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22.05.12

Spannendes Experiment: Die Kartenzahlung per Smartphone kommt nach Deutschland

Deutsche Verbraucher gelten nicht gerade als begeisterte Nutzer bargeldloser Zahlungsmethoden. Trotzdem wagen sich verschiedene hiesige Startups an das vom US-Dienst Square bekannt gemachte Prinzip, Kartenzahlungen per Smartphone zu ermöglichen.

Deutschland ist nicht bekannt als Land der unbegrenzten Kartenzahlungen. Bei den Transaktionen im bargeldlosen Zahlungsverkehr liegt die Bundesrepublik deutlich hinter anderen europäischen Ländern (im Bezug auf die Einwohnerzahl) und nur gut jede(r) Vierte besitzt eine Kreditkarte (Quelle). Deutlich verbreiteter sind Girokarten (Debitkarten), was allerdings eine vergleichsweise geringe Akzeptanz von in anderen Ländern stärker verbreiteten Kreditkarten zur Folge hat. Selbst einige große Handelsketten akzeptieren hierzulande lediglich Debitkarten und keine der gängigen Kreditkarten wie Visa oder Mastercard. Für Kleinstbeträge an Kiosken, in Supermärkten oder auf Veranstaltungen muss meist ausnahmslos bar bezahlt werden. Ausgeprägte Befürchtungen über Missbrauch und Datenschutzaspekte beim bargeldlosen Einkaufen tun ihr Übriges.

Ich hatte in der ersten Fassung des Artikels versehentlich die Zahl der Kreditkarten mit denen der Girokarten gleichgesetzt, weshalb es zu der jetzt durchgestrichenen Falschaussage kam.

Für Square, das bekannte und innovative US-Startup, das mit seinem Kartenlesegeräte für Smartphones auf der anderen Seite des Atlantiks viele Gelegenheitshändler und Kleinunternehmer für sich gewinnen konnte (und mittlerweile in neue Gefilde vorstößt), gehört der hiesige Markt damit trotz seiner Größe zu den besonders schwierigen, was eine baldige Expansion in Frage stellt. Und auch der schwedische Square-Konkurrent iZettle - der mittlerweile in den nordischen Ländern verfügbar ist und gerade in Großbritannien vor Anker geht - sowie PayPal mit seinem neuen Cardreader PayPal Here zieren sich derzeit noch vor einem Eintritt in Europas größte Volkswirtschaft.

Schon angesichts der herausfordernden Marktsituation kam es etwas überraschend, als im April Pläne des Samwer-Inkubators Rocket Internet bekannt wurden, einen Square-Wettbewerber zu entwickeln. Ursprünglich sollte dieser Zenpay heißen, dann EvoPay, und nun scheint die Bezeichnung "payleven" der neue Favorit der Berliner Klonschmiede zu sein. Verwunderlich ist dieser Schritt auch deshalb, weil die Samwer-Brüder bisher die Finger von Startups ließen, die eine eigene Hardware voraussetzen.

Derzeit ist noch unklar, ob payleven überhaupt in Deutschland lanciert wird . Die Website präsentiert sich bisher nur in englischer Sprache. Anders jedoch bei streetpay, einem weiteren neuen Anbieter einer Kartenlese-Lösung für Smartphones aus Deutschland, der bereits Voranmeldungen für das Plugin entgegennimmt - das laut Website für iPhone, BlackBerry, Android und Windows Phone angeboten werden soll.

Die Münchner geben auch schon Auskunft über die geplante Preisstruktur: Für Transaktionen fällt eine von Square und iZettle her bekannte 2,75-prozentige Gebühr sowie eine Pauschale von 0,19 Euro an - letztere haben sowohl Square als auch iZettle einige Zeit nach ihrem Launch abgeschafft, weil sie die Zahlungen von kleineren Beträgen unattraktiv macht. Der Cardreader wird wie bei der Konkurrenz gratis angeboten. Das Debüt von streetpay für iPhone und Android ist für Mitte Juni geplant.

Wie immer, wenn die deutsche Gründerszene ein im Ausland existierendes Konzept für sich entdeckt, stürzen sich gleich mehrere Unternehmer darauf. Mobile Kartenlesegeräte bilden da offensichtlich keine Ausnahme: Mit SumUp steht auch ein frisch aus der Taufe gehobener Dienst aus Berlin in den Startlöchern und visiert laut deutsche-startups.de zunächst den deutschsprachigen Markt sowie Irland und Großbritannien an. Noch geizt die Website des Unternehmens mit Informationen, ein geschlossener Beta-Test läuft aber bereits.

Schlagartig wollen sich also mindestens drei Startups aus Deutschland einen Teil vom Kuchen mobiler Kartenzahlungen sichern. Allen dürfte es ähnlich wie iZettle darum gehen, schnellstmöglich den europäischen (und im Falle von payleven womöglich auch andere Regionen außerhalb von Nordamerika) einzunehmen, um so Square den Markteinstieg zu erschweren und sich als attraktives Übernahmeziel zu präsentieren.

iZettle schweigt sich zu konkreten Plänen eines Deutschlandstarts noch aus, lässt aber keinen Zweifel daran, dass dieser früher oder später erfolgen soll. Das Startup aus Stockholm teilt sich die Büroräume mit dem sozialen Geschenkkartendienst Wrapp, der sein Expansionstempo deutlich anzog, als deutsche Nachahmer auf der Bildfläche erscheinen. Nicht auszuschließen, dass das gut finanzierte iZettle ähnlich auf die neue Konkurrenz reagieren wird.

Zwei Fragen bleiben vorerst offen: Die eine wäre, wie sich Bezug auf bargeldloses Bezahlen eher skeptische Deutsche verhalten, wenn ihnen plötzlich ein Smartphone mit eingestöpseltem Kartenreader unter die Nase gehalten wird und man sie auffordert, ihre Geld- oder Kreditkarte einzuführen. Die Antwort werden payleven, streetpay und SumUp hoffentlich bald liefern können.

Die zweite Frage ist existentieller Natur und betrifft das generelle Konzept von in diesem Beitrag beschriebenen Lösungen: Angesichts der hohen Gebühren der Kreditkartenfirmen, die von der 2,75-prozentigen Umsatzbeteiligung gedeckt werden müssen, führt jede Kartentransaktion Nebenkosten mit sich, die von einem perfekten mobilen Zahlungssystem eigentlich vermieden werden müssten. Das US-Startup Dwolla arbeitet hierzu an einer interessanten Lösung. In einer Welt von durch das Internet ermöglichten Peer-to-Peer-Interaktionen und -Transaktionen besteht nämlich eigentlich kein Grund mehr dafür, als Mittler auftretende Finanz- und Karteninstitute am Umsatz eines jeden Kaufs zu beteiligen.

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