<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

16.10.13

Square Cash und Google Wallet: E-Mails befördern Geld

Der von Twitter-Macher Jack Dorsey gegründete Dienst Square erlaubt Amerikanern Überweisungen per E-Mail. Auch Google und diverse Startups wollen Geldtransfers zwischen Privatpersonen vereinfachen.

ÜberweisungenUnzählige Payment- und Zahlungsdienste haben sich schon mit der Frage abgemüht, wie sich Überweisungen zwischen Privatpersonen vom Smartphone aus möglichst unkompliziert durchführen lassen. Schließlich kommt es immer mal vor, dass man Freunden, Bekannten oder Kollegen kleine Geldbeträge zukommen lassen muss, gerade kein Bargeld mit sich führt und auch keine Geduld für die umständlichen Prozesse der eigenen Onlinebank hat. Mehrere deutsche Startups versuchen, hier unkomplizierte und dennoch sichere Alternativen zu finden, etwa das auf Facebook basierende paymy , Cashcloud oder das noch in der Entstehung befindliche paymey. Auch Lendstar, ein Anbieter, der das Verleihen von Geld unter Freunden fördern möchte, plant direkte Geldtransfers. Und freilich lassen sich auch PayPal und Google Wallet für diesen Zweck einsetzen. Stets jeweils zu individuellen Kosten und mit unterschiedlichen Einschränkungen. Square vereinfacht Überweisungen radikal

Das US-Unternehmen Square, Pionier im Segment der Smartphone-Kartenreader und auch sonst auf dem nordamerikanischen Konkurrent schon gut mit verschiedenen durchdachten Paymentfunktionen bei Millionen Händern präsent, hat diese Woche das absolut einfachste Verfahren vorgestellt, um Geldbeträge zwischen Personen zu transferieren: Square Cash erfordert in der Alltagsverwendung nicht mehr als den Versand einer E-Mail und benötigt keinerlei Registrierung. Der nach einem mehrmonatigen Beta-Test nun allen Besitzern eines US-Kontos und einer Debitkarte zur Verfügung stehende Dienst erlaubt es Anwendern, eine E-Mail an den Empfänger einer Überweisung zu schicken und dabei im Betreff die gewählte Summe sowie im CC cash@square.com anzugeben. Square bucht dann den entsprechenden Betrag vom Bankkonto des Absenders ab und schreibt es ein bis zwei Tage später dem Konto des Empfängers gut. Sollten beide Parteien Square Cash zum ersten Mal verwenden, werden sie über eine Hinweis-Mail von Square zur Eingabe ihrer Debitkarten-Nummer in ein Onlineformular gebeten. Für weitere Transfers entfällt dieser Schritt.

Square

Bis zu 2500 Dollar pro Woche

Walt Mossberg, IT-journalistisches Urgestein, hat den neuen Service ausprobiert und bestätigt, dass Square Cash tatsächlich keine zusätzlichen Schritte erfordert. Zumindest vorläufig streicht das Unternehmen auch jede Gebühr, das heißt, Nutzern entstehen keinerlei Kosten. Die wöchentlich per Square Cash zu bewegende Maximalsumme beträgt 250 Dollar - es sei denn, User verifizieren ihre Square-Cash-"Mitgliedschaft" durch eine einmalige Verknüpfung mit ihrem Facebook-Konto oder hinterlassen einige persönliche Daten, inklusive der letzten vier Ziffern ihrer Sozialversicherungsnummer. Mit diesen Sicherheitsvorkehrungen gestatten die Kalifornier wöchentliche Überweisungen von bis zu 2500 Dollar.

Ohne Vertrauen keine Chance

Der Hauptgrund, warum nahezu alle existierenden Dienste und Applikationen zum Transfer von Geldern zeitraubend und - im Vergleich zu dem extrem minimalistischen Ansatz von Square - unkomfortabel und komplex daherkommen, sind augenscheinlich Sicherheitsbedenken. Denn Dienste, die Betrügereien Tür und Tor öffnen, verlieren schnell das Vertrauen der User - oder schaffen es gar nicht erst, dieses zu bekommen, weshalb sich Personen dann gar nicht erst bereit erklären, ihre Kontodaten preiszugeben.

Wer von Square eine E-Mail mit der Mitteilung bekommt, ein Freund habe per Square seine 100 Dollar Schulden zurückgezahlt, weshalb der Empfänger nun seine Kontodetails zum Empfang des Geldes angeben solle, der wird erst einmal an einen Phishingversuch denken. Ein solches Szenario wäre zumindest wahrscheinlich, wenn Square Cash ab dem heutigen Tag beispielsweise auch in Deutschland oder der Schweiz genutzt werden könnte. Denn hier kennt den von Twitter-Gründer Jack Dorsey geschaffenen US-Dienst so gut wie niemand. Auf der anderen Seite des Atlantiks aber setzen über drei Millionen Geschäfte, Gastronomen und Händler Squares Kartenlesegerät für iPhone und iPad ein. Im vergangenen Jahr wickelte das Unternehmen Zahlungen in Höhe von zehn Milliarden Dollar ab. Die Chancen stehen also deutlich besser, dass Zahlungsempfänger eine Ahnung haben, mit welchem Dienst ihre Freunde und Bekannten ihnen da gerade Geld zu schicken versuchen, und verstehen, dass es sich bei Square um Profis im Abwickeln von Zahlungsvorgängen handelt. Unterstützend können einige erklärende Zeilen in der E-Mail dabei helfen, dem Geldempfänger zur Angabe der Kontodetails zu raten.

Gelingt es Square, Sicherheitsbedenken zu zerstreuen und zu beweisen, dass die gewählte Simplizität nicht auf Kosten der Anwender geht, dann steht einer massiven Verbreitung nicht viel im Weg. Denn E-Mail hat noch immer jede und jeder, das Absenden dauert Sekunden, und solange Jack Dorsey und sein Team keine Gebühren verlangen, sticht Square Cash sowohl hinsichtlich Nutzerkomfort als auch bei den Kosten die Konkurrenz aus. Nebenbei sammelt das Startup des charismatischen Entrepreneurs, der auch in diesem aktuellen, lesenswerten Portrait wieder mehrfach mit Steve Jobs verglichen wird, reichlich Nutzerkonten und E-Mail-Adressen, was sich unter Garantie bei der weiteren Expansion der anderen Square-Dienste, allen voran Square Wallet, auszahlen wird.

Auch Google Wallet nutzt die E-Mail

Auch Googles elektronischer Bezahldienst Wallet erlaubt US-Nutzern seit einigen Monaten den Geldtransfer per E-Mail. Das funktioniert aber nur mit Gmail, zudem landet das Geld nicht automatisch auf dem Bankkonto des Empfängers, sondern in Googles E-Wallet, von wo aus es dann auf das eigene Konto überwiesen werden kann. Squares Lösung ist damit noch "barrierefreier". Zudem sind Debitkarten-Geldtransfers per Google Wallet mit einer Gebühr verbunden (per Direktzugriff auf das Bankkonto jedoch nicht).

Google scheint sich selbst noch nicht so richtig entschlossen zu haben, wie viel Energie es in das Thema Zahlungsdienstleistungen stecken soll. Auch weil die bisherigen Experimente in diese Richtung wie der Wallet-Vorgänger Checkout nicht richtig gefruchtet haben. Sofern es jedoch in diesem Segment mitspielen möchte - was sich angesichts des wachsenden Ökosystems rund um den Google Play Store und andere Handelsambitionen durchaus lohnen könnte - dann müsste Google sich durch die Vorstellung von Square Checkout herausgefordert sehen. Denn ultimativ stehen hier Google Wallet gegen Square Wallet.

In Deutschland möglich

Der Versand von Geld per Mail ließe sich laut Payment-Experte und Figo-Gründer André M. Bajorat auch in Deutschland realisieren. Grundvoraussetzung sei immer eine Art "Wallet", in dem die Ein- und Auszahlungsoptionen der jeweiligen Nutzer hinterlegt sind. Und freilich müssen die Regelungen des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) berücksichtigt werden. Ob dann traditionell eher skeptische Deutsche sich mit dem Gedanken anfreunden können, Überweisungen per Mail durchzuführen, bleibt natürlich abzuwarten. Mit Blick auf ein antiquiertes, noch immer scheck-zentrisches US-Banksystem, bei dem Überweisungen im Schneckentempo schon eine Innovation darstellen, bringen Square Cash und Google Wallet für dortige Bürger deutlich größere Erleichterungen mit sich, als dies hierzulande der Fall wäre. Hiesige Onlinebankingangebote sind zwar aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen nie gänzlich einfach zu bedienen, aber mittlerweile oft trotzdem modern genug, um vergleichsweise schnell eine Überweisung zu initiieren. Wobei es per E-Mail immer deutlich schneller ginge. /mw

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer