11.06.13 09:18, von Martin Weigert

Snapchat, Ask.fm, TBH: Startups entdecken die Zielgruppe der Teenager

Die Wachablösung im Netz schreitet voran: Jugendlichen reichen die von der Dotcom-Generation erfolgreich gemachten sozialen Netzwerke nicht mehr aus. Sie wollen Abwechslung. Startups wie Snapchat, Ask.fm und TBH bieten diese.


TeenagerUnser erster Beitrag dieses Jahres trug die Überschrift "Die Dotcom-Generation wird alt" und beschrieb die Wachablösung, die sich gerade innerhalb der Onlineökonomie abspielt. Die "Digital Natives" werden älter und übernehmen verstärkt die Rolle von Early Adoptern und Multiplikatoren. Sie waren es, die Snapchat zu einem Achtungserfolg machten, während die bisherigen Rädelsführer der Netzwelt die Foto-Sharing-Anwendung noch gar nicht bemerkt hatten.

Weiterhin besteht der Großteil von Snapchats Anwenderschaft aus Teenagern und jungen Erwachsenen, die anders als ältere Semester einen besonderen Reiz im Konzept nur wenige Sekunden lang sichtbarer Fotos und Videos sehen. Die App des US-Startups wächst nach wie vor ungebrochen. 150 Millionen "Snaps" werden pro Tag im Durchschnitt über Snapchat verschickt (Instagram: 40 Millionen). Das junge Unternehmen ist gerade dabei, eine Finanzierungsrunde in Höhe von 100 Millionen Dollar abzuschließen. Ginge es nach den Vertretern der Dotcom-Generation - also Personen, die zur Jahrtausendwende ihre ersten Gehversuche im Internet gemacht und in den vergangen Jahren maßgeblich die Evolution der Webwirtschaft geprägt und beeinflusst haben - dann wäre Snapchat wahrscheinlich gefloppt. Attraktive Nische 

Zwischen eindeutigen Anwendungen und Apps für Kinder und den bevorzugten sozialen Netzwerken des alternden Web-Mainstreams ist eine Nische entstanden, die mittlerweile hinsichtlich Attraktivität für Startups und Investoren an die auf die Allgemeinheit der User ausgerichteten Webanwendungen heranreicht. Denn die Nachfrage ist da: Jugendliche verwenden zwar auch die von ihren älteren Geschwistern und Eltern frequentierten Services wie Facebook oder Twitter, sehnen sich aber gleichzeitig nach Neuem; nach Anwendungen, die ihrem Lebensgefühl, ihren Werten und ihren Kommunikationsmustern besser entsprechen, als dies für die Oldies gilt.

Snapchat war nur der Anfang

Man konnte vermuten, dass Snapchat nur den Anfang machen würde. Und so kommt es auch: Genauso plötzlich wie Snapchat auf dem Radar der Techmedien erschien - die fast ausnahmslos von Vertretern der Dotcom-Generation geführt und mit Inhalten bestückt werden - macht nun mit Ask.fm ein anderer Webservice scheinbare Blitzkarriere. Scheinbar deshalb, weil das lettische Startup schon drei Jahre alt und vielen Heranwachsenden ein Begriff ist. Ganze 57 Millionen Nutzer verzeichnet die Frage-Antwort-Plattform, wie dieses CNET-Portrait über Ask.fm erläutert. 200.000 kommen täglich hinzu. 180 Millionen Unique User besuchten Ask.fm im April. Dennoch ist der Service in Webkreisen relativ unbekannt. Der Grund: Er wird fast ausschließlich von jungen Leuten frequentiert, die bei Ask.fm Antworten auf die wichtigen und unwichtigen Fragen des Lebens erhalten. 50 Prozent der Mitglieder sind unter 18 Jahren alt, nur wenige Anwender haben bereits den 25. Geburtstag hinter sich. Gepostet wird anonym. In der Folge geht es bei Ask.fm nicht immer nur nett zu: Die Site wurde mit Suiziden in Folge von Cybermobbing in Verbindung gebracht.

Vom Grundgedanken her ähnelt Ask.fm der einstigen Q&A-Plattform Formspring, die jedoch Mitte 2012 einen "Pivot" verkündete. Laut CNET waren zum damaligen Zeitpunkt sieben Millionen User bei Ask.fm registriert. Innerhalb eines Jahres kamen 50 Millionen hinzu. Die Monetarisierung des Startups aus Riga erfolgt über Werbebanner und gesponsorte Fragen.

"Liken" mit Gegenleistung

Ein typisches Charaktermerkmal dieser neuen Kategorie von Teen-Netzwerken ist es, dass ihre Faszination vielen Erwachsenen verborgen bleibt. Besonders deutlich zeigt dies die britische iPhone-App namens TBH. Gemäß dem Motto "To be honest" (= TBH) "liken" Nutzer andere Anwender der App, um im Gegenzug auf ihrem Profil ehrlich gemeinte Kommentare und bevorzugt natürlich Komplimente zu erhalten. Der Gedanke, jemandem ein "Gefällt mir" zu spendieren, um als "Gegenleistung" gesagt zu bekommen, dass man ein hübsches Lächeln hat, mag den Angehörigen der Dotcom-Generation im besten Fall kindisch vorkommen und sie im schlimmsten Fall am psychischen Wohlbefinden heutiger Jugendlicher zweifeln lassen. Doch die Macher, das Startup Triple Soda Limited, glauben, mit einem solchen Dienst den Nerv der jungen Zielgruppe zu treffen. Sie sehen ihre App als Beitrag im Kampf gegen Onlinemobbing, da sie User zum Publizieren positiver Kommentare animieren. Wer sich bei TBH umschaut und das 20. Lebensjahr passiert hat, wird sich bei dem Dienst alt fühlen. Inwieweit TBH einen ähnlich beeindruckenden Aufstieg vollbringen kann wie Snapchat und Ask.fm, werden die nächsten Monate zeigen. In der Presse steht dies erst dann, wenn bereits jeder Jugendliche die App installiert hat.

Ideale Exitchancen

Eine Langzeitprognose zu Snapchat, Ask.fm oder TBH fällt schwer. Niemand weiß, wie wechselhaft die junge Zielgruppe ist; wie schnell sie die Lust an virtuellen Schulhofgesprächen, Snapchat-"Selfies" und dem systematischen Einfordern von Selbstbestätigung verliert. In einigen Jahren sind die heutigen Teens junge Erwachsene. Die Jugendlichen, die dann in ihre Fußstapfen treten, werden wieder ganz andere Plattform bevorzugen. Bis dahin jedoch werden wir noch zahlreiche auf Heranwachsende ausgerichtete Online- und Mobilefirmen am rasanten Aufstieg beobachten können. Denn mit den ergrauenden, aber wohlhabenden Netzgiganten können sich Gründer sowie Geldgeber idealer Exitchancen sicher sein. Yahoos Kauf von Tumblr ist ein Beleg dafür. /mw

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Kommentare: Snapchat, Ask.fm, TBH: Startups entdecken die Zielgruppe der Teenager

Meiner Meinung nach zeigt Snapchat, wie leichtsinnig die junge Generation mit ihren Daten umgeht. Snapchats Löschmechanismus ist nicht wirklich ernstzunehmen(http://maxtech.bplaced.net/37/snapchat-bilder-unbemerkt-speichern/). Und trotzdem sind viele junge Leute wild darauf sehr persönliche Fotos von sich zu versenden, ohne sich Gedanken darüber zu machen.

Diese Nachricht wurde von Maxi am 29.07.13 (00:14:50) kommentiert.
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