<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

28.09.10

Social Shopping: Das Problem mit dem Barcode-Scan

Immer mehr Webanwendungen animieren Smartphone-Nutzer dazu, Barcodes von Produkten zu fotografieren, um Shopping sozialer und spielerischer zu gestalten. Während Social Commerce viel Wachstumspotenzial besitzt, ist der Barcode-Scan ein ziemlich öder Prozess.

 

Ich bin ja wirklich für fast jeden Spaß zu haben. Ich habe überhaupt kein Problem damit, laufend und überall mein Mobiltelefon zu zücken und an Orten einzuchecken - selbst auf die Gefahr hin, von mich begleitenden Personen als unsozial und Smartphone-abhängig eingestuft zu werden. Und sicherlich kommt nach dem Location-, Medien- und Essen-Check-In auch bald der nächste Hype, an dem ich mich halb von Berufs wegen und zu einem großen Teil auch einfach aus Freude beteiligen werde.

Aber auch ich habe eine Grenze. Meine ist dann erreicht, wenn ich nicht mehr länger nur auf meinem iPhone eine App starte und in dieser einen Button betätige, sondern wenn ich mit der Kamera des Telefons den Barcode eines beliebigen Produkts abfotografieren muss, um in das Produkt "einzuchecken".

Dabei empfinde ich nicht die Tatsache des Produkt-Check-Ins als problematisch - im Gegenteil - Social Shopping ist eines der großen Zukunftsthemen im Web und ermöglicht einerseits, Produktempfehlungen von Freunden zu erhalten, deren Meinungen man schätzt, und andererseits, für die eigene Loyalität von Herstellern und Marken belohnt zu werden (siehe dazu auch Shopotainment ).

Was mich jedoch stört, ist der Weg dahin. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich empfinde den Check-In-Prozess über einen Barcode als äußerst umständlich: Erst muss man eine App starten, sich dann zur Kamera-Funktion durchklicken, anschließend den Barcode auf einem Produkt suchen, den Code am Raster der Scan-App ausrichten und versuchen, seine Hand so still wie möglich zu halten. Im Gegensatz zum herkömmlichen Location-Check-In, wie man ihn von foursquare, Gowalla & Co her kennt, erfordert das Barcode-Scannen noch mehr Zeit und Geduld.

Diesen Aufwand lohnt sich vielleicht gelegentlich, wenn es darum geht, Preisvergleiche anzustellen und sich zusätzliche Produktinformationen anzeigen zu lassen, so wie es beispielsweise barcoo oder Red Laser erlauben (wobei barcoo mit Scan Hero mittlerweile auch auf Social Shopping setzt ). Sich jedoch permanent in jedem Geschäft mit dem Fotografieren der kleinen Barcodes abzumühen, was gerade bei weniger leistungsfähigen Handy-Kameras nicht immer gut funktioniert, klingt für mich wenig verheissungsvoll.

Die Crux ist jedoch: Immer mehr Startups setzen exakt auf diesen Prozess. Zuerst gab es nur Stickybits , das Nutzer dazu animieren will, über Barcode-Scans digitalen Content an physische Produkte anzuhängen. Dann kam Barcode Hero , das Anwender ebenfalls zu Schnappschüssen von Barcodes überreden möchte, um Shopping sozialer zu gestalten und zudem mit einer spielerischen Komponente zu erweitern (für Aktivitäten erhält man "Awards").

Und im Rahmen der diese Woche in San Francisco stattfindenden TechCrunch Disrupt-Konferenz starten zwei weitere Services, die User zum Scannen von Barcodes anregen wollen: SnapDragon ist eine Check-In-App für Produkte mit obligatorischen Game-Elementen, und CheckPoints will Konsumenten belohnen, die sich von der App vorgeschlagene Produkte am Point of Sale anschauen (und dies durch den Barcode-Scan belegen).

Die Grundidee, das stationäre Einkaufserlebnis mit digitalen Aspekten zu verknüpfen, sozialer zu gestalten und Verbrauchern für ihre Empfänglichkeit für Werbebotschaften etwas zurückzugeben, ist fraglos gut. Das Problem ist meines Erachtens nach die Umsetzung. Natürlich haben die international genormten Barcodes den großen Vorteil, jedes Produkt relativ einfach identifizierbar zu machen. Aus Nutzersicht stellen Barcodes, die nicht immer sofort zu finden sind und in ihrer Größe variieren können, jedoch eine Hürde dar, was die Bereitschaft zum Experimentieren mit Social-Shopping-Apps betrifft.

Location Based Services haben bereits den Ruf, bei Nutzern nach der anfänglichen Begeisterung eine Art "Check-In-Müdigkeit" hervorzurufen. Bei Diensten, die das Fotografieren von Barcodes voraussetzen, ist der von Usern erforderliche Aufwand noch größer. Für handfeste monetäre Belohnungen ist sicher manch einer bereit, sich mit den Codes herumzuschlagen. Ein paar Awards und ein Stream von gescannten Produkten anderer Nutzer reichen jedoch mit Sicherheit nicht aus, um eine App zu einem Mainstream-Hit zu machen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten/Jahren ein Webanbieter mit einer Social-Shopping-Anwendung breite Erfolge feiern und Millionen von Nutzern in seinen Bann ziehen wird. Dass dieser Dienst das Scannen von Barcodes zur aktiven Nutzung voraussetzt, würde mich allerdings sehr wundern. Es sei denn, die Scan-Technologie wird so weit weiterentwickelt, dass zukünftig ein flüchtiges Abfotografieren der Produktfläche mit dem Code aus der Ferne reicht. Das derzeit notwendige Feinjustieren des Kamerabildes jedoch steht einem Durchbruch klar im Wege.

Wie bewertet ihr die Entwicklung? Könnt ihr euch vorstellen, Barcodes von Produkten zu scannen, um Shopping sozialer und spielerischer zu machen?

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer