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20.01.12

Social Search: Die Suche der Zukunft sieht nicht aus wie die der Vergangenheit

Mit der personalisierten Suche versucht Google, seine Suchmaschine für die Anforderungen der kommenden Jahre fit zu machen. Damit Social Search funktionieren kann, ist eine völlig neue Art der Darstellung der Ergebnisse erforderlich.

 

Die vom Aufstieg sozialer Netzwerke angetriebenen Veränderungen im Suchmaschinenmarkt sind nicht erst seit der Verschmelzung von Google und Google+ ein Thema. Schon lange wird über die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten einer Suche diskutiert, die nicht mehr allein auf den Berechnungen von Algorithmen beruht, sondern Empfehlungen von Menschen aus dem persönlichen Netzwerk mit einbezieht. Sowohl Google als auch Bing haben in der Vergangenheit bereits Experimente in diese Richtung unternommen.

Wenn aber mit Google der Marktführer im Suchsegment aufs Ganze geht und alles auf die Social-Karte setzt, dann markiert dies eine neue Phase in dem Bestreben, die Suche im Netz mittels der Integration sozialer Signale für die neue Dekade fit zu machen. Und dann stellt sich auch verstärkt die Frage, ob sich neben der Öffnung der Suchprozesse für äußere Einflüsse nicht auch die die Art der Darstellung von Suchergebnissen radikal verändern müsste.

Die Form der typischen Suchergebnisseite ist 15 Jahre alt

Seit Mitte der 90er Jahre, als mit Altavista eine der ersten Volltextsuchmaschinen für das Internet ins Rennen geschickt wurde, scheint für die Suchergebnisseiten ein ungeschriebenes Gesetz zu gelten: Die gefundenen Links werden nacheinander mit dem Titel und einem kurzen Textanriss nach Relevanz sortiert gelistet und, um schnelle Ladezeiten zu generieren, in Gruppen aufgeteilt. Alle Sites, die nicht unter die ersten X Suchergebnisse fallen, sind nur nach einer aktiven Nachfrage durch den Nutzer (z.B. Klick auf Seite zwei, Scrollen bis ans Seitenende) sichtbar. Typisch ist auch, dass die Ergebnisse nur vergleichsweise wenig Platz in Anspruch nehmen und dass - sofern die Freiflächen nicht für das Einblenden von Werbung verwendet werden - viel Weißraum existiert.

Egal ob man heute bei Google, Bing, DuckDuckGo oder Blekko sucht: Von gewissen Möglichkeiten der individuellen Anpassung und eigenmächtigen Sortierung abgesehen setzen alle Anbieter auf dieses Prinzip. Angesichts der hohen Autorität der Suchalgorithmen und ihrer von uns vorausgesetzten Objektivität akzeptieren wir dies auch ohne Einwände und freuen uns in der Regel darüber, nicht eigenmächtig hunderte Ergebnisse selbst evaluieren zu müssen. Immerhin stehen die Chancen gut, dass wir in der Mehrzahl der Fälle in kürzester Zeit zu den von uns gesuchten Informationen gelangen.

Blickt man nun auf die aktuelle Fassung von Googles neuer personalisierter Suche, fallen zwei Dinge ins Auge: Einerseits das Fehlen von Inhalten aus Facebook und Twitter - das bereits zur Genüge diskutiert worden ist. Andererseits aber auch, dass die Struktur der Suchergebnisse vom bisherigen Muster nicht abweicht. Abgesehen von einer Handvoll passender, von Google+-Kontakten veröffentlichter, nebeneinander dargestellter Bilder serviert mir auch die personalisierte Suche die Links meines Kontaktnetzwerks  in der üblichen Listenform. Reichen mir die ersten zehn Resultate nicht, muss ich mich nacheinander durch die folgenden Ergebnisseiten klicken.

Ineffektive Darstellung der Suchergebnisse

Was bei der ausschließlich algorithmischen Suche effektiv, effizient und logisch erscheint, macht auf mich bei der auf menschlichen Signalen basierenden Suche einen unnötig beschränkenden Eindruck. Was mir Google unter den Top zehn zum beispielhaften Suchbegriff "Hotel" präsentiert, wirkt hochgradig willkürlichen. Weder verstehe ich, wieso Google glaubt, die entsprechenden Verweise würden inhaltlich am besten zu meiner Suche passen (was nicht der Fall ist), noch, nach welchen Kriterien die an den vorderen Plätzen gelisteten Angebote ausgewählt wurden.

Das Versagen liegt dabei allerdings nicht in der sozialen Suche an sich (abgesehen vom Fehlen von Facebook und Twitter), sondern in der Form der Darstellung der Ergebnisse.

 

Bei einer generischen Suche nach dem Begriff "Hotel" kann Google nicht wissen, ob der Suchende an redaktionellen Artikeln zum Thema, an Links zu empfehlenswerten Unterkünften, an Hotel-Buchungsportalen, an Videos, an Statistiken oder an Fotos interessiert ist. Bei der algorithmischen Suche versucht Google (US-Version in Englisch), durch ein möglichst allgemeines, unspezifisches Ergebnis an erster Stelle eine maximale Zahl der Suchenden einigermaßen zufriedenzustellen. In der persönlichen Suche allerdings platziert sich dieser Google+-Beitrag über Anzeichen, dass es in einem Hotel spukt, bei mir auf dem ersten Platz.

Dass Googles personalisierte Suche mit derartig gewagten, weil zu spitzen Ergebnissen auf eine generische Suche wenig Eindruck schinden kann, ist offensichtlich. Das bisher in der linken spalte angebotene Filterwerkzeug ist deutlich zu langsam, zu oberflächlich und funktionell viel zu begrenzt, um etwas retten zu können.

Google sollte die Suchergebnisseiten radikal überarbeiten

Um das Potenzial der Social Search vollkommen auszureizen, ohne das Risiko von als irrelevant wahrgenommenen Suchergebnissen einzugehen, sollte Google sich für den persönlichen Suchmodus eine komplett neue Darstellungsform der Ergebnisse ausdenken. Statt einer langweiligen, im beschriebenen Beispiel einem Ratespiel gleichenden Liste von zehn Links/Contentobjekten sollte Google eine den verfügbaren Platz ausnutzende, dynamische und filterbare Übersicht der Inhalte präsentieren, die es in meinem Netzwerk gefunden hat. Statt einzelne Artikel, Verweise, Fotos und andere Objekte nach dem Zufallsprinzip für die erste Ergebnisseite herauszufischen, sollte es die gefundenen Elemente (möglichst auch auf Basis einer semantischen Analyse) kategorisieren und in aggregierter, interaktiver Form darstellen.

Bei meiner Beispielsuche nach "Hotel" würde dies bedeuten, dass mir Google im sofort sichtbaren Bereich anzeigt, wie viele Google+-Updates, wie viele Links zu redaktionellen Texten, wie viele Links zu Hotelvergleichsites, zu Hotels und wie viele andere Medienarten es in meinem Netzwerk gefunden hat. Gerne kann es dabei eine Vorauswahl treffen und einzelne Resultate weglassen. Wichtig ist, dass es mir zeigt, was mein Netzwerk zum jeweiligen Suchwort zu bieten hat, und mir die Gelegenheit gibt, eigenständig zu filtern und zu selektieren. Nicht uninteressant wären auch informative Visualisierungen und Gegenüberstellungen, besonders wenn es darum geht, aus mehreren Empfehlungen (zum Beispiel für Hotels) das in meinem Netzwerk am meisten geschätzte oder diskutierte zu identifizieren.

Social Search muss Spaß machen

Social Search kann dann ihre ganze Kraft entfalten, wenn sie nicht in ihrer Form die klassische, algorithmenbasierte Suche nachzuahmen versucht, sondern eigene Wege geht. Es muss ganz einfach Spaß machen, die persönliche Suche zu nutzen. Es wäre daher zu begrüßen, wenn Google sich bei der sozialen Suche zu radikalen Experimenten mit der Darstellung der Ergebnisse durchringen könnte. In ihrer jetzigen Form werden sie Googles Mission, relevante Inhalte zu finden und zu zeigen, in keiner Weise gerecht.

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