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11.04.12

Startup-Landingpages von LaunchRock: Falsche Bequemlichkeit

Eine virale Landingpage in wenigen Minuten - das bietet der US-Dienst LaunchRock seit gut einem Jahr Startups. Viele machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Doch es lohnt sich, einen eigenen Weg zu gehen.

 

Gestern las ich im Fischmarkt-Blog der Digitalagentur SinnerSchrader über ein neues Startup namens Echofy. Der Dienst aus Berlin will auf den angesagten Zug der People-Discovery-Apps aufspringen und im Mai parallel zur von SinnerSchrader veranstalteten Next Konferenz (die ich auch besuchen werde) sein Debüt geben.

Auch wenn der Service noch nicht verfügbar ist, klickte ich reflexiv auf dessen Link und wurde wie erwartet von einer Landingpage begrüßt, die Anwendern das Hinterlassen ihrer E-Mail-Adresse empfiehlt, um zeitnah eine Einladung zur Beta-Phase zu erhalten. Das Echofy-Team hat keine eigene Landingpage geschaffen, sondern auf die Dienste von LaunchRock zurückgegriffen - einem US-Angebot, das nichts anderes macht, als aufstrebenden Internetfirmen in wenigen Handgriffen des Anlegen einer Pre-Launch-Seite inklusive die Viralität steigernder Features sowie Abrufstatistiken zu erlauben.

In der Sekunde, in der ich den mir wohlbekannten "powered by LaunchRock"-Hinweis sah, erkannte ich, wie der Einsatz dieses Dienstes mittlerweile mein Interesse an dem neuen Angebot erheblich schmälert. Kurzum: LaunchRock nervt.

LaunchRock, selbst ein Startup, öffnete vor gut einem Jahr seine Pforten und hat sich seitdem bei kurz vor der Lancierung stehenden Webservices auf beiden Seiten des Atlantiks zu einer populären Lösung entwickelt, um im Vorfeld E-Mail-Adressen für die Beta zu sammeln und gleichzeitig Nutzer dazu zu animieren, die Kunde über den bevorstehenden Launch im Social Web zu verbreiten. Jede LaunchRock-Landingpages beinhalten eine Empfehlungsfunktion, die Nutzern beim Beta-Start einen bevorzugten Zugang verspricht, sofern sie eine bestimmte Zahl an weiteren Anwendern werben, die ihre E-Mail-Adresse hinterlassen.

Noch bevor Anwender sich also ein Bild von dem Onlinedienst und dessen Qualität machen konnten, animiert sie LaunchRock dazu, ihn vor ihren Twitter- und Facebook-Kontakte anzupreisen. Zwar kann der versierter Stream-Leser problemlos derartige Tweets oder Status-Updates mental ausblenden. Das Konzept, ein Produkt zu bewerben, das niemand ausprobiert hat, nur um einer der Ersten sein zu dürfen, der es testen kann, hat dennoch einen faden Beigeschmack und führt zumindest bei mir dazu, dass ich nur noch in sehr seltenen Fällen auf Links in meinem Twitter-Stream klicke, die offensichtlich zu einer LaunchRock-Seite führen.

Was mich jedoch an LaunchRock noch viel mehr stört, ist die Uniformität der Landingpages. Abgesehen von dem vom jeweiligen Startup ausgewählten Hintergrundbild sehen die zu erstellenden Websites immer identisch aus, mit einer viereckigen Box im Zentrum, die das Logo des jeweiligen Angebots sowie das von LaunchRock, einen fakultativen Text sowie das Eingabefeld für die E-Mail-Adressen enthält.

Aus Sicht von Gründern mag dieser Aspekt keine große Rolle spielen - immerhin handelt es sich lediglich um eine temporäre Vorschaltseite, die zum offiziellen Start verschwindet. Doch bei mir als Betrachter, der in den letzten zwölf Monaten sicher hundert oder mehr aus der Feder von LaunchRock stammender Websites präsentiert bekommen hat, führt die fehlende Individualität und Persönlichkeit der Landingpage zu unfreiwilligen Assoziationen, die von "wieder ein Startup aus der Retorte" bis zu "vermutlich noch eine Foto-App" reichen.

Wenn Landingpage, dann bitte richtig

Ich verstehe, wieso sich Internetentrepreneure nicht lange mit der Landingpage aufhalten wollen. Gleichzeitig ist diese häufig das erste, was Early Adopter, Blogger, Journalisten und potenzielle Nutzer von einem Dienst zu Gesicht bekommen. Eine anonyme, von einem externen Dienstleister zusammengebastelte Begrüßungsseite ohne weiterführende Details, Screenshots oder Produktinformationen, deren grundsätzliches Layout jeder Betrachter schon dutzende Male zuvor gesehen hat, klingt nicht nach dem smartesten Weg, um einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen und sich von der Masse konkurrierender, um Beachtung flehender Webservices abzuheben.

Hinzu kommt, dass ich automatisch an der Integrität und Bodenständigkeit eines jeden Gründerteams zweifle, wenn dieses mich (über LaunchRock) darum bittet, einen Service im Netz bekannt zu machen, den ich selbst noch gar nicht unter die Lupe nehmen konnte - nur um dann in der Beta-Warteliste einen der vorderen Plätze einzunehmen und später ob der sich herausstellenden Belanglosigkeit des jeweiligen Produkts meine Rolle als öffentlicher Beta-Botschafter zu bereuen.

Der bessere Deal lautet: Zeigt mir zumindest ungefähr, was ihr könnt und dass ihr in der Lage seid, eine individuelle, informative Landingpage mit persönlicher Note zu basteln, und ich als potenzieller Nutzer entscheide darüber, ob ich meine Bekannten davon erzähle - denn meine Zeit und Aufmerksamkeit ist kostbar. Gründer mit einem Gefühl für Verhältnismäßigkeit wissen dies.

Dieser Beitrag soll nicht als persönlicher Angriff auf Entrepreneure gewertet werden, die LaunchRock verwenden. Ich glaube, viele Gründer haben so viele andere Dinge im Kopf, dass sie sich über die Landingpage-Thematik wenig Gedanken machen und froh sind, dass ihnen ein Dienstleister diese Arbeit abnimmt. Doch es lohnt sich, diese Frage nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Stört ihr euch an derartigen Landingpages aus der Retorte?

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