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11.12.13

Social Networks: Google+ braucht ein neues Konzept

Mit Google+ versucht Google seit über zwei Jahren, sich sein Standbein im Social Web zu schaffen. Das Konzept dahinter wirkt aber vielfach undurchsichtig. Es wäre an der Zeit, die bisherige Strategie zu überdenken.

PlusUm das gleich vorwegzuschicken: Ich bin ein intensiver Nutzer von Google+ und es ist mein persönlicher Lieblingsplatz im Social Web – so seltsam das auch für viele klingen mag. Facebook nutze ich ebenfalls, aber tatsächlich nur, weil viele nach wie vor dort zu finden sind. Abgesehen davon halte ich Facebook in jedem denkbaren Punkt für schlechter als Google+. Kurzum: Ich bin froh, eine gut funktionierende Alternative zu haben, die ohne Werbung auskommt und sich sehr gut in Android integriert. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob es nun die bessere Wahl ist, sich so stark von Google abhängig zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.

Doch Google+ leidet aus meiner Sicht an einer entscheidenden Schwäche: Es hat ein Identitätsproblem. Man kann das Angebot zwar mit Facebook vergleichen, aber Google+ ist kein für sich stehendes Social Network. Es bietet im Prinzip eine Profilseite mit Social-Funktionen zum eigenen Google-Account. Die auch von Google selbst proklamierte Idee dahinter ist, alle Google-Angebote mit diesem "Social Layer" zu versehen und sie so miteinander zu verknüpfen. Richtig gut gelingt das allerdings bislang nicht. Google+ als "Social Layer": Misslungene Verknüpfung mit YouTube

Die YouTube-Gemeinde stört sich an Googe+

Als aktuelles Beispiel dafür lässt sich die undurchdachte Umstellung des YouTube-Kommentarsystems auf eine zwangsweise Verbindung zu Google+ anführen. An sich ist es eine sinnvolle und  nachvollziehbare Idee, diese Verbindung herzustellen. Aber es ergibt beispielsweise nahezu gar keinen Sinn, dass Google+-Postings zu einem Video automatisch auf YouTube als Kommentare dargestellt werden. Mein Post auf Google+ weist schließlich meine Follower in der Regel auf das Video hin, aber ich muss niemanden mehr auf YouTube unter dem Video auf das Video oben hinweisen. Entsprechend sinnlos präsentieren sich die YouTube-Kommentarspalten jetzt teilweise.

Zugleich sieht mannirgends auf Google+, welche Videos ich auf YouTube angeschaut, für gut befunden oder zu einer Playlist hinzugefügt habe. Das wären aus meiner Sicht sinnvolle und nützliche Verknüpfungen. Immerhin kann ich optional einen YouTube-Kommentar parallel auch bei Google+ posten. Und dennoch: Eine gelungene Integration sieht anders aus. Der Unmut der Nutzer ist entsprechend groß. Für manche war es schon schwer zu akzeptieren, dass sie überhaupt zu Google+ zwangsverpflichtet werden. Die missratene Umsetzung hat das noch schlimmer gemacht.

Google+ könnte meine Social-Profilseite zu allem sein, was ich im Google-Universum treibe. Sie ist aber nicht. Die entsprechenden Verknüpfungen sind auch nach über zwei Jahren noch nicht da. Und schaut man sich an, welche neuen Funktionen stattdessen eingeführt worden sind, bekomme ich Zweifel, inwiefern das bei Google überhaupt Priorität hat.

Google+ als Social Network: Unklares Profil

Hier zeigt sich das Identitätsproblem von Google+: Es ist nicht nur der Social Layer für Google. Der Service dient zugleich als Fotoplattform, Videochat, Livestream-Angebot und einiges mehr.

Beispiel Hangout on Air. Dabei handelt es sich um ein Livestreaming-Angebot, das zugleich eine Videokonferenz mit bis zu zehn Teilnehmern ermöglicht. Die Qualität ist in Ordnung, inzwischen wird sogar HD (720p) unterstützt. Der Service kostet nichts, bietet eine Schnittstelle für Erweiterungen, um die Funktionalität des Chats/Streams zu ergänzen, und ist direkt mit YouTube verknüpft. Aber warum genau sind Hangouts on Air ein Feature von Google+? Eine logische Erklärung gibt es dafür nicht. Sie wären sehr viel besser bei YouTube aufgehoben oder könnten aus meiner Sicht sogar als eigenständiges Produkt bestehen.

Ein anderes Beispiel sind die Fotofunktionen. Google+ erfreut sich gerade in den USA großer Beliebtheit bei Fotofreunde, worauf das Unternehmen reagiert hat. Es gibt praktische Features wie eine umfangreiche Bildbearbeitung im Browser und eher kuriose Funktionen wie Auto Awesome Motion, das aus mehreren Bildern eines Motivs automatisch ein animiertes GIF erstellt. Zudem ging die Fotoplattform Picasa in Google+ auf. Aber warum eigentlich? Natürlich spielen Fotos eine wichtige Rolle in einem Social-Angebot. Aber das gilt auch für Videos, und dennoch bleibt YouTube eine eigenständiges Portal. Oder hat Google etwa vor, YouTube irgendwann als "Google+ Videos" ebenfalls zu integrieren? Das kann man sich kaum vorstellen, denn der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Die Lösung: Google+ auf ein klar umrissenes Angebot reduzieren

Mir erschiene es sehr viel sinnvoller, Google+ auf ein klar umrissenes Angebot zu reduzieren: eine Google-Profilseite zu meinem Account inklusive der Funktionalität der "Kreise", um anderen zu folgen und Inhalte nur mit bestimmten Personengruppen zu teilen. Das sollte sich dann aber bitteschön baldmöglichst quer durch das Google-Universum erstrecken. Alle anderen Funktionen gehören entweder in bestehende Dienste integriert oder sollten eigenständig angeboten werden.

Das wäre aus meiner Sicht ein Konzept, mit dem sich tatsächlich am Ende alle Google-Dienste über den Social Layer miteinander verbinden ließen. Heute ist es hingegen kaum zu verstehen, was Google+ eigentlich sein will und warum manche Funktionen hier direkt integriert sind, während andere eigenständig bleiben.

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