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22.11.10

Spoon: Desktop-Anwendungen in der Cloud ausführen

Der US-Dienst Spoon erlaubt das Ausführen von Desktop-Software direkt aus der Cloud. Eine lokale Installation ist damit nicht mehr erforderlich.

 

Jedes Mal, wenn ich mir die Artikel bei den Websites manch altehrwürdiger Computermagazine anschaue, fühle ich mich in die Vergangenheit zurückversetzt: Listen mit 50 Freeware-Programmen wechseln sich mit Artikeln über kostenlose Produktivitätstools für Windows ab. Als gäbe es keinen Trend zu Browser-Apps und Cloud Computing. Es fehlt eigentlich nur die Option zum Versand der Software auf einer CD/DVD.

Die Realität sieht natürlich anders aus: Anwendungen, die wir früher lokal installiert haben, werden immer häufiger direkt im Browser ausgeführt. Das hat viele Vorteile: Wir können auf sie von beliebigen Rechnern mit Internetanschluss zugreifen, haben stets ein Backup der bearbeiteten/erstellten Daten, müssen keinen Platz auf unserer Festplatte opfern und uns nicht mit lästigen Installationsroutinen befassen.

Aber was geschieht, wenn doch einmal ein Programm nur in einer Desktop-Variante existiert, man es aber partout in der Cloud ausführen möchte? Spoon könnte Abhilfe schaffen!

Das Startup aus Seattle verfolgt das Ziel, beliebige Anwendungen ohne lokale Installation auf jedem Rechner verfügbar zu machen. Dazu hat es eine Virtualisierungstechnologie entwickelt, die Anwendern das Ausführen von Desktop-Programmen in der Cloud ermöglicht. Die Notwendigkeit einer Installation entfällt.

Spoon erfordert die einmalige Installation eines Browser-Plugins (momentan nur für Windows verfügbar, Mac geplant) sowie eine kostenlose Registrierung. Anschließend führt der Dienst User zu ihrem App-Dashboard, über das sie Applikationen bei Spoon hinzufügen können, die daraufhin in der Cloud gestartet und von dort ausgeführt werden.

Spoon bietet Anwendungen aus den Kategorien "Produktivität", "Tools", "Media", "Social" und "Games". Die Palette angebotener Apps reicht von Firefox-, Opera- und Chrome-Browsern in verschiedenen Versionen (der Internet Explorer fehlt auf Microsofts eigenen Wunsch), FTP-Clients über Tools zur Audiobearbeitung, Datei-Converter, Medien-Player bis hin zu Grafiksoftware, E-Mail-Programmen, Instant Messengern (auch Skype) sowie Twitter-Clients.

Mit Spoon habe ich beispielsweise gerade die alte Firefox-Version 2 direkt aus meinem Chrome-Browser heraus gestartet. Das Buffering sowie die Initialisierung dauerte einige Zeit, was allerdings auch an meiner Internetverbindung liegen kann. Ein Leser dieses Artikels über Spoon bei ReadWriteWeb weist in einem Kommentar darauf hin, dass sein Arbeitgeber Spoon dafür verwendet, Websites auf Browserkompatibilität hin zu testen, merkt aber ebenfalls an, dass der Dienst sehr langsam sowie nicht ganz fehlerfrei sei.

Dass also dank Spoon schlagartig keine lokale Software mehr installiert wird, erscheint eher unwahrscheinlich, zumal eben nicht beliebige Applikationen bei Spoon ausgeführt werden können sondern nur die von dem Service ins Portfolio aufgenommenen. Dennoch finden sich mit Sicherheit Szenarien, in denen das Launchen einer Desktop-Anwendung bei Spoon vollkommen ausreicht, um kurzfristig eine spezifische Tätigkeit zu erledigen, eine Funktion zu testen oder auf eine Software zugreifen zu können, die aus irgendeinem Grund nicht auf dem Rechner installiert werden kann.

Und selbst wenn es am Ende doch bei einer kurzen Begutachtung des Dienstes bleiben und Spoon im beruflichen oder privaten Alltag keine tatsächliche Anwendung finden sollte, ist es allein die Idee einer Plattform zur Portierung von Desktop-Programmen in die Cloud, die zumindest auf mich eine gewisse Faszination auswirkt. Und die einmal mehr verdeutlicht, dass die Tage von lokaler Software gezählt sind.

Link: Spoon

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