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10.04.14

Soziales Reisen: destimate fördert Begegnungen in Bus, Bahn und Flugzeug

Das Münchner Startup destimate hat eine iPhone-App veröffentlicht, mit deren Hilfe kommunikationsfreudige Menschen während Bus-, Flug- oder Zugreisen Gleichgesinnte kennenlernen können.

destimate"People Discovery" - das Kennenlernen von Menschen auf Basis standort- und interessenspezifischer Kriterien mit primär platonischen Motiven - wurde in den vergangenen Jahren von einer riesigen Zahl an Startups angegangen. Doch keines konnte sich durchsetzen. Heißt dies, dass Leute schlicht keine Lust darauf haben, mit technischen Hilfsmitteln neue Freunde zu finden, oder ist das kollektive Scheitern der Dienste in diesem Segment lediglich ein Zeichen dafür, dass noch kein Anbieter die magische Formel gefunden hat? Michael Bräu, Florian Bergmann und Peter Monien, die Gründer des Münchner Startups destimate, glauben, dass das "Wie" die entscheidende Frage darstellt, nicht das "Ob". Ihre Antwort: People Discovery muss in einer Situation ermöglicht werden, in der die Bereitschaft zur Interaktion mit Gleichgesinnten am größten ist, nämlich während des Reisens. "Gegenüber dem oft stressigen Alltag ist die Gesprächsbereitschaft bei längeren Reisezeiten laut einer Umfrage mit 90 Prozent ausgesprochen hoch", erklärt Mitbegründer und Managing Director Michael Bräu den Entschluss, das Reisen als Brücke für neue Bekanntschaften zu nutzen. Seit Mitte März steht die Beta-Version der kostenfreien iPhone-App von destimate im App Store zum Download bereit. Zu Beginn kann sie dazu eingesetzt werden, mit ähnliche Interessenprofile aufweisenden Personen auf Fernverkehrsverbindungen zwischen Berlin, Hamburg und München zu plaudern.

DestimateUm destimate als Kontaktbörse für beliebige Arten von Bekanntschaften nutzen zu können, tragen registrierte User in der App die Rahmendaten ihrer Reise ein und führen anschließend für diesen Trip einen "Check-In" durch. destimate informiert sie ab diesem Zeitpunkt fortlaufend über andere User, die ebenfalls zum angegebenen Zeitpunkt per Bus, Zug oder Flugzeug auf der Strecke unterwegs sein werden. Nutzerprofile, deren Informationen nach Autorisierung aus Facebook-Profilen übernommen werden, zeigen Gemeinsamkeiten an. Machen diese neugierig, lässt sich über destimate eine Anfrage für ein Treffen schicken.

Co-Founder Bräu betont, dass destimate auf Bewegungsprofile oder permanentes GPS-Tracking verzichtet. Die Start- und Zielangaben sowie der Check-In entscheiden darüber, ob andere destimate-Anwender mit einem für einen spezifischen Trip Kontakt aufnehmen können oder nicht.

Die Idee, eine handliche Smartphone-App rund um "soziales Reisen" anzubieten, hat ihren Reiz. Bislang existierten lediglich verkehrsmittel- und anbieterabhängige Lösungen wie SBB.Connect, ein Dienst der Schweizer Bahnen, oder die verschiedenen Plattformen für Mitfahrgelegenheiten (Ridesharing). Eine Meta-Anwendung, die unabhängig von der Art der Reise eingesetzt werden kann, bietet da einen entscheidenden Vorteil. Auch wenn destimate derzeit nur für Trips zwischen den drei deutschen Millionenstädten Anwendung findet.

Leider merkt man destimate, das bislang mit Kapital von Geschäftsführer Peter Monien finanziert wird, den Beta-Status noch stark an. Sowohl vom Design als auch in Bezug auf die Usability wirkt die App in ihrer aktuellen Form etwas unausgegoren. Wirklich Spaß kommt während der Verwendung nicht auf, auch wenn dies User nicht daran hindert, mittels destimate ihre Zug-, Bus- oder Flugreise mit einem sympathischen Gesprächspartner aufzupeppen.

In Kürze wollen die Münchner Partnerschaften mit Verkehrsmittelpartnern in den größten acht Städten Deutschlands abschließen, um destimate mit deren Hilfe schnell bekannt zu machen, und anschließend die Schweiz und Österreich in Angriff nehmen. Für 2015 ist der Launch in den USA und Großbritannien geplant. Die Kooperationen mit Verkehrsmittelanbietern sollen nach den Vorstellungen der Gründer auch zu einer Erlösquelle werden, da man die Reisequalität durch interessante Begegnungen erhöhe. Auch mit Messen, Konferenzen und Events wollen die Münchner zusammenarbeiten, etwa in Form der gebührenpflichtigen Aufnahme von "Sonderzielen" in die App. Zudem peilt das Startup Affiliate-Einnahmen durch die Vermittlung von Tickets an. Eine Android-App soll voraussichtlich bis zum Sommer fertig sein.

Sowohl der Grundgedanke von destimate als auch das auf Kooperationen ausgerichtete Geschäftsmodell sind wahrlich nicht unattraktiv. Das junge Unternehmen sollte daher unbedingt das Benutzererlebnis runder gestalten und schnellstmöglich die Beta hinter sich lassen. Denn Nutzer sind ungeduldig und fordern elegante Apps, die reibungslos und komfortabel zu bedienen sind. Gerade wenn sie mit schlechten WLAN- oder wackeligen mobilen Datenverbindungen in Zügen, Bussen oder auf Flugplätzen zu kämpfen haben. /mw

destimate

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