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02.12.09

Square: Revolution für bargeldlose Zahlungen?

Mit großer Aufmerksamkeit hat Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey sein neues Startup Square vorgestellt: Dieses soll jeden Besitzer eines mobilen Gerätes in der Lage versetzen, Kartenzahlungen entgegen zu nehmen. Eine faszinierende Idee.

SquareVor einigen Wochen war ich kurz davor, einen Artikel über das Fehlen einer simplen, sicheren und bequemen Applikation für die mobile Überweisung von Geldbeträgen zu verfassen. Ein solches Posting wäre jedoch nur dann lesenswert gewesen, hätte ich selbst einen Vorschlag zur Lösung dieses komplizierten Anwendungsbereichs gehabt. Doch jedes meiner Gedankenspiele führte in eine Sackgasse. Entweder weil ich erkannte, dass eine Idee nicht sicher genug bzw. nicht einfach genug war, oder aber weil mir die administrativen Hürden zu hoch erschienen.

Wahrscheinlich war es gut, dass ich mich daher gegen einen solchen Artikel entschied. Denn gestern hat Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey mit Square einen neuen Dienst vorgestellt, der deutlich weiter geht als die mir vorschwebenden Optionen und der dem Thema mobiler Payments einen signifikanten Schub geben könnte.

Square besteht aus einem kleinen Lesegerät für Kreditkarten sowie einer Software. Das winzige Gadget wird mit dem Audioanschluss eines Mobiltelefons verbunden. Zieht man nun eine Kreditkarte durch den entsprechenden Leseschlitz, werden die notwendigen Daten ins Audioformat übersetzt und zu einer auf dem Smartphone installierten Applikation übertragen. Diese sendet die Zahlungsdaten per WLAN oder Mobilfunkverbindung an Square, das anschließend die Zahlung abwickelt. Eine Quittung erhält man per E-Mail oder SMS.

Square im Einsatz mit dem iPhone

Square, das (nicht zuletzt wegen seinem prominenten Gründer) sofort ein erhebliches Echo in der US-Blogosphäre nach sich ziehen konnte, löst mindestens zwei Probleme: Zum einen ermöglicht es Händlern, die bisher auf die vergleichsweise teure Anschaffung eines Kartenlesegerätes verzichtet haben, Kunden fortan ebenfalls Kartenzahlungen anzubieten. Zum anderen - und das ist in meinen Augen sehr viel wichtiger - können mit Square auch Privatpersonen bargeldlos Zahlungen entgegennehmen.

Ob es sich dabei um die Begleichung von Schulden bei einem Freund, um das Verkaufen von Gegenständen in zweiter Hand oder um andere Alltagssituationen handelt, in denen ein Geldbetrag den Besitzer wechselt: Square erleichtert Privatpersonen das Abwickeln von Zahlungen, ohne dass dabei Bargeld zum Einsatz kommt, Kontodaten ausgetauscht werden müssen oder einer in der Gruppe mit der Restaurantrechnung für zehn Personen über viele Tage in Vorauslage gehen muss.

In der jetzt angelaufenen, geschlossenen Testphase funktioniert Square lediglich mit dem iPhone. Mittelfristig soll Square jedoch auch auf Android-, Blackberry- und Symbian-Geräten laufen. Selbst mit herkömmlichen, stationären Computern oder Notebooks könnte man Square einsetzen, erfuhr GigaOm von Gründer Dorsey. Da stets das gleiche Hardware-Gadget zum Einsatz kommt, hängt die Verfügbarkeit von Square letztlich allein vom Vorhandensein einer entsprechenden Applikation sowie einer Internetverbindung ab.

Laut TechCrunch sind die drei großen Kreditkartenunternehmen Visa, Mastercard und American Express bereits mit im Boot. Unklar ist, ob und inwieweit diese an Zahlungen über Square beteiligt werden und wie hoch die eigene Gebühr sein wird, die Square für Zahlungen beansprucht.

Kapitalgeber scheinen von Square und dessen Geschäftsmodell überzeugt zu sein: Glaubt man den Meldungen, so stehen Venture-Kapitalisten Schlange. Noch vor seinem Start konnte Square eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Dollar sichern - bei einer Bewertung von 40 Millionen Dollar.

Wie groß der Nutzen ist, den sich Personen von Square erwarten, dürfte von Land zu Land unterschiedlich sein. Hier in Schweden, ähnlich wie in der USA, haben Kreditkarten eine sehr hohe Verbreitung, weshalb ich es persönlich kaum abwarten kann, den Dienst auszuprobieren.

In Deutschland gibt es viele, die keine Visa- oder Mastercard besitzen, was die Erfolgschancen von Square natürlich verringert. Schon ein Unterstützen der weit verbreiteten Maestro-Karte jedoch würde vermutlich viele Deutsche hellhörig werden lassen.

Gemindert wird das Probleme einer regional variierenden Kreditkarten-Penetration durch die Tatsache, dass Visa & Co global einsetzbar sind, was es für Square zumindest theoretisch möglich macht, schnell international zu starten. Wann der offizielle Launch für Square ansteht und ob auch Europäer zeitnah in den Besitz eines Square-Kartenlesers gelangen können, ist momentan noch nicht bekannt.

In jedem Fall hat mich schon lange eine Idee nicht so begeistert wie die von Square. Bleibt zu hoffen, dass das Projekt über den Status der Pilotphase hinauskommt und nicht das selbe Schicksal erleidet wie eine andere meiner Favoritideen, nämlich das CrunchPad.

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