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17.09.12

Spamschutz mit Are You a Human: Nie wieder frustrierende Captchas

Das US-Startup Are You a Human hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem Betreiber von Websites menschliche Nutzer von Algorithmen und Spam-Bots unterscheiden können. Der große Vorteil: Für Anwender ist dies weit weniger frustrierend als bisherige Lösungen.

Wie viele Millionen Menschen erleben jeden Tag einen kurzen Moment der Frustration, wenn es ihnen nicht gelingt, beim Registrierungs- oder Kommentierungsprozess auf einer Website die verfremdet dargestellte Zahlen- oder Buchstabenkombination korrekt zu identifizieren? Auf diese rhethorische Frage gibt es zwar keine exakte Antwort, aber jeder Internetnutzer wird garantiert schon einmal von einem scheinbar unlösbaren Captcha zur Weißglut gebracht worden sein. Das grundlegende Problem dieses vom Prinzip her sinnvollen Ansatzes, um Computer von Menschen zu unterscheiden und Onlineangebote von Spam und automatisierten Anmeldungen zu verschonen, ist die schnell zunehmende künstliche Intelligenz von Algorithmen. Captchas, die für Anwender leicht lesbar sind, stellen auch für Bots keine Herausforderung mehr dar. Erhöht man jedoch die Komplexität, um es den sich als Menschen ausgebenden Computern schwerer zu machen, wird das Lösen der Aufgaben auch für Nutzer zum Spießroutenlauf. Ein spannender Forbes-Artikel beleuchtete jüngst die zunehmende Ineffizienz von Captchas und prognostizierte, dass es künftig kaum noch möglich sein wird, anhand des Verhaltens zwischen Mensch und Maschine zu differenzieren.

Ein Startup aus Detroit jedoch glaubt, eine Lösung gefunden zu haben, die für User weniger belästigend und aus Sicht von Website-Betreibern effektiver ist als die bisherigen, zur Wiedergabe von Buchstaben oder Addition von Zahlen auffordernden Captchas. Are You a Human heißt das Unternehmen aus der Autostadt im Nordosten der USA, das ein für alle Mal mit den traditionellen Captchas abzurechnen versucht: Anstelle auf schwer zu entziffernde Buchstaben- oder Zahlenkolonnen setzt das Startup auf kleine Spielchen, die Usern vor einer Registrierung, dem Hinterlassen eines Kommentars oder dem Ausfüllen eines Onlineformulars präsentiert werden. Wie das aussieht, kann man sich direkt auf areyouahuman.com anschauen.

Die Aufgaben drehen sich meist darum, einzelne abgebildete Gegenstände per Drag'n'Drop gemäß der Anweisung innerhalb des interaktiven Captchas umzupositionieren - etwa, dem Basketball- und Baseball-Spieler jeweils ihre Ausrüstung zuzuweisen oder aus der Darstellung eines T-Shirts, eines Schuhs, eines Stücks gebratenem Speck und einer Olive das mit der Maus auf die Pizza zu ziehen, was verzehrbar ist. Das funktioniert standesgemäß mit HTML5 und damit auch über Smartphones und Tablets.

"25 bis 35 Prozent verlassen eine Site, wenn sie ein Captcha sehen", so Are You a Human-Mitgründer Reid Tatoris bei VentureBeat. Das mag so stimmen oder nicht. Fakt ist, dass, sofern man das grundsätzliche Konzept dieses Spamschutzes (noch) nicht ganz in Frage stellen möchte - die bisherigen Verfahren an die Grenzen der Zumutbarkeit für Nutzer stoßen. Ein Mini-Spiel, das zwar einige Handgriffe erfordert, aber von Personen mit grundlegender Lesefähigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit problemlos gelöst werden kann, stellt da eine willkommene Alternative dar.

Das spielerische Captcha von Are You a Human wird als Plugin für die CMS WordPress, Drupal, phpBB, IP.Board und vBulletin angeboten. Die Gratisvariante wartet gelegentlich mit von Firmen gesponsorten Spielen auf. Website-Betreiber, die ihre Captchas werbefrei halten möchten, können sich die kostenpflichtige Version entscheiden.

Ob die trivial wirkenden Aufgaben tatsächlich in der Lage sind, smarte Spambots abzuwehren, wissen Publisher und Site-Betreiber erst, nachdem sie das Verfahren der Detroiter ausprobiert haben. So richtig passt die Aussage aus dem Forbes-Beitrag, das Niveau künstlicher Intelligenz nehme immer weiter zu, nicht zu dem von Are You a Human vermuteten Versagen von Computern, einen Schuh von Pizzabelag zu unterscheiden. 750.000 Dollar Seed-Kapital zeugen allerdings davon, dass Investoren an das System glauben. Die bisher 22 Bewertungen des WordPress-Plugins zeigen ein fast ausnahmslos positives Bild. Falls unter den Leserinnen und Lesern von netzwertig.com jemand bereits praktische Erfahrungen mit Are You a Human gemacht hat, freuen wir uns über einen Erfahrungsbericht in den Kommentaren.

Mit CaptchaAd versucht sich auch ein deutsches Startup seit einigen Jahren an der Neudefinition von Captchas, indem es diese mit Werbung verbindet. Statt der verhassten Grafiken mit schiefen Zahlen und Buchstaben bekommen Nutzer Anzeigen oder Werbespots zu Gesicht, zu denen sie eine Frage beantworten müssen. Die Münchner erreichen laut eigenen Angaben acht Millionen Unique Visitors pro Monat in Deutschland und nocheinmal etwas mehr als doppelt so viele in anderen Ländern. Das klingt durchaus vielversprechend, allerdings befindet sich das Unternehmen auch schon seit 2008 am Markt. Persönlich erinnere ich mich nicht, jemals auf ein CaptchaAd gestoßen zu sein. Im Gegensatz zu Googles relativ allgegenwärtiger, aber auch recht ermüdender reCAPTCHA-Lösung.

Are You a Human bringt frischen Wind in das Captcha-Segment. Der ist bitter nötig.

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