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30.04.09Leser-Kommentare

Social Network StayFriends: Erfolgreich, ohne aufzufallen

Fast acht Millionen Deutsche haben ein Konto bei StayFriends. Der Dienst ist das wohl am meisten unterschätzte soziale Netzwerk in Deutschland - und schreibt seit langem schwarze Zahlen.StayFriends

63 Prozent der deutschen Internetnutzer ab 18 Jahren sind Mitglied bei mindestens einem sozialen Netzwerk. Das ergab eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts ForschungsWerk. Nicht zum ersten Mal taucht in einer Untersuchung dieser Art neben bekannten Anbietern wie wer-kennt-wen.de (wkw), Xing oder studiVZ auch ein in Social-Web-Kreisen wenig beachteter Name auf: StayFriends.

Mehr als ein Viertel der von ForschungsWerk befragten User gaben an, dort ein Konto zu haben. Damit sichert sich der 2002 gestartete Dienst die Spitzenposition im deutschen Social-Networking-Markt, was die Anzahl der Mitglieder angeht - noch vor den anderen, in den Medien deutlich präsenteren Anbietern.

Mit 7,87 Millionen registrierten Nutzern ist StayFriends das größte soziale Netzwerk in Deutschland. In der Schweiz zählt der Dienst knapp 400.000 Mitglieder. Über die Gründe, warum die seit 2004 zum US-Unternehmen Classmates gehörende Community in der deutschsprachigen Netzgemeinschaft so wenig Aufmerksamkeit erhält, kann man spekulieren. Zum einen zielt die Site ähnlich wie wer-kennt-wen.de eher auf eine ältere Zielgruppe ab, was ein entsprechend "konservativeres" und weniger medientaugliches Auftreten zur Folge hat.

Zum anderen geht es bei StayFriends nicht um den täglichen Austausch mit den engsten privaten und beruflichen Kontakten sondern um das Auffinden ehemaliger Klassenkameraden. Insofern steht der Dienst nicht in direkter Konkurrenz mit anderen Netzwerken. Es ist durchaus vorstellbar, dass User für die intensivere Kontaktpflege mit bei StayFriends aufgespürten Schulfreunden auf wkw, Facebook oder meinVZ ausweichen.

StayFriends setzt zwar aus technischer Sicht keine nennenswerten Akzente, bricht aber in einigen Punkten mit den gängigen Strukturen anderer Netzwerke und geht seinen eigenen Weg. So werden zum Beispiel bestehende Mitglieder explizit darauf hingewiesen, dass sie Untereinträge für Bekannte anlegen können, die keine eigene E-Mail-Adresse haben (auch das scheint es noch zu geben). Dadurch öffnet das Unternehmen aus Erlangen seinen Service für eine Nutzergruppe, die bei anderen Plattformen von vorn herein ausgesperrt wird.

StayFriends

Unüblich für Social Networks, aber bekannt von Twitter, ist auch das Verfahren, andere Nutzer zur eigenen Kontaktliste hinzuzufügen, ohne dass diese einen bestätigen müssen. Das funktioniert, da sich bei StayFriends die Sichtbarkeit von Profilinformationen nicht durch eine Verbindung zweier Mitglieder verändert. Welche Informationen auf der persönlichen Seite angezeigt werden sollen, kann jeder User recht detailliert festlegen. Wobei die StayFriends-Profile natürlich nicht annähernd so komplex sind wie beispielsweise die bei Facebook.

Ob man vollständigen Zugriff auf die Profilseiten anderer Mitglieder erhält oder nicht, ist bei StayFriends nicht eine Frage der sozialen Beziehung zueinander sondern allein des Geldes. Im Gegensatz zu allen großen, auf die private Nutzung ausgerichteten Networks setzt StayFriends auf ein Freemium-Geschäftsmodell. Wer sich mit der kostenlosen Basisfunktion nicht zufrieden gibt, kann für 18 Euro pro Jahr (1,50 Euro monatlich) die so genannte "Gold-Mitgliedschaft" wählen.

Erst mit einem Premium-Konto lassen sich die kompletten Profildaten anderer Benutzer einsehen und deren Fotos in voller Auflösung anschauen. Und nur wer zahlt, kann Basis-Mitgliedern Nachrichten senden und erhält eine Übersicht der letzten Profilbesucher.

Bei der richtigen Ausgestaltung des Freemium-Modells ist Fingerspitzengefühl gefragt. Bietet man zu viel kostenlos, fehlt für User der Anreiz, zur kostenpflichtigen Version zu wechseln. Ist das Gratis-Angebot zu stark beschnitten, verliert man von vorn herein viele potenzielle Nutzer und erschwert das Entstehen von Netzwerkeffekten. StayFriends scheint diesen Balance-Gang gemeistert zu haben.

Zur genauen Anzahl der Gold-Mitglieder wollte das Unternehmen zwar keine Angaben machen, aber man verriet uns zumindest, dass die Erlöse aus den Gold-Mitgliedschaften den größeren Teil der Einnahmen des seit über einem Jahr profitablen Unternehmens ausmachen, die Werbeumsätze den kleineren. 600.000 neue Mitglieder allein im ersten Quartal 2009 und 750.000 User-Logins täglich lassen vermuten, dass auch die Basis-Variante von den Usern als hinreichend attraktiv wahrgenommen wird.

Das Anbieten einer kostenpflichtigen Version eignet sich keineswegs für jedes Social Network und ist speziell dann schwierig, wenn bisher kostenlose Features plötzlich nur noch zahlenden Kunden vorbehalten sind. Dennoch kann sich ein Blick auf die erfolgreiche Umsetzung des Freemium-Konzeptes bei StayFriends lohnen. Den sie verdeutlicht, dass auch in Teilen einer nicht professionell ausgerichteten Nutzerschaft durchaus eine Zahlungsbereitschaft besteht - sofern sich nur dadurch bestimmte Bedürfnisse wie die menschliche Neugier befriedigen lassen.

Kommentare

  • Michael

    30.04.09 (15:04:58)

    Spannender Artikel, danke! Meine persönliches Rechercheergebnis (überhaupt nicht repräsentativ) sieht wie folgt aus: Menschen aus meiner Schulvergangenheit (Jahrgang 74/75) tummeln sich bei StayFriends, Business- und Sport-Kontakte bei XING. Bei Facebook habe ich eine bunte Mischung, expandiere dort von beruflichen Kontakten ausgehend. Mittlerweile auch immer mehr Sport-Bekannte. Bei den VZs bin ich wenig bis gar nicht unterwegs. Natürlich kann das auch damit zusammenhängen, wen ich wo suche und kontakte. Allerdings nimmt die Anzahl der Schulfreunde von StayFriends zu XING zu Facebook wirklich deutlich ab. Andersherum würde ich aber auch nicht darauf kommen, Businesskontakte bei StayFriends zu suchen - obwohl doch eine ziemlich große Anzahl von denen auch da rumschwirren muss. Acht Millionen - Wahnsinn! Gern sehen würde ich einmal eine Überschneidungsanalysen der genannten Networks inkl. LinkedIn.

  • bulldrinker

    30.04.09 (16:54:58)

    Bei Stayfriends habe ich ja schon ewig nicht mehr reingeschaut!

  • Max

    30.04.09 (19:04:09)

    7,87 Mil Mitglieder? Ganz einfach es ist viel zu kompliziert sich abzumelden. Sonst hätte ich das schon längst getan! Kenne niemanden der da wirklich aktiv ist oder jemals war!

  • Ingo Braun

    30.04.09 (19:16:38)

    StayFriends - erfolgreich durch Null Meinungsfreiheit inkl. Bevormundung der User! Leider habe auch ich den Fehler gemacht Geld für eine "Gold-Mitgliedschaft" zu investieren. 12 Monate nutze ich intensiv diese Plattform und bin zu dem Ergebnis gekommen - rausgeschmissenes Geld. Es gibt keinen echten Mehrwert. Hier wird Gewinn über die Masse gemacht. Der relativ niedriger Monatsbeitrag ist verlockend - die Enttäuschung um so größer. Was nützt es mir als Basis-Mitglied, wenn ich einen ehemaligen Schulkamerad finde, der selber nur Basis-Mitglied ist. Kontaktaufnahme - Fehlanzeige! Sämtliche Daten des Profils werden verschwommen angezeigt. Genau hier setzt das Premium Angebot an. Um überhaupt eine Person anschreiben zu können, wird man regelrecht in eine Mitgliedschaft gezwungen. Es sei, einer von beiden ist schon Goldmitglied. Ich persönlich habe nix gegen einen Premium Account, wenn der Gegenwert stimmt. Der Grundgedanke einer Community, denn das ist StayFriends, ist untereinander zu kommunizieren. Trotz Zahlung erscheint weiterhin nervende Werbung! Desweiteren gibt es keine Meinungsfreiheit auf StayFriends. Da wurden Textpassagen und Fotos, welche den AGBs entsprachen, ohne Kommentar gelöscht. Viele Kritik Punkte, welche ich damals angesprochen habe, wurden mittlerweile umgesetzt. Denn als zahlendes Mitglied war es mir möglich auf sämtliche Adressdaten zuzugreifen. Sofern vom User angegeben. Mittlerweile hat, nach StudiVZ, auch StayFriends angefangen sich an Facebook zu orientieren. Vorgegebene Fotoalben, das markieren von Personen sowie gewisse Einstellmöglichkeiten zur Privatsphäre sind jetzt möglich. An den Funktionsumfang von Facebook kommen sie damit immer noch nicht ran. Rund 8 Mio Mitglieder - wie viele davon "Karteileichen" sind verschweigt StayFriends. Davon gibt es eine Menge. Die meisten lassen Ihre Gold-Mitgliedschaft einfach auslaufen und werden nie wieder gesehen... Fazit: Account gelöscht. Kontakte zu Facebook geholt. Wer sich bei StayFriends anmeldet sollte einfach nur Basismitglied bleiben.

  • Ingo Braun

    30.04.09 (19:26:57)

    Stayfriends Account löschen! 1. Hilfe 2. Eintrag bei StayFriends 3. Wie kann ich meinen Datensatz bei StayFriends löschen? 4. Bei StayFriends austragen

  • Java-Entwickler

    01.05.09 (00:29:50)

    Hab mal früher aus Neugier ein Fake-Account gemacht. Weil ich in 4 Sekunden nicht den Lösch-Knopf gefunden habe, hab ich diesen Account "verrotten" lassen. Überhaupt habe ich mich immer zuerst mit Fake-Accounts in den Social Networks angemeldet und dann getestet, ob die mir gefallen oder nicht...falls ja; dann nochmals ein richtiges Account aufgemacht. Falls nein; löschen Ich denke; ich bin nicht der einzige der auf diese Weise verfährt...

  • Klaus Wolfrum

    01.05.09 (08:51:24)

    Danke für den Artikel, Martin! Der richtige persönliche Schätzwert der Stay Friends Idee entfaltet sich meiner eigenen persönlichen Erfahrung erst ab Alter 30/35 aufwärts. Wenn Abstand zur Schulzeit entstanden ist, freut man sich umso mehr, wieder wirklich alte Schulfreunde wiederzusehen. SF fällt für auch dadurch positiv auf, dass hier zwangsläufig nicht die Quantität einer Vernetzerei in ein rosa Rauschen und jedermitjedemKonnektiererei ausartet. Ich kann gleichfalls nur lobend über den Kundenservice sprechen. 1,2 Anfragen und Verbesserungsvorchläge wurden innerhalb 48h beantwortet. Dass das Unternehmen bodenständig schwarze Zahlen schreibt, freut mich gleichfalls. Zeigt es doch, dass nicht immer venture capital und Finanzierungsrunderei bei tatsächlich jedem social network erwähnend im Vordergrund steht;-)

  • Silke Berz

    03.05.09 (14:59:09)

    stayfriends ist das einzige network, von dem ich mich jemals abgemeldet habe. einfach aus dem grund, weil es ohne zu zahlen nicht nutzbar war. aber das scheint sich ja geändert zu haben, was mich tatsächlich verwundert. ich kenne auch niemanden, der das nutzt ... man hat höchstens einen verweisten account.

  • Internetagent

    04.05.09 (16:56:36)

    Mich wundert das Wachstum nicht wirklich. StayFriends schaltet massiv Werbung über Google Adsense. Da muss einfach was an Usern und Neuanmeldungen rüberkommen.

  • Martin Weigert

    04.05.09 (20:39:00)

    Internetagent, guter Einwurf! Jetzt wo du es sagst - mich scheinen die StayFriends-Anzeigen förmlich im Web zu verfolgen ;)

  • mds

    07.05.09 (19:08:51)

    KlassenFreunde.ch wurde anscheinend von StayFriends gekauft – so jedenfalls mein Schluss aus einer E-Mail, die ich heute von KlassenFreunde.ch erhalten habe … Aus Klassenfreunde ist StayFriends geworden - damit gehören Sie zu einer der grössten Gemeinschaften für ehemalige Klassenkameraden und Freunde Europas. … so schnell fliessen Daten von A nach B.

  • heid

    05.01.10 (18:54:02)

    wie kann ich stay frends komplett löschen ich komm nicht mehr rein habe mein passwort vergessen da steht zwar es wird zu geschickt aber nichts passiert also muß ich es löschen um mich neu an zu melden

  • herb

    27.09.10 (13:46:16)

    Stayfriends war gut,um die Leute fürs Klassentreffen zusammenzubekommen.Datenschutz gibts aber keinen.Als Goldmitglied hat man ne verschlüsselte Adresse,als Basismember nicht.Wenn man sich über ne Suchmaschine im net sucht,tauchen jede Menge Daten von stayfriends auf,wer an welcher Schule war usw.

  • Bloching

    17.01.11 (23:16:56)

    Hallo Stayfriends-Team!! Ich muss mich entschuldigen, dass ich den Betrag von € 24 noch nicht beglichen habe, der Betrag wird bis zum Ende des Monats bei Ihnen eingehen. Ich bedanke mich.

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