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16.06.14

Soundtrack Your Brand: Spotifys neuer Hoffnungsträger heißt B2B

Das Startup Soundtrack Your Brand will mit einer Beteiligung und offiziellem Segen von Spotify einen potenziellen Milliardenmarkt erschließen: gewerbliches Musikstreaming. Es könnte das defizitäre Streaminggeschäft endlich in eine Gewinnmaschine verwandeln.

Soundtrack Your Brand

In den letzten Monaten haben wir mehrfach über das herausfordernde Segment der On-Demand-Musikdienste berichtet. Jüngste Meldungen zur Übernahme des von ProSiebenSat.1 gestarteten Streamingangebots Ampya durch den franzosischen Konkurrenten Deezer sowie sich um Marktführer Spotify rankende Verkaufsgerüchte unterstreichen, dass das Geschäftsfeld aufgrund hoher Lizenzkosten und nur zaghaften Wachstums bisher nicht gerade für wirtschaftliche Stabilität steht. Doch ein neues Projekt aus der Spotify-Heimatstadt Stockholm könnte zumindest für den schwedischen Streamingpionier die Erlösaussichten massiv verbessern: Soundtrack Your Brand nennt sich ein Startup, das zuerst in Schweden und anschießend weltweit kommerzielle Spotify-Lizenzen für den Einsatz in Unternehmen, in der Gastronomie und im Handel vertreiben möchte. Das Besondere: Soundtrack Your Brand agiert mit dem offiziellen Segen und einer finanziellen Beteiligung von Spotify sowie weiteren Investoren aus dem Umfeld des On-Demand-Riesen, darunter Northzone, Creandum und Wellington. Initiatoren der neuen Firma sind die Schweden Ola Sars, einer der Mitbegründer des gerade an Apple verkauften Kopfhörerspezialisten Beats, sowie Andreas Liffgarden, ehemaliger Global Head of Telecom Business Development bei Spotify.

Auch wenn Soundtrack Your Brand als eigenständiges Unternehmen debütiert, sind die Verbindungen zu Spotify extrem eng. So eng sogar, dass das Startup sich des Corporate Designs seines musikalischen "Versorgers" bedienen darf und seine zwei Produkte unmissverständlich "Spotify Business" sowie "Spotify Enterprise" nennt.

Diese Bezeichnungen verraten, auf was für eine Art Dienstleistung Soundtrack Your Brand sich spezialisiert: Rechtlich wasserdichte und konzeptionell optimierte Streamingkonten für Unternehmen und Organisationen. Denn obwohl manche Cafés, Läden und Büros die Hintergrundbeschallung über "private" Spotify-Konten abwickeln, so verstößt dies eigentlich gegen die Geschäftsbedingungen des Dienstes. Zwar ist nicht bekannt, inwieweit der widerrechtliche kommerzielle Einsatz eines Spotify-Kontos im gewerblichen Kontext schon jemals irgendwo geahndet wurde. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, für den stellt Soundtrack Your Brand künftig die geeignetere Lösung dar.

Neben der lizenzrechtlichen Komponente, die ebenfalls die fällige Gebühr an Verwertungsorganisationen abdeckt, die bei der öffentlichen "Aufführung" von urheberrechtlich geschützten Werken anfällt, will Soundtrack Your Brand auch mit funktionellen Eigenschaften punkten, die den Dienst für die Verwendung im kommerziellen Kontext von Spotify selbst abheben: So erlaubt der Service das zeitliche "Vorplanen" von Titeln und die Verwaltung multipler Konten unter einem übergeordnete Account. Das Enterprise-Paket, das bisher noch nicht verfügbar ist, wird auch eine Option zur zentralen Fernsteuerung der Beschallung in unterschiedliche Filialen oder gar Abteilungen ein und des selben Geschäfts ermöglichen, wie die Gründer gerade in einem Interview mit dem schwedischen Medienmagazin Resumé verrieten. Auch Exklusiv-Kooperationen zwischen Künstlern und Marken beziehungsweise ihren Niederlassungen will Soundtrack Your Brand in die Wege leiten.

Derzeit kann Soundtrack Your Brand nur von Unternehmen in Schweden genutzt werden. Eine internationale Expansion soll dann erfolgen, wenn der Dienst im Heimatmarkt einen gewissen Reifestatus erreicht hat. "Wenn man nicht einmal in seiner Heimat vorankommt, dann sollte man ein Produkt auch nicht anderswo zu etablieren versuchen", zeigt sich Andreas Liffgarden im Resumé-Gespräch typisch skandinavisch bescheiden und zurückhaltend. Ein Verhalten, das er und sein Co-Founder eigentlich gar nicht nötig haben: Denn als exklusiver Anbieter von kommerziellen Spotify-Lizenzen und mit der direkten Unterstützung durch den Streamingspezialisten kann eigentlich nicht viel schief gehen.

Im Gegenteil: Soundtrack Your Brand könnte sich für Spotify als wirtschaftliche "Killer-Anwendung" herausstellen. Denn während die Zurückhaltung bei Privatnutzern sowie die Fragmentierung des Marktes aufgrund unzähliger Konkurrenten die Aussichten auf einen nachhaltigen Betrieb eines On-Demand-Angebots trübt, könnte mit der aktiven Umwerbung von Firmen ein enormer Markt erschlossen werden. Ein Markt, in dem es weitaus weniger vergleichbare Rivalen gibt, und in dem die Kunden nicht jeden Euro dreimal umdrehen.

Bleibt die Frage, wieso Spotify nicht selbst ein B2B-Produkt erarbeitet hat. Es könnte mit lizenzrechtlichen Fragen zusammenhängen oder strategisches Kalkül von Spotify-CEO Daniel Ek sein, um den Einfluss der an Spotify mit rund 20 Prozent beteiligten Labels auf die B2B-Dienstleistungen sowie -Erlöse zu verringern. Vielleicht ist die Erklärung aber auch simpler: Ola Sars och Andreas Liffgarden hatten die Idee, und da fand es Spotify-Chef Daniel Ek eventuell schlicht am einfachsten, das Duo erst einmal machen zu lassen - und dank der Beteiligung sowie der Exklusiv-Lizenzvergabe an ihrem Erfolg mitzuverdienen. Mit der späteren Option auf eine Akquisition. /mw

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