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13.01.08

Sonntagszeitung weiß: Inhalt kommt durch die Haarfarbe

Drin ist, was drauf ist: Davon ist auch die Sonntagszeitung überzeugt und beglückt ihre Leser mit einem Text über Frauen mit helleren und dunkleren Haaren, der nicht nur sinnfrei, sondern auch diskriminierend ist.

21 Jahre gibt es nun die Sonntagszeitung. Sie war der Pionier in der Schweiz, denn bis zum 11.01.1987 erschienen in diesem Land keine Druckerzeugnisse am heiligen Tag [Korrektur: ausser dem SonntagsBlick, siehe Kommentare]. Inzwischen kämpft sie gegen drei Konkurrenten um Inhalte, und sieht sich als "ein Mix aus relevanten News und intelligenter Unterhaltung".

Klar, Sonntag will man ausspannen und auch mal leichte Lektüre. Beim Werk von Bettina Weber handelt es sich jedoch um eine einzige grosse Oberflächlichkeit.

Nehmen wir Kate Middleton:

Kate Middleton sieht aus, wie wenn sie souverän-charmant mit jedem beliebigen Tischnachbarn über Kunst plaudern könnte. Oder mit Prinz Charles über die Vorzüge des biologischen Ackerbaus.

Der Grund, warum Kate Middleton so aussieht, als könnte sie sich über solche offenbar besonders anspruchsvolle Themen mit anderen austauschen? Sie hat braune Haare. Auch anderen wird Klugheit unterstellt, denn "Brünette haben Stil. Sie wirken vornehm. Edel. Clever. Geheimnisvoll.":

Die deutschen Polit-Moderatorinnen Anne Will und Maybrit Illner stehen stellvertretend für diese kluge Weiblichkeit; die blonde Sabine Christiansen hingegen wirkte immer wie die Stewardess, die sie einst war, da konnte auch die ostentativ eingesetzte Lesebrille nicht viel ausrichten.

Kurze Frage: Was ist eigentlich bedenklicher? Von der Haarfarbe auf Eigenschaften zu schliessen oder von der Hautfarbe? Wenn man wollte, könnte man diesen Artikel durchaus rassistisch lesen. Oder zumindest diskriminierend. Warum geht es im ganzen Text nur um Frauen? Gab es keine Männer, die relevant genug waren, um mit ihrer Haarfarbe im Text erwähnt zu werden? Hätte es nicht statt "Dass Monsieur Le Président Nicolas Sarkozy mit Carla Bruni und damit einer Brünetten turtelt, ist kein Zufall" auch heissen können: "Dass Sängerin und Model Carla Bruni mit Nicolas Sarkozy und damit einem Brünetten turtelt, ist kein Zufall."

Jetzt können wir eigentlich nur noch die Haarfarbe von Frau Weber raten. Ich tippe auf rothaarig.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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