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09.08.13Leser-Kommentare

Social Music Network: Warum Spotify und Deezer Facebook nachahmen sollten

Empfehlungen stehen derzeit hoch im Kurs der Musikstreaming-Anbieter. Noch haben aber weder Spotify, noch Deezer oder Rdio die Chance erkannt, ihre Plattform zu einem wirklich sozialen Musiknetzwerk auszubauen. Dabei bedarf es dazu eigentlich nicht viel.

Es war erstaunlicherweise Mark Zuckerberg, der mit Frictionless Sharing die Vision hatte, Musik aus allen Quellen für die eigenen Freunde auf Facebook verfügbar zu machen. Mein Kollege Martin Weigert erwartete vor gut einem Jahr deswegen den Durchbruch des Musikstreamings. Dazu gekommen ist es bisher nicht.

Frictionless Music hat sich auf Facebook nicht durchgesetzt - und leider auch nirgendwo sonst. Selbst Dienste wie Spotify, auf denen man einfach seine Freunde hinzufügen kann, machen es den Nutzern nach wie vor schwer, Musik mit anderen zu teilen. "Hör dir den Song an!" ist eigentlich alles, was man mit seinen Freunden will. Aber noch bietet hier kein Anbieter ansprechende soziale Funktionen, die sich im Idealfall präsentierten wie Facebook oder Instagram. Was uns fehlt, ist ein echtes Social Music Network. Zuckerbergs Vision von einem Frictionless Sharing ging dabei durchaus in die richtige Richtung, hat die Nutzer aber schlicht überfordert. Das grenzenlose Durchrauschen neuer Informationen in Ticker und Pinnwand war zu unstrukturiert, die oft nicht kontrollierbare Offenheit der verbundenen Apps rief Angst vor der eigenen Privatsphäre hervor. Viele Musikplattform-Anbieter haben das automatische Teilen jedes Songs auf der eigenen Facebook-Wall wieder zurückgefahren, Facebook selbst hat den Ticker inzwischen deutlich dezenter platziert und Open Graph im vergangenen Herbst weiter eingeschränkt.

Freunde vernachlässigt

Was den Erfolg grenzenloser Musik auf Facebook außerdem verhindert hat, ist die Abkehr der Anbieter von kostenlosem, werbefinanzierten Streaming. "Grenzenlos" ist hier mittlerweile gar nichts mehr: Wenn ein Simfy-Nutzer einen Song auf Facebook teilt und die Freunde nicht zufällig auch Simfy-Nutzer sind, bekommen sie maximal Ausschnitte zu hören. Oft genug führt ein Klick den Nutzer dabei raus hinaus Facebook und auf die jeweilige Musikplattform.

Deezer, Rdio und Spotify haben inzwischen ihre Möglichkeiten verbessert, Freunden zu folgen oder Musik mit ihnen zu teilen - meist über den Umweg mehrerer Klicks. Spotify hat mittlerweile die eigenen Empfehlungen in der neu designten Web-Oberfläche in einer Pinterest-ähnliche Darstellung aufbereitet - allerdings basieren diese zum größten Teil auf dem eigenen Geschmack. Empfehlungen der Freunde gibt es hier nur am Rande, obwohl man sie - und das ist vorbildlich - mit einem Klick hinzufügen kann.

Aus diesen Freundeslisten indes macht Spotify nichts. Es gibt keine aktive Übersichtsseite, die die Freunde mit ihren aktuellen Lieblingsliedern zeigen würde. Den Ticker rechts in der eigenen Desktop-Version hat Spotify seit dem letzten großen Update massiv verschlechtert. Hier finden sich nur noch einige aktuelle Titel wieder, die man weder liken noch kommentieren und nur umständlich teilen kann.

Spotify führt ein neues Nachrichtensystem ein. Spotify führt ein neues Nachrichtensystem ein.

Simple Funktionen, die fehlen: Songs liken, kommentieren, empfehlen

Immerhin: Eine Verbesserung rüstet Spotify in diesen Tagen nach. Laut einem Screenshot, an den das Techblog Gizmodo gelangt ist (oben), will Spotify den Ticker mit einer Message-Box ersetzen, wie man ihn von Facebook kennt. Hier lassen sich die angespielten Songs der Freunde nicht nur nachlesen, man soll sie auch in Form einer Konversation kommentieren können.

Es ginge noch viel einfacher: Statt automatisch alle Songs zu posten, würde es für Spotify oder Deezer durchaus Sinn ergeben, die Facebook-Wall nachzuahmen. Wenn Nutzer die Möglichkeit hätten, von Zeit zu Zeit einige (und nicht alle!) ihrer Songs oder Alben zu posten und die Freunden diese direkt kommentieren, liken oder teilen könnten, dann wäre das die Grundlage interessanter Threads wie auf Facebook. Freunden über ein simples Nachrichtensystem einen Song empfehlen, den sich derjenige direkt anhören kann, wäre kein nettes Extra, sondern eine Killerfunktion. Spotify schlägt hier den richtigen Weg ein, ohne offenbar das Potenzial einer solchen Möglichkeit selbst erkannt zu haben.

Es sind einfache soziale Funktionen, wie Facebook sie hat, die Spotify und Co. noch viel deutlicher herausstellen müssten. Musik ist das, was die etwas eingeschlafene Nachfrage nach Social Networks neu beleben könnte. Wer sich von den mittlerweile sehr ähnlichen zahlreichen Streaming-Anbietern hervor tun möchte, sollte seinen Schwerpunkt darauf legen.

Kommentare

  • DJ Nameless

    09.08.13 (23:37:46)

    Ich verstehe die Kritik hier ehrlich gesagt nicht. Ich nutze Spotify (zu den anderen kann ich nichts sagen), aber Spotify macht das Weiterempfehlen von Songs wirklich einfach: Song mit rechts anklicken -> Spotify-URL kopieren, dann kann der Link per E-Mail, Webseite, Instant Messenger, Facebook usw. weitergegeben werden. Der Empfänger kopiert den Link einfach ins Spotify-Suchfeld ein, und schon startet der Song automatisch. Wie viel einfacher soll es noch sein???

  • Georg

    10.08.13 (08:52:06)

    Spotify soll doch meine CD-Sammlung ersetzen...ist mein CD-Player Teil eines sozialen Netzwerks. Das Teilen von Liedern in andere soziale Netze und das abonnierenvon Nutzern würde mir an Social Gedöns reichen, und ist auch schon vorhanden. Immer muss alles social, social, social sein...naja. Hatte Apple nicht auch mal ein Musiknetzwerk namens Ping? Wo ist es jetzt?

  • Sebastian

    10.08.13 (19:20:27)

    Ich vermisse den Netzwerkgedanken auch, fand zB den Ansatz mit der Fellody-App (Dating by Musikgeschmack) sehr spannend und denke, dass man hier auch beruflich interessante Kontakte finden kann. Aber andererseits dient myspace eben immer noch als abschreckendes Beispiel. Sobald (Amateur)musiker eine Plattform nutzen können, um Kontakte aufzubauen, wird es schnell sehr, sehr spammy...

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