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05.02.13

Social Recruiting: JobCrowd macht Internetnutzer zu Headhuntern

Das Münchner Unternehmen JobCrowd hat ein Stellenportal gestartet, bei dem Firmen drei- oder vierstellige Prämien für die erfolgreiche Vermittlung von Bewerbern ausloben. Der Dienst ist damit ein Art Affiliate-System für Jobs.

In vielen Branchen herrscht Fachkräftemangel. Traditionelle Stellenanzeigen bringen für Firmen nicht immer den erhofften Effekt. Denn hochqualifizierte Talente sind umkämpft und haben deshalb nur eine geringe Motivation, sich auf eine herkömmliche Jobanzeige hin zu bewerben. Innovative Onlinestartups versuchen mit neuartigen Konzepten, dem sogenannten "War for Talent" und den neuen Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen. Poachee ermuntert nicht aktiv nach neuen Herausforderungen suchende Angestellte, sich abwerben zu lassen, und Silp versucht, das persönliche Facebook-Kontaktnetzwerk in die Vermittlung mit einzubinden. Letztere Vorgehensweise fällt unter das Label "Social Recruiting". In diesem Segment will auch ein neues Münchner Startup Fuß fassen. JobCrowd heißt es, ist seit November online und versucht, ein von immer mehr Verstärkung suchenden Unternehmen eingesetztes Instrument systematisch zur Vermittlung von Bewerbern zu nutzen: Belohnungen. Es gehört mittlerweiler zur gängigen Praxis, dass Firmen ihre Angestellten dazu animieren, Freunde oder Bekannte für offene Stellen vorzuschlagen, und im Gegenzug eine Belohnung ausloben. Manche Organisationen spannen auf diese Weise sogar die breite Öffentlichkeit in die Suche mit ein, wie etwa unsere Kollegen vom t3n-Magazin. Der Sinn und Zweck liegt auf der Hand: Der Aufwand für eine einmalige, nicht selten vierstellige Belohnung sowie die zusätzliche Verwaltungsarbeit durch eine gesteigerte Zahl von Bewerbern ist nichts im Vergleich zu den direkten und indirekten Kosten, die mit einer personellen Fehlbesetzung verbunden sind.

Die JobCrowd-Macher Michael Blazek und Carl Hoffmann haben ausgehend von dieser Philosophie eine simple, aber schlagfertige Jobplattform geschaffen. Bei JobCrowd inserieren Firmen kostenfrei Stellen und loben eine Belohnung für diejenigen aus, die ihr Netzwerk anzapfen und geeignete Kandidaten präsentieren. Man könnte den Ansatz auch als Affiliate-Marketing für Jobs bezeichnen. So wie sich zu jedem Amazon-Produkt ein Affiliate-Link generieren lässt, der im Falle von Verkäufen eine Provision abwirft, erhalten registrierte JobCrowd-Nutzer eine eindeutige URL, die sie über soziale Medien, per Mail oder über Blogs und Websites verbreiten können. Kommt es zu einer Einstellung, streicht der Empfehlende eine ansehnliche Geldsumme ein. Bei Vollzeitstellen mindestens 500 Euro und bei Praktikumsplätzen mindestens 100 Euro.

69 Jobs werden derzeit bei JobCrowd gelistet. Die höchste Prämie, die für die Vermittlung eingestrichen werden kann, liegt momentan bei 3250 Euro. Wer durch Freunde, Bekannte oder "fremde" Social-Web-Nutzer auf eine bei JobCrowd gelistete Stelle stößt, kann sich direkt per Mail oder Onlineformular bewerben. Wird auf anderen Wegen Kontakt aufgenommen, bitten die Münchner darum, dass der Bewerbungscode angegeben wird. Für Firmen sind Stellenausschreibungen und das Anlegen eines Arbeitgeberprofils bei JobCrowd grundsätzlich kostenfrei. Während des Anmeldeprozederes definieren Arbeitgeber die Prämie. Bei einer erfolgreichen Einstellung verbleibt die Hälfte bei JobCrowd, die andere Hälfte - der Betrag, der Nutzern als Belohnung angezeigt wird - geht an den Ersteller des Empfehlungslinks.

Das Jobcrowd-Gründerduo, das das Unterfangen mit eigenen Mitteln sowie der Unterstützung von Business Angels auf die Beine gestellt hat, versucht sich mit dem Service an einem äußerst spannenden Experiment, dessen Ausgang keineswegs genau vorhersehbar ist. Auf der einen Seite werden Firmen, die hohe Prämie ausloben, mit einer besonders großen Reichweite belohnt, da die Aussicht auf eine mächtige Belohnung Nutzer zur Verbreitung des Links im eigenen Kontaktnetzwerk oder auf dem eigenen Blog animiert. Doch für partizipierende Firmen ist nicht die Quantität der generierten Bewerbungen ausschlaggebend, sondern die Eignung und Passgenauigkeit der Kandidaten. Sollten Unternehmen also mit Bewerbungen überhäuft werden, von denen nur wenige dem Anforderungsprofil entsprechen (etwa weil Empfehlende willkürlich Freunden versprechen, die Prämie mit ihnen zu teilen), wird JobCrowd für sie unattraktiv. Kommt es zu keinen Einstellungen, verdient JobCrowd kein Geld, woraus resultiert, dass die Süddeutschen alles dafür tun müssen, positiv auf das Verhältnis von Bewerberzahl und Bewerberqualität Einfluss zu nehmen. Vorstellbar wären etwa ein internes Reputationssystem oder Sonderprämien für Nutzer, die mehrfach Einstellungen in die Wege leiten, ohne dabei aber Firmen eine zu hohe Zahl irrelevanter und damit Verwaltungsaufwand verursachender Bewerber zuzuführen.

In jedem Fall sollte man sich nicht wundern, wenn künftig vermehrt Stellenanzeigen in den Feeds sozialer Medien auftauchen. Bedenkt man, dass eine erfolgreiche Vermittlung mitunter ein ganzes Monatsgehalt bedeutet, so dürften nicht wenige gut vernetzte, mit großen Freundeskreisen ausgestattete oder reichweitenstarke Fach- und Karriereblogs betreibende Personen ihr Glück mit JobCrowd versuchen wollen.

Ein zu JobCrowd identisches Konzept verfolgt auch der ebenfalls vor einigen Monaten gestartete, aus Hambug stammende Dienst Kandidat24, bei dem jedoch das optische Erscheinungsbild weniger zum Stöbern animiert. Vergleichbare US-Dienste heißen  RewardHire  und Barrel of Jobs.

Link: JobCrowd

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