches Fahrtenbuch

Immer mehr Startups wollen Automobilen mit Hilfe einer Hardware-Software-Lösung mehr Intelligenz verleihen. Mit Vimcar steigt auch der bekannte Berliner Business Angel Christophe Maire in diesen Markt ein.

Screen Shot 2014-09-18 at 13.18.13Das Automobil ist eine bislang von der um sich greifenden digitalen Revolution noch einigermaßen vernachlässigte Domäne. Freilich ändert sich dies gerade. Selbstfahrende Autos, Googles und Apples Smart-Car-Systeme Android Auto und CarPlay sowie das Hightech-Cockpit samt Riesendisplay von Tesla sind einige der Faktoren, die öffentlichkeitswirksam das Image des Automobils als IT-freie Zone beseitigen.

Auch immer mehr Startups erkennen das Potenzial dieses in seinen Ausmaßen gigantischen Marktes. Verschiedene Firmen entwickeln Services, mit denen sich die meisten modernen Fahrzeuge zumindest teilweise in “Smart Cars” verwandeln lassen. Die Kombination aus einem Aufstecker für die in modernen Kfz befindliche OBD-2-Diagnosebuchse sowie einer Smartphone-App macht’s möglich. In den USA gehören Automatic und Dash zu den Pionieren in dem Bereich. Beide bieten Funktionen, die das Fahren effizienter, sicherer und bequemer machen sollen. In Europa hat unter anderem Automile aus Schweden ähnliche Ambitionen. Deutschlands erstes Smart-Car-Startup ekoio wurde von uns im Februar vorgestellt. Noch haben die Leizpiger nicht den offiziellen Startschuss für ihr Produkt gegeben.

SpotsMit Vimcar gesellt sich nun ein weiteres Jungunternehmen aus dem Autoland Deutschland zu dieser bereits illustren Runde. Der Grundansatz der Berliner ähnelt den Konkurrenten - per OBD-Stecker werden Fahrtdaten erhoben und dann an eine Smartphone-App übertragen. Als initialer Fokus wählt Vimcar allerdings einen spezifischen Einsatzzweck anstelle der eher allgemeinen “Intelligenzerhöhung” von Fahrzeugen. “Spots” heißt das erste Produkt der Hauptstädter. Es handelt sich dabei um eine Fahrten-Buch-App, die Kilometerstände festhält und eine detaillierte Fahrtendokumentation erlaubt.

Zielgruppe sind Menschen, die aus Steuergründen genauen Auskunft über ihre Automobilnutzung geben müssen, etwa Freiberufler, Unternehmer und Außendienstmitarbeiter. Das Unternehmen betont auf seiner Website, Spots gemeinsam mit Steuerberatern entwickelt zu haben und alle gesetzlichen Vorschriften für elektronische Fahrtenbücher zu erfüllen.

Im Gegensatz zu einigen anderen Anbietern in dem Bereich verzichtet Vimcar bei Spots auf GPS-Tracking, wodurch die exakt gefahrene Strecke und die damit verbundenen Daten Privatsache des Nutzers blieben. Dennoch müssen sich Anwender zumindest damit abfinden, dass die erhobenen Daten - laut Firmenangaben verschlüsselt - auf Vimcar-Servern gelagert werden. Dies fungiert als Backup, falls Smartphone-Besitzer einmal nicht mehr auf die App zugreifen können (etwa wegen Defekt oder Diebstahl).

Aktuell befindet sich Vimcar Spots im Beta-Test, der offizielle Launch ist für Oktober angesetzt. Als Preismodell werden User langfristig zwischen einer Einmal-Zahlung sowie einem monatlichen Abo wählen können. Anfänglich aber steht nur die Pauschal-Option bereit: 629 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Mit diesem stolzen Preis unterstreicht das Startup seine Fokussierung auf den gewerblichen Einsatz.

Hinter Vimcar steht die Berliner Startup-Schmiede Atlantic Internet des bekannten Business Angels Christophe Maire. Bisher fiel dieser vor allem mit Beteiligungen an App-Startups mit breitem Privatanwender-Fokus auf. Vimcar dürfte mittelfristig aber auch in diese Richtung tendieren:  Die Firma plant nach Spots die Veröffentlichung weiterer Produkte auf Basis seiner Hardware-Software-Lösung. /mw

Kommentare

  • Olaf Barheine

    18.09.14 (13:46:49)

    Der Stecker ist jetzt aber hoffentlich nicht so zu verstehen, dass während der Fahrt Daten von der Diagnoseschnittstelle abgegriffen werden, oder? Man stelle sich einmal vor, bei voller Fahrt auf der Autobahn legt ein Kurzschluss die gesamte Elektrik lahm.

  • HG

    19.09.14 (16:12:42)

    viele Möglichkeiten wird es nicht geben wenn es über die Diagnoseschnittstelle läuft. Ob das die Hersteller gerne sehen das will ich so mal anzweifeln.

  • Andreas Schneider

    19.09.14 (17:57:18)

    Lieber Herr Barheine, gute Frage! Wir können verstehen, dass das Einstecken von Hardware ins Auto eine gewisse Hemmschwelle besitzt. OBD Dongles werden jedoch schon von einer ganzen Reihe von Unternehmen eingesetzt, unter anderem großen Versicherungsunternehmen. Die Technologie ist so ausgelegt, dass eine von Ihnen beschriebene Intervention in die Fahrzeugelektrik ausgeschlossen ist. Dafür gibt es auch eine gesetzliche Grundlage. ISO 15031-3:2004(E) stellt in §4.5 klar: "Attachment of any external test equipment to the vehicle connector shall not preclude normal physical and electrical operation of the vehicle." Ausserdem ist unsere Hardware natürlich mit der vom Kraftfahrtbundesamt geforderten E-Zertifizierung ausgestattet, damit die Zulassung nicht verletzt wird. Über Ihre Frage haben wir uns dennoch gefreut - wir werden Sie unserer FAQs-Seite hinzufügen: http://vimcar.de/faq.html Viele Grüße Andreas Schneider

  • WoWi

    05.10.14 (14:09:07)

    Die Hersteller haben versäumt, eigene Lösungen in Richtung Fahrtenbuch zu entwickeln. Es wird höchste Zeit, dass das jemand nachholt. Sicher ist: ohne deutsche Geschäftsfahrzeuge und die Möglichkeit der steuerlichen Geltendmachung wären unsere Autobauer nicht das was sie heute sind. Ich führe seit vielen Jahren Fahrtenbuch und freue mich auf den Tag, an dem es ein wenig leichter zu handhaben sein wird.

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