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19.07.11

spreet: Mit "Local Media" die Nachbarn kennenlernen

spreet aus Hamburg will es Usern ermöglichen, mit Menschen aus der unmittelbaren Umgebung in Kontakt zu treten. Aus Social Media wird Local Media.

 

Social Networks verändern das Leben von geschätzten einer Milliarde Menschen. Noch nie war es leichter, mit Freunden, Verwandten und Bekannten rund um den Globus in Kontakt zu bleiben. Doch während durch Facebook und Konsorten die Pflege sozialer Beziehungen sowie die Interaktion mit anderen Personen neu definiert wird, wissen viele digital hervorragend vernetze User nicht, wer mit ihnen im selben Haus wohnt.

Im Jahr 2011 könnte sich dies ändern - zumindest wenn es nach dem Willen der wachsenden Zahl an Startups geht, die sich auf die lokale Vernetzung von Menschen fokussieren.

Die Anbieter in diesem, auch durch die Verbreitung von Smartphones angeheizten Markt, lassen sich grob in vier Gruppen unterteilen: In "Microjobbing-Angebote" wie Zaarly, Gigalocal oder Coffee & Power, ortsgebundene Frage-Antworte-Dienste wie LocalUncle, Loqly oder Gootip, virtuelle Schwarze Bretter à la placeboard sowie Dienste, die spontane Chats und Konversationen mit anderen Menschen in der Umgebung ermöglichen (beispielsweise DailyPlaces oder Sonar ).

Das neue aus Hamburg stammende Angebot spreet versucht nun, sämtliche dieser Aspekte unter einen Hut zu bringen.

Bei spreet registrierte Nutzer können auf einer Google-Karte so genannte Shouts veröffentlichen - standortbezogene Nachrichten, in denen sie Nachbarn um Hilfe bitten, Ratschläge und Empfehlungen erfragen oder Angebote lokaler Unternehmen und Dienstleister einholen. Der Radius eines Shouts darf zwischen 200 und 1000 Metern betragen, ist somit grundsätzlich auf ein bestimmtes geografisches Gebiet beschränkt. Shouts können mit einer angehängten Datei sowie Schlagwörtern ergänzt werden.

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Das Gegenstück zum Shout sind "Antennen": Dabei handelt es sich um einen lokal begrenzten Monitoringauftrag, der sämtliche Shouts auffängt und auflistet, die im jeweiligen Gebiet von anderen Usern veröffentlicht wurden. Auch der maximale Radius einer Antenne - von denen User beliebig viele anlegen können - beträgt maximal 1000 Meter.

Shouts anderer Nutzer tauchen nur dann im persönlichen spreet-Feed in der linken Spalte auf, wenn sich die eigenen Antennen mit den Radien der Sender decken. Allerdings lässt sich der Antennen-Modus auch deaktivieren, woraufhin sämtliche Shouts auf der Karte eingeblendet werden, auch die außerhalb der vom Nutzer kreierten Antennen.

Zu jedem Shout lässt sich eine Konversation starten, die öffentlich oder privat geführt werden kann. Eine Schlagwort-Suche erlaubt das gezielte Auffinden von Shouts und Konversationen zu gewünschten Themen (z.B. "Freizeit" oder "Klempner").

Die zwei spreet-Gründer Roman Ernst und Mathis Kreyer bezeichnen ihre Entwicklung in Anlehnung an "Social Media" als "Local Media". Ihr Ziel ist es, mit dem kostenfreien Dienst einen realen Offline-Mehrwert für Nutzer zu schaffen, indem sie Kontakte herstellen, die bei bisherigen Social-Web-Services nicht zustande kommen.

Als Geschäftsmodell hat das Duo einen Freemium-Ansatz im Visier. "Für kommerzielle Nutzer bieten sich mannigfaltige Möglichkeiten des Local Advertisings", so Mathis Kreyer. Er unterstreicht, dass spreet abseits der geplanten Zusatzdienste in seiner Grundfunktionalität aber auch für Unternehmen kostenfrei ist und bleibt.

Derzeit befindet sich spreet im öffentlichen Beta-Stadium - und das merkt man auch. Bei meinen Tests mit Chrome zeigte sich die Navigation auf der Karte von einer eher störrischen Seite, und auch das Anlegen von Antennen und Shouts ging einige Male schief, bevor es letztlich durch bedachtes Klicken an den richtigen Stellen funktionierte.

Von derartigen, einfach zu behebenden Bugs abgesehen gefällt mir das Konzept von spreet. Einerseits ist es in dieser Form frisch und unverbraucht, andererseits erlaubt es zumindest in der Theorie eine intelligente Filterung der Angebote, Gesuche und Fragen nach lokaler Relevanz. Voraussetzung dafür ist, dass sich zum einen genug Nutzer auf der Plattform einfinden, und dass sie zum anderen nicht von Spammern und Nervensägen überrannt wird (eine Funktion zum Blockieren einzelner User existiert).

Was spreet dringend benötigt, ist eine mobile Komponente. Eine iPhone-App befindet sich zwar in Planung, aber hier sollten die spreet-Macher unbedingt Gas geben und möglichst parallel eine Android-Anwendung basteln. Denn Local Media ohne Smartphone-Integration ist, wie mit angezogener Bremse Fahrrad zu fahren.

Link: spreet

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