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27.05.13Kommentieren

Startup aus Hamburg veröffentlicht iPhone-App: Flying soll zum Begleiter aller Vielflieger werden

Das aus Hamburg stammende Startup Seat 4a hat heute mit Flying eine iPhone-App lanciert, die zum unersetzlichen Begleiter aller Vielflieger werden soll. Sie kombiniert persönliche Fluginformationen mit einem sozialen Netzwerk.

Fliegen war einmal etwas Besonderes. Heute jedoch gehört es für viele Menschen zum Alltag, beruflich jede Woche viele Stunde im Flugzeug zu sitzen. Ein junges Startup aus Hamburg ist der Meinung, dass derartige Vielflieger eine Rundumlösung benötigen, die ihnen alle wichtigen Informationen zu ihren Flügen bereitstellt, sie mit das gleiche "Schicksal" teilenden Kontakten aus ihrem sozialen Netzwerk verbindet und die mittels Interaktivität der zur Routine gewordenen Fliegerei wieder etwas zusätzlichen Spaß verleiht. Flying heißt die heute vom norddeutschen Jungunternehmen Seat 4a veröffentlichte Gratis-App fürs iPhone, die all diese Eigenschaften in einem Produkt vereinen soll. Nutzwert auch ohne Vernetzung mit anderen

Selbst wenn Flying Elemente eines sozialen Netzwerks für Vielflieger beinhaltet, wurde es von den vier Gründern Panos Meyer, Markus Schmeiduch, Andrew Spitz und Katie Kindinger - die zusammen mit zwei Entwicklern von unterschiedlichen Orten der Erde aus an dem Dienst arbeiten - als "Single User Utility" konzipiert. Wer nach einer Verknüpfung von Flying mit Facebook und Twitter keine dortigen Kontakte zum Vernetzen via Flying angezeigt bekommt, dem bietet die App dennoch potenziellen Nutzwert.

Der erste Schritt für User ist es, anstehende Flüge einzutragen, entweder über die Flugnummer oder die Eingabe des An- und Abflugortes sowie Datums. Trips können entweder auf öffentlich oder privat gestellt und mit persönlichen Notizen versehen werden. Flying zeigt zu sämtlichen festgehaltenen Flügen die wichtigsten Angaben zur Reise und verspricht, mit OAG den besten am Markt befindlichen Datenprovider für Flugdaten als Quelle ausgewählt zu haben. Zusätzlich zum individuellen Reiseplan liefert Flying Statistiken und Goodies wie eine Übersicht aller insgesamt geflogenen Kilometer, eine Berechnung des Anteils der Kilometer an der Strecke zum Mond sowie obligatorische Abzeichen, die den aktuellen Vielfliegerstatus wiedergeben.

Noch in frühem Stadium

Im Leaderboard kann man die geflogenen Kilometer mit der Distanz der Trips der Kontakte vergleichen - sofern man sich mit anderen Flying-Nutzern vernetzt hat. Mitgründer und Managing Director Panos Meyer erklärt, dass Flying auf jeden Fall mehr Spaß in der Community mache. Ein Stream zeigt an, welche Flüge bei den Kontakten auf der Agenda stehen. Mayer berichtet, dass sich dank Flying für Tester der geschlossenen Beta-Phase die übliche Fragerei, wann wer irgendwo fliegt oder irgendwo ankommt, erübrigt habe. Hier sehen die Elbstädter auch den entscheidenden Nutzen der sozialen Funktionalität. Eine für diesen Zweck sinnvolle direkte Interaktionsmöglichkeit etwa über Kommentare fehlt noch, ist aber für ein kommendes Release geplant. Meyer betont, dass es sich bei der aktuellen Version von Flying um ein Minimum Viable Product (MVP) handele, was man bei der Verwendung auch merkt. Mit dem ein oder anderen Bug muss gerechnet werden, und auch hinsichtlich Usability sind noch nicht alle Schwächen eliminiert. So können eingetragene Flüge nicht nachträglich bearbeitet werden (etwa um sie von privat auf öffentlich zu stellen), der Settings-Bereich ist schwer zu finden und das Feature für den Freunde-Abgleich mit Facebook und Twitter hakt noch.

Lukrative Zielgruppe

Doch trotz derartiger Kritikpunkte sehe ich generell einiges an Potenzial in dem Vorhaben des Hamburger Startups. Global gesehen wird die Zahl der regelmäßigen Vielflieger mindestens im zweistelligen Millionenbereich liegen, wahrscheinlich noch darüber. An vielen größeren Flughäfen dieser Erde sind regelmäßig bis zu hundert oder mehr Personen gleichzeitig bei foursquare eingecheckt. Genau dies ist die Zielgruppe von Flying: Menschen, die viel reisen und digitale Dienste dafür verwenden, dies zu dokumentieren, effektiver zu gestalten und die ihre Trips als Gelegenheit nutzen wollen, soziale Kontakte zu pflegen. Gewissermaßen ist Flying eine Art foursquare fürs Fliegen, gemixt mit Aspekten von Plancast sowie des einst bei Early Adoptern beliebten, später von Nokia übernommenen und nicht weiter vorangetriebenen Reiseplaners Dopplr.

Ein Vorteil der Ausrichtung auf Vielflieger ist ihre relativ hohe Zahlungsbereitschaft. Den Beitreibern der App eröffnen sich dadurch mannigfaltige Monetarisierungsansätze. Derzeit dient lediglich der In-App-Erwerb von gesondert hervorgehobenen Flugupdates zu Gate-Änderungen, Flugstreichungen und Verspätungen als kleine Umsatzquelle. Langfristig zielen Panos Meyer und seine Mitstreiter darauf ab, mit den Fluggesellschaften zusammenzuarbeiten und ihnen eine attraktive Plattform zu bieten, um dieses wichtige Kundensegment an sich zu binden. Laut Meyer wollte etwa Air New Zealand direkt die ganze App lizensieren. Eine weitere anvisierte Monetarisierungsmaßnahme stellt die Integration von das individuelle Flugverhalten berücksichtigenden Buchungsvorschlägen dar. Dabei soll es weniger um "billiger, billiger" gehen, sondern eher um den Vertrieb von Zusatzleistungen wie etwa vergünstigten Upgrades auf eine höhere Klasse.

Bevor die große Umsatzmaschine angeworfen wird, legen die Norddeutschen ihr Augenmerk darauf, die Nutzerzahl und -aktivität zu steigern und die App um fehlende Funktionen zu ergänzen sowie noch existierende Fehlerchen zu bereinigen. Eine Seed-Finanzierung in Höhe von 100.000 Euro durch Co-Founder Panos Meyer sowie eine "Series A"-Runde vom ebenfalls aus Hamburg stammenden IT-Finanzdienstleister conuno in Höhe eines "signifikant sechsstelligen Betrags" liefern die notwendigen Mittel für die kommende Entwicklungs- und Expansionsphase.

Vorerst fokussieren sich die Flying-Macher auf die iPhone-App. Wenn die Metriken in die richtige Richtung zeigen und das Geschäftsmodell aufgeht, soll Flying auch für weitere Plattformen und dabei natürlich vor allem für Android verfügbar gemacht werden.

Da ich in den letzten Monaten selbst eine ganze Reihe von Flügen absolviert habe, sehe ich mich als Teil der Zielgruppe von Flying und kann konstatieren, dass ich eine App dieser Art durchaus sinnvoll finde - selbst wenn das Flying-Team noch einiges an Arbeit vor sich hat, um das Beste aus dem Konzept herauszuholen und die App für Vielflieger wirklich essentiell zu machen (für mich wären das mehr Utilities rund ums Fliegen sowie granulare Tools rund um das Sharen). Fakt ist: Trends wie die Globalisierung, das ortsunabhängige Arbeiten, die Allgegenwärtigkeit von Distanzbeziehungen (kein zu unterschätzender Faktor) sowie die Ausbreitung von Billigfluggesellschaften führen zu einem weiteren Anstieg der Fluggäste und zu einer Zunahme derjenigen Passagiere, die sich oft bis sehr oft in der Luft befinden. Der Markt, auf den sich Flying konzentriert, wird also weiter wachsen. Es liegt nun an dem Startup aus Hamburg, diesen zu erobern. /mw

Link: Flying

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