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18.03.09Leser-Kommentare

Social Networking: Haben Twitter und Facebook ihren Höhepunkt überschritten?

Twitter wächst wie verrückt und ist definitiv im Mainsteam angekommen. Facebook nimmt anderen Social Networks dramatisch Marktanteile ab. Schön für diese Dienste, aber vermutlich erleben wir bei beiden gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Bald könnte es bergab gehen.

Hand hoch: Wer hier war mal Mitglied bei GeoCities? SixDegrees.com? TheGlobe.com? Tripod? Friendster? Oh. So wenige? Na ja, der durchschnittliche netzwertig.com-Leser ist vermutlich zu jung, um sich an diese Urgesteine des Social Networkings erinnern zu können.

All diese längst verblichenen Communities wurden mal als das ganz, ganz heisse Ding ihrer jeweiligen Zeit gehandelt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich 1997 meine erste Einladung zu SixDegrees.com vom späteren Gründer eines bekannten Blognetzwerks erhielt. Dieses pionierhafte Social Network wurde in der Internet-Szene damals als das nächste grosse Ding gesehen, als totale Revolution, die alles ändern würde. Aber natürlich ist diese Website genau wie die nächsten zwei Generationen ihrer Nachfolger inzwischen von uns gegangen.

In der Entwicklung von Online-Communities über die Jahre hinweg gibt es nur eine Konstante: Ständiger Wandel, das Absterben etablierter Dienste zugunsten neuer, besserer Angebote. Die vielzitierten Netzwerkeffekte haben bisher noch keine Community vor dem Abstieg nach einigen Jahren des Erfolgs bewahrt.

Wenn ich mir heute die Entwicklung von Twitter und Facebook ansehe, habe ich das Gefühl, dass wir eine ähnliche Geschichte erleben, nur auf deutlich grösserer Skala. SixDegrees.com hatte zu den besten Zeiten eine Million User, Facebook hat jetzt 175 Millionen. Natürlich ist das eine ganz andere Dimension, aber ist Facebook deswegen wirklich sicherer vor dem Abstieg? Schliesslich ist niemand an allen 175 Millionen Usern interessiert, sondern nur an den gut 120 Leuten, mit denen der durchschnittliche User online "befreundet" ist. Natürlich ist Facebook noch mit Abstand die stärkste Social-Networking-Plattform, aber kriegt man nicht langsam das Gefühl, dass ein Sättigungspunkt erreicht ist?

Paradoxerweise hat Facebook mit seinem gerade erfolgten Homepage-Redesign seinen bisherigen Vorteil der Übersichtlichkeit aufgegeben -- zugunsten eines offensichtlich von Twitter inspirierten endlosen Stroms an Belanglosigkeiten. Von den noch vor kurzem als "revolutionäre Web-Plattform" gehypten Facebook-Applikationen spricht hingegen kaum noch jemand. Facebook hat offensichtlich gemerkt, dass sich die User so langsam zu langweilen beginnen und versucht nun mit dieser Twitterisierung dagegenzuhalten. Aber es könnte durchaus passieren -- und Zeichen dafür gibt es genug --, dass sich Mainstream-User durch diese Veränderungen vertstört fühlen und sich lieber eine andere Online-Heimat suchen.

Könnte das Twitter sein? Wohl kaum. Die aktuelle Medienhysterie um Twitter und die Welle von Mainstream-Prominenten, die plötzlich einen Twitter-Account haben, deutet stark auf den Höhepunkt des Hypes rund um den rasant wachsenden Microblogging-Dienst hin. Aber Twitter ist strukturell noch gefährdeter als Facebook, weil es schon immer ungeordnet und chaotisch war. Es droht unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen, weil das Verhältnis an unnützem Rauschen zur nützlichen Information langsam unverhältnismässig wird. Selbst mit der praktischen Twitter-Suche findet man zu populären Themen kaum noch wirklich interessante Tweets. Unter all den Roboter-generierten Messages und sinnlosen Retweets (wer hatte nur diese dumme Idee?) sind die wenigen interessanten Beiträge kaum noch zu finden.

Um eine Idee aus einem früheren netzwertig.com-Artikel zu bemühen: Social Networks haben den Charakter von Cafés, Restaurants, Clubs oder ähnlicher zum sozialen Austausch geeigneter Infrastruktur. Solche Etablissements sind meistens für eine gewisse Zeit hip, da neu und frisch, verlieren aber fast immer nach einiger Zeit die Gunst des Publikums. Wenn der Laden am vollsten und die Warteschlange am längsten ist, weiss man: der Abstieg ist nur eine Frage der Zeit, weil der hippste Teil des Publikums sich vom Mainstream-Pöbel gestört fühlt und weiterzieht. Und wenig später folgt die Masse nach.

Natürlich kann es sein, dass sowohl Facebook als auch Twitter strategisch brillant auf diese Herausforderung antworten und es schaffen, für alle Zielgruppen attraktiv zu bleiben. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass sie das schaffen. Mit steigenden Usermassen laufen die Veränderungsprozesse langsamer, aber es ist vermutlich nur eine Frage von wenigen Jahren, bis beide Dienste an der Spitze abgelöst werden. Myspace sah vor zwei Jahren auch noch fast unbesiegbar aus und wurde trotzdem neulich von Facebook überholt.

Darum stellt sich natürlich die Frage: Was ist das nächste heisse Ding im sozialen Internet? Zum Glück für Facebook und Twitter gibt es darauf noch keine eindeutige Antwort. SecondLife ist zu kompliziert. FriendFeed ist den meisten Leuten in der heutigen Form vermutlich zu geekig. Die grossen Internet-Player (Google, Microsoft, Yahoo) kommen mit ihren diversen Sozial-Produkten nicht richtig in die Gänge. Ning und andere offene Plattformen haben gute Ansätze, sind aber arg fragmentiert. Die leistungsfähigeren Microblogging-Dienste wie Tumblr oder Posterous sehen interessant aus, sind aber eher am Content als am Networking orientiert.

Fast sicher kann man zwei Dinge über den nächsten breit erfolgreichen Dienst sagen: 1) Er wird sehr einfach zu benutzen sein, weil die Masse der Mainstream-User keine Komplexität mag. Und 2) wird die mobile Komponente stark sein. Wer da aber die magische Kombination findet, ist völlig offen.

Ganz klar: Es öffnet sich wieder eine Lücke für Startups, die den nächsten grossen Treffer landen wollen.

(Foto: 10ch; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Marcel Weiss

    18.03.09 (15:35:51)

    Sehe ich wenig überraschend ein bisschen anders. Ich wetze schon mal meine Tastatur.

  • André Friedrichs

    18.03.09 (16:05:58)

    Ich kann diese Einschätzung nicht teilen. Zunächst bezweifele ich, dass Twitter bereits im Mainstream angekommen ist. Und ich bezweifele sogar, dass dies jemals der Fall sein wird. Womit wir dann bei Facebook wären: Die Strategie von Facebook scheint klar darauf abzuzielen, grosse Teile der Kernfunktionalitäten von Twitter und FF zu übernehmen. Das Redesign ist noch etwas wackelig, teilweise unsinnig, aber ich bin sicher, dass sich da noch etwas ämdern wird. FB hat mit FB-Plattforn, FB-Connect und jetzt FB für Iphone alles, was nötig ist, um FB weiter voranzutreiben. Ich glaube eher, dass FB zu einer Bedrohung für andre wird: kleinere Firmen können in Zukunft getrosst auf ihre eigene Website verzichten, Blogs können zu FB umziehen und selbst Google wird sich Gedanken machen. Dazu: http://www.businessinsider.com/henry-blodget-facebook-could-kill-google-analyst-2009-3

  • Martin Weigert

    18.03.09 (16:24:42)

    Ich bin da auch anderer Meinung als Andreas. Meiner Ansicht nach hinken Vergleiche mit früheren Anbietern wie Geocities & co. Damals war Internet nur eine nette Unterhaltung nebenbei. Das Leben spielte sich woanders ab. Heutzutage ist Social Networking die für viele, gerade junge Menschen, essentielle Form der Kommunikation. Je wichtiger etwas für einen ist, desto schwerer tut man sich damit, dies gegen etwas anderes einzutauschen. Myspace hat niemals den Stellenwert im Alltag der User erreicht, wie Facebook ihn heute hat. Die einzige Möglichkeit für Facebook, bald nicht mehr zu wachsen sondern eher zu schrumpfen, ist durch strategische Fehlentscheidungen, die die Benutzerfreundlichkeit und den Nutzen des Services untergraben. Soetwas kann man natürlich nie ausschließen. Jedenfalls glaube ich nicht, dass gerade in diesem Bereich viel Raum für neue Startups existiert. Eher im Gegenteil - die Großen werden immer größer, und die Kleinen und Schwachen werden verdrängt (Nischenanbieter außen vor).

  • Bernd

    18.03.09 (16:25:41)

    Wie bitte? Ein Artikel auf Netzwertig der mal nicht FB in den Himmel lobt und von super Zukunft spricht? :-) Das neue Update hatte ja durchaus seinen Sinn, nur tauchen manche Messages manchmal erst zeitverzögert auf usw. Macht natürlich dann keinen Sinn wenn es die "Freunde" erst 1 Stunde später lesen... Die Zukunft liegt bei den "120 Freunden" aus dem näheren Umkreis. Wir brauchen kein "fernes" StudiVZ, Facebook, Lokalisten, WKW, MySpace... wir wollen regional versorgt werden. Und das kann kein Netzwerk aus den USA und auch kein Lokalisten. Da muss jemand vor Ort sein und sich wirklich reinknien.

  • domingos

    18.03.09 (16:58:43)

    Stimme meinen Vorkommentieren zu. Twitter spielt in Deutschland noch keine große Rolle und Facebooks Funktionen werden bisher kaum verwendet. Ich bin einmal automatisch zu FB eingeladen vor, weil ich im Adressbuch von jemandem stand, der sich dort angemeldet hat. In Deutschland hängt man der Entwicklung immer ein - zwei jahre hinterher.

  • Andreas Göldi

    18.03.09 (17:04:06)

    @Martin: Sorry, aber die Fakten widersprechen Deiner Einschätzung. MySpace hatte zumindest in den USA exakt die gleiche, wenn nicht noch eine wesentlich wichtigere Rolle als Facebook im Leben der User. Nielsen (via eMarketer) publizierte im Juli 2008 folgende Zahlen fuer den US-Markt: Unique Visitors: MySpace 59 Mio, Facebook 34 Mio. Sessions pro User: MySpace 10.5, Facebook 8.3 Durchschn. Nutzungszeit: MySpace 2h22, Facebook 1h29 MySpace hatte also nicht nur mehr User, sondern auch eine deutlich höhere durchschnittliche Nutzungsintensität als Facebook. Seither hat sich das Verhältnis ziemlich genau umgedreht, und das in nur gerade 9 Monaten.

  • Fraenk

    18.03.09 (17:04:32)

    Ich sehe Twitter auch noch lange nicht als sinkenden Stern. Die Verbreitung von Neuigkeiten ist über den "Schwarm" in einer Geschwindigkeit möglich wie ich Sie vorher nicht kannte. Den RT finde ich da besonders hilfreich. Was Facebook angeht: Habe dort zwar noch meinen Account, doch die vielen Spielereien haben mich verschreckt. Bekomme wöchtliche *zig Einladungen für irgendeine Gruppe/Spiel/Geschenk/Herausforderung/.... Das nervt.

  • Martin Weigert

    18.03.09 (17:09:38)

    Andreas: Es ist ein deutlicher Unterschied, ob ich mehrere Stunde am Tag unter einen Nickname bei MySpace verbringe, mir wildfremde Profile anschaue und Musik streame, oder ob ich bei Facebook unter meinem richtigen Namen mit echten Kontakten kommuniziere. Hier liegt der Unterschied und die Begründung meiner These, dass Facebook für Nutzer erheblich mehr Bedeutung im Alltag und Leben hat, als es für MySpace, Geocities, Tripod und Friendster jemals der Fall war. Diese waren ersetzbar. Ich sage nicht, dass Facebook unersetzbar ist. Aber es ist weniger ersetzbar als jedes andere Social Network zuvor. Die Betrachtung der Nutzungsdauer liefert daher in meinen Augen nur die halbe Wahrheit. Es geht um den Stellenwert und die Ersetzbarkeit eines Dienstes. Diese wird nicht in Aufenthaltsdauer oder Klickaktivität gemessen.

  • OlafKolbrueck

    18.03.09 (17:15:08)

    Lieber Andreas Göldi, ich schätze deinen Analysen immer sehr. Aber diesmal fehlt es mir an stringenten Argumenten. Für ein bisschen "Gefühl" und ein paar historische Ableitungen ist das ein bisschen viel Text. Where is the beef? By SL und Co konnte man den niedergang durchaus faktisch ableiten. Bei Facebook und Twitter würde ich solch eine Conclusio frühestens dann ziehen, wenn sich die Early Adopter ab- und neuem zuwenden. Das sehe ich, anders wie bei einigen großen Business-Netzwerken, derzeit aber nicht.

  • Felix A.

    18.03.09 (17:26:40)

    Ich teile die Meinung von Andreas auch nur bedingt. GeoCities war nichts weiter als ein Anbieter von Webspace und das Problem bei SixDegress war wohl, dass die Innovation der digitalen Kamera noch fehlte um ein Social Network so richtig interessant zu machen (Ja, ich bin davon überzeugt, dieser Zusammenhang war fürs Timing entscheidend) Wird es in 10 Jahren noch SMS geben? Ganz sicher. Gibt es in 10 Jahren noch Google? Auch sehr wahrscheinlich. Gibt es in 10 Jahren noch ein erfolgreiches Facebook? Ebenfalls sehr wahrscheinlich. Soziale Netzwerke decken essentielle soziale Bedürfnisse ab, welche sie zu den mainstreamtauglichsten Websites im Netz machen. Allerdings stimmt es mMn, dass Social Networks sehr gut mit Cafes oder Kneipen zu vergleichen sind. Wenn man sich MySpace mit den trashigen Profilen anschaut, könnte man sich wohl auch gleich die passende Kneipe dazu vorstellen. Facebook ist da schon etwas hipper und deswegen wechseln Benutzer von Bebo, StudiVZ und MySpace weiterhin zu Facebook. Was kann man aus diesem Vergleich Social Network und Kneipe ableiten? Schließlich gibt es auch Kneipen, welche schon Jahrzehnte bestehen, allerdings Kneipen ausgerichtet für jeweils eine bestimmte Gästeschaft. Wie gesagt: Vielen wurde die Kneipe MySpace einfach zu trashig und daher wäre meiner Meinung nach Diversifikation die richtige Antwort auf die scheinbar automatisch einhergehenden Imageprobleme. MySpace hätte vor 1-2 Jahren vielleicht eine Seite MyCampus.com ins Leben rufen sollen, um die ganzen Studenten nicht zu vergraulen. Denn diese wollten sich in der Kneipe Social Network nicht mehr neben trashige Teenies setzen. Interessanterweise scheint StudiVZ mit MeinVZ dieses Probelm erkannt zu haben, aber verzichtet stattdessen auf ein neues Dekor (flottes Design), mehr Getränke (neue Funktionen) oder z.B. einen Tischfussball (Apps) in der Studentenkneipe StudiVZ. Social Networks wird es in Zukunft immer geben und zwar für die Selbstdarstellung und Kommunikation. Wie in einer Kneipe halt. Die Facebookmacher sind mMn exzellente Leute und das Hauptproblem wird sein, den Hunger nach Innovation und Veränderung im eigenen Unternehmen aufrecht zu erhalten.

  • Andreas Göldi

    18.03.09 (17:35:22)

    @OlafKolbrueck: OK, hier drei Beispiele für sich abzeichnende Twitter-Frustration bei Opinion Leadern: Dave Winer: http://www.scripting.com/stories/2009/03/12/whyItsTimeToBreakOutOfTwit.html Steve Rubel: http://www.micropersuasion.com/2009/03/twitter-is-peaking.html Ross Mayfield: http://ross.typepad.com/blog/2007/03/twitter_tips_th.html Zugegeben, noch keine riesige Welle, aber es sind genau die Äusserungen solche Vordenker, bei denen man Trends sehr früh erkennen kann.

  • Felix A.

    18.03.09 (17:38:37)

    Zum Thema Twitter und Mainstream folgendes: Klick!

  • Ulrike Langer

    18.03.09 (17:41:47)

    Ich kann die Thesen in diesem Artikel auch nicht teilen, vor allem nicht die zu Twitter. Der Vorteil dieses Dienstes ist doch gerade, dass ich mein Netzwerk genau auf meine Bedürnisse zuschneidern kann. Was kümmert es mich, wenn 5 Millionen User sinnloses Geblubber von sich geben? Ich folge nur den 500 für mich branchenrelevanten und interessanten Twitterern. Und gegen zu viel Geblubber in den Twitter-Suchergebnissen gibt es einfache Abhilfe: Stattdessen die Filterfunktion in Tweetdeck nutzen.

  • André Friedrichs

    18.03.09 (17:43:21)

    @Martin: Guter Punkt! Frühere Dienste wie z.B GeoCities, aber MySpace heute waren/sind dazu da, um sich mit Leuten, meist unter einem Nichname, zu vernetzen, die man nicht kennt. FB dient dazu, sich unter seiner richtigen Identität mit Leuten zu vernetzen, die man bereits kennt. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Dazu: http://www.sm2.com.au/content/view/849/76/ @Andreas Inbesondere halte ich derzeit das plötzliche Auftauchen eines neuen Players für recht unwahrscheinlich. Woher soll dazu das notwendige VC-Geld kommen? Momentan ist da nichts zu holen. Viele Start-Ups geben derzeit auf.

  • OlafKolbrueck

    18.03.09 (17:45:58)

    Huch, wann soll ich das noch alles lesen. ;-) Gehts nicht in 140 Zeichen. Spöttisch würde ich nach querlesen meinen, klingt wie das Grauen vor dem Mainstream. Die geister, die sie riefen... Zumindest Rubel deutet ja an, das sich die frustrationen durch Wandel beheben lassen.

  • Daniel

    18.03.09 (17:56:06)

    Twitter und Mainstream momentan in einem Satz zu verwenden, halte ich für sehr gewagt! Was sagen die aktuellen Untersuchungen für Deutschland? 10.000 Nutzer, 30.000 Nutzer? Wie hoch die konkrete Zahl auch immer sein mag, das ist alles andere als Mainstream. Wir dürfen in unserer heimeligen Web 2.0, Blogger und Community-Welt nicht vergessen, dass wir eine ganz andere Wahrnehmung der Themen haben, da sich im Regelfall das nähere Umfeld (eben unsere 120 Kontakte) gleichfalls mit diesen Themen auseinandersetzen. Wenn ich über den Tellerrand der Web 2.0 Welt schaue: Mainstream ist was anderes... Gleiches gilt m.E. in Ansätzen auch für Facebook in Deutschland, wohlgemerkt nicht weltweit. Wer-kennt-wen hat es geschafft, genau die Zielgruppe der älteren und weniger Internet-affinen Nutzer anzuziehen, die mit ihrer Registrierung in vielen Fällen das erste mal mit einem „Social Network“ in Berührung gekommen sind bzw. überhaupt etwas davon gehört haben. Von Twitter möchte ich erst gar nicht reden. Gerade bei dieser Zielgruppe halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass diese in der nächsten Zeit ihre Koffer packen und zu einem anderen Dienst umziehen wird. Natürlich ist nicht auszuschließen und m.E. Nicht mal unwahrscheinlich, dass sich der Markt auch wieder drehen wird. Aber letztendlich befinden wir uns noch weit davon entfernt, dass Dienste wie Facebook, Twitter und Co. im deutschsprachigen Raum vor ihrem Höhepunkt stehen. Das Thema Social Media kommt jetzt erst langsam in der breiten Masse an.

  • Marco

    18.03.09 (18:17:30)

    Mal immer langsam mit den Pferden. Twitter wie auch Facebook sind noch lange nicht bei der Masse angekommen. Noch sind wir alle hier in einer Minderheit auch wenn wir es nicht immer wahrhaben wollen. Ich habe täglich mit Menschen zu tun, die sich bereits schwer damit tun ein Proil auszufüllen. In einem Punkt hat der Artikel oben recht. Die Dinge werden sich ändern. Die Zeit für die Nutzung wird knapper und die Nutzer wollen und können nur noch bedingt Zeit in all den netten Anwendungen verbringen.

  • Nicolai

    18.03.09 (18:47:29)

    Die eigentlich Frage ist doch wohin die Entwicklung zwangsläufig laufen wird. Meiner Meinung nach ist es relativ deutlich das sich am Ende ein Plattform durchsetzt die Auskunft gibt wer, was, wo, mit wem gerade tut. Alles sehr organisch und sehr intuitiv verpackt. Konkret heißt das das ich eine Person meiner Freundesliste auswähle und sehe Status Update, momentanen Aufenthaltsort, welcher Musik im Hintergrund läuft, wer sich in der nähe befindet,... (Sämtlich Bedenken von Datenschutz etc. mal ausgeblendet). Facebook bietet dahingehend einfach bisher die beste Grundlage um sich in diese Richtung zu entwickeln. Ob es tatsächlich FB sein wird wird sich rausstellen, aber ich bin relativ überzeugt von einer stärkeren und natürlich Integration von Social Media in den Alltag, vor allem auf Mobile Devices.

  • Philipp

    18.03.09 (19:37:30)

    Wenn ich mir sowas: http://jasoncalacanis.posterous.com/ ansehe - da fällt mir nichts mehr zu ein. Digitaler Abfall.

  • Rod Meier

    18.03.09 (19:44:22)

    Mobile Kommunikation spielt sicher beim nächsten Hype eine Rolle. Ich sehe den Großteil des "Web 3.0" einfach darin, immer und überall "vernetzt" zu sein, Informationen zu versenden oder abzurufen - oder ist das schon im Web 2.0 möglich!?!. Wen ich unterwegs bin, von mir aus Mobil, im Internet-Cafe oder WLAN-Hotspot. Das "Wie" sollte keine Rolle spielen. Dieses neue System muss sowieso alle Endpunkte unterstützen... Aber jetzt bleiben wir alle erst einmal bei Facebook und warten was sich in den nächsten paar Jahren Monaten tut... Ich habe keine Ahnung mehr wo ich diesen Link über die "Future of Social Networks" her habe. Aber es klingt schlüssig.

  • bulldrinker

    18.03.09 (20:39:28)

    Also so schnelllebig ist unsere Zeit ja dann doch wieder nicht...

  • Jan

    18.03.09 (20:49:32)

    Also, ich lese ja grade den Schwarzen Schwan von Nassim Taleb und die Argumente pro Facebook und Twitter klingen etwa so, wie der Truthahn, der vor Thanksgiving erklärt, dass er immer weiter viel Futter erhält, weil er das die letzten 1000 Tage auch schon bekommen hat. Nur leider erklärt nichts davon, weshalb es keinen neuen Player geben sollte zu dem dann die Massen hinströmen und von Facebook und Twitter weg. Das würde ich aber - grade im Internet - für viel relevanter halten, als gradlinige Extrapolationen aus der Vergangenheit in die Zukunft. Ob das jetzt der Höhepunkt war oder ob es noch eine Weile dauert, halte ich da eher für weniger klar (und auch weniger relevant) nur das es früher oder später etwas neues geben wird, das dann Erfolg mehr Erfolg haben wird, das scheint mir sicher.

  • Bernd

    18.03.09 (21:43:22)

    Sehen wir es mal so: Facebook kann nicht jeden "Scheiß" einbauen nur um "allen" User halbwegs gerecht zu werden. Es ist jetzt schon zu voll. Wenn nun ein Startup mit einer neuen Idee daherkommt (wie Twitter damals), dann kann Facebook diese Idee auch nicht einfach mal eben integrieren und fertig. Facebook war jedenfalls nicht das letzte SN!

  • Fabian

    18.03.09 (22:36:07)

    Bin ich der einzige, der MySpace, Facebook und Twitter wahnsinnig übertrieben findet?

  • Marcel Weiss

    18.03.09 (22:54:10)

    @Fabian: Ja.

  • Andreas Göldi

    18.03.09 (23:02:50)

    @André und Jan: So ein neuer Player kann sehr plötzlich auftauchen, das ist im Internet nun wirklich schon oft genug vorgekommen. Natürlich ist im Moment das Finanzierungsumfeld sehr schlecht, aber umso mehr kleine Teams arbeiten irgendwo versteckt in der Garage an interessanten Ideen. Eine schöne Illustration zu diesem Prozess ist dieser zehn Jahre alte Artikel von 1999, in dem Google als eine von mehreren Alternativen zum damals übermächtigen Alta Vista vorgestellt wurde. Zitat: "feels like a work in progress". http://www.businessweek.com/archives/1999/b3615032.arc.htm Drei Jahre später handelten die Artikel dann schon davon, ob überhaupt noch jemand gegen Google ankommen kann.

  • Christopher

    18.03.09 (23:25:03)

    @ Bernd: sehe ich ähnlich: Facebook schafft es eine große Massen an Usern und Daten zu sammeln. Anschließend stellt sich nur noch die Frage, welche und wie gut neue Ideen "kopiert" und in das eigene Netzwerk integriert werden können (wie es für jedes andere SN auch zutrifft, nur dass es Facebook am besten zu verstehen scheint). Ansonsten finde ich den Anstoß von Andreas alles Andere als schlecht, was das Thema twitter angeht. Zwar ist es weit von vom Mainstream entfernt und allerdings bezweifle ich, dass es ihn je erreichen wird. Sich jedoch mit dem Gedanken zu befassen, dass dies der Höhepunkt der Entwicklung sein kann, finde ich anstelle von blindem Optimismus sehr lobenswert. (Danke an Jan für den passenden Vergleich mit dem Truthahn). Neue Player bitte!

  • Daniel Niklaus

    19.03.09 (00:23:56)

    Mein Junior findet facebook absolut uncool. Dort sind nur alte Säcke zu finden. Er steht auf netlog... @andreas ja, die meisten sind hier wohl zu jung ;-)

  • steffen

    19.03.09 (02:54:03)

    statistisch gesehen besteht durchaus die wahrscheinlichkeit, dass facebook wie andere große player in ein paar jahren in der bedeutungslosigkeit versinkt. bei anderen social networks wie der vz-family halte ich das sogar für sehr wahrscheinlich. bei fb denke ich aber, dass die sich über einen langen zeitraum etablieren können. bei dem ganzen kommen und gehen von internet-unternehmen gibt es aber auch immer ein paar die bleiben. suchmaschinen sind gekommen und gegangen, eine ist mit google geblieben. andere beispiele sind amazon und bedingt noch yahoo und ebay. interessant sind die ursachen und hintergründe, warum einige wenige unternehmen es schaffen gigantisch zu bleiben und andere langsam verkümmern. das wichtigste kriterium, was meiner meinung nach den unterschied ausmacht, sind die besitzverhältnisse und die führungspersönlichkeiten. bei unternehmen wo es nur darum geht profit zu machen oder einen schnellen exit hinzulegen, ist die wahrscheinlichkeit groß langfristig zu scheitern. bei leuten wie mark zuckerberg, steve jobs, larry page, sergey brin oder auch bill gates, wo das geld "zweitrangig" ist, sind die chancen viel größer, sich langfristig zu etablieren. diese leute sind kreativ. die wollen etwas schaffen, erobern oder beherrschen. die lieben das spiel und die wollen gewinnen. die denken strategisch. die fühlen den puls ihres geschäfts. die probieren neue dinge und perfektionieren bestehende. diese leute sind wesentlich freier in ihren entscheidungen. als irgend ein ceo oder gf der nur noch verwaltet und viel zu weit weg von der materie ist. würde facebook morgen von einem medienkonzern übernommen und die bestehenden leute step by step rausgedrängt werden, wäre die wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass die von jemand neuem verdrängt werden. so aber glaube ich, dass fb für die nächsten 10 jahre das thema social network beherrschen wird. fb probiert viel aus, es entwickelt sich weiter, wenn was nicht funktioniert, schwamm drüber, dann wird was neues ausprobiert. ein bißchen was gutes bleibt immer.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (09:17:54)

    @Andreas @Jan Ich bezweifele natürlich nicht, dass es irgendwann wieder neue Ideen, neue Start-Ups, neue Player geben wird. Nur eben nicht in absehbarer Zeit. Ohne VC-Kapital werden auch - gute Ideen - die Garagen nicht verlassen. Und in Folge der "Finanzkrise" ist eben kein Geld zu bekommen. Ich halte die Situation auch nicht mit 1999 vergleichbar. Die nächste Generation von SN oder Apps wird vermutlich technisch aufwendiger. Allein ein PHP-Script zur Gründung eines Unternehmens, wie einst bei FB, wird da vermutlich nicht mehr reichen. Ansonsten: Ja, das Internet ist nicht fertig. Irgendwann - aber nicht so bald - gibt es etwas Neues und wir werden alle stauen. Aber das ist eine Binsenweisheit. @Steffen Den Hinweis auf die Unternehmerpersönlichkeiten finde ich super. Das ist ohnehin ein spannendes Thema - wie man jetzt bei MS oder Apple beobachten kann. Richtig ist auch, dass grosse Player wieder verschwinden können, bzw. massiv an Bedeutung verlieren können. Yahoo ist dafür ein gutes Beispiel. Erst fehlten neue Visionen, jetzt fehlen die kreativen Köpfe. Aber wenn das so ist, dann ist Google eher reif für den Niedergang als FB. @Ingesamt Klar, es ist schön, Early Adapter zu sein. Das gilt für Musik, Klamotten und eben auch SNs. Die Nase im Wind - ja, das ist schon geil, das wird das Ego aufgepumt. Und der Mainstream nervt. Verstehe ich ja alles... Geht/Ging mir auch so. Was mir im Moment nur nicht so wirklich klar ist: Was ist so übel an FB? Und welche Funktionalität, die andere SNs bereitstellen, soll FB bei Bedarf nicht abbilden, nachbauen können? Ich halte FB übrigens auch nicht für eine Kneipe, sondern eher für eine komplettes Vergnügungsviertel. Und FB-Connect für die real existierende Open-ID. Und der Mehrwert eines regionalen Netzwerkes ist mir auch unklar. FB ist bei mir und vielen anderen, die ich kenne, jetzt auch schon ziemlich regional. Und für Twitter-Fans: Twitter muss jetzt Geld verdienen. Mal sehen, wie das dann aussieht. Ob das dann noch so schick independent ist? Und @Fraenk Man kann die FB_Notifications auch abschalten... Es gibt nur eine Sache, die FB komplett vergeigt: Die deutsche Übersetzung ist grottig. Da hat die Weisheit der Vielen wohl nicht gereicht. Ein professioneller Übersetzer wäre schon nicht schlecht gewesen.

  • Max

    19.03.09 (09:36:44)

    Wo will Facebook eigentlich hin, Social Network (Toy) oder Online-ID (Tool)? Ersters vorstellbar, für zweiteres fehlt das Vertrauen vieler User - zurecht. Wenn auf Facebook irgendwo "löschen" steht, müsste es "nicht anzeigen" heißen. Mir ist unlängst durch einen Bug/Zufall aufgefallen, dass Facebook bei einem Adressbuch-Abgleich ALLES (auch Daten von Nicht-Facebookern) speichert und das monatelang nach Deaktivierung des Accounts. Wer außer Big Brother aus dem Verschwöhrungsgemüsegarten oder die Spam-Industrie interessieren sich dafür? Die negativen Meldungen häufen sich und neue Features sind schlecht geklaut. Mich freuts, denn ich hoffe sozialen Netzen der Zukunft wird man vertrauen können. PS: Wir als Kids Ende der 90iger waren auf angelfire.com registriert und jede Webseite, die heute den Facebook-Connect-Button einbaut hatte damals einen Chatroom :)

  • Martin Weigert

    19.03.09 (09:43:27)

    Mir kommt hier die Berücksichtigung von Netzwerkeffekten sowie der Lock-In-Effekt zu kurz - ich habe so gut wie alle meine Freunde und Bekannte bei Facebook. Ein Grund zum Wechsel gäbe es für mich nur, wenn dies alle anderen auch tun würden. Bei früheren Social Networks war dies weniger kompliziert, da die Kontakte eben aus einem Großteil Fremder bzw. "Onlinefreunden" und nur aus einer Handvoll echter Kontakte aus dem RL bestanden. Facebook hat eine Verbreitung erreicht, die den Lock-In-Effekt auf ein völlig neues Niveau bringt. Und je größer es wird, desto unwahrscheinlicher ist auch, dass plötzlich eine große Zahl an Menschen Facebook den Rücken kehrt. Dazu müsste schon einiges passieren, damit es dazu kommt. Ich glaube, Facebook wird zeitnah seine mobilen Apps mit GPS- und Location Awareness ausstatten und fortan auch den mobilen Social Networking-Bereich dominieren - und damit seine Dominanz auf lange Sicht zementieren.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (10:18:43)

    @Max Vorweg: Ich stehe nicht auf der Gehaltsliste von FB. (Leider! ;)) FB speichert bei einem Adresbucbabgleich Daten? Selbst von Nicht-FB-Usern... Wahrscheinlich. Aber das machen Hotmail usw. nicht anders... Zur Vertrauensfrage: Kannst Du dir denn überhaupt eine Firma oder irgendeine staatliche oder nicht-staatliche Organisation vorstellen, der Du - oder die vielen anderen User - vertrauen würdest? Die auch genug PS auf die Strasse bringt, um ein derartiges Projekt zu wuppen und trotzdem über jeden Zweifel erhaben ist? Was die Häufung der negativen Meldungen angeht, gehe ich davon aus, dass Du die geplante FB-TOS-Änderung meinst? Und hier bin ich mir ziemlich sicher, dass die meisten Leute nicht verstanden haben, um was es denn dabei überhaupt geht - weil sie weder die alte, noch die neue TOS gelesen gelesen haben oder weil den - auch - technischen Hintergrund nicht verstehen. Jedenfalls sind die FB-Gruppen, die sich konstruktiv mit diesen Themen beschäftigen, recht übersichtlich im vergleich zu den 5-Mio-Protestgruppen. ("Facebook Bill of Rights and Responsibilities", "Facebook Town Hall: Proposed Facebook Principles") Und was den Datenschutz angeht, so wird das in einer SN-Welt eher eine Frage des eigenen Mitteilungsbedürfnisses werden... http://bhc3.wordpress.com/2009/03/17/how-to-tweet-your-way-out-of-a-job/

  • Stefan

    19.03.09 (10:46:13)

    Endlich mal ein Artikel, der FB und Twitter nicht gedankenlos in den Himmel lobt! Ich gehöre zu der Generation, die sich anno 1996 in Geocities ausgetobt hat. Und was wurden seither nicht für Unternehmen für quasi unsterblich erklärt: Altavista, Yahoo oder MySpace. Ich habe keine Ahnung, was die Zuknuft für FB und Twitter bringen mag. Ich weiß nur, dass nicht jede Spielerei, die FB raushaut, soo großartig und soo unverzichtbar ist, wie das vielfach - leider auch hier auf Netzwertig - oft genug getan wird. Und jetzt gibt's schon Analysten, die Facebook und Twitter zu Google-Killern erklären. Muss man schon auf die 40 zugehen, um diesen Wahnsinn als Wahnsinn zu erkennen?

  • Sebastian

    19.03.09 (11:24:01)

    Es ist sicher Absicht, aber da sind drei Os im Titel bei Faceboook. Dennoch oder grad deswegen ein gelungener Artikel, vor allem der Absatz: Social Networks haben den Charakter von Cafés, Restaurants, Clubs oder ähnlicher zum sozialen Austausch geeigneter Infrastruktur. Solche Etablissements sind meistens für eine gewisse Zeit hip, da neu und frisch, verlieren aber fast immer nach einiger Zeit die Gunst des Publikums. Wenn der Laden am vollsten und die Warteschlange am längsten ist, weiss man: der Abstieg ist nur eine Frage der Zeit, weil der hippste Teil des Publikums sich vom Mainstream-Pöbel gestört fühlt und weiterzieht. Und wenig später folgt die Masse nach.

  • Reto Hartinger

    19.03.09 (11:44:54)

    So ist habe jetzt ca die Hälfte der Kommentare gelesen. Allen ist gemein, dass sie die Vergangenheit und die Gegenwart einschätzen und daraus keine Gefährdung für die Zukunft sehen. Ja liebe Leute, es ist immer so dass man sich die Zukunft nicht vorstellen kann. Erst wenn sie da ist finden sich dann die logischen Begründungen für den Untergang von Facebook wie sie sich für Geocities und Konsorten finden liessen. Wenn mich das Internet etwas gelernt hat, nein sagen wir die gesamte Informatik, dann ist es, dass nur der Wandel bestand hat. Es gab Zeiten da wurde Programme wie Synphony oder Framework gehypt und haben alles andere in den Schatten gestellt um selber wieder zu verschwinden. Erst Microsoft konnte mit Office erfolgreich jegliche weitere Innovation abtöten. Seither gibt es keine Softwareinnovation mehr. Ich glaube kaum, dass Facebook diese Kraft hat. Office war im Ausschalten von Konkurrenten nur deshalb erfolgreich, weil man einfach das Programm gratis ins Office gekackt hat und so dem Konkurrenten über kurz oder lang den Schnauf genommen hat. Sie das allmächtige dBase gegenüber dem völlig unverkäuflichen Access. Facebook ist aber gratis und sein nächster Konkurrent wird dies auch sein. Eine Site die sich nicht wandelt stirbt. Facebook hat mit dem Redesign keinen Schritt nach vorne gemacht sondern nur versucht die Konkurrenz zu imitieren. Langfristig eine Schwache Strategie. Wie aber wird der Facebook-Killer aussehen. In der Reduktion der Komplexität und der Features wahrscheinlich. Es ist paradox, Facebook muss unbedingt neue Features einbauen und genau das wird sein Schicksal auch wieder besiegeln, einfach etwas später. Seit ich twittere, benutze ich Facebook kaum mehr. Und die vielen unsinnigen Gruppeneinladungen pervertieren das durchaus gute Feature total. Auch twitter ist nicht unersetzlich.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (12:16:07)

    @Reto Hartinger "Eine Site die sich nicht wandelt stirbt." Das stimmt. Aber regen sich FB-User nicht gerade über den Wandel derzeit auf? Hm. Ich glaube, das läuft hier auch gerade etwas aus dem Ruder... Die Frage war doch, ob FB und Twitter bereits jetzt - also: jetzt - ihren Peak erreicht haben und nicht, ob es FB oder Twitter in fünf oder zehn Jahren noch gibt.. Und klar, es geht immer weiter. Innovationen werden folgen. Ich schreibe meine Texte ja auch nicht mehr mit Wordperfekt, sondern mit WriteRoom! ;)

  • Fragezeichner

    19.03.09 (12:25:24)

    Ich halte Andreas Argumente ebenfalls für stichhaltig. Soziale Netzwerke sind dynamisch. Das führt bei Facebook oder Twitter dann zu einer ständigen Zunahme von Kontakten (weil es gewaltigen Aufwand bedeutet, dauern auszumisten) und ab einer gewissen Zahl von Kontakten zu einem grossen Rauschen. Die Teilnehmer sind zudem nicht sonderlich treu. Fast alle Bekannte, die ich kenne, die bei Facebook eingeschrieben sind, machen das mal mit, weil sie eingeladen wurden und weil es lustig ist, alte Bekannte zu finden. Ja und dann?

  • Max

    19.03.09 (12:40:40)

    @André Der Unterschied zu Hotmail oder Gmail ist, das ich auf diese Daten selbst jederzeit zugreifen kann, es wenigstens einen Nutzen für mich hat. Und Facebook sollte es erlauben einen Account zu löschen, die blosse Möglichkeit einer Deaktivierung ist im besten Fall erzwungene Kundenbindung aus der untersten Marketing-Schublade. Meiner Erfahrung nach nimmt Facebook viel und gibt wenig. Wenn es etwas wie Karma gibt, ist Facebook in 2-3 Jahren wieder ein Campus-Projekt.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (12:45:57)

    @Fragezeichner Also irgendwie scheine ich ein anderes FB oder Twitter zu nutzen. Bei mir gibt es keine ständige Zunahme von Kontakten, die zwangsläufig - automatisch - zu einem grossen Rauschen führt. Bei meinem FB muss ich Kontakte bestätigen und bei meinem Twitter entscheide ich, wem ich folge. Vielleicht muss man sich da auch selbst regulieren? Da ständiger Umzug mit Sack und Pack (Daten) in ein neues SN scheint mir da irgendwie der falsche Weg. Auch über mangelnde Treue kann ich mich bei FB und Twitter nicht beschweren. Ich hatte Beziehungen zu Frauen, die wesentlich kürzer waren.

  • Dorin Popa

    19.03.09 (12:53:39)

    Wann ist denn Friendster bitteschön „verblichen“? Es ist immer noch online, und sein drastischer Bedeutungsverlust ist meines Erachtens keineswegs neuen, besseren Konkurrenzangeboten geschuldet. Frienster ist lange vor dem Aufstieg von Facebook & Co – zumindest für mich auf Europa und die US fixierten – in die Bedeutungslosigkeit verschwunden, weil es plötzlich in Südostasien (Indonesien, Philippinen) so erfolgreich war und man einerseits von Spamangeboten aus der Gegen überflutet wurde und das soziale Netzwerk sein Zentrum plötzlich ganz woanders entfaltete.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (13:09:05)

    @Max Diese Acountlöschungdatenbehalterdiskussion ist irgendwie... Hast Du dich schon mal darüber beschwert, dass ich deine Mails (Content/Daten) einfach "behalte", auch wenn Du sie mir von deinem mittlerweile nicht mehr existierenden GMXHotGMail-Account geschickt hast? Und auf diese versandte Mail - jetzt dann in meinem Postfach, und meine Daten - kannst du auch nicht mehr zugreifen... Ich denke, nein. Im Prinzip geht es genau darum auch bei versuchten TOS-Änderung, die ja dann sogar noch zurückgenommen worden ist. Und wo da überhaupt eine Form von Marketing oder Kundenbindung drin steckt, ist mir auch nicht recht klar. Wenn Du deinen Account bei FB nicht mehr nutzt, hast du - und deine Daten - für FB keinenlei Wert mehr, weil man dir keine Werbung mehr zeigen kann. Ich glaube, FB sucht da eher einen Weg sich selbst rechtlich abzusichern.

  • Andreas Göldi

    19.03.09 (14:39:05)

    @Steffen: Natürlich sind Unternehmerpersönlichkeiten mitentscheidend für den langfristigen Erfolg. Aber es gibt noch viele andere Einflussfaktoren. Du vergisst insbesondere die Rolle der Investoren. Bei Microsoft, Apple und Google spielten die VCs eine nur untergeordnete Rolle und hatten nie einen sehr grossen Einfluss. Somit blieb die Kontrolle weitgehend bei den langfristig denkenen Gründern. Das ist bei Facebook und Twitter jetzt schon anders: Bei beiden Unternehmen kann man von den bekannten Daten her ausgehen (genaue öffentliche Angaben gibt es nicht), dass die deutliche Mehrheit der Firmen bereits den VCs gehört. Das ist zunächst mal nicht schlecht für die Finanzkraft. Aber der Geduldsfaden von VCs ist genau so lang wie die Laufzeit ihrer Fonds, und daher werden diese Investoren mit Sicherheit in spätestens 2-3 Jahren sehr, sehr nervös werden. Und nervöse Investoren neigen zu allerlei langfristig dummen Verhaltensweisen. Das hat schon viele Startups gekillt. Da den Gründern nicht mehr die Mehrheit gehört, haben sie dazu leider nicht viel zu sagen. Diese Twitter-Nachahmerei bei Facebook ist meiner Meinung nach jetzt schon ein Zeichen für solche von Investoren getriebene Fehlentscheidungen. Die rennen nämlich immer jeder Modewelle nach.

  • Christina

    19.03.09 (14:47:21)

    "Twitter wächst wie verrückt und ist definitiv im Mainsteam angekommen." Journalistisch sehr wirksam, da kontroverser Aufhänger. Doch was ist der Mainstream? Wer ist da drin? Otto Normalbürger wohl kaum, dafür hat Twitter (und das gleiche gilt für Facebook) wohl kaum genügend deutsche Mitglieder und Nutzer. In anderen Märkten liegen wieder andere Netzwerke vorne, wohl (noch) eine Länder-spezifische Angelegenheit. Nicht nach dem "wann" sondern dem "wo" FB und Twitter bereits gepeakt haben, sollte gefragt werden. Und ob/wann es die beiden in good old Germany schaffen, den alteingesessenen Netzwerken den Rang abzulaufen.

  • Fragezeichner

    19.03.09 (14:52:31)

    @André, warten wir's ab. Ich habe jedenfalls noch keine Community erlebt, die ab einer gewissen Grösse noch einen Nutzen gebracht hat. Das Leben ändert sich, die Freunde ändern sich, die Interessen ändern sich, die sozialen Netzwerke ändern sich - das Leben ist dynamischer als Facebook (oder alle Vorgänger und Nachfolger) es jemals wird sein können. Die nächste Generation von Internet-Nutzern wird sich ein anderes Tool suchen, allein schon deshalb, um nicht das gleiche zu benutzen wie die Tante oder der grosse Bruder.

  • Martin Weigert

    19.03.09 (16:37:26)

    Aber genau darin liegt doch der Vorteil - ein Netzwerk zu haben, in dem auch die Tante und die Großmutter ist. Facebook hat diesen Status in einigen Ländern (wie hier in Schweden) bereits erreicht. Ich glaube, hier wird der Drang nach Neuem etwas überschätzt. Natürlich wollen User Innovationen, probieren Neues aus, und natürlich versuchen Teenager und gewisse Subkulturen, sich vom Rest abzuheben. Ein Netzwerk zu haben, dass jedoch die Kommunikation mit sämtlichen Kontaktgruppen ermöglicht, ist jedoch in den Augen der meisten etwas sehr Erstrebenswertes (nachdem sie sich einmal an diesen Zustand gewöhnt haben). Wir erleben gerade eine grundlegende Veränderung der Kommunikation, in der ein Social Network (Facebook in diesem Fall) eine immer entscheidendere Rolle spielt. Das erkennt man allerdings nicht, wenn man die Entwicklung unter IT-Gesichtspunkten betrachtet und Vergleiche mit irgendwelchen alten Tools heranzieht, die nicht mal annähernd die Bedeutung für eine große Zahl von Menschen erreicht haben, wie es bei Facebook der Fall ist. P.S. Vergessen wir nicht, dass Facebook in Deutschland noch weit entfernt von der Verbreitung ist, die es in anderen Ländern hat. Dies gilt es zu beachten, wenn man sich aus einer deutschen Perspektive mit dem Thema Facebook beschäftigt.

  • Detlef Meyer

    19.03.09 (16:42:09)

    Ich kann mit diesen Aussagen in allen wesetlichen Punkten mitgehen. Der technische Druck ist gerade im Bereich der IT und des Internets so gross, das es keine Lösung für immer geben wird. Wann der Zeitpunkt der Ablösung von FB und Twitter gekommen ist gehört zu den Dingen, für die jeder VC mit sehr beachtlichen Summen zahlen würde. Ich weiss es nicht und auch A. weiss es nicht. Man sollte FB und Twitter auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit zubilligen, die ich hier bei einigen Kommentatoren vermisse. Bisher hat das FB-Management noch immer die Kurve gekriegt. Aber wenn FB oder Twitter überleben, dann eben nicht so, wie sie jetzt sind. Ich persönlich kann mich sehr gut erinnern, das ich Twitter letztes Jahr im Sommer noch für Spielzeug hielt. Heute kann ich nur staunen, wie gerade in der Sphäre des Kontinente übergreifenden schnellen Gedanken- und Informationsaustausches Twitter für mich eine sehr große Rolle spielt. OK, der Gedanke des virtuellen Dorfes liegt mir auch sehr nahe, aber mein "Dorf" ist nicht geographisch lokal, sondern reicht einmal um die ganze Welt. Niemals vorher hatte ich die Möglichkeit so unmittelbar an dem Denken meiner Kollegen teilzuhaben. Irgendwann gehen FB und Twitter den Weg aller Neuerungen, dafür kommt dann etwas besseres für das sie den Weg geebnet haben. Die einzige Konstante ist der Mensch mit seinen grundlegenden Interessen, Wünschen und "Macken".

  • Patrick Stähler

    19.03.09 (16:54:15)

    Klasse Diskussion! Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin seit 2 Jahren auf facebook und habe ein Weilchen gebraucht, um damit so richtig warm zu werden. Ein Jahr war ich dann extrem aktiv, war jeden Tag auf facebook und habe mich gefreut, alte Bekannte wieder zu treffen; so meine Schulkameraden aus Amerika. Spannend, am Anfang. Obwohl ich eher selektiv bei facebook vorgegangen bin (habe über 20 Einladungen abgelehnt) und nur(!) 81 Freunde habe, fühle ich, dass diese Welt doch sehr unergiebig ist, weil eben viele wirkliche Freunde fehlen, da sie anderes zu tun haben (z.B. Familie) und es mich nach dem 15x mal doch nicht mehr interessiert, was Dave in den USA macht. Bin ich altmodisch? Oder doch eher ganz normal. Jetzt mal weg von meinem persönlichen Empfinden. Everett Rogers definiert fünf Phasen für eine erfolgreiche Annahme (Adoption) einer Innovation. Die letzte Phase ist die Bestätigungsphase, d.h. hier prüft der Konsument, ob er auch langfristig das Neue nutzen will oder ob er wieder aussteigt. Wer diese Phase übersteht, dessen Innovation hat sich dann langfristig durchgesetzt. Wenn er es nicht schafft, dann war die Innovation eben nur eine kurzfristige Mode. Facebook steht genau an dieser Stelle. Entscheidend ist nicht, ob der Mainstream mitmacht, sondern ob facebook auch wirklich langfristig genutzt wird oder ob die Neugier über die Zeit abnimmt und somit auch die Nutzung.

  • Jan

    19.03.09 (17:11:15)

    @Martin Weigert: Im Internet ist nix zementiert. Wie der Lock-In-Effekt durch andere Anbieter aufgelöst werden kann? Durch offene Standards. :) Mag sein, dass meine Einschätzung vor allem von meinen Wunschvorstellungen geleitet ist, aber ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass es trotz allem Sträubens der Diensteanbieter letzten Endes auf eine offene Infrastruktur und ein vielfältiges Angebot von kleineren und größeren spezialisierten Plattformen hinauslaufen wird. Die Struktur des Netzes begünstigt solche Entwicklungen langfristig einfach. Klar ist für mich – aber da besteht wohl ohnehin weitgehend Konsens –, dass soziale Dienste keine Modeerscheinung sind, sondern das letzte fehlende Bindeglied im technisch-evolutionären Prozess hin zur umfassenden semantischen Vernetzung des Internets implementieren. Die Vernetzung auf technischer Ebene mag dem Internet von Anfang an immanent gewesen sein, und das World Wide Web wurde in Weiser Voraussicht von Beginn an mit dem elementaren, universellen Mechanismus zur inhaltlichen Verknüpfung - dem Hyperlink - ausgestattet. Doch die inhaltliche Vernetzung des Internets liegt noch immer weit hinter den Möglichkeiten zurück. Andernfalls bräuchten wir nicht Googles grobschlächtigen Algorithmus auf Basis einer Volltextsuche als Behelfslösung.* Auf dem Weg zur umfassenden semantischen, geographischen und eben sozialen Vernetzung aller Inhalte befinden wir uns höchstens auf halber Strecke. Sozialen Diensten gehört also die Zukunft. Meiner Meinung nach allerdings nicht allein in Form spezifischer, propietärer Dienste, sondern als grundlegender Bestandteil schlichtweg jeder ausgewachsenen Internet-Anwendung. Von Angeboten mit einem Schwerpunkt auf Kommunikation, über Onlinehändler, publizistische Angebote, et cetera. Web Services mit weitreichenden, strukturierten Zugriffsmöglichkeiten auf die Inhalte werden für Internetdienste in naher Zukunft so selbstverständlich vorausgesetzt werden wie die USB-Schnittstelle am Rechner. Und über kurz oder lang werden sich für verschiedene Anwendungsfälle entsprechende vereinheitlichte Protokolle durchsetzen, unter Anderem eben auch für die eigene Identität und persönliche Kontakte. Ich rede also nicht von Zeugs wie OpenSocial, sondern von dem, was Cem Basman „Seamless Social Networking“ nennt. Auf dem Weg zu diesem Seamless Social Networking gilt es natürlich noch einige Hürden zu überwinden. Die Vorbehalte auf Anbieterseite, die auf einer angesichts der im Internet kaum vorhanden Nutzerbindung unsinnigen Vorstellung beruht, die Daten des eigenen Nutzerstammes müssten zwecks Monetarisierung (in welcher Form auch immer diese erfolgt) im Tresor gelagert werden, bis sie verschimmeln, werden sich - da bin ich optimistisch - irgendwann von selbst erledigen. Und zwar auf der Nachfrageseite. Ebenso ausgeklügelt wie ein entsprechendes anbieterübergreifendes Protokoll müssten auch die Möglichkeiten zur Feinjustierung der Datenschutz-Einstellungen durch den Nutzer sein. Mehr noch: Ein solches Protokoll sollte entsprechende, weitreichende Kontrollmechanismen für den Nutzer von Grund auf selbst implementieren. Kleiner Einschub zum Stichwort Datenschutz, auch wenn das etwas vom Kernthema wegführt: Die Politik sollte – statt sich in kulturpessimistischen, argumentativ verkürzten, reaktionären, ignoranten, scheinheiligen, selbstgerechten, kontrollwahnsinnigen Böse-Medien-Debatten zu profilieren – über die dringend nötige Reformierung des Datenschutzes zu reden. Denn es braucht schon halbwegs realitätsnahe und präzise Vorschriften, um ein regulierendes Gegengewicht zu den Interessen der Diensteanbieter und Vermarkter zu schaffen. Und statt die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern zu schwächen, sollte man ihnen vergleichbare Möglichkeiten wie einem Staatsanwalt geben. Wer jetzt fragt, wo in einem solchen offenen Biotop sozialer Dienste mit rundherum durchlässigen Inhalts- und Nutzungsgrenzen am Ende das Geld herkommen soll, dem antworte ich: Viele unterschiedliche spezialisierte Dienste und Communities schaffen mehr Werte als einige Massencommunities ohne echte Unterscheidungsmerkmale. Ein Teenie-Netzwerk kann doch wunderbar mit einem Netzwerk für Tischlerlehrlinge, einer Videocommunity für Kurzfilme mit kreativem Anspruch und einem Microblogging-Dienst koexistieren, selbst wenn ein und derselbe Nutzer auf allen vier Plattformen vertreten ist und dabei ein Grundstock an persönlichen Daten geteilt wird. Mehr noch: Die spezialisierten Angebote können sich wesentlich besser auf die Ausdifferenzierung durch thematisch oder zielgruppenspezifisch ausgerichteten Zusatzfunktionen, redaktionelle Komplementärinhalte und ein zielgruppenspezifisches Community Management konzentrieren. Das schafft schärfer konturierte und damit vermarktungstechnisch wertvollere Zielgruppen. Solche vergleichsweise kleineren, spezialisierten Dienste müssen daher durchaus nicht nur für unabhängige Anbieter ökonomisch und strategisch interessant sein. Und... – by the way: In einer solchen Community mit sorgfältig gepflegter Zielgruppe ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass die Gemeinschaft nicht vom „Mainstream-Pöbel“ überrannt wird, sondern sich untereinander für das hippste überhaupt hält. ;) * Das ist natürlich ziemlich verkürzt. Google versucht ja wo es nur geht, Metadaten aus dem Inhaltsbrei zu fischen, bezieht über Umwege auch für seine Suche den sozialen Faktor mit ein und forciert als gewichtiger Player semantisches Markup und die Standardisierung von Web Services.

  • André Friedrichs

    19.03.09 (21:43:32)

    @Fragezeichner Ich glaube, dass SNs in der breiten Masse anders gesehen werden. Hier gibt es diese Innovationslust ganz einfach nicht. Und Veränderung als Selbstzweck löst hier eher Unmut aus. Nee, da braucht es schon einen erheblichen Mehrwert. Dort wo genau soll der liegen? Ich pflichte also dem Martin bei. @Detlef und Jan Ja, es werden weitere Innovationen folgen. Detlef hat sicher recht, wenn er darauf hinweist, dass Twitter und FB auch nicht statisch sind, sich wohl weiterentwickeln werden. Jans Ausblicke in die Zukunft sind alle schön, gut und im Wesentlichen wohl auch richtig, aber eben nicht zeitnah relevant. All das wird schlichtweg nicht in absehbarer Zukunft, in den nächsten 24 Monaten passieren. Der Weg zum semantischen Web ist noch verdammt lang. Twitter wird jetzt Geld machen müssen, nachdem die 35 Mios geflossen sind, und so vielleicht seine Identität einbüssen und ist vielleicht auch bereits gepeakt. Facebook wird aber erst mal weiter wachsen. Aktuell insbesondere dank FB-Connect und einer nicht so dummen Mannschaft. Der Peak ist ganz sicher noch nicht erreicht. Gefühlt wächst FB gerade in Deutschland rasant. Insgesamt kann ich dem Artikel also nicht zustimmen. Aber es immer gut, wenn man im Fall von FB sehr frühzeitig als mahnender Rufer in der Wüste auftritt, denn irgendwann wird man damit dann am Ende bestimmt Recht behalten.

  • Monika Birkner

    19.03.09 (21:52:00)

    Zu beiden Themen bin ich gerade dabei, eigene Erfahrungen zu sammeln, so dass es noch zu früh ist, eine Stellungnahme abzugeben. Dass Twitter schon im Mainstream angekommen sei, kann ich allerdings nicht teilen. Dazu gibt es nun doch noch zu viele Menschen, die noch nie etwas von Twitter gehört haben. Wenn man sich in einer bestimmten sozialen Gruppe bewegt, übersieht man leicht, dass es noch viele andere gibt, deren Realität ganz anders aussieht. Mir selbst ging das vor einigen Monaten so, als ich eine Umfrage zu Telefonseminaren durchführte und entdeckte, dass einige der Befragten mit dem Begriff gar nichts anfangen konnten, während es für mich sozusagen "täglich Brot" ist, mich damit zu befassen. Das war eine lehrreiche Erfahrung für mich.

  • Max

    20.03.09 (00:35:35)

    @André Wenn Du deinen Account bei FB nicht mehr nutzt, hast du - und deine Daten - für FB keinenlei Wert mehr, weil man dir keine Werbung mehr zeigen kann. Wenn dem so ist, stünde einer Löschung ja nichts im Wege. Die Daten haben einen Wert, besonders in Summe von allen Nutzern. Ob und wofür diese Datensammlung in Zukunft verwendet wird, darüber kann vorerst nur spekuliert werden.

  • André Friedrichs

    20.03.09 (09:59:29)

    @Max Über welche Daten reden wir eigentlich? Wenn du deine Kontaktdaten meinst, dann ist es recht normal, diese aufzubewahren. Wenn Du deine Statusmeldungen, Bilder, dein Profil etc meinst, dann hast Du Recht, diese könnten gelöscht werden. FB ging es aber in erster Linie um die Daten, die in der Inbox deiner Kontakte gelandet sind. Diese sollten nicht einfach gelöscht werden, weil immer mehr, insbesondere jüngere User ihre Messagefunktion innerhalb von SN anstelle von Mails nutzen. Die E-Mail stirbt langsam aus. Und genausowenig wie die Löschung eines Mail-Accounts zur Löschung der versandten Mails beim Empfänger führt, so soll die Löschung eines FB-Accounts eigentlich auch nicht zur Löschung der Messages in einer FB-Inbox führen. Das war der eigentliche Hintergrund der versuchten TOS-Änderung. Es ging also um Rechtssicherheit, nicht um Copyrights etc. Ob man das so will, ob der Weg über die TOS so, in dieser Form, richtig war, ist sicher Grund für Diskussion, aber nicht für einen Big-Brother-Reflex. Dieser Diskussion stellt sich FB aber. Nur nehmen daran ziemlich wenig Leute teil. Denn, wie immer, ist es bequemer einfacher etwas abzulehnen als sich - auch noch nervig basisdemokratisch - mit Lösungen rumzuschlagen.

  • Bruno

    20.03.09 (15:09:09)

    Wirklich interessante Diskussion. Ich teile die Einschätzung von Andreas Göldi. In aller Kürze: FB und Co. sind Datensammel-Gefässe. Solche zentralistisch organisierte Networks sind mir unheimlich und ich denke auch, dass irgendwann jedes dieser Networks den Zenit überschreitet. Aus verschiedenen Gründen. Irgendwann stossen immer mehr "Freunde" dazu, die man nicht kennt oder die aus der Vergangenheit stammen - das führt irgendwann zu einer Abstossungsreaktion, weil der Mensch nun mal in der Gegenwart lebt und Augen und Ohren hat. Ich finde dezentrale lokale Networks viel interessanter (gibts sowas schon?), gesteuert von einem Stück Hardware, das dann auch gleich die Daten speichert. Das beste soziale Network ist dasjenige, das voll unter meiner Kontrolle steht.

  • Jan

    20.03.09 (16:05:29)

    @Bruno: Das von mir schon angesprochene Konzept des „Seamless Social Networking“ durch offene Schnittstellen und vereinheitlichte Protokolle geht ja auch in Richtung Dezentralität. Dazu Bedarf es ja aber nicht, dass jeder einzelne Benutzer auch die technische Verantwortung für die Sicherung und Bereitstellung seine eigenen Daten übernimmt. Auch wenn es eine sehr interessante Vorstellung wäre, die eigenen Daten beispielsweise auf einem persönlichen, auch physisch unter der eigenen Kontrolle stehenden Microwebserver auf dem Smartphone zu haben, so ist ein solches Szenario IMO allein schon aufgrund der Schwierigkeiten in Bezug auf Verlässlichkeit und Verfügbarkeit ziemlich unrealistisch. Aber allein schon eine Dezentralität durch freie Wahl des Identitätsanbieters (mit OpenID und Co. geht es ja schon in die richtige Richtung) und auch sonst verteilte, nicht zentralisierte persönliche Daten, die der Nutzer aber unter Beibehaltung der vollständigen Kontrolle über fein granulierte Privacy-Optionen nach eigenen Wünschen verknüpfen und portieren darf, wäre ein großer Fortschritt.

  • Max

    20.03.09 (17:00:23)

    @André Über welche Daten reden wir eigentlich? Na über alle, es werden ja alle gespeichert, auch Daten die Du nicht bewußt hergibts, die weder Du oder Deine Freunde jemals sehen werden zb. Logs wie oft Du auf welche Profile klickst. Nebenbei: Datenschutz ist nicht mein größter Vorbehalt gegen Facebook. Mehr noch muss ich den vielzitierten "Walled Garden" bemängeln. Für Facebook ein zweischneidiges Schwert. Öffnet man sich den Standards, verringert man die "Kundenbindung", verschließt man sich den Innovationen, verärgert man die Geeks. Meiner Meinung nach kann Facebook nach dem Hype in dieser Frage nur verlieren... Die E-Mail stirbt langsam aus. Ähm, kann man einen Facebook-Acount ohne Email eröffnen? :) Denn, wie immer, ist es bequemer einfacher etwas abzulehnen als sich - auch noch nervig basisdemokratisch - mit Lösungen rumzuschlagen. Herr Zuckerberg wirds verkraften: auf mich kann er nicht zählen. Ich bin ja kein Aktionär, wozu unbezahlt ein Privatunternehmen basisdemokratisch unterstüzen? Für gemeinnützige Open Source Projekte trage ich lieber was dazu bei.

  • Bruno

    20.03.09 (17:24:43)

    @Jan: Genau. Denke, das geht in die richtige Richtung. Wobei ich den Gedanken, selbst das Netzwerk zu sein, interessant finde. Brauchts womöglich gar keine Firma à la FB, sondern nur einen riesigen Haufen an Metadaten, generiert aus Millionen von lokal und physisch begrenzten Ameisenhaufen?

  • André Friedrichs

    20.03.09 (20:46:02)

    @Bruno Du hast Recht: Irgendwann überschreitet wömöglich jedes dieser Networks seinen Zenit. Aber die Frage war doch, on das im Fall von FB und Twitter jetzt, 03/09, der Fall ist, oder? Und das Dazustossen von Freunden ist ja wohl ziemlich plattformunabhängig. Wer bei MySpace, FB oder Twitter seine Kontakte nicht selber einschränken kann, wird dies wohl auch in keinem anderen SN können. @Jan „Seamless Social Networking“ - finde ich auch super, aber da wird noch viel Zeit ins Land ziehen, bis wir das sehen. Jetzt ist erst mal Slowmo angesagt. http://www.techcrunch.com/2008/10/02/no-exits-liquidity-dries-up-even-more-for-vc-backed-startups-in-third-quarter/

  • Jan

    20.03.09 (21:26:21)

    @André: Stimmt, die Entwicklung hin zu weitgehend offenen Schnittstellen und einer Abkehr vom Prinzip des User-Einpferchens wird wohl schon noch eher ein paar Jahre als Monate in Anspruch nehmen. Und: Klar, die Zeiten fürs Eintreiben von Risikokapital sind wohl im Augenblick nicht die besten - wen wundert's. Aber Krisen bereinigen ja nicht nur den Markt, sondern ebenen auch den Weg für Innovationen, die es vormals schwer hatten sich durchzusetzen... Kurzfristig ist also in der Branche vielleicht eher Pessimismus angesagt. Aber langfristig bleibt die Entwicklung mit Sicherheit spannend.

  • RH

    21.03.09 (09:54:35)

    Früher (1995) waren Yahoo und ICQ der Mainstream. Hätte damals nicht geglaubt, dass ein anderer Suchdienst Yahoo verdrängt oder ICQ ersetzt. Daher teile ich Andreas Meinung!

  • Bruno

    21.03.09 (10:34:19)

    @André: Ja. Heute sind wir noch in der Boom-Phase, denk ich. Doch erste Ermüdungserscheinungen zeigen sich. Natürlich kann man seine Kontakte einschränken, doch das ist für den Gesundheitszustand des sozialen Netzwerks nicht relevant. Entscheidend ist der zunehmende Gedankenvandalismus und der Missbrauch der Grundidee. Ich kann nicht glauben, dass jemand 2000 FB-Freunde persönlich kennt oder jemals persönlich getroffen hat. Ich denke, dass soziale Netzwerke ein Zerfallsdatum haben, das ist systemimmanent, weil sich das Individuum in eine virtuelle Masse begibt und deren Sprache/Regeln/Gesetze übernimmt. Das geht nur eine Zeit lang gut. Das perfekte Netzwerk sollte aber vom Individuum selbst gebildet werden. Das bedeutet wohl: Es gibt keinen Businesscase für ein bestimmtes Unternehmen. Sondern ein noch unscharfes neues politisches und wirtschaftliches System, das keine festen Grenzen, klar definierte Distributions-, Konsumations- und Kommunikationswege mehr hat. Der Mensch braucht Tools, mit denen er sich sein eigenes virtuelles Leben, seinen eigenen Kapitalismus erschaffen kann.

  • André Friedrichs

    21.03.09 (12:21:53)

    @RH Ja, auch Rom ist untergegangen. Aber wir fragen uns hier, ob Twitter und FB bereits "gepeakt" (<- Superwort!) haben. Und das sehe ich, besonders im Fall von FB, noch nicht. Was nicht bedeutet, dass FB nicht auch irgendwann in den nächsten jahren untergehen wird. So wie das Abendland insgesamt. @Jan Ja, es bleibt spannend. Und in fünf Jahren wird das Netz anders aussehen. Es geht voran. Aber langsam. Man darf die Krise, fehlendes Geld und Entwickler in der Garage vielleicht auch nicht zu romantisch sehen. Auch gute Leute müssen ihre Miete zahlen usw. @Bruno Ich sehe das - mal wieder - etwas anders. Die Boomphase ist vorbei. Und die Ermüdungserscheinungen betreffen eher die Anzahl der SNs. Die SN-User lassen sich langsam nieder. Natürlich hat niemand 2000 FB-Freunde, die er persönlich kennt oder jemals persönlich getroffen hat. Ich glaube, dass dieses Freunde-Highscoring auch bald wieder verschwindet. #TweepMe hat für mich jedenfalls gezeigt, dass man sich damit nur noch der Lächerlichkeit preis gibt. SNs und deren Nutzer werden erwachsener. http://blog.nielsen.com/nielsenwire/nielsen-news/social-networking-new-global-footprint/ Netzwerke zwischen Menschen haben natürlich ihr Verfallsdatum. Keine Frage. Deswegen haben es meiner Meinung nach ja auch SNs schwer, die sich eher thematisch aufstellen - wie z.B. MySpace. FB macht das schon etwas schlauer. Die Gruppen und die neuen Pages und die Filterfunktion (ja, geklaut von Tweetdeck) auf der Homepage machen FB recht flexibel. Weshalb ich FB mittlerweile eher als Netzwerk-Baukasten sehe. Insgesamt glaube ich, dass du die Individualität des Menschen masslos überschätzt. Aber das ist Zeitgeist. Was deinen Wunsch nach einem neuen Wirtschaftsystem angeht, so sehe ich gute Chancen, dass sich da bald etwas bewegt. Weg vom Geld, hin zur Tauschwirtschaft! :) @Insgesamt Bevor es jemand anders macht: FB ist unsicher - so, wie eigentlich alles... :) http://www.techcrunch.com/2009/03/20/facebook-bug-reveals-private-photos-wall-posts/

  • Mark S

    22.03.09 (14:37:34)

    Wie schön, ich bin nicht der Einzige, der sich noch an Tripod erinnern kann. ;-) Wäre ich 20 Jahre jünger, hätte ich heute vermutlich eine MySpace- oder Facebook-Seite. Und wenn diese Dienste eines Tages verschwinden werden, würde ich ihnen vermutlich keine Träne nachweinen - so, wie ich auch meine damalige Tripod-Homepage schon nach sehr kurzer Zeit nicht mehr aktualisierte und sie nicht vermisste. Danke, dass auf netzwertig.com auch noch ab und zu in die Web-Luftblasen gepiekst wird. Das unreflektierte Hochjubeln solcher Projekte an dieser Stelle geht mir seit längerem auf den Geist.

  • RH

    22.03.09 (23:34:53)

    Für Twitter sehe ich keine Mainstreamtauglichkeit, auch sich dies viele Jüger des Dienstes gern wünsche. Bei Facebook fand ich ausschliesslich die Apps revolutionär. Wenn imho dieser Aspekt konsequent gegangen würde inkl. Hosting der Programme und Daten könnten die sich zu eine Onlinebetriebssystem entwickeln. Die Apps sollten sich dann per Widget in die eigene Homepage oder auf dem Desktop einbinden lassen. Bei den ganzen Glaubenskriegen um Facebook und Twitter kann ich nur schmunzeln. Wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt. Noch ein Beispiel: Ebay ist, was gewerbliche Verkäufer betrifft, wieder auf dem sinkenden Ast und nicht mehr die Topadresse.

  • nuhr

    02.04.09 (09:16:53)

    Facebook plant an die Börse zu gehen http://aktien-boersen.blogspot.com/2009/04/facebook-plant-die-borse-zu-gehen.html

  • Stefan

    23.12.09 (00:26:32)

    also ich finde diesen ganzen Hype um social communities völlig übertrieben und nutze aus protest diese services auch nicht. sicher, ich bin ein urgestein aus der web 1.0 ära, aber mir ist es einfach zu wider, sich ständig mit "ach so wichtigen informationen" zuzumüllen. das ganze gelaber (statusmeldungen) von "meinen freunden" über ihre momentane tätigkeit wie "ich habe keine lust mehr" stinken micht tierisch an...

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