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22.07.11

Social Web: Google+ disqualifiziert Twitter als Diskussionstool

Google+ eignet sich in seiner jetztigen Fassung wie kein anderes soziales Netzwerk für ausführliche Streitgespräche und Debatten. Twitter wird damit als Diskussionsinstrument endgültig disqualifiziert.

 

Foto: stock.xchngAm Montag veröffentlichte ich meinen Zwischenbericht zu Google+. Auch in der zu Ende gehenden Woche hat sich die Euphorie um den jüngsten Spross aus der Google-Familie nicht gelegt. Und in den vergangenen Tagen ist bei mir eine Erkenntnis gereift, die sich schließlich in diesem Google+-Beitrag niederschlug: Wer keine Diskussion wünscht, sollte Äußerungen nicht bei Google+ sondern Twitter veröffentlichen.Nahezu jede Anmerkung sowie Belanglosigkeit, die ich seit dem Launch des Google-Netzwerkes dort publiziert habe, zog Reaktionen anderer User nach sich: +1-Betätigungen, Reshares oder Kommentare. Gleiches gilt für ausgewählte netzwertig.com-Artikel, die ich manuell bei G+ anpries: In den meisten Fällen führte dies bei dem Social Network zu mindestens ähnlich vielen Kommentaren wie hier auf der Site selbst, mitunter sogar zu deutlich mehr.

Die meisten Twitter-Nutzer werden dies kennen: Sie senden einen Tweet, von dem sie glauben, dass er die Follower interessiert. Doch wider erwarten gibt es keinerlei Resonanz. Der Microbloggingdienst kann sich da schonmal wie ein virtuelles Selbstgespräch anfühlen.

Bei Google+ ist mir dieses Phänomen bisher nicht ein einziges Mal begegnet. Und das, obwohl trotz des überwältigenden Ansturms (mittlerweile sollen es 18 Millionen Mitglieder sein) garantiert noch nicht jeder dort registrierte Nutzer auch regelmäßige Aktivität zeigt.

Sascha Lobo, der von allen Nutzern in Deutschland den größten Google+-Anhang vorweisen kann, brachte die hohe Eignung der gerade einmal drei Wochen alten Plattform für das Führen von Debatten mit folgender Aussage auf den Punkt: "In den letzten drei Wochen mehr deutschsprachige, substanzielle Diskussionen (? Artikel) auf G+ gesehen als im gesamten Jahr 2010 in Blogs. Großartig und besorgniserregend."

Bei Twitter so nicht möglich: Diskussionen

Google+ führt allen sich im Social Web zu Hause fühlenden Nutzern vor Augen, wieso es Unfug ist, Twitter als Ort für Diskussionen zu nutzen: Weil es dazu absolut ungeeignet ist. Das Fehlen einer Kommentarfunktion sowie die Begrenzung auf 140 Zeichen hat zur Folge, dass ein ergiebiger Schlagabtausch über Twitter in der Regel weder die Mitstreiter noch freiwillige bzw. unfreiwillige Zuschauer zufriedenstellt.

Der Google-Dienst hingegen bietet bereits in seiner jetzigen Fassung eine ideale Diskurs-Plattform, bei der nicht nur die Diskutierenden argumentieren und kritisieren können, bis sie sich die Finger wundgetippt haben, sondern bei der nicht an dem Thema interessierte Anwender auch schlicht den "Mute"-Knopf betätigen können, um nicht länger von dem Austausch behelligt zu werden.

FAZ-Netzökonom Holger Schmidt bezeichnet Twitter als "(beinahe) perfektes Informationstool", während Google+ und Facebook seiner Ansicht nach primär auf die Kommunikation ausgelegt sind. Ich sehe das ähnlich.  Google+ manifestiert Twitters Rolle als Informationstool, weil es den Microbloggingdienst endgültig als Instrument für Diskussionen disqualifiziert.

Ausgehend von Schmidts Klassifizierung würde ich die primäre Eignung von Twitter, Google+ und Facebook zum jetzigen Zeitpunkt folgendermaßen beschreiben:

Twitter = Informationsverbreitung

Google+ = Diskussion

Facebok = Kommunikation

Die zwei Fragen, die sich daraus ergeben: Wird diese Einteilung in drei Monaten noch Gültigkeit haben? Und kann diese unscharfe Abgrenzung (denn natürlich überschneiden sich Informationsverbreitung, Diskussion und Kommunikation) eine Koexistenz aller drei Anbieter garantieren?

(Foto: stock.xchng)

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