<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

23.08.08

Social Bookmarking: Ma.gnolia sucht das Heil in der Flucht zu Open Source

Ma.gnolia wird ab September in Version 2.0 unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht. Die jeweiligen Installationen werden dabei zum Mutterschiff zurücksyndiziert.

Ma.gnolia, vielleicht der hübscheste soziale Bookmarking Manager, hat ein eigenartiges Schicksal: alle – vor allem alle großen US-Techblogger – lieben und bejubeln es, Ma.gnolia macht der Checkliste nach alles richtig, aber keiner verwendet es.

Ma.gnolia könnte man wohl als Fallstudie dafür verwenden, um die Kluft zwischen dem, was immer nach dem nächsten grossen Ding lechzende Blogger promoten, und dem, was dem normalen Benutzer wichtig ist, zu analysieren.

Beispiel etwa dieser Artikel von Marshall Kirkpatrick auf ReadWriteWeb: Wie kann es sein, dass ein Dienst, der OpenID (!), APML (!!) und OAuth (!!!) unterstützt, gegen das schnöde Delicious, das das alles nicht macht und eigentlich auch noch hässlich ist, keinen Funken einer Chance hat?

Als Grund werden dann die Netzwerkeffekte genannt, aber der viel naheliegendere Grund ist, dass den Usern das alles schnurzegal ist. Wichtig ist ihnen nicht, dass ein Dienst offene Standards implementiert, sondern dass ein Dienst für sie funktional offen bzw. offen genug ist. Und es gibt keinen Dienst, der funktional offener ist als Delicious (Bookmarks rein, Bookmarks synchronisieren, Bookmarks exportieren).

Ende März diesen Jahres etwa hat Ma.gnolia den Anmeldemechanismus auf OpenID only umgestellt – und in der Folge die Userzahlen (wenn man Alexa glauben darf) effektiv halbiert. Als Option und für Leute, die damit sensibel umgehen können und wissen was sie tun, ist OpenID sehr nützlich. Aber alle User zu OpenID zu nötigen, gleicht derzeit einem rituellen Selbstmord.

Aber Ma.gnolia ist ein guter Dienst, der für einige Anwendungsfälle – weniger zum persönlichen Bookmarken, eher zum Aufbau eines thematischen Gruppenwissens etwa – sehr gut geeignet ist. Insofern verspricht dieser Artikel Ma.gnolia unter einer Open Source Lizenz zu veröffentlichen, etwas Hoffnung.

Interessanter als der Akt der Öffnung des Sourcecodes an sich ist eine damit verbundene Plattformstrategie das Monetarisierungsmodell.

Fortan kann jeder, der will, seine eigene Instanz von Ma.gnolia betreiben. Die Links werden aber zum Mutterschiff zurücksyndiziert und damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: einerseits motivieren sie Entwickler oder Seitenbetreiber in deren Eigeninteresse ihre Ma.gnolia-Installationen zu pflegen, eine funktionierende Community aufzubauen, etc. Gleichzeitig profitiert aber auch Ma.gnolia davon, weil der Wert der Sub-Communities zurückgespiegelt wird. Klassischer Fall einer Win-Win Situation. Seitenbetreiber bekommen ein Tool bzw. eine Gelegenheit, die sie sonst nicht hätten. Ma.gnolia bekommt Links und indirekt User, die sie sonst nicht hätten.

Die Ideen der Monetarisierung gehen in Richtung Professional Services – also Beratung, Konzeption, Modifikation, Hosting von Ma.gnolia Instanzen für Geschäftskunden, die nicht alles selbst machen wollen, und im Verkauf von value-add services für selbstgehostete Installationen. Der eingebaute Thumbnail-Dienst thmbnl etwa ist nur für die ersten 1000 im Monat erstellten Thumbnails kostenlos. Alle Details dazu sind hier [.pdf].

Ob diese Strategie für Ma.gnolia den Durchbruch bedeutet, bleibt abzuwarten. Die Entwicklung dürfte aber für einige andere Startups spannend zu verfolgen sein, weil es durchaus ein Weg sein kann, sich gegen einen dominierenden Platzhirsch zu positionieren. Auch laconi.ca / identi.ca versuchen etwa auf ähnliche Art, an der Dominanz von Twitter zu knabbern.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer