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16.11.11Leser-Kommentare

Spotify öffnet Tore in der Schweiz: 15 Millionen Titel, aber (noch) keine Schweizer Klassiker

Heute öffnet Spotify seine Tore in der Schweiz. Wir haben die Details zur helvetischen Version und konnten sie uns vorab anschauen.

 

«Endlich!» wird sich heute manch ein Schweizer Musikfan denken, «Spotify ist da. Nicht nur auf meinem Desktop, sondern auch auf meinem Smartphone und Tablet.» Spotify, der bekannte schwedische Onlinemusikanbieter, steigt in den Schweizer Markt ein.

Auch wenn Jonathan Forster, Spotifys General Manager Europe, bei einem Pressebriefing am 10. November in Zürich betonte, es gebe genug Platz für alle in dieser Branche, dürften sich direkte Konkurrenten wie simfy (i.e. Neulinge, die Musik für eine Flatrate à discretion anbieten), aber auch etablierte Player wie iTunes nicht nur freuen.

Eine gute Nachtricht ist dieser Launch natürlich für Musikfans und zwar nicht nur in der Schweiz: Der Eintritt in einen neuen national begrenzten Markt ist ein Silberstreifen am Horizont für all jene, die auch weiterhin auf eine Alternative zu den illegalen Tauschbörsen warten, aber nicht bei Amazon oder iTunes einkaufen wollen. Spotify macht klar, dass die Expansion schnell vorangetrieben werden soll und startet heute zeitgleich auch in Belgien.

Erwartungsgemäss kommunikativ zeigten sich die Spotifyvertreter bei Fragen zum Geschäftsmodell. Wie in den restlichen Märkten werden in der Schweiz drei Varianten angeboten:

«Spotify Free», «Spotify Unlimited» und «Spotify Premium». Alle Angebote setzen einen Facebook-Account voraus.

  • «Spotify Free»: Kunden erhalten während der ersten sechs Monate unlimitiert gratis Zugang über den Desktop-Client zum 15 Millionen Titel umfassenden Katalog. Nach sechs Monaten wird die kostenfreie Nutzungsdauer auf 10 Stunden pro Monat begrenzt. Eigene Musik-Dateien können über Spotify verwaltet und drahtlos mit dem Smartphone oder iPod synchronisiert werden. Vereinzelt wird Werbung eingeblendet.
  • «Spotify Unlimited»: Diese Variante bietet dieselben Möglichkeiten wie «Spotify Free», jedoch ohne Werbung und zeitliche Begrenzungen. Die Kosten liegen bei 6,45 Franken im Monat.
  • «Spotify Premium» Mit diesem Abonnement kann ein Nutzer unbeschränkt auf den gesamten Katalog zugreifen, jederzeit und überall, on- und offline, am Computer, Handy und auf vielen anderen Geräten. Dazu bietet dieser Service bessere Klangqualität und Zugang zu «exklusiven Inhalten, Gewinnspielen und speziellen Angeboten». «Spotify Premium» gibt es für 12,95 Franken im Monat.

Die Preise liegen damit leicht unter denen von simfy, wo das Äquivalent zu Spotify Unlimited 7,50 Franken/Monat und die Premium-Version 14,50 Franken/Monat kostet.

Wer Songs auf seinen Rechner herunterladen will, kann dies im Spotify Download Store zu folgenden Konditionen tun (zusätzlich zum Abopreis):

 

  • 10 Downloads: 15,95 Franken
  • 15 Downloads: 21,95 Franken
  • 40 Downloads: 49,95 Franken
  • 100 Downloads: 99,95 Franken

Wir konnten in den letzten Tagen einen Schweizer «Premium»-Account testen – leider nur den Desktopclient; iOS-Apps waren im Schweizer App-Store noch nicht zu haben. Das Musikangebot ist mit über 15 Millionen Songs umfangreich, wer allerdings nach Schweizer Klassikern wie Polo Hofer oder Züri West sucht, wird nicht glücklich werden.

Abgesehen von ein paar Songs, die ihren Weg auf eine Compilation gefunden haben, ist von diesen Künstlern nichts zu finden. Jonathan Forster beteuerte in diesem Zusammenhang, dass Spotify Suchanfragen registriere, die nicht befriedigt werden könnten. Aufgrund solcher Anfragen würde der Musikkatalog auch kontinuierlich ausgebaut. Ansonsten lässt der Katalog wenige Wünsche offen: Elektro-Jazzer Bugge Wesseltoft ist ebenso zu finden, wie der grossartige Beethovendirigent David Zinman oder die Progressive Metaller Dream Theater sowie selbstverständlich die ganzen Hitparadenstürmer.

Spotifys native Desktopanwendung (Adobe Air überflüssig! Simfy, hört Ihr mich?) hätte mich voll überzeugt, wenn sie nicht den freien Arbeitsspeicher meines MacBook Pro jeweils in weniger als einer Minute vollständig in inaktiven Speicherplatz verwandelt hätte, um diesen dann nach 10 Minuten doch wieder freizugeben.

Abgesehen davon hat mich die Applikation überzeugt: Sie kommt aufgeräumt daher und streamt die gewünschte Musik zuverlässig und schnell. Codierungsfehler, wie sie mir in den Anfängen bei iTunes die Freude an zwei, drei Alben vermieste, konnte ich in den rund 24 Stunden kumulierten Probhörens nicht entdecken. Kein schlechter Schweizer Start für Spotify.

Link: Spotify

Kommentare

  • informant

    16.11.11 (11:15:10)

    hmm - nützt uns deutschen aber rein garnichts ;) ist wie mit wilmaa und zattoo! danke gema und co!

  • Tobias

    18.11.11 (00:21:07)

    Simon, ich finde den Artikel über Spotify arg unkritisch, gerade wenn du Simfy ins Spiel bringst. Mir gefällt zwar Simfy (Desktop und Mobile) von der UI nicht wirklich gut - Simfy bietet aber eine Web-Version. Ich kann also auf jedem Computer darauf zurückgreifen. Spotify gibt's nur über eine Desktop-App. Und bei Spotify kann man sich nur über ein Facebook-Account anmelden. Das sind leider zwei Killer-Kriterien, die komplett gegen Spotify sprechen.

  • Simon Wüthrich

    23.11.11 (11:44:13)

    Danke für Dein Feedback, Tobias. Du hast Recht, Spotify (und die übrigen Streaming-Dienste könnten kritisch beleuchtet werden: Verdienen Musiker genug? Müssen sich Musiker einfach mehr anstrengen, um was rauszuholen? Arbeiten diese Dienstleister sauber?) Das ist aber nicht das Thema hier, es geht allein um den Launch von Spotify in der Schweiz. Zu Facebook: Im Posting steht klar, dass ein Account vorausgestzt wird – auch hier gilt: ob das gut ist «Endlich ist Musikhören wirklich social!» oder schlecht «Facebook weiss zu viel über mich!» kann in einem News-Posting nicht abgehandelt werden.

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