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19.11.10

Social Web: 4 Dienste, die eure Reputation messen

Jeder kann Informationen im Netz publizieren. Damit steigt der Bedarf an einer Reputationsanalyse von Nutzern im Social Web. Wir stellen vier Dienste vor, die euren Einfluss unter die Lupe nehmen.

 

Internetnutzer werden verstärkt zu Distributoren von Nachrichten und Informationen. Über Twitter, Facebook und Blogs verbreiten wir Inhalte, kommentieren Ereignisse und verlinken auf Quellen, die uns wichtig und lesenswert erscheinen. Die Herausforderung: Nicht immer ist klar, wie glaubwürdig die von beliebigen Usern im Netz gemachten Aussagen sind und welchen Einfluss einzelne Personen besitzen. Auch bleibt häufig die Frage offen, welche Maßstäbe Anwender bei der Selektion von empfohlenen Quellen anlegen und wie sehr man sich auf ihre Auswahl verlassen kann.

Eine Lösung für diese Problematik glauben Dienste gefunden zu haben, welche die Reputation von Usern im Social Web messen. Mit Hilfe von Scoring-Mechanismen, Vergleichen und Rankings wollen sie eine Orientierung über Reichweite, Einfluss und Wirkung der publizistischen Aktivitäten einzelner Usern geben.

Hier sind vier Anbieter, die sich der Reputationsanalyse von Social-Web-Anwendern verschrieben haben:

Klout

Klout ist der wahrscheinlich bekannteste Service, mit dem sich die Reputation von Anwendern bei Twitter (und seit kurzem auch bei Facebook) messen lässt. Herzstück des Dienstes ist die "Klout Score", ein Wert zwischen 1 und 100, der die stärke des Einflusses einzelner User bei Social-Web-Diensten misst (wer Facebook sowie LinkedIn in seine Klout Score einbeziehen will, muss Klout dazu mit dem jeweiligen Konto verknüpfen). Neben der Klout Score liefert das Startup aus San Francisco diverse weitere Kennzahlen, Vergleiche und Statistiken zur Reichweite und Qualität des eigenen Netzwerkes.

PeerIndex

PeerIndex ist Klout sehr ähnlich. Auch hier starten Nutzer mit der Eingabe eines Twitter-Kürzels, um sich verschiedene Messwerte rund um Autorität, Aktivität und Reichweite anzeigen zu lassen. Zusammen ergeben die einzelnen Werte den PeerIndex, der wie bei Klout irgendwo zwischen 1 und 100 liegt (je höher, desto einflussreicher). PeerIndex listet außerdem Themenbereiche auf, zu denen sich ein Anwender besonders häufig äußert, und versucht sich auch dort an einer Analyse von Autorität und Reichweite. Wie Klout kann auch bei PeerIndex Facebook- und LinkedIn-Aktivität in die Messung einbezogen werden.

BackType

Seit wenigen Tagen betätigt sich auch BackType als Reputationsanalyst für Twitter-Profile. Bisher zeichnete sich der Service durch seinen sehr nützlichen Analytics-Services für URLs aus (davor agierte es als Aggregator für Blog-Kommentare), mit dem sich zu beliebigen Webadressen die Reaktionen aus dem Social Web überblicken lassen. Nun also kann in das zentrale Eingabefeld auf backtype.com auch ein beliebiger Twittername eingegeben werden. BackType arbeitet wie die Konkurrenz mit einem Messwert zwischen 1 und 100 und liefert eine Reihe von Angaben zur Reichweite, Aktivität und zu benachbarten Usern, die einen beeinflussen oder auf die man selbst positiv einwirkt.

Twitter

Twitter selbst bietet bisher keine frei zugänglichen Statistiken über Einfluss und Autorität seiner Anwender (außer den nur bedingt aussagekräftigen Angaben über Anzahl der Follower und Listen). Gestern wurde jedoch bekannt, dass intern bereits mit einem entsprechenden Bewertungssystem gearbeitet wird, welches unter anderem die Grundlage für die "Who to follow"-Funktion darstellt. Twitter-Gründer Evan Williams schloss nicht aus, dass entsprechende Reputationswerte eines Tages auch öffentlich zugänglich sein werden.

Fazit:

Sämtliche von den vorgestellten Diensten öffentlich präsentierten Reputationswerte sollen nicht zu ernst genommen werden. Die Messung von Einfluss, Reichweite sowie Autorität einzelner User ist ein komplexes Verfahren, das noch lange nicht ausgereift genug ist, um auf Basis von Algorithmen definitive, verlässliche Aussagen zu machen.

Zudem muss man bedenken, dass die genannten Anbieter in der Regel darauf abzielen, ihre Erkenntnisse über Multiplikatoren und Influencer in Form von kostenpflichtigen Services an Unternehmen und Marketer zu verkaufen. Das heißt zwar nicht, dass damit die Relevanz für Privatpersonen verloren geht. Es könnte die Dienste jedoch zu Tricksereien animieren, um ihre Analysen durch künstlich aufgeblasene, wissenschaftlich anmutende Scheinwerte attraktiver aussehen (und damit einfacher verkaufen) zu lassen.

Tendenzen über den Status und die Reputation von Nutzern kann man den genannten Diensten durchaus entnehmen. Solange jedoch fragwürdige Twitter-Nutzer, die dubiose Finanzprodukte vertreiben und über "Geld verdienen im Internet" twittern, einen recht ansehnlichen PeerIndex von 34 erhalten und bei Klout als "Thought Leader" bezeichnet werden, kann man sicher sein, dass die eingesetzten Algorithmen noch einiges mehr an künstlicher Intelligenz benötigen.

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