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23.07.10Leser-Kommentare

Social-Media-Blase: Die Überhitzung eines Trends

Social Media ist DAS große Thema in Unternehmen. Bei manchen scheint es die Vernunft auszuschalten.

 

Als vor drei Jahren jeder über das Web 2.0 sprach und unzählige Social Networks und Online-Startups im für diese Ära typisch bunten, verspielten Design online gingen, sprach man schnell von einer Web-2.0-Blase. Dabei bezog man ich auf eine wiedererstarkende, euphorische Internetwirtschaft, in die nach vielen Jahren der Ebbe wieder kräftig Geld investiert wurde, der es jedoch an tragfähigen Geschäftsmodellen mangelte.

Der große, mit dem New-Economy-Crash vergleichbare Knall blieb zwar aus, aber eine Konsolidierung der Startuplandschaft fand dennoch statt. Eine Reihe ambitionierter Dienste musste sich von den Nutzern verabschieden.

Drei Jahre nach dem Höhepunkt der Web-2.0-Begeisterung arbeitet ein weiterer Hype auf seine Überhitzung hin. "Social Media" ist als Buzzword in aller Munde und hat die Erwähnungen des alternden Web-2.0-Begriffs zum Jahreswechsel überholt (gefühlt jedoch schon deutlich früher).

Social Media vs Web 2.0

Während Social Media ähnlich wie Web 2.0 zu unterschiedlichsten Definitionen führen kann, wird es beim Zurückblicken in einigen Jahren wahrscheinlich als die Periode bezeichnet werden, in der sich große wie kleine Unternehmen abseits der Internetbranche erstmalig an einen Dialog mit ihren Zielgruppen wagten, ermöglicht durch neue, vielseitige digitale Kommunikationskanäle.

Da das Internet mittlerweile ein echtes, klassischen Mediengattungen haushoch überlegenes Massenmedium ist, spricht in der Tat viel für eine tiefgehende Integration der digitalen Welt in Unternehmensprozesse, in Marketing und in HR. Doch wie so oft bei neuen Trends, die zu omnipräsenten Hypes werden und eine Art Goldgräberstimmung auslösen, kann man es leicht übertreiben. Zwei aktuelle Beispiele illustrieren dies:

Gestern wurde bekannt, dass das Männer-Lifestylemagazin FHM seine Website www.fhm-online.de abgeschafft hat und die Adresse auf seine Facebook-Präsenz weiterleitet. kress.de zitiert den FHM-Verlag Egmont mit folgenden Worten:

"Wir sind da, wo unsere Leser sind, auf Facebook: Die Interaktion mit unseren Lesern ist für uns das Wichtigste. Für das Geschäftsmodell einer Website sehen wir langfristig keine Perspektive."

FHM erklärt also die klassische Website für tot und setzt fortan alles auf seine Facebook Page. So sinnvoll es derzeit auch sein mag, bei der wichtigsten Onlineplattform der Welt anwesend zu sein und aktuelle sowie potenzielle Leser dort abzuholen, so riskant ist es, alles auf diese eine Karte zu setzen.

Ist dem Egmont-Verlag bewusst, dass sein Onlineschicksal nun komplett in der Hand eines einzigen Unternehmens liegt? Facebook könnte die Präsenz von heute auf morgen schließen (vielleicht wegen Fotos von zu leicht bekleideten Damen?). Es könnte plötzlich Geld von Betreibern einer kommerziellen Page verlangen. Oder es könnte der aus heutiger Sicht kaum vorstellbare, aber dennoch nicht auszuschließende Fall eintreten, dass Facebook von einem anderen Social Network abgelöst wird.

Sicherlich, all das sind theoretische Überlegungen, und da das Kerngeschäft von FHM laut Egmont ohnehin am Kiosk liegt (wie lange wohl noch?), kann man schlussfolgern, dass die Websites des Magazins bisher ohnehin eine geringe Bedeutung für den Verlag hatte.

Trotzdem wird dieser laut kress in Deutschland bisher einmalige Vorstoß wohl nicht ohne Nachahmer bleiben. Und auch wenn es in manchen Fällen womöglich klug sein kann, vollständig auf das virale Umfeld von Facebook zu setzen, so erscheint der Gedanke, die offene, unabhängige Struktur des Netzes komplett und aus freien Stücken für die Abhängigkeit von einem einzigen Unternehmen aufzugeben, äußerst leichtsinnig.

Ebenfalls ein klares Anzeichen dafür, dass die Euphorie um Social Media zu übereilten Maßnahmen führen kann, ist die Entscheidung der britischen Niederlassung des Eiscreme-Herstellers Ben & Jerry’s, ihren Newsletter-Abonnenten bis auf Ausnahmen keine E-Mails mehr zu senden und stattdessen ausschließlich über Social-Web-Kanäle mit Konsumenten zu kommunizieren. [Absatz aktualisiert]

Begründet wird die Entscheidung mit Feedback von Konsumenten, bevorzugt über Social-Media-Sites kontaktiert zu werden.

Ob der Fokus auf Kundenansprache über Facebook & Co Ben & Jerry's schaden wird oder nicht, spielt keine Rolle. Das Gefährliche an einem derartig pressewirksamen Schritt ist die Vorbildfunktion, die andere Firmen zu ähnlichen Handlungen animieren könnte.

Während Ben & Jerry's als beliebte Premium-Eismarke mit über 1,3 Millionen Fans bei Facebook vermutlich wenig durch die Einstellung des Newsletters verliert, ist die Aufmerksamkeitsspanne von Facebook- und Twitter-Nutzern auch nicht unbegrenzt. Der Stream-Charakter sorgt zudem dafür, dass Botschaften leicht untergehen - mitunter sogar leichter als im E-Mail-Postfach.

Social-Web-Services für den Dialog mit Verbrauchern einzusetzen, ist definitiv empfehlenswert. Doch heißt das nicht, dass dadurch bisherige Kommunikationskanäle wegfallen müssen. Zumal ein E-Mail-Newsletter auch dann noch funktioniert, wenn ein auf den eigenen Profit bedachter Webdienst - aus welchen Gründen auch immer - plötzlich nicht mehr die optimale Kommunikationsplattform darstellt.

Firmen, die ihre gesamten Kommunikationsprozesse ausschließlich auf Social Media setzen, begeben sich in eine extreme Abhängigkeit. Dabei gehört zu smartem Unternehmertum doch eigentlich dazu, Risiken und Abhängigkeiten zu minimieren. Oder?

(Illustration: stock.xchng)

Kommentare

  • Stefan

    23.07.10 (09:10:06)

    Jawoll, wieder einmal voll auf dem Punkt! Ich verstehe auch nach wie vor nicht, warum man Newsletter und Social Media trennen will. Auch ein Newsletter ist für mich ein Social Media Element und den abzuschaffen, ist der falsche Weg. Es wird nach wie vor noch jede Menge Kunden geben, die ein interessantes Angebot gar nicht mitbekommen bei all den Streams die sie versuchen zu überwachen. Ein direktes Angebot wird meiner Meinung nach immer effektiver sein, als die Streuung in der breiten Masse. Ich sehe eher die Zukunft in einem Tool in dem Mails und Social Media zentral gelesen, gestreut und beantwortet werden.

  • Karl-Heinz

    23.07.10 (09:34:52)

    @Martin: Danke für diesen Artikel. Für alle Social Media Tools (bis auf das eigene Blog auf der eigenen Domain) gilt: Sie gründen Ihre Webstrategie auf ein Fundament, das Ihnen nicht gehört! Würden Sie ein Haus auf fremdem Grund und Boden bauen? Ich nicht. Ich halte sogar 99 Jahre "Erbpacht" für kritisch. Um so unverständlicher ist es für mich, wenn Unternehmen den zunehmend wichtigsten Teil ihres Marketings auf Gedeih und Verderb Marc Zuckerberg & Co. übereignen. Social Media Networks sind gut und wichtig, um Traffic auf die eigene Website (sprich: das eigene Businessblog) zu treiben. Die Kundenkommunikation und Leadgenerierung muss aber in den eigenen vier Wänden stattfinden, nicht auf Facebook, Xing oder Twitter.

  • Anne Schüller

    23.07.10 (09:45:56)

    zu "Social Media ist als Buzzword in aller Munde und hat die Erwähnungen des alternden Web-2.0-Begriffs zum Jahreswechsel überholt": Web 2.0 ist ein technologischer Begriff, Social Media ein zutiefst menschlicher. Deshalb konnte der zweite den ersten Begriff schlagen. Wir sind alle soziale Wesen und keine Bits und Bytes. Anne Schüller

  • Das Wort

    23.07.10 (09:52:39)

    DAs Vorgehen von "FHM" zeigt klar, das die Entscheidungsträger von FHM immer noch keinerlei Ahnung vom Internet und seine echten Möglichkeiten haben. Eine eigene Internet-Präsenz aufzugeben ist gleichzusetzen mit der Aufgabe selbstständig zu entscheiden und selbstständig neue Trends und Inovationen zu bringen, es ist auch gleichzusetzen mit dem Beginn der Aufgabe seiner Identität und wird wohl früher oder später sogar unweigerlich zur kompletten Pleite führen.

  • Lukas Gärtner

    23.07.10 (09:53:18)

    Die Argumente sind nachvollziehbar wenn man sich die Bewertung von Sachen wie Second Life oder World of Warcraft ansieht, nach einem Boom ist ihre Bedeutung zurückgegangen. Aber Investitionen ins Marketing via diesen Plattformen sind nicht anders nutzbar. Trotzdem glaube ich die Gefahr ist bei FB kleiner, da es eine universeller nutzbare Plattform ist, das Telefonbuch der Zukunft.

  • Michael S

    23.07.10 (10:13:23)

    Stimmt. Zur 99 Jahre Erbpacht: hier hat es Guinness richtig gemacht: "On 31 December (1759) he signed (up to) a 9,000 year lease at £45 per annum for the unused brewery." Jetzt sind es zwar nur noch 8,750 Jahre, aber wirklich 'kritisch' wird es wohl noch nicht ;-)

  • Michael S

    23.07.10 (10:18:25)

    Es könnte plötzlich Geld von Betreibern einer kommerziellen Page verlangen. Bei einer Marke wie FHM halte ich das Argument als zu vernachlaessigen. Wenn man im Gegenzug die eigene Website abschaltet, muesste Facebook eine ziemlich grosse Summe verlangen um finanziell schlechter auszusteigen. Den anderen Argumenten mit den leicht bekleideten Damen und dem 'ausser Mode kommen' von Facebook stimme ich zu. Richtig interessant wird das Ganze dann wenn ihnen der Printmarkt wegbricht - was ziemlich sicher kommen wird. Vermutlich allerdings nicht so schnell wie in der Zeitungsbranche ...

  • Nick

    23.07.10 (10:32:31)

    Ich halte es auch für sehr bedenkenswert alle Internetaktivitäten auf diesen einen Punkt zu konzentrieren. Es ist ein (nicht unwichtiger) Baustein aber ich denke eine breit aufgestellte Internetpräsenz Website, Blog, Facebook, Twitter auch Newsletter uvm. machen den Online-Marketingkorb erst voll. Man möchte ja für alle Kunden, die sich für einen interessieren erreichbar sein und bleiben (glaube ich zumindest). @anne "Wir sind keine Bits und Bytes" - schön gesagt

  • wortwart

    23.07.10 (11:56:32)

    Dass der Begriff "Web 2.0" verschwindet, liegt bestimmt nicht daran, dass er (@anne) zu technologisch ist - was für eine Technologie soll das sein? Web 2.0 war ein Buzzword, das niemand richtig erklären konnte und das irgendwann keine Unterscheidungskraft mehr besaß; "Social Media" ist etwas konkreter. Ich würde mich auch der Einschätzung anschließen, dass es eine grobe Dummheit ist, den eigenen Internetauftritt einem Fremdanbieter in den Hals zu schmeißen. Übersetzt ins Jahr 1998 wäre das, als gäbe man die eigene Website zugunsten von Geocities auf ... Die großen Verlage hängen sich zur Zeit hysterisch verzweifelt an jeden Trend (siehe iPad- & App-Wahn). Die Gefahr, wegen unzüchtiger Inhalte rausgeschmissen zu werden, ist nicht zu unterschätzen - ich habe mit Facebook jedenfalls schlechte Erfahrungen gemacht: http://www.feigenblatt-magazin.de/2010-02-23_wir-sind-schmutz-sagt-facebook.html.

  • Slash

    23.07.10 (12:20:24)

    Das erinnert mich an frühere Zeiten "Diese Seiten sind für den Internetexplorer optimiert" mit dem gleichzeitigen aussperren alternativer Browser. Wo sind heute die 95% Marktanteil des IE geblieben?

  • Marco Wegleiter

    23.07.10 (13:30:54)

    Ich finde diesen Vorstoß mutig und bemerkenswert und nicht "gefährlich". Ich teile auch Ihre "Facebook-Angst" nicht. Facebook will wachsen und Geld verdienen und sicher nicht seine Kunden loswerden. Tatsache ist, dass herkömmliche Webseiten für den Nutzer immer irrelevanter werden. Das Verhalten der Internetnutzer ändert sich eben, das sollte man akzeptieren.

  • Son of a Bit

    23.07.10 (14:02:19)

    Schwierig. Facebook will vor allem Geld verdienen. Wie schnell es geht das die TOS umgeschrieben werden, konnte man sowohl bei Facebook als auch Apple beobachten. 3rd Party Entwicklungssoftware raus, damit haben manche Companies durchaus ihre Schwierigkeiten bekommen, inzwischen hat sich die Diskussion auch wieder gelegt. Aber zurück bleibt ein ungutes Gefühl. Es ist in keinster Weise besonders schlau sich der Willkür von Anbietern auszusetzen, deren Strategie sich auch ganz schnell ändern kann. Macht wird ausgenutzt, je mehr Anbieter blindlings vertrauen, desto schneller wird die Macht anwachsen. Und plötzlich werden sich alle bewusst, dass sie keine vernünftige Alternative mehr haben. Und obendrein besitzt das Gesichtsbuch auch noch alle Nutzerdaten, mmmh.

  • Son of a Bit

    23.07.10 (14:10:45)

    Und Webseiten werden irrelevant? Diese haltlose These stammt natürlich von einem Social Media Marketer. Gott lass Hirn regnen. Kanäle existieren parallel und nicht alles konzentriert sich plötzlich an einem Ort. Wenn ich mich über ein Produkt informieren will, dann schau ich doch nicht bei Facebook sondern auf der Seite nach. Und ich muss auch nicht den Hersteller meiner Socken frienden.

  • Mirko Lange

    23.07.10 (14:16:46)

    Hallo Matrin, interessante Gedanken und ich danke dir, darauf aufmerksam gemacht zu haben. Nur: Ich frage mich, was jetzt "überhitzt". Die Social Media Blase oder die Spekulationen darüber. Du nennst jetzt zwei (in WOrten: zwei) Unternehmen, die Tile (in Worten: Teile) ihrer Kommunikation durch Social Media Tools ersetzen. Wohl gemerkt, FHM hat weiter ein Print-Zeitschrift, schreibt weiter Briefe, und wird wahrscheinlcih auch weiterhin Medienarbeit machen, telefonieren usw.,usw. Analoges gilt wohl auch für Ben & Jerrys. Irgendwann gab es ja auch mal eine Zeit, da haben Unternehmen auf das Fax verzichtet und sind auf E-Mail umgestiegen. WIr haben einfach eine neue Kommunikationsform, und die kann man inzwischen als etabliert betrachten. Für mich gibt es überhaupt keine Zweifel, dass ganz viele Menschen immer weniger über E-Mail und immer mehr über Instant-Messaging, Tweets, Pinwand-Einräge etc. pp. miteinander kommunizieren. In manchen Peer Groups wird auch die E-Mail in der privaten Kommunikation weitgehend verschwinden. Und dazu kommt: Es gab schon immer Unternehmen, die weniger kluge Sachen gemacht haben. Also einfach mal ganz entspannt bleiben, das hat schon alles seine Ordnung :-)

  • Marcel Weiss

    23.07.10 (14:18:21)

    Kurzer Hinweis, weil Du meinen Artikel unter 'kaum vorstellbar' verlinkt hast: "Oder es könnte der aus heutiger Sicht kaum vorstellbare, aber dennoch nicht auszuschließende Fall eintreten, dass Facebook von einem anderen Social Network abgelöst wird." Ich glaube schon, dass Facebook irgendwann von irgendwas abgelöst werden wird. Es ging mir nur um die nächsten Jahre, nicht um die Ewigkeit. :) Was die FHM-Entscheidung angeht: Marco Wegleiter hat recht. Man kann sich weitgehend auf die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens verlassen. FB wird nicht amok laufen und Page-Verwalter in Geiselhaft nehmen. Trotzdem bleibt die Entscheidung dumm. Jeder, der sich auf einen Lieferanten oder einen Kunden beschränkt, handelt strategisch fahrlässig, besonders wenn es dafür keinen Zwang gibt. Dass ausgerechnet ein Medienunternehmen diese Richtung geht, ist beachtlich. Wenn man schon den Leuten folgt (was ja durchaus richtig ist), dann hätte man die Prioritäten verschieben können: Also etwa von eigene Website plus Facebook-Aktivität zu Facebook-Aktivität plus eigene Website. Die Website zugunsten von FB abschalten, ist aufgrund der dadurch entstehenden Abhängigkeiten schlicht dumm.

  • Martin Weigert

    23.07.10 (15:12:57)

    @ Mirko Facebookbiz.de verweist auf ein drittes Beispiel. Und dann gibt's natürlich eine Dunkelziffer sowie eine Reihe von Firmen, die solche Aktionen fälschlicherweise zum Vorbild nehmen. Insofern halte ich es für wichtig, auf mit solchen Schritten verbundene Problematiken hinzuweisen. @ Marcel Sorry. Ich gehe natürlich davon aus, dass jeder, der auf den Link klickt, dann auch deinen Text liest. Aber danke für die Klarstellung ;)

  • Mirko Lange

    23.07.10 (15:40:52)

    Hi Martin, ja klar, finde ich auch wichtig. Ohne Frage. Man muss sich damit auseinandersetzen. Aber wir tun auch alle gut daran, die Kirche im Dorf zu lassen. WIrklich, alle, mit denen ich rede, haben eine sehr gesunde Einschätzung von Social Media. Die Vorsichtigen sind nach meinem Geschmack etwas zu defensiv, aber selbst die Euphorischen erkennen, was Social Media kann und was nicht.

  • Stephan

    23.07.10 (15:44:25)

    Danke für den Artikel! Social Media ist toll aber auch ein Mythos. In den Online-Werbemarkt gehen ca. 6% der Werbeausgaben in 2010 in Deutschland. Social Media hat da nur einen geringen Anteil. Der Großteil wird in Display und Search investiert. Im Marketing/ Werbemarkt ist Social Media als noch LANGE nicht so relevant wie die klassischen Medien!

  • Rainer Demski

    23.07.10 (16:48:36)

    Guter Beitrag, vielen Dank. Allerdings zu dem Besipiel FHM: Das ist ja auch keine Social Media- und schon gar keine Webmarketing-Strategie. "one-channel-fits it all" ist längstens sinnlos, seit Tim Berners-Lee den Hyperlink erfunden hat. Dem dezentralen Mediennutzer gehört die Zukunft - genau wie der neuen Spezies des Vermarkters, der ihn genau dort aufspüren und ansprechen kann, wo er gerade ist. In diesem Sinne ein sonniges WE, // RD

  • Frank

    23.07.10 (18:37:51)

    Social Media permanent nur unter Marketing-Gesichtspunkten zu sehen ist ein überholter Ansatz. Social Media wird unser Kommunikationsverhalten nachhaltig verändern. Es ist egal ob es Facebook in ein paar Jahren noch geben wird oder ob es anders heißt. Das Prinzip wird überleben. Ich bin seit 1994 im Internet aktiv und habe alles mögliche schon erlebt. Aber das rasante Wachstum von Facebook ist schlicht einmalig. Jeden Tag kann ich sehen wie unsere 400 "FANS" interagieren und bin über die Freizügigkeit hinsichtlich der Privatsphäre immer aufs neue verblüfft. Die Entscheidung von FHM ist sicher wohl überlegt und auf jeden Fall ein riesen Marketing-Erfolg! Ausserdem ist das kein Dogma FHM kann doch jederzeit wieder zurückrudern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man im Vorfeld nicht mit Facebook gesprochen hat. Wahrscheinlich gibt es sogar Verträge und es fließt Geld, vergleichbar mit ganz normalem Hosting. In Kürze werden wir wohl Business-Modelle von Facebook sehen. Welche Firma baut ihr Haus schon auf fremden Grund. Der Grund wird gemietet oder gekauft. Verträge sichern alles ab. Man wollte einfach die Nummer eins sein. FHM hat historische Fakten geschafen und jede Menge Aufmerksamkeit erzeugt. Hut ab! Gruß Frank @Karlheinz: Schön den blogtrainer auch hier zu entdecken! :-)

  • spltny

    23.07.10 (20:15:51)

    Das wichtigste im Netz ist die eigene Marke und die eigene Domain. Das ist das, was ein Unternehmen hat. Seine eigene über Jahre aufgebaute Markenidentität für eine Fremdmarke aufzugeben, über die man keinerlei Einfluss hat, ist marktstrategisch absolut hirnrissig. Jeden "Social-Media-Berater", der einem Unternehmen dazu rät, die eigene unabhängige Präsenz zugunsten einer Fremdplattform zu opfern, sollte man direkt rausschmeißen.

  • Christian2010

    23.07.10 (20:41:02)

    Web 2.0 war ein Buzzword, das niemand richtig erklären konnte und das irgendwann keine Unterscheidungskraft mehr besaß; “Social Media” ist etwas konkreter. An dieser Stelle möchte ich gerne helfen. Der Begriff "Web 2.0" ist sehr wohl einfach und leicht zu erklären. Mit der Entwicklung verschiedener Angebote im Internet, bei denen der Nutzer unmittelbar im Zentrum des Geschehens stand und die Inhalte (mit)gestalten konnte, brauchte man einen Begriff für das "neue" Web. Wie in vielen anderen Bereichen (z.B. Softwareentwicklung, Dateiversionen etc.) üblich hat man dem Begriff einfach eine Versionsnummer angehängt, sodass sich der Begriff "Web 2.0" ergab... war doch nicht so schwer, oder? By the way: "Web 2.0" und "Social Media" sind für mich weitestgehend als synonym zu betrachten.

  • Christian2010

    23.07.10 (20:45:14)

    Prinzipiell kann ich mir schon vorstellen, dass es für Unternehmen in wenigen Jahren eine Alternative zur Website gibt. Dass diese aber in Form einer Ablösung der Website durch die Facebook-Seite gefunden werden soll, halte ich für höchst bedenklich. Aber ich denke die Damen und Herren werden sich was dabei gedacht haben. Anderenfalls haben sie so viel Ahnung vom Internet wie unsere Herrschaften aus der Politik...

  • Daniel Niklaus

    23.07.10 (21:34:59)

    Dabei gehört zu smartem Unternehmertum doch eigentlich dazu, Risiken und Abhängigkeiten zu minimieren. Oder? Einige smarte Unternehmer gewinnen, weil sie sich abhängig machen. Der SAP-Berater, der auf MS-Software spezialisierte Entwickler, die lokale Automarkenvertretung, der Markenimporteur, Zynga, Wintel...frei nach dem Motto: ein Ökosystem um den Walfisch. Ohne die vorherigen Userzahlen, den Trafik, den Suchmaschinentrafik, die Werbeeinnahmen und die Kostenstruktur des Onlineangebots von FHM zu kennen, ist eine solche Analyse unseriös. Es kann sehr wohl sein, dass sich dieses Risiko lohnt, wenn dadurch die Chancen erhöht werden.

  • Motzknödel

    23.07.10 (21:35:39)

    Verträge mit facebook? Ich wette dagegen! Der Egmont Verlag hat ziemlich sicher die billigste Möglichkeit für einen Relaunch gesucht - und gefunden! Ich bin dennoch nicht sicher ob das nicht eine gute Idee war. Wenn man schon keine Strategie hat um online Geld zu verdienen kann man immer noch den Dialog "mitnehmen" der den Marken ohnehin aufgedrängt wird. Für echte Unternehmen ist das natürlich keine Option, aber für Medien-Zombies doch eine ideale Sparmaßnahme.

  • Sascha Pallenberg

    23.07.10 (21:47:58)

    Ich finde den Beitrag extrem wichtig und stimmt dir im grossen und ganzen auch zu aber diese beiden Beispiele? FHM und ein Newsletter von Ben und Jerrys? Die einen sind irrelevant und die anderen schliessen einen Kommunikationskanal, der aehnlich erfolgreich und aktuell ist, wie ein Fax-Geraet. Beide koennen nur gewinnen!

  • Martin Weigert

    23.07.10 (21:50:28)

    Ja aber sie alle können früher oder später durch diese Abhängigkeit Probleme bekommen. Zynga z.B stand ja schon kurz vor dem Bruch mit Fb. Abhängigkeiten als Vorteil anzupreisen, halte ich für unserios.

  • Verlegter

    23.07.10 (22:04:14)

    Wenn man die wahl hat zwischen herz-lungen-maschine und aussegnungshalle ist die abhängigkeit das kleinere übel.

  • Boris Macek

    23.07.10 (23:27:37)

    der entscheid ist in der tat sehr mutig. nun verdient facebook mit dem offensichtlich gefragten content von fmh geld. statt das fmh via facebook traffic auf ihre seite generiert und davon profitiert. ich halte dieses vorgehen für verzweifelt, strategielos und schlussendlich völlig falsch. wo genau liegt da das geschäftsmodell? jaja, print ist das wichtigste. das mag heute noch so sein und auch nächstes jahr noch. und dann? in den usa verkauft amazon bereits mehr bücher digital als gedruckt. hätte mir das vor 5 jahren jemand geglaubt? niemals...

  • spltny

    23.07.10 (23:56:54)

    Die oben angeführten Gegenbeispiele wie SAP-Berater oder Markenimporteur sind anders gelagert. Dort wird von Anfang an ein Konzept um ein Partnerunternehmen kreiert. Das ist Sinn und Zweck der jeweiligen Geschäftstätigkeit. Das Produkt bzw. die Dienstleistung gehört zur Fremdmarke und ist nebenbei vertraglich geregelt. Die Beispiele FHM oder Newsletter sind insofern treffend, als dass hier ohne Not die komplette Markenidentität bzw. eines der Marketingtools einfach abgetreten bzw. aufgegeben wird. Man kann ohne Probleme neben Facebook und co die eigene Website fortführen, ebenso wie man sich sämtliche Optionen weiterhin erhalten kann, seine Kunden zu erreichen. Das was hier passiert ist das unnötige Hineinmanövrieren in die totale marketingstrategische Abhängigkeit. Die vorher mit viel Geld promotete Domain leitet von der eigenen Website weg. Die Marke spricht nun nicht mehr für sich, sondern unterstützt nur noch den Traffic des Fremdanbieters, ohne dass man die geringste Einflussnahme auf dieses Unternehmen hätte. Idiotisch.

  • Daniel Niklaus

    24.07.10 (00:31:10)

    In meiner Antwort mache ich einen Unterschied zwischen FMH und der Aussage: "Abhängigkeiten zu minimieren". Abhängigkeit lohnt sich in vielen Fällen und genauso oft kann sie fatale Folgen haben. Die Spieltheorie ist da ein guter Ausgangspunkt, um das Thema zu vertiefen. Ob es sich für FMH lohnt? Ohne deren Web-Zahlen zu kennen, kann unmöglich beurteilt werden, ob es ein kluger Schachzug ist oder idiotisch. Da kenne ich zu viele Verlagsprodukte, die mit ihrer Website auf keinen grünen Zweig kommen. Eine Facebook-Lösung ist da kostengünstiger und kann sogar mehr bringt, als eine veraltete Website. Und wie steht das mit dem E-Mail? Einer unserer Kunden hatte in den letzten 6 Monaten ca. 30 neue Newsletter-Abo-Anmeldungen erhalten. Facebook Freunde gewann er ein Vielfaches mehr. Er überlegt sich ebenfalls, ob er noch Newsletter versenden soll... @Martin Was würde Bill Gates auf die Frage antworten: "Haben Sie sich nicht zu fest von IBM abhängig gemacht?"

  • Meeresbiologe

    24.07.10 (03:37:54)

    Ich finde den Schritt gerade für ein bekanntes Erotikmagazin auch merkwürdig, aber das Schöne am Internet ist ja, dass im Internet im Rahmen der Gesetze jeder tun und lassen darf, was er will. Also auch sich mehr oder weniger aus dem Internet verabschieden. Diesen Einzelfall muß man vermutlich mehr als Dummheit denn als Überhitzung eines Trends begreifen. Zumal man aus solchem Einzelfall sowieso schwerlich einen Trend ablesen kann.

  • Martin Weigert

    24.07.10 (08:39:31)

    Mag sein. Die größte Gefahr ist daher die Vorbildfunktion dieses Schritts. deshalb muss man rechtzeitig warnen.

  • Martin Weigert

    24.07.10 (08:40:57)

    splnty hat den Sachverhalt bzw Unterschied gut erklärt.

  • Karl

    24.07.10 (12:17:31)

    Wichtig finde ich vor allem, dass Dienste-unabhängige Formate "nach außen" unterstützt werden (wie RSS-Feeds), damit man sich an zentraler Stelle über Entwicklungen auf dem Laufenden halten kann. Ich habe zwar Konten bei den "wichtigen" Social Networks, möchte diese aber nicht täglich ansurfen müssen. Statt dessen verwende ich E-Mail und meinen RSS-Reader, um auf dem Laufenden zu bleiben. Das ist eine feine Sache.

  • Sayd

    24.07.10 (12:30:03)

    Also warum die FHM ihre Seite zu macht - das werde ich auch nie verstehen. Selbst wenn man sich um die Seite vielleicht nicht mehr so aktiv kümmert wie um das Magazin, so kann man das ja doch noch ein bisschen mitlaufen lassen. Die Lösung ist allerdings sicherlich keine lang Lösung..

  • Christian Mueller

    26.07.10 (18:01:14)

    Immer dieses email-Marketing und Newsletter Gebashe. In sehr vielen Branchen dienen emailing Kampagnen zur Verkaufsförderung und dafür funktioniert dieser Kanal auch. Impuls Käufe, Trägheit der Konsumenten sich zu informieren, Massenmarkt-Tauglichkeit durch einfachstes Medium etc. Gebe den Kommentatoren der Mehrkanal-Theorie recht und bin mir sicher, dass wir auch noch in 10 Jahren ordentlich email-Marketing Power sehen werden, aber so manche social media Plattform nicht mehr...

  • Monika E. König

    26.07.10 (22:54:42)

    Ein HERZLICHES HALLO an alle! Ich finde beide oben kritisierten Vorgehensweisen mutig und gut. SOLANGE die Unternehmen flexibel und reaktionsschnell bleiben. Ehrlich gesagt habe ich mir auch schon überlegt, meine Telefonnummer zugunsten des E-Mail-Accounts abzuschaffen. Die guten Jobs kommen sowieso nur über zweiten Kanal rein. ;) ... da handle ich ganz nach der alten Weisheit meiner Kindheit: Was Du tust, das tue recht, denn halb getan ist meistens schlecht. (Also warum dann nicht mal - mutig - Webseite abschaffen, Telefonnummer abschaffen, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren?) ... oder bin ich jetzt zu Digital Native?? die mons7

  • Daniel Hinderink

    11.08.10 (12:29:46)

    Habe diesen Artikel zum Anlass genommen das Beispiel FHM als Begründung für ein "Web Experience Management" zu verwenden: http://t3n.de/news/web-experience-management-eigene-website-facebook-276909/

  • Maximilian Reiter

    13.08.10 (15:44:04)

    Ich halte die Strategie der FHM komplett auf eine eigene Webseite zu verzichten für ganz schön gewagt. Allein aus dem Grund, dass eine Facebook Fanpage gar nicht die Möglichkeiten bietet Medieninhalte zu präsentieren, wie es auf einer Webseite möglich ist. Und gerade bei einem Printmagazin, dass stark mit visueller Wahrnehmung zu tun hat, ist dies durchaus kritisch zu sehen. Bei einer Internetpräsenz, die "nur" News in Form von Text publizieren könnte ich dies ja noch eher nachvollziehen. Also ich würde keinem meiner Kunden zu diesem Schritt raten!

  • Daniel Niklaus

    13.08.10 (16:35:21)

    Was würdest du einem Kunden empfehlen, der die laufenden Kosten des Webangebotes nicht decken kann und vor dieser Situation steht (google insights)?

  • annab

    02.09.10 (11:27:48)

    Die Entscheidung von FHM ist hochgradig risikobehaftet. Aber mich wundert sowas nicht. Kenntnisse und vor allem praktische, eigene Erfahrung mit Social Media halten sich bei vielen Journalisten in Grenzen. Um es mal vorsichtig auszudrücken. Achja, und was Ben&Jerry angeht, da gibt es noch diesen Text: “In general, I think it’s a bit of a misunderstanding. The announcement came from our UK team, who was basically sharing that they planned to reach out to their fans via social media moving forward. I think they wanted to alleviate any fears from fans who previously received a newsletter style email to think that they had somehow fallen off the list. I believe they’re still keeping email as a venue for special events/opportunities as they mentioned they might still reach out via email. Again, this was a note from our UK team. I believe the rest of the Ben & Jerry’s folks around the globe (including us here at the HQ in Vermont who support the U.S. and the globe) are planning to continue to use: email, social media, text messaging, augmented reality, snail mail, vanilla guerrilla marketing, grassroots Social Mission endeavors, sky writers, deep-sea divers and of course… scoop trucks on the road.” - Sean Greenwood, Ben & Jerry’s

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