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09.07.09Leser-Kommentare

Social Media in Deutschland: Es gibt viel aufzuholen

Social Media und Bürgerjournalismus werden es in Deutschland zwar auch zukünftig nicht leicht haben, aber es gibt Lichtblicke: netzwertig.com-Redakteur Marcel Weiß beschreibt dem US-Tech-Blog ReadWriteWeb, wie es um die deutsche Webszene bestellt ist.

Aufholen ist angesagtWo steht die deutschen Blogosphäre und Startup-Szene im Jahr 2009? Dieser Frage wollte das bekannte englischsprachige Tech-Blog ReadWriteWeb (RWW) auf den Grund gehen und hat dazu netzwertig.com-Redakteur Marcel Weiß zum Interview gebeten.

Das Ergebnis ist eine der besten Zusammenfassungen zum Stand der hiesigen Internetkultur, die ich seit langem gelesen habe. Kompakt, kritisch, aber nicht schwarzmalerisch. RWW-Autor Frederic Lardinois skizziert in seinem Deutschland-Porträt ein Bild, das von einer grundlegenden Skepsis etablierter Medien und Institutionen gegenüber dem Web geprägt ist - welches bevorzugt als Hort allen Ungemachs beschrieben wird.

Lardinois befragte Marcel zum Einfluss von Blogs auf die Politik ("gering, aber zunehmend"), zum Vertrauen der Deutschen in die Massenmedien ("hoch") und zur Innovationsfreude hiesiger Startups ("kaum vorhanden, aber es gibt Ausnahmen"). Fazit: In Sachen Social Media hinkt Deutschland im Vergleich zu den USA oder anderen Ländern um rund fünf Jahre hinterher.

Ein meiner Ansicht nach deutliches Indiz dafür ist das problematische Verhältnis zwischen Profi-Medien und Bloggern, das hierzulande nicht selten von Feindseeligkeit und Arroganz geprägt ist. Unser in den USA lebender Chefredakteur Peter Sennhauser berichtete mir, wie sich die Situation auf der anderen Seite des Atlantiks von der hier unterscheidet: Dort haben Blogs eine gesellschaftliche Relevanz, und selbst große Fernsehstationen widmen sich verstärkt dem "Bügerjournalismus".

Das US-Fernsehen mag Blogs

Ähnlich sieht es in Schweden aus, wo ich derzeit lebe. Statt der in Deutschland verbreiteten Abneigung gegenüber allen, die schreiben, ohne dazu ein vollständiges Journalismus-Studium absolviert zu haben, stellen schwedischen Zeitungen Blogs auf ein Podest und schauen zu ihnen auf. Einer der bekanntesten schwedischen Blogger sah sich daher vor einigen Tagen gezwungen, die klassischen Medien zur Mäßigung aufzurufen. Seine sinngemäße Mahnung an die führenden Tageszeitungen: Blogger kochen auch nur mit Wasser. Aus deutscher Sicht unvorstellbar.

"Die Aussichten für die Netzkultur in Deutschland sind nicht rosig, aber es gibt Lichtblicke, die hoffen lassen", so das Fazit des RWW-Beitrags. Zu diesen gehören der Online-Wahlkampf rund um die Bundestagswahl, die immer stärkere Präsenz von Twitter in den auflagenstarken Medien sowie das Vorhandensein einiger interessanter Dienste und Initiativen, die das Social Web im Allgemeinen und Blogging bzw. Microblogging im Speziellen doch noch zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen könnten.

Ich werde mir den Artikel für den 9. Juli 2014 auf Wiedervorlage legen. Vielleicht klingen die beschriebenen Probleme der deutschen Web-Landschaft in fünf Jahren für uns genauso abwegig wie heute der Gedanke, dass Blogger von den (Holz)medien auf ein Podest gestellt werden.

Kommentare

  • Chris

    09.07.09 (11:24:04)

    ...gibt's denn in Schweden sowas wie 'nen Bloggerverband?

  • Martin Weigert

    09.07.09 (11:31:47)

    Weiß nicht, aber zumindest noch nie davon gehört.

  • Nadine

    09.07.09 (13:30:04)

    Aber immer mehr Firmen sind doch auf dem Vormarsch. Die Welle schwappt doch gerade erst rüber. 5 Jahre finde ich etwas übertrieben, aber hintendran sind wir, klar, aber wieso sieht es dann nicht rosig aus in Deutschland. Es gibt immer mehr coprorate Blogs und corporate Twitter Accounts auch sind wir schon so weit, dass sich A-Blogger für Werbekampagnen kaufen lassen.

  • Oliver Springer

    09.07.09 (16:05:14)

    Für meinen Geschmack verläuft die Entwicklung hierzulande zwar viel zu langsam. Aber: Ich bin dennoch erstaunt, wie schnell die Entwicklung hier verläuft. Viel schneller als erwartet. Bezüglich Web 2.0 besteht in der hiesigen Mentalität ein Kompatibilitätsproblem. Ob sich das bis zum 9. Juli 2014 ändern wird? Online-Wahlkampf: Hat der schon angefangen? Wo findet der statt? Ich bin nun wirklich jeden Tag sehr lange online, habe aber nichts davon mitbekommen.

  • Sven Jan Arndt

    09.07.09 (16:32:09)

    Die Frage ist m.E. ja, ob alles, was aus den USA kommt auch zwangsläufig sich in anderen Kulturen 1:1 durchsetzen muss. Ich denke mal im Speziellen die Deutschen mit ihrem höheren Anspruch auf Datenschutz und Privatsphäre werden da sicherlich immer ein wenig andere Wege gehen, als dies der angelsächsische Raum vormacht. Ich denke auch nicht, dass dies schlimm ist im Sinne von Hinterherhinken. Es ist und wird anders! Ist es nicht die Vielfalt der Entwicklungen, die uns bereichert?

  • Markus S

    10.07.09 (06:04:40)

    Hallo Martin, "Das Ergebnis ist eine der besten Zusammenfassungen zum Stand der hiesigen Internetkultur, die ich seit langem gelesen habe." Wow! Ist das auf den Link unter 'Das Ergebnis' bezogen oder vertue ich mich da? Ich stimme in den Grundaussagen mit dem Artikel ueberein, da Deutschland nun mal nicht die Wiege der Entwicklung des Web2.0s ist und wohl auch nicht wird. Dass Deutschland gerade erst Twitter entdeckt hat, bei Yigg ein Digg Effekt ausbleibt und der Mainstream noch nie was von Ning gehoert haben, machen fuer mich trotzdem keine 5 Jahre. Vllt 3 :) Wir holen auf, ob nun 3 oder 5 Jahre... Schoene Gruesse aus Beijing, Markus

  • Martin Weigert

    10.07.09 (07:06:03)

    Ob nun drei, fünf oder sieben Jahre, darüber kann man sicher streiten. Die Grundaussage wird dadurch ja nicht verändert.

  • Andy Lenz

    10.07.09 (07:37:20)

    eigentlich schreibe ich echt ungern motzige kommentare, aber in diesem fall stellen sich mir die nackenhaare zu berge. ich finde es peinlich und grob falsch was marcel da über RRW verbreitet. vielleicht gibt es in lichtenstein aktuell auch einen motzblogger der sich wundert warum dort weniger geht als in D. - sorry, aber sowas ist äpfel und birnen vergleicherei vom allerfeinsten! und das dann noch bei RWW, einem der rennomiertesten us-tech-blogs unterbringen um deutschland in ein schlechtes licht zu rücken. finde es erschreckend wie destruktiv und planlos man unterwegs sein kann. mehr als eine halbe milliarde menschen sprechen englisch und nebenbei hat USA wohl nen zacken mehr einwohner als D. über die VC struktur dort und mentalitätsunterschiede muß ich wohl nicht eingehen. mein "Social Media in Deutschland" sieht übrigens so aus: - "xing" deutsche AG und gründung - weltweites vorzeigebeispiel für social media - "linkedin" auch vorzeigebeispiel für social media, stammt u.a. aus der feder des deutschen mitgründers konstantin guericke - soundcloud und last.fm sind ebenfalls deutsche bzw. österreichische gründungen und haben - bzw. sind noch dabei das musikbusiness mit hilfe von social media zu verändern - hobnox, dawanda, mister wong, mento und rivva sind auch allesamt starke deutsche dienste und startups @marcel: was hast du vor mit deinen thesen, schlechte laune verbreiten???? aus welchem erfahrungsschatz sprichst du? wo ist dein ansatz, dein startup, dein projekt, schaffensbereich oder planvoller vorschlag? kritik und einfach alles schlecht machen ist doch zu einfach oder?

  • Chris

    10.07.09 (07:43:56)

    @Martin: Tät mich mal interessieren; ich habe mir mal einige "Nachbarn" angesehen; die haben sowas auch; teilweise; daher stehen die auch besser da, als wir. Einige zumindest. Ich wär ja für sowas zu haben; naja, mal sehen wie es weitergeht, mit dem Bloggerpack.

  • Martin Weigert

    10.07.09 (07:57:03)

    Andy, mal ehrlich: Xing - ja klar, erfolgreich, aber auch eines der wenigen Startups, das es wirklich zu etwas gebracht hat, wenn nicht weltweit, dann wenigstens in eingen Ländern Europas. Last.fm und LinkedIn als Beispiel anzubringen, ist weit hergeholt. Last.fm hat zwar Gründer aus DE und AT, würde aber aus London heraus erfolgreich. LinkedIn mag einen deutschen Mitbegründer haben, ist aber ansonsten so amerikansich, wie es ein Webservice nur sein kann. Ja, SoundCloud wurde in Berlin gegründet - aber von einer Gruppe Schweden, die das ganze quasi als Experiment gesehen habe - wir ziehen nach Berlin und bauen ein cooles Webunternehmen auf. Zählt für mich nur begrenzt als deutsche Errungenschaft. Ansonsten: Frag doch mal deine Mutter (oder ein paar Freunde außerhalb der Geek-Welt), was Dawanda ist. Oder Rivva. Oder Mento... ich sehe schon die Fragezeichen in deren Augen. Es ist ein Unterschied, ob man Dinge schlecht machen will, oder einfach die Tatsachen aufzeigt. Und das mit dem kleineren Sprachraum ist absoluter Humbug. Oder wie kommt es, dass mit Skype, Kazaa, Spotify oder Tradedoubler so viele erfolgreiche Services aus einem noch viel kleineren Land wie Schweden kommen?! Gründe gibt es viele für den Rückstand der deutschen Webszene. Manche sind struktureller Natur, andere haben mit der Mentalität zu tun. Beides lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Aber zu versuchen, dies zu ändern, halte ich in Hinblick auf die große Bedeutung des Web-Bereiches für die Wirtschaft der Zukunft für unbedingt erforderlich.

  • Jörn Sieveneck

    10.07.09 (08:32:04)

    @Andy @marcel wie wäre es, wenn wir uns darauf einigen, dass es zwar viele gute StartUps aus Deutschland oder mit deutscher Beteiligung gibt, aber die Bevölkerung diese einfach (noch) nicht kennt oder annimmt. In Deutschland ist, wie oben erwähnt, die Bevölkerung kleiner, viele Menschen sind nicht so in der Onlinewelt zu Hause wie wir. Das, was zur Zeit in Blogs und auf twitter diskutiert, veröffentlich wird etc. ist immer noch nicht bei der breiten Masse angekommen, leider. Das mag u.a. an den großen Verlagen oder der "grundlegenden Skepsis etablierter Medien und Institutionen gegenüber dem Web" liegen, aber trotzdem sind wir in Deutschland, denke ich, auf einem guten Weg (siehe Artikel Internet ist im Kinderzimmer angekommen / Bitkom Studie -> http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,634851,00.html). Bestes Beispiel sind zur Zeit auch große Unternehmen wie Vodafone, die sich (scheinbar) mehr und mehr öffnen. Vielleicht sehen wir schon in 2 Jahren deutliche Veränderungen, das wir 5 Jahre ggü. Amerika hinterher hinken finde ich ein wenig zu pessimistisch.

  • Andy Lenz

    10.07.09 (09:10:42)

    @jörn: sehe ich ähnlich. deshalb finde ich es ja so vermassen in USA überschriften á la "Social Media in Germany: 5 Years Behind - Still Lots to Learn" zu kicken. was bringt es eine solche einzelmeinung im ausland so zu vertreten? @martin @marcel im rahmen meiner aktivitäten bei yeebase bzw. dem t3n magazin kann ich diesen trend nicht im ansatz erkennen und halte dies auch für grob falsch. die zahl der unternehmensgründungen und web 2.0 startups ist höher den je. mit hilfe von freier software, freiem informationsaustausch, wachsenden förderstrukturen, eigenen ideen und know how, sind gründer erstmals in der lage auch ohne große kapitaldecke ihr business zu starten. der vergleich zwischen deutschland und USA hinkt einfach und keinem ist geholfen mit aussagen wie diesen "Social Media in Germany: 5 Years Behind - Still Lots to Learn" die zahl der neuen deutschen web 2.0 startups wächst stetig und die rolle von gut ausgebildeten CTOs wird immer wichter. schaut doch einfach mal hier was alles im anmarsch ist http://startups.yeebase.com aus meiner sicht bremst ihr (netzwertig) deutschsprachige gründer eher mit solchen motzigen artikeln, als dass helft und motiviert. zeigt doch lieber mal auf wie, womit und warum es besser gehen könnte. wie erwähnt liegt es doch in der natur der sache, dass US-startups aufgrund von z.b. sprache und mentalität in bezug auf web 2.0 und social media bessere chancen haben. es geht doch aber nicht darum, dass wir hier alle scheiße, blöd und unfähig sind, sondern wie wir potentiale heben und studenten und ITler dazu motivieren eigenen projekte und ideen in die welt zu setzen. hierüber sollte wir reden. die ganze motzbloggerei geht mir sowas von auf den zeiger... wandert doch aus, wenn hier alles so mistig ist... ich selbst fühle mich pudelwohl im kontext von next09, dmmk, der deutschsprachigen twitter- und barcampszene und den vielen aufkommenden tech-blogs und web 2.0 startups.

  • Martin Weigert

    10.07.09 (09:15:17)

    Andy, ich glaube, du solltest das etwas lockerer sehen. Sofern du netzwertig.com regelmäßig liest, wird dir bewusst sein, dass wir sehr gerne gute, innovative Startups vorstellen und pushen. Aber allein auf die Zahl der Neugründungen zu gucken, ist naiv. Wem nützt es, dass die tausendste "Web-2.0-Plattform für XYZ" an den Start gegangen ist? Es sind die "Stars", die fehlen. Und das könnte man ändern. Wer uns über einen längeren Zeitraum liest, bekommt genug Tipps und Hilfestellungen, Fehler anderer zu vermeiden.

  • Timo Heuer

    10.07.09 (09:28:06)

    Ich denke auch, dass man Deutschland und Amerika nicht vergleichen kann. Einfach zu sagen, wir sind hier fünf Jahre zurück, halte ich für einen sehr vorschnellen Schluss. Oder wie kommt es, dass mit Skype, Kazaa, Spotify oder Tradedoubler so viele erfolgreiche Services aus einem noch viel kleineren Land wie Schweden kommen?! Das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Schweden - genauso wie die Israeli - schon allein ihres begrenzten Sprachraums wegen auf Englisch setzen. Viele Startups aus Deutschland setzen auf - ja, Deutsch. Mit Deutsch erreicht man immerhin 100 Millionen Menschen. Startups, die aus diesem Muster herausbrechen, sind beispielsweise XING, Plazes oder Amazee (Schweiz). Und siehe da, es funktioniert. Das ist eines der Hauptprobleme. Wir werden auch in fünf Jahren nicht auf dem Niveau der USA sein. Wir werden auch dann kein Silicon Valley haben, werden keinen Chef-CTO im Land haben, werden immer noch ein Bildungssystem haben, das nicht zu Unternehmern ausbildet. Wie gesagt, Äpfel und Birnen. Du wirst Deutschland und Amerika nie vergleichen können, es sind ganz unterschiedliche Voraussetzungen gegeben. Die Topleute in Deutschland sind da, ihnen werden aber mehr Steine in den Weg gelegt als in den USA.

  • Martin Weigert

    10.07.09 (09:39:55)

    Timo, dein Kommentar bezüglich Schweden und Israel stimmt - aber warum lernen hiesige Unternehmer nicht davon? Denn selbst wenn man kurzfristig die deutschen User leichter erreicht, steckt man langfristig wie die meisten deutschen Startups fest. Und auch hier ist wieder nur Xing ein positives Beispiel - wobei auch das in der angloamerikanischen Welt überhaupt keine Relevanz hat. Und der Erfolg in der Türkei oder Spanien ist auf Akquisitionen zurückzuführen. Amazee oder Plazes dagegen sind doch höchstens drittklassig, was Bekanntheit und Einfluss betrifft. Ist es nicht schade, dass du so resignierst? Wir werden auch in fünf Jahren nicht auf dem Niveau der USA sein. Wir werden auch dann kein Silicon Valley haben, werden keinen Chef-CTO im Land haben, werden immer noch ein Bildungssystem haben, das nicht zu Unternehmern ausbildet. Warum findest du dich damit ab? Wo ist dein Glaube daran, dass sich die Dinge doch ändern können?

  • Timo Heuer

    10.07.09 (10:13:53)

    Resignation würde ich es nicht nennen. Ich habe Hoffnung, aber bin auch Realist. Ich denke, dass es innerhalb von nur fünf Jahren keine Bestrebungen in Deutschland geben wird, etwas zu ändern. Wäre natürlich schön, wenn, aber ich sehe da leider keine Entwicklung in die Richtung. So gerne ich sie sehen würde... P.S. Ich glaube aber, dass es auch nicht viele amerikanische Startups gibt, die in den Köpfen der Leute angekommen sind. Mal von Google, Yahoo, Amazon und eBay (die übrigens auch in den deutschen Köpfen sind) abgesehen.

  • Marcel Weiss

    10.07.09 (11:20:36)

    @Andy Danke für Deinen Kommentar. Nur kurz, weil ich keine Zeit habe und eigentlich auch gar nicht da bin: "was hast du vor mit deinen thesen, schlechte laune verbreiten??" Es ist mir verhältnismäßig egal, welche Laune ich verbreite oder ob ich mit meinen Aussagen etwas im schlechten oder guten Licht hinstelle, solang es um allgemeine Betrachtungen wie diese geht. Es geht mir in erster Linie um eine möglichst wahrheitsgetreue Darstellung der Realität - Journalismus im ursprünglichen Sinn, wenn man so will. Man kann natürlicherweise zu anderen Ergebnissen kommen als ich. "mehr als eine halbe milliarde menschen sprechen englisch und nebenbei hat USA wohl nen zacken mehr einwohner als D." Es geht und ging nie um die absolute Zahl der Nutzung, sondern um die relative Durchdringung in der Bevölkerung. Und es ist nun einmal so, dass die Durchdringung von Social Media in der deutschen Bevölkerung schlicht nicht sonderlich hoch ist. Unabhängig von den absoluten Bevölkerungszahlen kann man die relative Durchdringung in den verschiedenen Ländern sehr wohl vergleichen. Und die meisten dt. Startups überzeugen mich (und offensichtlich auch andere) im direkten Vergleich mit den US-Pendants einfach nicht. Mit denen müssen sie aber im _worldwide_ web idR konkurrieren können. "aus welchem erfahrungsschatz sprichst du? wo ist dein ansatz, dein startup, dein projekt, schaffensbereich oder planvoller vorschlag? kritik und einfach alles schlecht machen ist doch zu einfach oder?" Der Vorwurf ist müssig. Ich muss nicht selbst ein Social Network etc. starten, um Aussagen über diese treffen zu können. Die Aussage, nur wer sich selbst an XY versucht, darf auch über XY schreiben, kritisieren etc. ist, mit Verlaub, Unsinn und der plumpe Versuch, Leute von 'außerhalb' pauschal abzuwürgen. Ich logischerweise keine Aussagen über die Datenbank-Architektur von studiVZ treffen. Aber ich kann sehr wohl konzeptionelle Blödsinnigkeiten erkennen und darauf hinweisen. Davon abgesehen befasse ich mich intensiv seit Jahren mit diesem Themenfeld und schreibe täglich darüber. Ich schau da also nicht wie die Sau ins Uhrwerk. Was Deine Startup-Beispiele angeht, hat Martin schon aufgezeigt, wie sehr sie teilweise nur bedingt für Dtl. stehen können (Six degrees of Germany bei Startups spielen zu müssen, um positive Beispiele für Dtl. zu finden, sagt doch auch einiges aus imho). Noch was zum Sprachraum: Zusätzlich zu Martins Beispiel Schweden werfe ich noch die extrem aktive und innovative Startup-Landschaft von Israel in den Raum. Der deutsche Sprachraum (Dtl, dtsprachige Schweiz, Österreich) braucht sich in Sachen Größe nicht zu verstecken und ist als Sprungbrett groß genug. (Und niemand verbietet den Gründern, gleich in Englisch zu starten, wie man es in anderen Ländern wie Schweden, Israel oder Frankreich auch macht.) Noch was zu den 5 Jahren: Das sollte man nicht zu wörtlich nehmen. Es können auch 2 oder 3 sein. ;) Ich meinte damit auch eigentlich nicht die gesamte Situation, sondern, dass der Diskurs in Politik und den Medien dem in den USA um 5 Jahre hinterherhinkt. Das ist im Artikel vielleicht nicht so rübergekommen. Frederic und ich haben uns über eine Stunde unterhalten. Davon ist vieles wieder unter den Tisch gefallen. Denn auch wenn ich ein eher düsteres Bild gezeichnet habe (das ich schlicht hier so sehe), habe ich auch auf positive Dinge verwiesen, von denen es nicht alles aus Platzgründen in den Artikel geschafft hat (etwa die FAZ-Blogs und das Knüwer-Blog beim Handelsblatt als positive Beispiele für Blogs von großen Verlagen in Dtl). "aus meiner sicht bremst ihr (netzwertig) deutschsprachige gründer eher mit solchen motzigen artikeln, als dass helft und motiviert. zeigt doch lieber mal auf wie, womit und warum es besser gehen könnte." Mit Verlaub, Andy, entweder liest Du netzwertig nicht regelmäßig oder Du hast Dich so sehr über den Artikel geärgert, dass Du unsere übrigen Artikel hier jetzt komplett ausblendest. Abschließend: Ich bin kein "Motzblogger" und versuche nicht, möglichst alles niederzuschreiben o.ä.. Wir versuchen hier auf netzwertig.com bewusst, gute Konzepte und Ansätze zu unterstützen und zu zeigen, was, warum und wie etwas besser gemacht werden könnte (womit man sich dann wieder dem Vorwurf des Besserwissers gegenübersieht, niemand kann man es recht machen.. :)). Ich schreibe ehrlich gesagt lieber über positive Dinge. Es macht mir mehr bei weitem Spass, über das Echtzeitweb oder die Möglichkeiten von APIs zu schreiben, als darüber, dass in Deutschland Blogs einfach noch keine relevante Reichweite haben oder dass die deutsche Politik dabei ist, aus Unwissenheit oder anderen Gründen das Netz zu demontieren (oder dass die Möglichkeiten von APIs und dem Echtzeitweb weitgehend von der deutschen Startup-Welt ignoriert werden). Die letzteren Sachverhalte sind aktuell aber einfach aus meiner Sicht dringender, weil alles zusammen auf einen problematischen Gesamtkomplex verweist, den man angehen muss. Dazu muss man es aber erst einmal benennen. Angesichts der Tatsache, dass die deutschen Verlage beginnen, gegen das Netz, wie wir es kennen, mobil zu machen, sehe ich ziemlich schwarz für die Zukunft. Besonders wenn wir uns im Web gegenseitig selbst auf die Schultern klopfen und einreden, dass das mit dem Web und Deutschland doch ganz okay sei. Weit 'gefährlicher' als mein "Motzen" für das deutsche Web ist die ungerechtfertigte Selbstgefälligkeit, die ich in dt. Blogs und bei dt. Gründern sehe. Das mag ich mir nicht mehr mit ansehen. The gloves are off. :)

  • Andy Lenz

    10.07.09 (11:54:22)

    ja herr journalist, du hast recht. deutschland ist total scheiße und USA rockt... auf probleme hinweisen ist einfach. in meinen augen tust du das zu häufig, übertreibst und hast keine lösungsansätze. aber genau letzteres ist doch worum es geht. ich lese deine kopflastigen überlangen posts zunehmend ungern und finde sie oft kontraproduktiv. falls ich zeit hab, lese ich dann doch lieber tweets, texte von den arringtons und chris andersons der welt, oder auch pragmatisches von deutsche startups, gründerszene, http://stadt-bremerhaven.de und http://www.aptgetupdate.de z.B. schreib doch mal ein how to! ;)

  • Marcel Weiss

    10.07.09 (12:07:30)

    "ja herr journalist, du hast recht. deutschland ist total scheiße und USA rockt…" Das habe ich nie gesagt oder gemeint. Wer glaubt, dass Deutschland im Rahmen seiner Möglichkeiten die Potentiale des Webs so nutzt wie es in den USA oder anderen Ländern der Fall ist, der ist einfach auf dem Holzweg. Dass darauf hinzuweisen in deinen Augen unredlich ist, habe ich mittlerweile verstanden. Und dass Du bei mir keine Lösungsansätze vorfindest, kann ich mir nur damit erklären, dass Du meine Artikel nicht liest. Schade. Ich denke, auf der Ebene, die Du jetzt hier einschlägst, brauchen wir uns nicht weiter unterhalten.

  • Peter Hogenkamp

    10.07.09 (12:12:56)

    (Marcel, schreibst Du Deine 1500-Zeichen-Kommentare auf dem iPhone? Hut ab vor soviel Leidensfähigkeit! Von solchen Leuten müssten wir mehr haben in Deutschland, dann gäb's die ganze Diskussion nicht.)

  • Marcel Weiss

    10.07.09 (12:19:09)

    @Peter: Nee, ich sitz am Laptop. :)

  • Andy Lenz

    10.07.09 (12:19:34)

    nun ja, bei RWW und diesem artikel lassen sich jedenfalls keine lösungsansätze finden. und ja, ich lese deine artikel wirklich nicht alle, weil mir oft erdung fehlt und ich nicht sonderlich auf abstraktion stehe. deine ebene bzw. dein niveau ist mir einfach zu hoch marcel ;)

  • Sascha

    11.07.09 (17:20:07)

    Allein in New York leben eine riesige Menge an Nationalitäten die in vielen Fällen das Netzt nutzen um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben. Oft sind diese Weltweit verstreut. In so einem Multi Kulti Land ist es doch ganz normal das ein solcher Prozess wie der des Web 2.0 überproporational voran getrieben wird.

  • Frank

    14.03.10 (16:11:02)

    Statt aufzuholen könnt man ja auch einfach mal überspringen.

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