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26.10.11

Sorge um die Zukunft des Google Reader: Twitter als Alternative zu RSS-Readern

Offene Formate zur Bereitstellung und Organisation von Nachrichten gehen in sozialen Netzwerken auf oder werden nicht weiterentwickelt. Wie werden Vielleser zukünftig innerhalb von Netzwerkstrukturen ihren Informationsbedarf ökonomisch gestalten können? Twitterlisten sind eine Lösung!

 

Twitterliste in TweetdeckGoogles Ankündigung, seinen RSS-Reader aufzuräumen und dabei näher an Google+ zu binden, hat bei „News Junkies“ Unmut hervorgerufen (nachzulesen beispielsweise hier, hier, hier oder hier - mittlerweile gibt es auch eine Petition). Twitter bietet Nutzern mit seiner Listenfunktion jedoch eine oftmals unterschätzte und vielfach ungenutzte Möglichkeit, sich ihren Informationsfluss vergleichbar effizient organisieren zu können.

Nachrichtenlesen ist Arbeit

Die Kompetenz, sich einen Interest Graph aufzubauen und diesen auch organisieren und pflegen zu können, stellt die Voraussetzung dafür dar, nicht nur in einer Informationsgesellschaft zu leben, sondern auch daran zu partizipieren.

Der Google Reader bot sich bisher in seiner Schlichtheit und einfachen Handhabung als ideales Tool an, Nachrichtenströme dahingehend organisieren und strukturieren zu können. Googles derzeitiges Bestreben, sein Portfolio zu verkleinern und die verbleibenden Dienste weiter zu zentralisieren, lässt jedoch offen, inwieweit dessen Funktionalität erhalten bleiben wird.

Der Interest Graph geht im Activity Stream auf

Ich selbst habe nie ausführlich RSS-Reader genutzt, sondern versuche meinen Nachrichtenkonsum komplett über Twitter abzubilden. Die Vielzahl an übersichtlich gestalteten, funktionalen und gut zu handhabenden mobilen Clients, deren geringer Datenhunger und der damit verbundene schnelle Zugriff auch innerhalb karger UMTS-Landschaften, waren und sind für mich hierbei die relevanten Entscheidungsfaktoren.

Nachrichten, Statistiken, Analysen, Nutzermeinungen und eigene persönliche Haltungen fließen hier innerhalb nur einer Oberfläche zusammen. News über diesen Weg kommentiert zu verteilen und dabei bereits von einem Stimmungsbild zu gleichen Themen in der Netzwerkumgebung beeinflusst worden zu sein, schafft jedoch eine andere Situation, als wenn die gleichen News aus einer vorgelagerten Stufe, einem Reader, lediglich an Twitter weiterleitet werden, da man dann nicht vergleichbar nah an der Stimmungslage der Leser und somit möglicher Rezipienten ist. Das Meinungsbild im Netzwerk beeinflusst die eigenen Kommentare. Diese Beiträge bilden dadurch weniger ein nüchternen Feed, als vielmehr ein Activity Stream.

Twitterlisten können die besseren Circles sein

Eine Twitter-Timeline „abzuarbeiten“, ist ab einer bestimmten Anzahl an gefolgten Konten nicht mehr effizient zu handhaben. Die Listen-Funktion des Nachrichten-Netzwerks kann aber bei gezielter Nutzung eine Schlüsselfunktion darstellen, um dem Informationsfluss eine Struktur zu geben, die den Einsatz eines „vorgelagerten“ RSS-Readers überflüssig macht:

Wenn man Listen nicht für Dritte erstellt, sondern diese Funktion einzig als Strukturhilfe für sich selbst betrachtet, kann man sich eine Ordnerstruktur vergleichbar der eines Readers aufbauen. Das Listen-Feature ist hierbei zwar auf 20 Topics beschränkt, diese lassen sich dafür jedoch sehr bequem über mobile Clients erstellen und auch verwalten.

Der wesentliche Punkt dabei ist, dass man als Nutzer, sobald man seinen Listen-Pool erstellt hat, reine Listen-Followings anlegen kann, ohne den jeweiligen Accounts dabei folgen zu müssen.

Dadurch hat man die Möglichkeit, sich themenspezifische Kanäle aufzubauen und mit Inhalt befüllen zu lassen, der in der Haupt-Zeitleiste nicht erscheint. Retweets und Erwähnungen sind innerhalb der Listen ebenfalls möglich, eine funktionale Einschränkung gegenüber „echten“ Followings gibt es also nicht.

Dieses Feature stellt eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, gleichzeitig beliebig viele Inhalte abonnieren zu können und dennoch Ordnung und Übersichtlichkeit aufrecht zu erhalten, um dadurch ein effizientes und produktives Arbeiten innerhalb dieser Plattform zu ermöglichen.

Die Vorteile eines RSS-Readers (Organisation) und die Vorteile von Twitter (höhere Netzwerkeffekte als beispielsweise durch die nun vor dem Aus stehende Shared-Item-Funktion im Google Reader) lassen sich hier sinnvoll in einer einzigen Umgebung miteinander kombinieren.

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass sich gerade Einsteiger, die erst noch Follower gewinnen müssen und sich eine Reputation aufbauen möchten, direkt von Beginn an ein positives Verhältnis von Followern zu Followings schaffen können. Automatisierte Newsfeeds oder Prominente, die jeweils nicht zurück folgen würden, deren Inhalte man aber dennoch lesen möchte, lassen sich in Listen ablegen und belasten dadurch nicht diesen Quotienten, der Neulingen, die vielleicht Ihren thematischen Schwerpunkt auch noch gar nicht gefunden haben, den Aufbau eines Netzwerkes sonst zusätzlich erschweren könnte.

Mobil verfügbare Nachrichten erhöhen die Produktivität

Voraussetzung für diese Art der Nutzung ist jedoch eine Kenntnis der Funktionen mobiler Clients.

Twitter selbst hat es leider bisher versäumt, dieser Listenfunktion eine besondere Beachtung zu schenken. So wird die Option, aus Listen-Followings retweeten zu können, lediglich von Drittanbieter-Clients unterstützt. Unter iOS bieten z.B. Echofon und TweetDeck diese Funktion, ebenso wie die Einstellung, sich bestimmte Listen beim Start des Clients direkt auf dem Homescreen anzeigen zu lassen.

Dadurch erhalten Nutzer die Möglichkeit, sich gegebenenfalls eine Toppliste mit den jeweils wichtigsten Followings und Listen-Followings ohne Umwege anzeigen zu lassen. Eine Option, von der ich im Alltag oft Gebrauch mache. Ich arbeite meinen Newsstream über diesen Weg gern in über den Tag verteilten Zeitfenstern ab (Wartezeiten, Staus). Was mich inhaltlich interessiert, aber eventuell zu umfangreich oder aufgrund einer schlechten Datenverbindung zu zeitintensiv in der Bearbeitung ist, lege in Diensten wie Instapaper oder Read It Later ab, solange bis wieder ein WLAN in Reichweite ist.

Ein weiterer empfehlenswerter mobiler Client unter iOS ist Tweetbot. Die Listenfunktion kommt hier sogar zweifach zur Anwendung: Durch die Wahlmöglichkeit, entweder alle Tweets einer Liste zu lesen oder aber ein bestimmtes Following innerhalb einer Liste selektiv abrufen zu können, stellt dieser Client zusätzlich Unterordner innerhalb der Listenstruktur zur Verfügung.

Der zeitliche Aufwand, sich mit dieser Methode einen persönlichen Nachrichtenpool innerhalb des eigenen Twitter-Accounts aufzubauen, dürfte dabei mit dem der Einrichtung eines RSS-Readers vergleichbar sein.

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