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29.06.12Kommentieren

Social TV: Mobile Angebote sollen den linearen Fernsehkonsum erhalten

Das interaktive und mobile Fernsehen gewinnt auch im deutschsprachigen Raum immer mehr an Bedeutung. Der erste Mobile TV Summit in München hat interessante Einblicke in die Zukunft des mobilen Fernsehens und das Zusammenspiel aus TV-Programm und mobilen Endgeräten gegeben.

Von Martin Meyer-Gossner

Wer sitzt schon noch vor dem Fernseher, ohne ab und zu einen Blick auf sein Smartphone oder Tablet zu werfen? Glaubt man diversen Studien, so nimmt die Parallelnutzung von mehreren Bildschirmen stetig zu. Gemäß einer Untersuchung von SevenOne Media schenken bereits 44 Prozent einem zweiten Bildschirm ihre Aufmerksamkeit, während sie sich eine Sendung im Fernsehen anschauen. Was viel klingt, ist für die USA Peanuts. Hier liegt die parallele Multiscreen-Nutzung bereits bei bis zu 80 Prozent. Es scheint, dass der Siegeszug von Smartphone und Tablet beim Fernsehen nicht mehr aufzuhalten ist. Schon lange stellt sich die Frage, welcher Bildschirm in der Zukunft eigentlich der führende sein wird. Ob bei der Tagesschau oder einer Sportübertragung wie der Fußball-Europameisterschaft - immer mehr Menschen twittern, checken ihre Mails oder schreiben ihre Updates bei sozialen Netzwerken unmittelbar während der Sendung.

Der Mobile Monday brachte jüngst führende TV-Broadcaster, Großunternehmen und junge Startups nach München, wo sie zusammen einen guten Überblick über den derzeitigen Status Quo der Neuentwicklungen in Deutschland gaben. Fast alles, was der Second-Screen-Nutzer an Kommunikationsmöglichkeiten hat, wurde vorgestellt. Eins war schnell klar: Native Apps sind die derzeitige Zukunftslösung beim mobilen Social TV, eine „synchronisierte TV-Erfahrung“.

Die Sessions zeigten auch die Herausforderung für das traditionelle Fernsehen. Mehr und mehr Aufmerksamkeit für das lineare Fernsehen geht verloren. Die „Multiscreen-Zerstreuung“ verändert auch Werbebranche und dadurch die Finanzierung von Sendungen. Wenn mit dem klassischen 30-Sekünder nicht mehr der erwünschte Erfolg erzielt wird, muss sich die Werbung neue Verbreitungswege suchen.

Die Businessideen der präsenten Unternehmen lieferten hierfür gute Ansätze. Die „Secret Sauce“ des modernen Fernsehens heißt: Kontext, Interaktion und Personalisierung. Das mobile Web treibt das Thema Multitasking während des Fernsehens voran. Was aber tun die Firmen, um die Linearität wieder ins Spiel zu bringen beziehungsweise zu erhalten - vor allem, wenn man bedenkt, dass bereits 68 Prozent der Jugendlichen auf TV-Empfehlungen ihrer Facebook-Freunde vertrauen?

Der Fernsehsender ProSieben ließ einen Einblick in das Projekt ProSieben Connect zu, welches schon bald auf den Markt kommen soll. Dahinter verbirgt sich eine für das Tablet konzipierte „Screen-in-Screen“-Widget-Lösung. In vier Rahmen werden diverse Features präsentiert, die den Nutzer mit dem laufenden Programm verbinden. Von Live TV, Live Chat, Social- Networking-Funktionalität bis zu Hintergrundinformationen zum Programm und den Darstellern kann alles auf einen Blick abgerufen werden. Die Fans von Sendungen wie „Germany's Next Topmodel“ und „Schlag den Raab“ werden auf ihre Kosten kommen und können entspannt das Tablet zum First Screen ernennen. Egal ob man nun im Wohnzimmer sitzt oder unterwegs seine Sendung nicht verpassen will.

Auch die Telekom peppt ihr TV-Angebot um den Social-Faktor auf. Mit Shair, an Entertain gekoppelt, präsentiert der Großkonzern eine App nach dem Shazam-Vorbild. Per Audio Content Recognition (ACR) wird das mobile Endgerät mit dem Fernseher synchronisiert. Über einen Scan-Button erkennt die App die Sendung, woraufhin zeitgleich zum Fernsehkonsum zusätzliche Informationen oder Werbung auf das mobile Endgerät gespiel werden. Die Wortfindung „Shair“ entstammt dem Zusammenspiel von „Share“ und „Air“. Die Telekom betonte, dass man beim Thema Social TV noch ganz am Anfang stehe. Auch dass bei einer öffentlichen Veranstaltung von gut vernetzten Geeks „strictly confidential“ auf den Slides stand, mag das unterstreichen.

Am meisten überzeugte TunedIn (unser Review) die Teilnehmer des Abends. Die gut gemachte App ist intuitiv zu bedienen, hat ein vorbildliches User Interface und vereinfacht Sharing und Social Networking auf dem mobilen Endgerät. Nette Features wie diverse Filterfunktionen zeigen unter anderem an, wie groß der Buzz zu einer Sendung im Social Web ist. Die Live-Tweets zur Sendung sind ebenfalls integriert, was zum Beispiel für social-media-affine Tatort-Zuschauer ein positives Erlebnis darstellt.

Aber auch für das On-Demand-Nutzungsverhalten der TV-User gibt es eine Lösung. Das Start-up Tweek hat eine App entwickelt, die TV-Nutzern aktuelle Informationen und Inhalte zu den gezeigten On-Demand-Inhalten anbietet. Die Kooperationen mit iTunes, Zattoo und Lovefilm sind bereits vorhanden. Ob das aber genug ist, um sich einen Platz im Wohnzimmer beim Zuschauer zu ergattern, ist noch offen, auch wenn die On-Demand-Nutzung sicherlich in Zukunft zunehmen dürfte. Nur fehlt hier die Verknüpfung zwischen gemeinsam Erlebtem in einem festgelegten Zeitfenster, was gerade das Thema Social TV so spannend macht.

Faszinierend war auch die Lösung von wywy (nicht nur wegen der Amen aufs Korn nehmenden Landingpage), das Unternehmen und Marketingleuten eine innovative, kanalübergreifende Kommerzialisierung zwischen TV und Mobile ermöglicht. Über Satellit holt sich wywy Informationen vom linear ausgestrahlten Programm in Echtzeit ab und spielt so in Sekundenschnelle Werbung oder Product Placements auf den Inhalt des Zweitgeräts der Zuschauer.

Die vorgestellten Businessmodelle verdeutlichen die Vielfalt mobiler Social-TV-Lösungen. Tablets und Smartphones schaffen die Brücke zwischen linearen TV-Inhalten und den Inhalten der Zweitbildschirme. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob die Partizipation am mobilen Social TV dem linearen Programm Aufmerksamkeit nimmt oder bringt?

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