<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

29.03.12Kommentieren

Keine Chance den Copycats: Wrapp kündigt Start in Deutschland, Österreich und der Schweiz an

Der schwedische Gutscheindienst Wrapp wird in einigen Wochen in Deutschland, Österreich und der Schweiz starten. Mit der Expansion soll dem lokalen Samwer-Klon das Wasser abgegraben werden.

 

Meldungen über neue Klone aus dem Hause Rocket Internet, dem umstrittenen, aber zweifellos erfolgreichen Inkubator der Samwer-Brüder, gibt es momentan fast im Wochentakt. Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt, dass die Berliner Copycat-Schmiede selbst vor dem Nachahmen von Amazon nicht Halt macht.

Einige Wochen zuvor, im Februar, berichtete Silicon Allee über ein anderes geplantes Klonvorhaben der Samwers: Mit Dropgifts - das mittlerweile online ist - können Nutzer über das Smartphone einlösbare Geschenkkarten an Facebook-Freunde senden. Sowohl das Prinzip als auch einige Designelemente hat sich Rocket Internet in seiner typischen, wenig subtilen Art und Weise beim schwedischen Vorbild Wrapp abgeschaut. Wir hatten das bisher in dem skandinavischen Land und seit neuestem auch in Großbritannien und Norwegen aktive Startup im Januar vorgestellt.

Zur typischen Strategie der samwerschen Klonfabrik gehört es, mit großer Perfektion und maximaler Geschwindigkeit so viele attraktive Märkte (außerhalb der USA, wo das Original zumeist herkommt) wie möglich zu belegen, bevor das jeweilige Vorbild in diese vorstoßen kann - um dadurch in kürzester Zeit die Chance auf einen rauschenden Exit zu erhöhen. Doch Wrapp möchte Rocket Internet gar nicht erst die Gelegenheit geben, sich ungestört in Schlüsselmärkten auszubreiten - und hat deshalb heute den anstehenden Launch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkündet.

Gutscheine an Facebook-Freunde senden

Der Social-Gifting-Dienst ermöglicht es Facebook-Nutzern, über eine Browseroberfläche oder Apps für iPhone und Android Geschenkgutscheine an Freunde zu senden - entweder alleine oder als Sammelgutschein, bei dem mehrere Personen sich an einem Geschenk beteiligen. Das mittlerweile fast 40-köpfige Wrapp-Team um die Gründer Hjalmar Winbladh, Fabian Månsson, Andreas Ehn, Carl Fritjofsson und Aage Reerslev kooperiert dazu mit führenden Einzelhandelsketten und Onlineshops, deren Gutscheine über den Dienst erhältlich sind. Neben kostenpflichtigen Geschenkkarten stehen jeweils auch einige kostenfreie im Wert von ungefähr fünf bis zehn Euro zur Auswahl.

Wrapp richtet sich damit sowohl an einzelne Schenker, Gruppen eines Sammelgeschenks als auch an Schnäppchenjäger, die sich über die App innerhalb des Freundeskreises kostenlose Gutscheine zuschicken (an sich selbst können keine Geschenkkarten gesendet werden). Zum Einlösen muss die Wrapp-Smartphone-Applikation installiert werden, was dem mit Risikokapital renommierter Investoren ausgestatteten Jungunternehmen eine hohe Viralität beschert.

Launch in wenigen Wochen

Mehr als eine Million Gutscheine wurden bisher in Schweden verschenkt. Den Geschäften dient der Dienst laut CEO Hjalmar Windbladh sowohl als Kundenbindungs- als auch als Akquisetool. "Unsere Partner berichten, dass der generierte Umsatz um ein vier bis sechsfaches höher ist, als der im Gutschein angegebene Betrag", erklärt Windbladh, der unter anderem den VoIP-Anbieter Rebtel gegründet hat.

Die Expansion in den deutschsprachigen Markt wird zum Teil vom Firmensitz in Stockholm aus angetrieben. Allerdings plant das Startup auch die Eröffnung eines lokalen Salesbüros in Deutschland. Berlin oder München stehen laut Windbladh zur Debatte. Als Managing Director für die DACH-Region wurde Thomas Klews von EQT Partners angeheuert. Seit einiger Zeit schon laufen Gespräche mit Händlern. Der offizielle Launch von Wrapp wird laut Gründer Windbladh in einigen Wochen erfolgen.

Die Samwer-Brüder als große Herausforderung

Ein Grund für die deutlich beschleunigten Expansionspläne - das Unternehmen hat neben dem DACH- und US-Markt eine ganze Reihe weiterer Länder im Visier, in die es nun deutlich schneller vordringen möchte als bisher geplant - ist die Sorge, dass sonst lokale Nachahmer wie Dropgifts die wichtigsten, populärsten nationalen Einzelhandelsketten als Partner an sich binden. Denn diese sind Voraussetzung dafür, dass das Konzept aufgeht und bei den Konsumenten auf Nachfrage stößt.

"Wir möchten Händlern eine Möglichkeit geben, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, das diese Produktinnovation geschaffen hat und das diese auch konzeptionell weiterentwickeln wird", beschreibt Wrapp-CEO Windbladh, warum Händler mit den Schweden kooperieren sollten. In Bezug auf die Samwers merkt er an, dass Wrapp im Gegensatz zu ihnen niemals selbst E-Commerce-Angebote betreiben wird. "Wir haben keinen programmierten Interessenkonflikt", so der Entrepreneur mit Blick auf die mannigfaltigen Retail-Aktivitäten der drei Brüder.

Eine nachvollziehbare Argumentation, wenn man bedenkt, dass die Samwer-Brüder über Dropgift-Gutscheinpartner Verkaufsdaten der Ketten und Marken beziehen können, mit denen sie eventuell über einen der eigenen Onlineshops in Konkurrenz stehen.

Allein die Präsenz der Klonthematik sowohl in Wrapps Pressemitteilung als auch im Gespräch mit Windbladh zeigt aber auch, wie die Samwers mittlerweile in ganz Europa die Agenda für Startups vorgeben und sie zu eiliger Expansion zwingen. Inwieweit dies negative oder positive Auswirkungen auf das Ökosystem hat, darüber lässt sich sicherlich ausgiebig philosophieren.

Kommentare

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer