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04.03.11Leser-Kommentare

Smartphones sei Dank: Das Jahr der mobilen Chatdienste

Je mehr Smartphones es gibt, desto größerer Popularität erfreuen sich mobile Chatdienste. Sie läuten das Ende der SMS ein.

 

Mir fällt kaum eine Situation ein, in der ich mich noch mehr über eine unnötige Geldverschwendung ärgere als beim Versenden einer SMS. Während ich kostenfrei beliebig lange E-Mails über das Smartphone schicken kann, werden bei der Übermittlung von 160 Zeichen via SMS je nach Mobilfunktarif bis zu zehn Cent fällig. Und die Längenbegrenzung erhöht meinen Unmut sogar noch. Was bei Twitter ein sinnvolles Feature darstellt, wirkt bei der kostenpflichtigen, auf die Kommunikation zwischen zwei Personen ausgelegten Kurznachricht wie ein Hindernis.

Doch obwohl 2010 weltweit 6.100 Milliarden SMS verschickt wurden - drei Jahre zuvor waren es nur 1.800 - gibt es Hoffnung, dass die immer archaischer wirkende Art der Verständigung über kostenpflichtige SMS zumindest in den westlichen Industrieländer bald Geschichte ist:

Parallel zur explosionsartigen Verbreitung von Smartphones und der zur Normalität werdenden Nutzung des mobilen Internets entstanden in den letzten Jahren und Monaten eine ganze Reihe speziell für internetfähige Mobiltelefone angepasste Chatdienste, die vom Grundkonzept an SMS erinnern, aber keine Versandkosten verursachen und das Verschicken von mehr als 160 Zeichen erlauben.

KikIch verwende seit einigen Monaten Kik, einen relativ neuen und sehr schnellen Chatservice für iOS und Android. Zuvor kommunizierte ich unterwegs über PingChat! , eine vergleichbare Anwendung, die nicht nur für iOS und Android sondern auch für BlackBerry angeboten wird (Kik musste seine BlackBerry-Unterstützung im Streit mit Research In Motion aufgeben). Bei kommunikationsfreudigen Smartphone-Besitzern sehr beliebt ist auch WhatsApp, das über die drei soeben genannten Plattformen hinaus auch für Symbian-Geräte existiert.

Der entscheidende Unterschied solcher Services zu klassischen, Smartphone-fähigen Instant Messengern ist die explizite Anpassung an Mobiltelefone, was zum Teil die Notwendigkeit einer Registrierung mit Benutzername und Passwort hinfällig macht und ein verändertes Chatverhalten zur Folge hat.

Eine Weiterführung des von Kik, PingChat! und WhatsApp umgesetzen mobilen Chatgedankens sind Smartphone-Gruppenkommunikationen - textPlus erlaubt zum Beispiel den mobilen Gruppenchat, ähnlich wie Beluga , das zwar erst Ende Dezember von Ex-Google-Angestellten gegründet, dieser Tage aber bereits von Facebook aufgekauft wurde.

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, wie diese Anwendungen Schritt für Schritt der SMS das Wasser abgraben werden - besonders durch Fähigkeiten, mit mehreren Personen gleichzeitig Nachrichten auszutauschen und Dateianhängen zu verschicken (was heute bei einigen Services funktioniert, bei anderen nicht).

Dem endgültigen Durchbruch mobiler Chatdienste steht zur Zeit allerdings die fehlende Interoperabilität im Weg. Nicht selten wünsche ich mir, ich könnte eine kurze Kik-Botschaft an einen Freund schicken, der Kik jedoch nicht verwendet. Würden die genannten Services das anbieterübergreifende Kommunizieren erlauben, könnte man sich diese gelegentliche Frustration sparen. Das dies geschieht, ist jedoch unwahrscheinlich.

Eher wird es einer der erwähnten Apps gelingen, eine derartig signifikante Verbreitung zu erreichen, dass anschließend auch die Nutzer konkurrierender Services zu diesem Marktführer wechseln. Oder Facebook setzt den mit seinem neuen Nachrichtensystem eingeschlagenen Weg fort und entwickelt ein plattformübergreifendes Echtzeit-Kommunikationssystem, das sich per Push-Nachricht für Chats auf mobilen Betriebssystemen bemerkbar macht (Facebook Chat auf dem iPhone beherrscht momentan noch keinen Push-Modus).

Egal welcher Anbieter am Ende als Sieger aus dem Rennen um die Sympathien der Generation Smartphone hervorgeht: Ich schließe nicht aus, dass ich mich schon Ende 2011 nicht mehr mit der SMS-Frage beschäftigen brauche. Schön wär's!

Kommentare

  • CarstenK

    04.03.11 (14:45:44)

    All diese Dienste werden in Kürze untergehen und durch mobilen Chat über Facebook ersetzt. Warum sollte man sich in irgendeinem Nischensystem verstecken, wenn man alle Kontakte schon bei Facebook hat und es einem egal sein kann was für ein Smartphone die Freunde haben. Facebook-Chat ist auf nahe Zukunft das Ende der Spezialapps und vieler anderer IM-Dienste. Hier wird massiv Geld verbrannt um Dienste zu entwickeln und zu verkaufen, die es schon gibt und zwar für lau.

  • DominikS

    04.03.11 (15:08:43)

    Ich habe diese Dienste auch schon seit längerer Zeit im Blick und ärgere mich genauso wie du, Martin, über die nicht gegebene Interoperabilität. Es ist natürlich klar, dass ein jedes Unternehmen - egal ob Chatdienst oder nicht - durch Lock-In-Effekte möglichst seine User im eigenen System festhalten will, aber für uns User ist das einfach nur umständlich und zu wenig flexibel. Was ich mir persönlich für die Zukunft wünsche sind eine größere Vielfalt der XMPP-Messenger für mobile Geräte, bei denen ich mich mittels einem freien Protokoll mit meinen Mitmenschen unterhalten kann. Dazu bedarf es keinen zentralen Anbieter. Ich brauche nur einen der vielen frei benutzbaren XMPP-Server, auf denen ich ein Konto anlegen kann. Das ist dezentral, redundant und super flexibel. Und den Personen, die ICQ, Facebook-Chat und den ganzen anderen Krempel an proprietären Protokollen verwenden kann durch XMPP-Transports ganz einfach geholfen werden. Es braucht nur ein paar Entwickler, die es schaffen, dass ganze als leicht bedienbares und verständliches Produkt für mobile Geräte anzubieten, und das ist genau der Punkt, bei dem es momentan hakt. Meiner Meinung nach sehr schade, weil hier Potential nicht genutzt wird und den Unternehmen das Zepter in die Hand gedrückt wird, die solche eigentlich völlig normalen und selbstverständlichen Dinge als "Feature" verkaufen. Ein Beispiel: Vor ein paar Tagen hat Cerulean Studios mit seinem neuen Trillian-Messenger damit geworben, dass man nun auf all seinen Geräten mit laufendem Trillian denselben Nachrichtenverlauf einsehen kann, in Echtzeit und völlig unabhängig von welchem Gerät man schreibt (ein Schelm wer da an den Facebook-Chat oder GTalk denkt). Hier wird eine Funktion als bahnbrechend verkauft, dabei ist das mit XMPP schon seit bald einer Dekade möglich und nennt sich innerhalb der XEPs (Erweiterungen für das XMPP-Protokoll) Message-Carboning. Wer sich in diesem Thema ein bisschen einlesen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol Ein Beispiel für einen solchen XMPP-Messenger für Android: http://www.beem-project.com/ Ein Beispiel für einen solchen freien Account-Server: http://www.draugr.de/ LG, Dominik

  • Martin

    04.03.11 (15:13:49)

    Ich sehe das ähnlich wie Carsten. Momentan ist für mich jedoch Google Talk nicht weg zu denken. Dies muss auf Android Geräten erst gar nicht installiert werden und erfreut sich dadurch zunehmender Verbreitung. Auf den iPhone ist es wohl auch mit Push-Funktion nutzbar, wenn mich nicht alles täuscht. Ein entscheidender Vorteil bei Diensten, die XMPP als Basis nutzen ist zudem die Flexibilität. Ob in Google-Mail, Pidgin, Miranda etc. oder Unterwegs überall erhält man die Nachrichten.

  • Khamelion

    04.03.11 (15:15:51)

    Facebook wird aber auch nicht alles dominieren können, weil viele auch Facebook bis heute noch nicht verwenden / verwenden wollen.

  • Martin Weigert

    04.03.11 (15:23:12)

    @ CarstenK Ich verstehe, was du meinst. Andererseits müsste man das "hier wird Geld verbrannt"-Argument dann auf 99 Prozent aller Startups anwenden. Und definitiv auf alle Groupon-Klone, Location-Services usw... 99 Prozent von denen würden dir im Nachhinein sicherlich zustimmen (nachdem sie die Tore schließen mussten) - nur das eine Prozent, das von Google, Facebook oder einem anderen Big Player übernommen und damit reich wurde, nicht ;) @ Martin Ich sehe dennoch unterschiede zwischen klassischen Instant Messengern (wie Google Talk) sowie explizit für die mobile Nutzung gesschaffenen Diensten. Jemand, der am Rechner sitzt, schreibt z.B. sehr viel schneller und sehr viel mehr als ein User, der mit dem Smartphone chattet. Es fehlt dann mitunter die unausgesprochene Vereinbarung, sich kurz zu fassen. Wenn ich kurz von unterwegs was per Chat klären möchte, habe ich keine Lust, vom Gegenüber zugetextet zu werden ;) Die genannten Chatdienste sind zumindest häufig deutlich weniger komplex und reagieren entsprechend flotter (wobei ich keine Erfahrung mit Google Talk auf dem iPhone gemacht habe - ich leite diese Aussage von Erfahrungen mit anderen mobilen IMs ab)

  • CarstenK

    04.03.11 (15:27:25)

    Ok, stimmt das Geldverbrennen ist kein spezifisches Argument hier :-) Ich glaube, dass die mobile Nutzung von Facebook-Chat sehr stark zunimmt und damit das "Zugetextet"-Problem sich selber löst.

  • boson76

    04.03.11 (15:28:58)

    Also ich finde nicht das SMS untergehen wird. Wenn ich denke wie Tarife bei uns in Österreich sind, wird es sogar noch mehr werden. Denn in den meisten Tarifen sind SMS inkludiert.

  • CarstenK

    04.03.11 (15:48:25)

    @DominikS: Facebook-Chat ist seit dem Februar 2010 XMPP basiert.

  • Domi

    04.03.11 (15:59:33)

    Hi Carsten, das stimmt und es ist auch gut so. Schließlich kann man somit wieder jedbeliebigen XMPP-Messenger nativ mit Facebook verbinden. Allerdings ist man dann eben wieder - wie auch in den von Martin im Artikel beschriebenen Messengern - an ein Unternehmen gebunden. Facebook-Chat ist halt eben Facebook und mehr nicht ;) Wenn ich mir einen Account bei einem der unzähligen XMPP-Server anlege, dann bekomme ich eine eigene ID in einer ähnlichen Form wie eine Emailadresse. Somit brauche ich nur von einem Freund oder Kontakt eben diese ID, um mit ihm zu kommunizieren. In Facebook müsste ich diesen Kontakt erstmal als Freund hinzufügen, damit er in meiner Chatliste erscheint. Somit ist man also wieder gebunden, ergo wieder unflexibel.

  • Pete

    04.03.11 (16:15:53)

    Interessant dabei ist sicherliche, wie verschiedene Nutzergruppen überhaupt mobile Internetservices nutzen (und in welchem Umfang). Hier ein Link zu einer Studie, die genau dies aufdeckt. Es ist eine Typology mobiler Internetnutzer - dabei werden die Nutzertypen nicht nach Betriebssystem oder Marke des Telefons unterschieden, sondern nach ihrem Verhalten im mobilen Netz.

  • DominikS

    04.03.11 (18:15:11)

    Auf dieser Seite habe ich noch einige Informationen über Clients - sei es browserseitig oder nicht - gefunden: http://xmpp.org/xmpp-software/clients/ Sehr interessant und eben entdeckt für Neueinsteiger, die einen neuen Account erstellen möchten oder ihren bisherigen im Browser nutzen möchten: https://www.jappix.com/

  • uli

    04.03.11 (18:43:03)

    Ich glaube nicht, dass die SMS so bald ausstirbt, etwa da - viele Leute wollen "nur telefonieren und SMS" versenden. SMS kann man ohne Datentarife versenden - viele Leute können als gerade so ihr Handy bedienen, inklusive SMS-Versand. Smartphonebedienung wäre da sehr grosse Herausforderung, an denen sie scheitern - bin ich Ausland, habe ich teure Datentarife. SMS kann ich kostenlos empfangen - SMS kann man auf alle GSM-Handies versenden, sind alle SMS-kompatibel - SMS kann man auch vom 5 Euro - Handy versenden und empfangen. Ich glaube, dass die o.a. Punkte auf eine grössere Anzahl von Personen zutreffen. Nicht alle Handy-Nutzer sind Nerds...

  • David

    04.03.11 (21:36:11)

    ich nutze ja schlicht e-mail. :)

  • DigitalDriver

    05.03.11 (08:17:31)

    Was sagt ihr denn zu nimbuzz? Ist XMPP basiert und meines Wissens nach offen und von extern erreichbar. Ich habe es eine Zeit lang benutzt und war sehr zufrieden, allerdings ist mein Hauptgesprächspartner auf WhatsApp! umgestiegen :-) Seit der letzten Version soll auch PushNOtification auf dem iPhone gut funktionieren. Würde mich über einen Test sehr freuen. Das Problem, das ich bei meinen nicht internet-affinen bekannten sehe, ist folgendes: Sie benutzen diese Dienste nicht da sie a) installiert werden müssen, b) nach z.B. Neustart erst gestartet werden müssen und c) den Akku leer saugen. NOch dazu sind nur vereinzelt kontakte erreichbar. Ich stimme euch also uneingeschränkt zu, dass durch einen gut programmierten, offenen (XMPP basierten?) Dienst viele Nachteile aus der Welt geschafft werden. Was bleibt wäre die Anmeldung. Habt ihr Informationen, wie die genannten Dienste es technisch ohne Anmeldung realisieren? Evtl. ließe sich eine XMPP Erweiterung in dieser Richtung definieren.

  • DigitalDriver

    05.03.11 (12:02:35)

    Ich habe gerade gesehen, dass nimbuzz doch ein geschlossenes System ist...schade :-)

  • DominikS

    05.03.11 (12:35:50)

    Hi DigitalDriver, "Was bleibt wäre die Anmeldung. Habt ihr Informationen, wie die genannten Dienste es technisch ohne Anmeldung realisieren? Evtl. ließe sich eine XMPP Erweiterung in dieser Richtung definieren." Ich verstehe nicht ganz. Man muss sich doch bei all diesen Diensten anmelden um sie nutzen zu können? Sei es Nimbuzz, WhatsApp oder sonst irgendwas :) Der große Unterschied zwischen diesen Diensten wie Nimbuzz & Co und dem normalen XMPP-Account auf einem freien Server ist ja lediglich der kleine aber sehr feine, dass man bei zweitgenanntem eine eigene ID àla xyz@freierserver.tld bekommt. Bei den genannten Diensten läuft das alles nur über den hauseigenen Login, wie zB eben bei Facebook. Genau das beschneidet eigentlich den Wunsch danach, über unternehmenseigene Grenzen hinweg mit Kontakten zu kommunizieren. Es gibt hier sogar die Möglichkeit, auf einem Smartphone eine mobile Variante des freien Dienstes zu nutzen. Ich vergaß das oben noch hinzuzufügen zu meinem Beitrag. https://www.jappix.com/?m=mobile

  • Neo

    05.03.11 (17:29:35)

    Sehe die Entwicklung ähnlich, in letzter Zeit kommuniziere ich beinahe ausschließlich über WhatsApp bei meinem Smartphone. Ich würde nur ungern auch dafür noch Facebook verwenden und hoffe, das sich die Anbieter lange halten können. Es ist wahrlich verdammt praktisch.

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