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08.11.08Leser-Kommentare

Start von Carta: Gute Ansätze, schlechte Sätze

Schon wird von einer deutschen Huffington Post geträumt: Der Medienwissenschaftler und Leiter des Berlin Institutes Robin Meyer-Lucht hat unter dem Namen "Carta" eine neue Website gestartet.

Es soll die deutsche 'Huffington Post' werden, heißt es unter der Hand: Jenes Portal, das der Medienwissenschaftler und Leiter der 'Berlin Institute' Robin Meyer-Lucht unter dem Namen 'Carta' jetzt gestartet hat. Meyer-Lucht, der in dieser Rezession das Ende des Printjournalismus gekommen sieht, will frühzeitig auf neue mediale Formen setzen, die absehbar das Alte ersetzen werden. Es geht um ein Projekt von Pionieren also ...

Vieles an dem neuen Format ist in meinen Augen auch attraktiv, so bspw. die 'Zweispaltigkeit', die links die eigenen Beiträge auf die virtuelle Klorolle setzt und rechts den Nachrichten-Feed in die weite Welt der anderen Medien hinein verlinkt. So dass eine echte Parallelführung und auch eine Möglichkeit zur 'Leserflucht' existiert, die das traditionelle 'Holzmedium' instinktiv scheut wie der Teufel das Weihwassser, selbst dort, wo es gezwungenermaßen online geht. Ein solches Verfahren zeugt bei Carta von einem gesunden Selbstbewusstsein - und von Einsicht in die neuen Gesetze des 'social web'. Es gibt keine redaktionellen Erbhöfe mehr, ringsum ist nur noch die große Prärie, auf der die Büffelherden des Publikums weiden.

Auch über die Themen gibt es bisher eher wenig zu meckern - inhaltlich ist 'Obama' wohl ein Muss in der derzeitigen Situation, auch wenn einige den Hype schon nicht mehr hören können. So weit, so gut. Das Problem bleibt das Wie, das Problem ist sprachlicher Natur.

Der Spott über den großen Anspruch, den Carta sich selbst setzte, der begann mit einem Verriss von Don Alphonso an der Blogbar, wo er sich vor allem das Impressum zur Brust nahm. Auch ich habe mich beim Don in den Kommentaren zu Wort gemeldet - und gleich ordentlich was über den Rüssel bekommen, ganz so, wie es in der Blogosphäre seit langem ein beliebter und geselliger Brauch ist. In einem solchen Impressum geben bekanntlich alle Medienmacher über das Woher und Wohin ihres medialen Auftrags Auskunft. Hier die zusammenfassende Kritik daran in den Worten des Don: "Anspruchsvoll, aber Mist. Ganz ehrlich: Ich will nicht so steif und förmlich angesprochen werden, so ehrfurchtsheischend und von oben herab".

Und es ist ja etwas dran: Wenn das Reden von den 'neuen Medien' im Web 2.0 irgendeinen Sinn machen soll, dann gehören alle Ausgrenzungsstrategien in einem 'sozialen Medium' sicherlich der Vergangenheit an. Schnösel verlieren im Netz immer; sobald im Web etwas 'selbstüberhöht' klingt, fällt die Community auch schon ihr Verdikt darüber. Das Netz hat gute Ohren. Schon in dieser Hinsicht ist es höchst undiplomatisch, den 'Akademiker' an und für sich als Zielgruppe zu wählen. Besonders deshalb, weil die Wahl dieser Zielgruppe zugleich 'ausgrenzend' und 'zu weit gefasst' ist.

Was wäre denn mit den 'Masters' und 'Bachelors', mit all den Pädagogen von der 'zweiten Staatsprüfung' - wären das alles auch schon Akademiker? Obwohl ich reihenweise Leute ganz ohne akademischen Abschluss kenne, die mit vielen von jenen 'bildungsmäßig' Schlitten fahren könnten? Warum also wendet sich das Portal nicht schlicht an 'ein gebildetes oder interessiertes Publikum', wie es guter Brauch ist. Wo sich dann zuordnen soll, wer will.

Denn Carta kann ja faktisch niemandem den Zugang zu seinen heiligen Hallen verwehren - es sei denn, sie würden sich an einer sprachlichen Ausgrenzung versuchen. Und das alledings tun sie - bzw. das taten sie. Dummerweise. An diesem Punkt wird wurde Carta seinem eigenen Intelligenzanspruch zunächst selbst nicht gerecht, denn der Text, den der Don dort in seinem Artikel noch zitiert, der ist inzwischen aus dem Impressum unter Verweis auf ein Update verschwunden. Womit Carta sich als ein lernfähiges System erweist. Hier der Ursprungstext:

 

"CARTA sieht im selbstbestimmten Öffentlichkeitszugang von eigenständig publizierenden Experten, die auf Basis von Hintergrundwissen und komplexen Weltbildern interpretieren und analysieren, eine entscheidende Ressource für die Steigerung des Niveaus aktuell-gesellschaftlicher Informationsverarbeitung.

CARTA verweist offensiv auf andere Online-Publikationen und nutzt damit den Netzwerkcharakter des Internets. CARTA ist überparteilich und unabhängig. CARTA ist den Normen des Qualitätsjournalismus verpflichtet."

So also ging es nicht, das spürt an der sofort einsetzenden Aversion jeder Mensch mit wachem Verstand - bloß warum ging es nicht? Denn 'eigentlich' steht in diesem Absatz absolut nichts Schlimmes drin. Es ist schlicht der sprachliche Duktus, der jeden Leser auf die Palme treibt, weil ihm damit Einblicke in die 'Denke' der Macher, in einen gewissen 'Elitarismus', gestattet sind, dorthin, wo jemand ohne die Glasperlen und das Talmi eines gehobenen Sprachgebrauchs nicht mehr auszukommen meint: "Nehmen Sie 'das Niveau aktuell-gesellschaftlicher Informationsverarbeitung', gnä' Frau, dat hebt Ihnen!". Übersetzt man sich nämlich diese schnöselige Passage ins Hochdeutsche, dann stand da schlicht:

 

"Die Autoren, die für Carta schreiben, interpretieren und analysieren ihre Themen in eigener Verantwortung. Sie argumentieren immer auf dem Stand der wissenschaftlich-gesellschaftlichen Debatte, wobei sie selbst über den Zeitpunkt und die Art der Veröffentlichung ihrer Texte entscheiden. Die Plattform Carta ist überparteilich und unabhängig, sie gibt unterschiedlichen Meinungen Raum. Die Autoren beachten stets die Normen des so genannten Qualitätsjournalismus'."

Inhaltlich gäbe es da also nichts zu meckern, das Problem war einzig und allein ein Missgriff sprachlicher Natur. Das Problem von Carta wäre folglich jetzt der 'Rückfall' in alte Fehler, die im Impressum schon halbwegs ausgemerzt wurden. Hierfür gibt es erste Anzeichen:

 

"An der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt vorbei geht zudem auch, dass es im Gesetz über die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingungen nicht mehr nur um eine absolute Untergrenze für den Lohn, sondern um mehr oder minder umfangreiche staatliche Lohngitter bzw. Quasi-Tarifverträge geht. Vielmehr wird in §4 Abs. 4 die Möglichkeit eröffnet, Mindestlöhne nach Art der Tätigkeit, Qualifikation der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen und nach Regionen zu differenzieren".

Das ist sprachlich die Eins-zu-Eins-Übertragung des polit-bürokratischen Kauderwelsches auf den Bildschirm des innovativen Medienportals Carta, eines Gequatsches, das uns allen doch seit Jahren schon auf den Senkel geht. So wird der Westen nicht gewonnen, vor allem ist an diesem staubgrauen Wortbrei nichts innovativ. Medien sollten doch immer 'Medien' sein, sie sollten diesen Sprachgebrauch der politischen Ebenen und Verwaltungsetagen, all der Etappenhengste in ihren ausgelatschten Sprachpantoffeln, zuallererst 'vermitteln' können. Das allerdings geht selbstverständlich nur, wenn man auch ein wenig schreiben kann.

Lustig ist es, dass der Autor diese Beitrags bislang - Stand: 8.11., 12:00 Uhr - noch nicht einmal auf die Kommentare seiner Leser reagiert hat. Obwohl dies wiederum Mercedes Bunz im bislang besten Beitrag auf CARTA als unverzichtbaren Bestandteil einer neuen Medienwirklichkeit gefordert hat:

 

"Inhalte, die vom Leser kommen und veröffentlicht werden sollen, schaffen also Arbeit und damit Arbeitsplätze. Sie müssen gegengelesen, beantwortet und betreut werden".

Um nicht missverstanden zu werden: Ich würde es begrüßen, wenn im deutschen Sprachraum endlich eine 'Huffington Post' entstünde. Allein schon, um zu zeigen, dass das Netz auch ökonomisch funktioniert. Was könnte Bloghausen letztlich besseres passieren? Dazu aber müsste das Medium sprachlich eine Gestalt gewinnen, die Leser anzieht, und nicht ausgrenzt.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • XiongShui

    09.11.08 (10:14:24)

    Warum braucht Deutschland eine "Huffington Post"? Wäre Deutschland, oder besser noch Europa, nicht in der Lage, etwas eigenes auf die Beine zu stellen? Dieses ständige nachäffen dessen was die USA machen, ist es ja, was deutsche Entwicklungen be- und verhindert. Statt Maßstäbe zu setzen (wie das z.B. die Fraunhofer Institute auf anderem Gebiet tun), wird ständig dorthin geschielt, wo man noch dazu in einem impliziten Größenwahn die USA mit Amerika gleichsetzt (wenn mein Gott groß ist, bin ich es auch). Wohin dies führt, kann man gerade schön beim Fernsehen beobachten. Nachdem jede eigene Idee aufgegeben wurde und stets nur die Daily Soaps der USA kopiert werden, ist das Fernsehen so gut wie tot. Es müssten also neue Ideen her, die unseren Bedürfnissen gerecht werden. Von Ansprüchen mag ich nicht mehr reden, da diese eben durch das ständige nach unten Nivellieren fast nicht mehr nennenswert sind. Dann jedoch Ansprüche in der geschilderten plakativ- überheblichen Art einzufordern, ist mit Sicherheit kontraproduktiv. Um ein solches Experiment jedoch gelingen zu lassen, müsste eine Verlegerpersönlichkeit alten Stils her, die erst einmal bereit ist, einer Idee eine Menge Geld, Zeit und Idealismus zu opfern, ehe damit etwas verdient werden kann. Das würde aber langfristiges Denken, vielleicht sogar in Generationen voraussetzen - doch das ist ein Anachronismus. Heute wird nur noch in Perioden von höchstens drei bis vier Jahren gedacht und geplant.

  • Klaus Jarchow

    09.11.08 (11:13:58)

    @ Xiongshui: Es wird gern übersehen, dass die 'Huffington Post' gerade aufgrund einer solchen Verlegerpersönlichkeit gewonnen hat. Die verantwortliche Milliardärsgattin dort nahm -zig Millionen Dollar in die Hand, stellte einige Hundert renommierter Schreiber ein - und hatte prompt Erfolg. Man fragt sich da doch, wo der Unterschied zum deutschen Sprachraum liegt ...? ;-)

  • XiongShui

    09.11.08 (13:47:04)

    Vielleicht ist es das schamlose Ausnutzen von "Verbindungen" was mir eine Gänsehaut verursacht - und das schwappt auf jeden Fall über den Teich. Vielleicht bin zu alt? Ich weiß es nicht. Andererseits können wir hier auch nicht mit derartigen Maßstäben aufwarten und gerade da sehe ich das Problem des "Nachäffens"; unsere Gesellschaft und auch unsere Kultur ist anders strukturiert. Es scheint mir schwer vorstellbar, daß sich heute noch ein Augstein, Nannen, Suhrkamp finden würde, der alles auf diese Online- Karte setzt. Solange bleibt es bei den halbherzigen Online- Versuchen, denen das über den Tag hinaus schreiben nicht gelingt. Ein Problem, was der europäischen Lösung im Wege steht, ist natürlich die Sprache, andererseits: 120 Millionen Menschen deutscher Zunge sind ja auch was.

  • Thinkabout

    09.11.08 (20:24:11)

    Ist der Vergleich mit der Huffington Post nicht einfach der schnelle Versuch der Beobachter, das neue Projekt einzuordnen? Lassen wir doch das Kind mal ein wenig zu Kräften kommen. Wenn wir jeweils mokieren, dass alte Schreibstile ins Internetz transborniert werden, dann kommt mir das nicht selten etwas billig vor: Es ist tatsächlich sehr viel einfacher, mit dem Zweihänder einen Schwulst ganz brachial in Fetzen zu hauen, statt selbst positiv argumentierend einem Text Gehalt zu geben, ohne kompliziert zu werden. Es gibt eine höchst bedenkliche Bloggersprachunkultur, sich im Zerriss alt hergebrachter Sprachwen- und -windungen zu ergötzen - ohne selbst wirklich mehr zu liefern, als verbales Schenkelklopfen, es wieder mal einem Dünkelprofessor so richtig gegeben zu haben. Das Problem, das ich sehe und mit dem sich die Internet-Szene selbst ins Bein schiesst: Der sofortige Verriss eines Online-Starts führt dazu, dass sich auch Projekte mit gutem Ansatz gar nie die Zeit geben, die nötig wäre. Wir sind es, die das Internet "mit machen". Also sollten wir uns kontrollieren und fragen: Sind wir nicht manchmal vorschnell? Und damit noch schneller als das Internet selbst?

  • Dexter

    09.11.08 (21:59:20)

    Schaut man sich die Autoren auf "Carta" an, begreift man nicht ganz, wie sie ernsthaft sich auf eine deutsche Huffington kaprizieren können. Das sind, wenn man die Lebensläufe liest, fast alles Leute die irgendwie irgendwo im Print gearbeitet haben, bei merve ihre Bändchen veröffentlichen, und jetzt mit diesem ungeheuren Anspruch auftreten, der Welt etwas sagen zu müssen. Da gibt's Vielschreiber, die stilistisch und gedanklich von jedem Blog, auch von diesem, überholt werden.Haben alle in ihren Bios FAZ oder Spiegel, Monopol etc.etc. Wirkt so kaputt. Da ist mir Jarchow lieber, der sich dazu bekennt, Auftragsschreiber im anderen Leben zu sein. Ob sich das entwickelt? Ich weiss nicht. Es ist ja so, dass wenn ein Stefan Heidenreich zum neuen Vordenker gemacht wird und ein Robin Meyer-Lucht, man sich vielleicht nicht gerne in dieser Gesellschaft sähe. Es kommt mir vor, als ob hier das Schlechteste vom Print, z.b. die ungeheure Blasiertheit, mit dem Schlechtesten vom Internet, das eigene Geschäftsmodell zur Strategie des Weltgeistes zu erklären, zusammengeht.

  • Klaus Jarchow

    09.11.08 (22:27:18)

    @ Thinkabout: Ich sehe das ja ähnlich, nur wird 'das Kind' sich nie richtig entwickeln, wenn man von vornherein 'das Falsche' nicht auch 'vom Ei an' herauskritisiert. Dilemma heißt das wohl, was daraus resultiert: Man möchte schon, das das etwas wird, aber man weiß zugleich, so wird das nichts. Also macht man das Maul auf. Im übrigen habe ich ja keinen 'Verriss' geschrieben, sondern die Lernfähigkeit und das Zuhören-Können bei Carta ausdrücklich herausgestellt und positiv erwähnt. 'Medien' sind im Wortsinn 'Mittler' - und ein wenig scheint mir es so, dass im Netz dort neuerdings Leute dem Irrglauben anhängen, sie könnten schon 'schreiben', bloß weil sie etwas 'wissen'. Das aber ist ein Trugschluss, so naturwüchsig geht es auf der Welt nun mal nicht zu. Das sind zwei Handwerke, die man beide beherrschen muss. @ Dexter: Danke für die Blumen - ich werde sie mir auf den Nachttisch stellen. Ich denke, ich habe viel dadurch gelernt, dass ich ständig für intellektuell eher 'banale Themen' Interesse generieren musste. Das wiederum geht nur mit dem Mittel sprachlicher Differenz. Diese Medizin ist nicht 'exklusiv', sondern sie lässt sich 'für jedermann' einsetzen, auch zu wissenschaftlichen oder aufklärerischen Zwecken. Denn die Sprache ist eine Hure - aber mit Sicherheit die liebenswerteste der Welt.

  • Thinkabout

    09.11.08 (22:44:42)

    @Klaus Jarchow: Hoppla, da ziehen Sie sich einen Schuh an, der eigentlich gar nicht für Sie bestimmt war: Im Fahrwasser dieser nur noch bekrittelnden Basher-Wüterei sehe ich den Herrn Don Alphonso rumpaddeln, manchmal geradezu manisch, wie mir scheint. Und so reagiere ich schon auf den Namen mit dem gleichen, unguten Reflex (Asche auf mein Haupt...)

  • XiongShui

    10.11.08 (08:19:37)

    @Thinkabout, @Klaus Jarchow, es macht doch gerade eine Diskussionskultur (und auch die so dringend benötigte Streitkultur) aus, auch kritische Stimmen zu erheben und damit das geäußerte auf den selbstreflektiven Prüfstand zu stellen. Gutes Zuhören gehört dazu, gutes Mitteilen (wobei es beim Teilen ja darum geht, dem anderen etwas zu geben) und möglichst vorurteilsfreies Werten. Da in der angesprochenen Blogbar meiner Meinung nach, gerade der letzte Punkt zu kurz kommt, diskutiere ich lieber hier. Das Experiment an sich, ein Portal mit "Stimme" für den dt. Sprachraum, finde ich ja auch spannend - das habe ich schon vor Jahren zur Readers Edition geschrieben. Leider wurden aber meine (oben geäußerten) Bedenken bisher nirgendwo ausgeräumt. Nur zu gerne würde ich mich eines Besseren belehren lassen.

  • Fred David

    10.11.08 (09:29:37)

    Ich finde, es klingt hier doch das Meiste recht gesittet. Man lernt jedenfalls eine ganze Menge. Aber die Frage bleibt brachial banal: Wo ist der Milliardär, die Milliardärin, die sich so etwas wie eine Huffington Post hierzulande leistet? In der Schweiz leben, by the way 120 Milliardäre: Einige von ihnen suchen nach Möglichkeiten, was sie Sinnvolles damit anfangen könnten. Man kann es drehen und wenden wie man will: Das Netz spielt zu wenig Geld ein, wenn man einigermasen anspruchsvolle, professionelle Inhalte über das Verfalldatum von 6 Stunden hinaus produzieren will. Die Anschubkosten sind hoch und gute Leute teuer. Nur das Netzt abschöpfen reicht bei weitem nicht. Es müssen originäre Stoffe her, die Aufsehen erregen. Die gibt es. Die an Land zu ziehen, ist sehr aufwändiges und dementsprechend teures Handwerk. Wenn, dann richtig oder gar nicht. Alles andere hat keinen Sinn. Man sollte da weniger auf traditionelle Medienhäuser setzen, sondern auf Investoren von aussen, die die Notwendigkeit erkennen, so etwas aufzubauen. In einem Markt von 120 Millionen Menschen müsste das doch zu schaffen sein! Als Trägerschaft wäre eine finanziell gut ausgestattet Stiftung ideal, die eingenommenes Geld gleich wieder investieren müsste. Vor allem aber: Einflussnahme von aussen durch Einzelpersonen oder Interessengruppen wäre nahezu ausgeschlossen und die totale Abhängigkeit von Anzeigen wäre nicht notwendig. Beides sind Riesenvorteile gegenüber dem print. Das brächte von Anfang an Vertrauen - buchstäblich ein enormes Kapital. Es müsste möglich sein, eine kleine finanziell potente Gruppe oder noch besser eine Einzelperson mit diesem Hintergrund zu finden. Man müsste aktiv nach solchen Leute suchen, die mit dem Gang der Dinge ebenso unzufrieden sind wie hier viele auf medienlese auch. Ich sag mal was Verrücktes: medienlese könnte die Andockstelle für so ein ein Projekt werden. Eine Menge professionelles Knowhow ist ja vorhanden. Die Geldsuche müsste man ebenso professionell vorantreiben. Es ist wie mit einer politischen Partei. In der Schweiz haben wir das 1:1 erlebt: Ein Milliardär leistet sich eine Partei. Er ist ziemlich weit damit gekommen. Bis in die Regierung, wenn auch nur kurfristig. Aber immerhin heisst das: Es funktioniert. Bei einer Hufftington Post in German müsste , wie gesagt, natürlich eine Stiftung zwischengeschaltet werden, um nicht zum Sprachrohr und Spielball von irgendwelchen Autokraten und Interessengruppen zu werden. Das brächte Vertrauen. Das Publikum, das sowas sucht, kann man physisch mit den Händen an jeder Ecke greifen!

  • XiongShui

    10.11.08 (10:18:28)

    @Fred David, Vorsicht. Das Internet ist groß, Zugang hierzu haben viele. Doch nur 25% lesen regelmäßig Blogs und davon nur 11% kommentieren auch (die Zahlen gelten für Deutschland, dürften jedoch im übrigen dt. Sprachgebiet ähnlich liegen) mit anderen Worten, es handelt sich zumindest für die nächsten (geschätzt: 3) Jahre keinesfalls um ein tragfähiges Geschäftsmodell. In dieser Zeit geht eine Menge Anschubfinanzierung den Bach hinunter. Das fordert also eher Idealisten als Geschäftsleute. Sicher würde solch ein Modell dafür sorgen, daß die Entwicklung schneller voran kommt - und auch, daß Konkurrenz eine Chance bekäme. Mit anderen Worten, man muss einen Investor auch noch davon überzeugen, das es sich lohnt, als Nebeneffekt der eigenen Konkurrenz den Steigbügel zu halten. Nicht so einfach.

  • Fred David

    10.11.08 (17:41:43)

    @ XiongShui: Das stimmt schon ,aber die Idee ist nicht ein reiner Blog, sondern eine Weiterentwicklung mit professionell aufbereiteten Themen, Foren, Discussionen, einem starken Recherche- und Doku-Teil usw.usw.. Es muss ja spannend sein. Und es muss originär sein, kein reines Abschöpfen aus dem Netz. Wer rasch Gewinn sehen will, wird das nicht finanzieren. Es muss eine Stiftung sein. Ganz nüchtern: Der Stifter gibt sein Geld, setzt ein paar Grundbedingungen fest und geht wieder. Solche Leute gibt es durchaus, die die unübersehbar gewordenen Schwächen der Medien erkennen, die sich damit nicht abfinden wollen und die sich überzeugen lassen: Das muss doch auch anders, besser, gehen. Leute die das umsetzen können, gibt es genug, man muss sie natürlich auch sehr gut bezahlen. Das muss dann Klasse und Kontinuität haben. Sonst wird's nichts. Und dafür braucht man einen reichen Idealisten, der erkennt, dass es nur so geht. Auch diese Leute gibt es.

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