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28.08.14Leser-Kommentare

Snapchat: Das am meisten unterschätzte Startup der Social-Web-Branche

Snapchat hat sich in vielen Ländern neben Instagram, Facebook und WhatsApp als feste Größe unter den Kommunikations-Apps etabliert. Im deutschsprachigen Raum ist das ganz anders.

SnapchatSnapchat darf gut und gerne als der im deutschsprachigen Raum am meisten vernachlässigte und unterschätzte Anbieter des Social-Media-Zirkus bezeichnet werden. Während der Dienst zum Versenden und Empfangen von sich selbst zerstörenden Fotos bei uns nach wie vor keine große Rolle spielt und entsprechend wenig Thema in der Öffentlickeit ist, boomt er in anderen Regionen dieser Erde.

Erstmals sind nun Angaben zur Zahl aktiver Nutzer des Services bekannt geworden: 100 Millionen User verwenden Snapchat regelmäßig. Investoren bewerten das Startup mittlerweile mit bemerkenswerten zehn Milliarden Dollar. Auch wenn das Unternehmen bislang noch keine Umsätze generiert, hat es nach dem ersten Hype um den Dienst Ende 2012 unter Beweis stellen können, mehr als eine Eintagsfliege zu sein. Seitdem erschien auch eine Reihe von Nachahmern auf der Bildfläche, darunter Slingshot und Bolt aus dem Hause Facebook beziehungsweise Instagram sowie Taptalk aus Berlin. Doch am Ende ist es wie so oft das Original, das die kräftigste Wachstumskurve vorweisen kann.

 

Mittlerweile ist Snapchat neben WhatsApp die Applikation, über die Tag für Tag die meisten Fotos geteilt werden. Selbst Facebook und Instagram können da nicht mithalten. Eine ComScore-Untersuchung ergab, dass Snapchat im Juni nach Facebook und Instagram die populärste Social-Media-App bei amerikanischen Nutzern im Alter von 14 bis 34 Jahren darstellte. Vor Twitter und Pinterest. Diese Trends lassen den Schluss zu, dass sich Snapchat fest im Alltag der dortigen Smartphone-User etabliert hat.

Ein Blick auf die regionale Verteilung der Suchen nach Snapchat mittels Google Trends zeigt, wo Snapchat bislang seine stärksten Märkte hat: Island, Norwegen und Irland liegen auf den ersten drei Plätzen, gefolgt von Australien, Neuseeland, Großbritannien, den USA, Dänemark und Kanada. Das aus dem deutschsprachigen Raum stammende Suchvolumen ist dagegen zu vernachlässigen.

Bei der Analyse der Verbreitung in einzelnen Ländern empfiehlt sich auch ein Blick auf die App-Download-Rankings. In Apples App Store belegt Snapchat in elf Ländern den ersten Rang in der Kategorie Foto und Video, darunter etwa auch in Belgien und Frankreich. In 106 Ländern befindet sich die App immerhin in den Top 10 dieser Kategorie. Übrigens auch in der Schweiz (Platz 4), Deutschland (Platz 7) und Österreich (Platz 4). Ein ähnliches Bild liefern die Google Play Charts.

Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass sich Snapchat so langsam auch unter jungen Leuten im deutschen Sprachraum verbreitet. Die Anwendung gibt es ebenfalls in deutscher Sprache, wobei die Sprache angesichts des simplen Konzepts ohnehin keine Hürde darstellen dürfte.

Dennoch lässt sich aktuell noch nicht sagen, ob Snapchat in Sachen internationaler Ausbreitung einer ähnlichen Dynamik folgt wie Facebook, das in Deutschland lange Zeit ebenfalls wenige Menschen interessierte, bis es dann quasi explosionsartig wuchs. Die Tatsache, dass Snapchat bei uns nicht einmal unter technologieaffinen Early Adoptern eine entscheidende Rolle zu spielen scheint, obwohl es seit anderthalb Jahren in den US-Fachmedien regelmäßig Objekt der Berichterstattung ist, unterscheidet sich von Facebooks einstigem Aufstieg.

War damals die Erfolgsgeschichte des blau-weißen sozialen Netzwerks eindeutig vorgezeichnet, besteht im Falle von Snapchat also durchaus eine gewisse Spannung darüber, wie sich der Dienst bei uns weiterentwickeln wird.

Festhalten muss man, dass Snapchat heute trotz der fehlenden Relevanz im DACH-Raum eine feste Größe im globalen Social-Media-Geschäft ist. Jüngst kursierten gar Gerüchte über Beteiligungsgespräche zwischen dem chinesischen Internetgiganten Alibaba und Snapchat. Die Verhandlungen seien zwar erst einmal beendet worden. Sollte es aber zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu einem derartigen Engagement kommen, wäre dies das erste Mal, dass ein Webunternehmen aus China sich an einem reichweitenstarken Kommunikationsdienst aus den USA beteiligt.

Derzeit plant Snapchat-CEO Evan Spiegel die Einführung von Werbemodellen, um die Monetarisierung des Dienstes in Gang zu bringen. Mit zehn Milliarden Dollar bewertet zu werden, ohne ein Geschäftsmodell vorweisen zu können, ist schon ein kleines Kunststück. Der Druck, zu zeigen, dass Snapchat Geld verdienen kann, ohne seine User zu verprellen, dürfte dennoch stetig wachsen. /mw

Kommentare

  • JUICEDaniel

    29.08.14 (13:09:18)

    "Das aus dem deutschsprachigen Raum stammende Suchvolumen" - Hier fehlt etwas... Netter Artikel. Aber FYI: Die Jugendlichen(!) kennen Snapchat (fast) alle. Und ich habe sie schon häufiger Snapchat nutzen sehen, ist also durchaus verbreitet. Daran merkt man, dass man alt wird - weil man solche Trends gar nicht mehr mitbekommt ;)

  • Martin Weigert

    29.08.14 (13:32:18)

    Da ist was dran :) War gerade längere Zeit in der Bay Area. Guckt man da bei Jugendlichen z.B. in der Bahn aufs Smartphone Display, nutzen sie fast immer Snapchat.

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