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03.03.14Leser-Kommentare

SoundCloud-Mitbegründer: Eric Wahlforss über die Krise, den Unterschied zu Spotify und die Zukunft von Musik

In einem Interview spricht SoundCloud-Mitgründer Eric Wahlforss über die brenzlige Lage in den Monaten nach dem Ausbruch der Finanzkrise, den Unterschied zu Spotify und das Potenzial des Berliner Startups, die internationale Musikwelt zu verändern.

Schon seit Jahren ist SoundCloud das auf globaler Bühne renommierteste und bekannteste Internet-Startup aus Deutschland. Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri hat in der jüngsten Folgen ihres schwedischsprachigen Technologiepodcasts Digitalpodden ein 25-minütiges Interview mit Soundcloud-Mitbegründer Eric Wahlforss geführt. Das Gespräch beleuchtet die Entstehungsgeschichte sowie aktuelle Herausforderungen des Unternehmens. Wir fassen die prägnantesten Aussagen von Wahlforss in kompakter Form zusammen. In der Anfangsphase war es laut Wahlforss recht einfach für SoundCloud, Startkapital einzusammeln. Dann aber kam die Finanzkrise und brachte die Firma in eine brenzlige Lage. Denn ursprünglich wollte das Startup nur Wochen nach dem "Crash" eine erste große Finanzierungsrunde mit VCs durchführen. Doch alle in Frage kommenden Geldgeber blockten ab und gaben an, angesichts der Krise nur in extrem sichere Geschäftsmodelle investieren zu wollen. "Die ersten Monate 2009 waren extrem schwierig", so Wahlforss im Interview. Es sei ums schiere Überleben gegangen. Doch im Frühjahr 2009 kam die Rettung: Eine junge Analytikerin bei der Londoner Risikokapitalgesellschaft Doughty Hanson Technology Ventures sei derartig von SoundClouds Potenzial überzeugt gewesen, dass sie alle ihre Kollegen mit deutlich höherer Seniorität vom Sinn eines Investments überzeugen konnte. 3,3 Millionen Dollar pumpten die Londoner laut Medienberichten in das Berliner Startup. SoundCloud war gerettet. "Als es dann darum ging, eine 'B-Runde' durchzuführen, war SoundCloud schon so bekannt, dass alle investieren wollten", so Wahlforss. Plötzlich seien die VCs angekommen, die dem Unternehmen in der Krisenlage nichts abgewinnen konnten. Doch nun war SoundCloud auf sie nicht mehr angewiesen, beschreibt Wahlforss nicht ohne Genugtuung, wie sich das Blatt wendete.

Als das Interview auf den Unterschied zwischen Spotify und SoundCloud zu sprechen kommt, erklärt der Wahlberliner, dass SoundCloud sich stärker an den Grundprinzipien des Internets orientiere und die verschiedenen, im digitalen Musikökosystem involvierten Parteien (Produzenten, Hörer, Kuratierende) in die Prozesse einbinde. Bei SoundCloud können Interpreten und Musikproduzierende mit ihrer eigenen Identität vertreten sein und Inhalte selbst hochladen, während bei Spotify alles über Distributeure läuft. Dabei gehe der Echtzeitcharakter verloren, außerdem sei nur bereits publiziertes Material gestattet. Die Tatsache, dass er darauf verzichtet, der Gegenüberstellung beider Services durch eine diplomatische Antwort aus dem Weg zu gehen, passt zu dem, was man auch sonst aus dem Unternehmensumfeld hört: SoundCloud scheut sich nicht (mehr) davor, eine direkte Konkurrenzposition zu Spotify einzunehmen.

Eric Wahlforss

Was SoundCloud besonders mache, sei ein "Alles ist möglich"-Gefühl (mit Blick auf die von der Plattform geförderte Viralitätskomponente).

Wahlforss erwähnt das relativ junge New Yorker Büro, in dem zehn Personen damit befasst sind, Werbekampagnen mit großen Marken in die Wege zu leiten. Neben den von ihm nicht näher spezifizierten Umsätzen aus den an Produzenten gerichteten SoundCloud-Premiumkonten entstehe hier eine neue Einnahmequelle.

Gelegentlich werde SoundCloud in Ländern ohne Meinungsfreiheit blockiert. Jüngst kursierten Meldungen, dass dies in der Türkei geschehen sei. Eric Wahlforss erklärt auf die Frage zu den Hintergründen, dass man sich unternehmensintern darauf geeinigt habe, den Fall nicht zu kommentieren. Dazu gebe es gute Grunde. Möchte man spekulieren, hört sich dies an, als sehe sich SoundCloud in der Türkei mit der Gefahr der dauerhaften Totalsperrung konfrontiert, würde es Details zu eventuellen Regierungsanfragen ausplaudern. Aber das ist freilich nur Spekulation.

Gefragt nach dem Entwicklungspotenzial über einen Zeithorizont von fünf Jahren antwortet Wahlforss, dass SoundCloud dafür sorgen könne, dass die Möglichkeiten des Internets für die Produktion und Distribution von Musik besser genutzt werden. Seiner Ansicht nach ist der damit verbundene Markt so groß, dass die zuletzt in den Medien herumgereichte Bewertung des Startups in Höhe von rund 700 Millionen Dollar eigentlich keine große Ziffer darstelle. Der Wert von SoundCloud werde seiner Ansicht nach signifikant steigen. Er sehe SoundCloud auch als "Radio der Zukunft", erläutert er an einer anderen Stelle des Gesprächs. /mw

(Foto: Flickr/ericwahlforssCC BY 2.0)

Kommentare

  • con

    03.03.14 (18:23:20)

    Der Vergleich mit Spotify hinkt extrem. Bei Soundcloud findet man größtenteils nur unfertige Lieder, illegale "Remixe" oder igendwelche drittklassigen Ergüsse von Kinderproduzenten. Geld verdient SC nur mit Premiumaccounts, welche aber nur von wenigen Künstlern/Labels gekauft werden. SC soll also das "Radio der Zukunft" sein? Mit dem Repertoire an miesen Material? Nein danke!

  • Raphael Widmer

    03.03.14 (20:10:56)

    Das mit den illegalen Remixen habe ich auch beobachtet. Viele die auf Youtube wegen Copyright Problemen gesperrt werden, steigen auf Soundcloud um und haben keine Probleme mehr. Wieso das so ist, kann ich nicht sagen..

  • Martin Weigert

    04.03.14 (02:07:11)

    @ con Ich kann dir nicht zustimmen. Für mich ersetzt SoundCloud häufig tatsächlich Spotify. Hat natürlich damit zu tun, dass ich keinen Kinderproduzenten folgen, die drittklassige Ergüsse produzieren.

  • André Luce

    05.03.14 (06:49:19)

    Die Qualität der Musik auf Soundcloud kann definitiv gut sein - wenn man fähig ist, sie zu finden. Das offene Vorgehen führt natürlich auch zu Schrott oder "Kinderproduzenten"-sounds, aber das ist wie im ganzen Web ein Nebeneinander.

  • Audiofreak

    06.03.14 (01:08:57)

    @con So sieht also Soundcloud für jemanden aus der es noch nie richtig benutzt hat. :-) Nutz doch mal die Explore Funktion. Dort kannst du Dir deine Richtung aussuchen und bekommst dann legale, fertige und gute Musik. Wenn du Dir dann mal einen Account angelegt hast und den Musikern folgst die Dir gefallen wirst du schnell merken das Spotify auch nur ein einfaches Radio ist. Neue Musik kennenlernen kann man nirgens besser als auf Soundcloud.

  • Tom

    10.03.14 (08:01:09)

    Ja, jeder möchte ein Stück vom "Musik"-Kuchen abhaben... so viele Startups wie es sie in der Musikbranche gibt, kann sich diese ja nicht erholen. Man sollte sich wieder auf den Wert der Musik konzentrieren und nicht auf das verteilen von 20 Millionen Song für 5 oder 10 EUR im Monat!

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