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09.05.11Leser-Kommentare

Freiwillige Micropayments: Heute öffnet sich Flattr für Twitter-Konten

Mit einigen Tagen Verspätung wird Flattr die angekündigte Option zum Flattern von Twitter-Konten heute scharf schalten. Es ist ein Schritt, der die Fantasie anregt.

 

Update: Die neue Funktion ist nun live!

Mitte April gab der soziale Micropaymentdienst Flattr bekannt, dass User ab Anfang Mai beliebigen Twitter-Konten über den Service Geld zukommen lassen können. Eigentlich sollte diese Option schon zum 1. Mai eingeführt werden, verzögerte sich jedoch um einige Tage.

Nachdem mit der Abschaffung des Zwangs zur Einzahlung kürzlich eine Hürde entfernt wurde, wird das schwedische Startup heute die experimentelle Flattr-Funktion für beliebige Twitter-Accounts launchen. Moment läuft die Implementierung, seit 14:00 Uhr ist der Dienst daher offline.

Wer sich bei einem Twitter-Nutzer für kreative Sprüche, durchdachte Tweets, gute Artikelempfehlungen oder empfehlenswerten, selbst geschaffenen Content bedanken möchte, trägt zukünftig den entsprechenden Twitter-Benutzernamen in eine dafür vorgesehene Box auf dem Flattr-Dashboard ein.

Jede auf diese Weise verteilte Flattr-Spende zählt als "Pending", also anstehend, und wird dem Besitzer des jeweiligen Twitter-Accounts gutgeschrieben, wenn dieser sein Guthaben bei dem Microbloggingservice beansprucht. Wer will, kann Empfänger eines Flattrs per Tweet darauf aufmerksam machen, dass für sie einige Cent hinterlassen wurden.

Flattr-Gründer Linus Olsson unterstreicht, dass ein auf seine Einlösung wartender "Pending" Flattr keine tatsächliche Zahlung darstellt, sondern nur eine Reservierung eines Flattrs. Dadurch entfällt die Notwendigkeit für den Service, Zahlungen an Twitter-Konten in eigener Regie verwalten zu müssen, bis diese vom jeweiligen Account-Inhaber eingelöst werden.

Die neue Möglichkeit ist nicht nur eine attraktive Erweiterung für Anwender, die bei Flattr Geld einzahlen und sich bei anderen für Content bedanken möchten, sondern wird sich unter Garantie positiv auf die Zahl der registrierten Mitglieder auswirken. Denn mit jedem Tweet, der Twitter-User auf eine eingegangene, freiwillige Zahlung hinweist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich bei dem skandinavischen Anbieter anmelden.

Dass diese Rechnung aufgeht, setzt voraus, dass genügend Menschen freiwillig einen monatlichen Beitrag bei Flattr einzahlen. Die Bereitschaft dafür ist naturgemäß nur bei einem begrenzten Teil aller Internetanwender vorhanden. Indem der Dienst von Peter Sunde und Linus Olsson aber die "Reichweite" für erworbenes Flattr-Guthaben erhöht und Usern mehr Gelegenheiten bietet, ihre Micropayments zu verteilen, legen sie zumindest die Grundlage dafür, einzahlende Mitglieder zu gewinnen.

Flattr unterstreicht, dass sich die heute lancierte Funktion im Teststadium befindet, und dass unerwartete Probleme nicht auszuschließen sind.

Mit ein wenig Fantasie kann man sich aber ausmalen, was aus Flattr mit der engen Anbindung an den Microbloggingdienst werden könnte: eine Art Twitter-Äquivalent zu Facebooks Like-Button nämlich, das nicht nur Auskunft über besonders populäre Konten geben kann, sondern zudem eine monetären Komponente beinhaltet (Twitters eigene "Favorite"-Funktion spielt bisher eine eher untergeordnete Rolle).

Zuvor ist aber noch einiges an Arbeit notwendig, und Fettnäpfchen lauern an jeder Ecke - gerade, weil Geld im Spiel ist. Doch das Potenzial des Dienstes sollte man nicht unterschätzen. Der alleinige Fokus auf Blogs war ein geeignetes Mittel, um das grundsätzliche Konzept des freiwilligen Bezahlens auszuprobieren. Die jüngsten Anpassungen sind ein konsequenter und erforderlicher Schritt, möchte man sich bei Flattr die Türen für einen theoretischen Durchbruch auf breiter Front offen halten.

Kommentare

  • Nerddeutschland

    09.05.11 (16:29:53)

    Sehr interessante Entwicklung. Leider gibt es noch keine vernünftige Flattr- App, mit der man die genannten Prozesse mobil&bequem abwickeln könnte. Das Arbeiten im flattr- Dashboard am Rechner erschien mir immer sehr zäh, das könnte sich im Alltag als Hindernis erweisen: wer tagsüber von unterwegs etwas flattrn möchte, hat das abends evtl. schon oft wieder aus den Augen verloren. Wer setzt sich schon "nachträglich" deswegen dann noch an den Rechner um da manuell einen twitteraccount einzupflegen? Eine passende App, mit Schnittstelle zum Microblogging- Dienst, wäre also wünschenswert.

  • Andreas_P

    10.05.11 (02:33:24)

    SOOO, jetzt brauch ich nur noch ein Diaspora* API für Flattr! Den Traffic den der Dienst braucht, hat mal allenfalls Tim Pritlove als Privatperson. Und damit Leute auch auf dem Dashboard meinen "Content" finden, sollte auch irgendwann mal die SuchFunktion mit dem "OpenFloodGates"-Konzept verheiratet werden. Ansonsten: Sehr guter Schritt und immer weiter so! Andreas_P [Diaspora* Profil vorhanden]

  • Tanja Handl

    10.05.11 (08:02:27)

    Finde ich eine sehr nette Idee - wenn's einfach und benutzerfreundlich wird, bin ich mit dabei. :)

  • Sönke M

    10.05.11 (09:49:52)

    Ich mag die Idee von flattr, wenngleich die Barrieren zum Geldgeben IMHO noch zu hoch sind, als dass eine breite Masse zu Mikrospendern werden kann. Da netzwertig flattr ja schon einige Zeit eingebaut hat und sich an Early Adopter richtet, eine Frage @Martin Weigert: Wie ist denn Eure bisherige Erfahrung mit flattr? Ist das nur symbolisch, oder seht Ihr eine Entwickung, dass Ihr darüber Eure journalistische Arbeit zumindest teilfinanzieren könnt?

  • Martin Weigert

    10.05.11 (10:04:05)

    Bisher ausschließlich symbolisch, würde ich sagen. In den ersten Monaten nach dem Launch lagen die Einnahmen für alle Blogwerk-Blogs bei rund 200 Euro - in der letzten Zeit hat sich das Flattr-Fieber aber bekanntlich gelegt, sprich es gab bei den Einnahmen eine Tendenz nach unten. Ich glaube, deshalb ist der Schritt hin zu Twitter ein wichtiges Zeichen: Die Voll-Monetarisierung von Inhalten hat bisher nicht funktioniert, daher geschieht nun eine Neuausrichtung. Zu einem späterne Zeitpunkt kann das alles ganz anders aussehen. Wenn Flattr erst einmal via Twitter oder auf anderen Wegen eine kritische Masse erreicht hat, dann funktkoniert es vielleicht auch besser für Contentsites. Ausnahmen gibt es natürlich. Podcaster Tim Pritlove nimmt ja teilweise vierstellige Summen pro Monat ein.

  • Martin Weigert

    10.05.11 (10:15:14)

    Gerade noch mal die Zahlen checken lassen - die Einnahmen scheinen doch noch in manchen Monaten an der 200 Euro Marke zu kratzen (für alle Blogwerk-Blogs zusammen)

  • Sönke M

    10.05.11 (10:15:27)

    Danke für die Transparenz, Martin! Interessant.

  • Politgirl

    10.05.11 (14:12:43)

    Hallo Martin, vielen Dank für die einfache Erklärung, sonst hätte ich noch weiter meine Follower nerven müssen:-) Herzliche Grüße aus Berlin

  • Thomas Hillebrand

    12.05.11 (08:00:04)

    Ja, schön. Aber was ist daran neu ?? Die Fidor Bank AG in München bietet diesen Service sogar vom normalen Konto aus an. Hier kann man einem Twitter-Account Geld von seinem Online-Konto zukommen lassen.

  • Martin Weigert

    12.05.11 (09:35:22)

    Hierauf kann ich nur mit meiner Lieblingsanalogie antworten: Nur weil ein Fahrrad genau wie ein Automobil oder ein Bagger Räder hat, ist es trotzdem nicht einfach so vergleichbar.

  • Thomas Hillebrand

    12.05.11 (09:46:13)

    Hier noch ein Nachtrag zu meinem Kommentar Demnach gibt es "Zwitscherbanking" seit 5.8.2010.

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