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09.07.09

Social Media in Deutschland: Es gibt viel aufzuholen

Social Media und Bürgerjournalismus werden es in Deutschland zwar auch zukünftig nicht leicht haben, aber es gibt Lichtblicke: netzwertig.com-Redakteur Marcel Weiß beschreibt dem US-Tech-Blog ReadWriteWeb, wie es um die deutsche Webszene bestellt ist.

Aufholen ist angesagtWo steht die deutschen Blogosphäre und Startup-Szene im Jahr 2009? Dieser Frage wollte das bekannte englischsprachige Tech-Blog ReadWriteWeb (RWW) auf den Grund gehen und hat dazu netzwertig.com-Redakteur Marcel Weiß zum Interview gebeten.

Das Ergebnis ist eine der besten Zusammenfassungen zum Stand der hiesigen Internetkultur, die ich seit langem gelesen habe. Kompakt, kritisch, aber nicht schwarzmalerisch. RWW-Autor Frederic Lardinois skizziert in seinem Deutschland-Porträt ein Bild, das von einer grundlegenden Skepsis etablierter Medien und Institutionen gegenüber dem Web geprägt ist - welches bevorzugt als Hort allen Ungemachs beschrieben wird.

Lardinois befragte Marcel zum Einfluss von Blogs auf die Politik ("gering, aber zunehmend"), zum Vertrauen der Deutschen in die Massenmedien ("hoch") und zur Innovationsfreude hiesiger Startups ("kaum vorhanden, aber es gibt Ausnahmen"). Fazit: In Sachen Social Media hinkt Deutschland im Vergleich zu den USA oder anderen Ländern um rund fünf Jahre hinterher.

Ein meiner Ansicht nach deutliches Indiz dafür ist das problematische Verhältnis zwischen Profi-Medien und Bloggern, das hierzulande nicht selten von Feindseeligkeit und Arroganz geprägt ist. Unser in den USA lebender Chefredakteur Peter Sennhauser berichtete mir, wie sich die Situation auf der anderen Seite des Atlantiks von der hier unterscheidet: Dort haben Blogs eine gesellschaftliche Relevanz, und selbst große Fernsehstationen widmen sich verstärkt dem "Bügerjournalismus".

Das US-Fernsehen mag Blogs

Ähnlich sieht es in Schweden aus, wo ich derzeit lebe. Statt der in Deutschland verbreiteten Abneigung gegenüber allen, die schreiben, ohne dazu ein vollständiges Journalismus-Studium absolviert zu haben, stellen schwedischen Zeitungen Blogs auf ein Podest und schauen zu ihnen auf. Einer der bekanntesten schwedischen Blogger sah sich daher vor einigen Tagen gezwungen, die klassischen Medien zur Mäßigung aufzurufen. Seine sinngemäße Mahnung an die führenden Tageszeitungen: Blogger kochen auch nur mit Wasser. Aus deutscher Sicht unvorstellbar.

"Die Aussichten für die Netzkultur in Deutschland sind nicht rosig, aber es gibt Lichtblicke, die hoffen lassen", so das Fazit des RWW-Beitrags. Zu diesen gehören der Online-Wahlkampf rund um die Bundestagswahl, die immer stärkere Präsenz von Twitter in den auflagenstarken Medien sowie das Vorhandensein einiger interessanter Dienste und Initiativen, die das Social Web im Allgemeinen und Blogging bzw. Microblogging im Speziellen doch noch zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen könnten.

Ich werde mir den Artikel für den 9. Juli 2014 auf Wiedervorlage legen. Vielleicht klingen die beschriebenen Probleme der deutschen Web-Landschaft in fünf Jahren für uns genauso abwegig wie heute der Gedanke, dass Blogger von den (Holz)medien auf ein Podest gestellt werden.

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