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09.07.13 13:52, von Martin Weigert

Smartphone-Clips: Instagram, das "Instagram für Video"

Seit drei Wochen kämpfen Vine und Instagram um die Dominanz im Markt für mit Smartphones aufgenommenen Mini-Videos. Vine zieht in diesem Duell vorläufig den Kürzeren.


Vine & InstagramAm 20. Juni kam es zu einem hochspannenden Ereignis: Instagram lancierte eine Videofunktion für seine Foto-App. Facebook reagierte so auf Twitters zu Jahresbeginn veröffentlichte, sehr ähnlich konzipierte Micro-Video-App Vine.

Interessant ist der vor drei Wochen ausgebrochene Kampf der zwei kalifornischen Unternehmen um die Marktführerschaft im Trendsegment kurzer mobiler Smartphone-Videos aus zwei Gründen: Erstens glückte Twitter mit Vine ein echter Achtungserfolg. So nah wie das Unternehmen aus San Francisco gelangte bisher noch kein Onlinedienst an die perfekte Rezeptur für mobiles Bewegtbildsharing. Versuche gab es schon hinreichend. Sie hießen Viddly, Socialcam oder 12seconds. Sie alle erfüllten die Hoffnungen nicht, zum "Instagram für Video" aufzusteigen. Vine mit seinen Sechs-Sekunden-Clips schien diesem Ziel und Investorentraum nun deutlich näher zu kommen.

Zweitens sorgte Facebooks Entschluss, Instagram-Nutzern kurzerhand auch das Teilen von bis zu 15 Sekunden langen Videoschnipseln zu erlauben, anfänglich für viel Kritik. Wenig verwunderlich. Fotos und Videos sind zwei paar Schuhe mit unterschiedlichen Motiven auf Produzenten- sowie Konsumentenseite. Beide Use Cases in einer existierenden, sehr erfolgreichen Anwendung zu vereinen, war ein risikobehafteter Schritt des sozialen Netzwerks. An vielen Stellen im Web gab es Befürchtungen und Kritik zu lesen, etwa hier, hier, hier und hier.

Drei Wochen später lässt sich konstatieren: Vine hat seitdem massiv an Attraktivität verloren. Boy Genius Report beschreibt anhand einiger Metriken den Popularitätseinbruch, den Vine seit der Einführung von Instagrams Videofeature hinnehmen musste, und merkt an, dass an Vines kontinuierlichem Abrutschen in den App Store Rankings auch ein am 3. Juli veröffentlichtes Update nichts ändern konnte.

Vine-Rankings im App Store (zum Vergrößern klicken) Vine-Rankings im App Store (zum Vergrößern klicken)

Vine im Google Play Store (zum Vergrößer klicken) Vine-Rankings im Google Play Store (zum Vergrößern klicken)

Ein Blick auf AppAnnie bestätigt dieses Bild: In den Tagen vor dem 20. Juni belegte Vine in den US-App-Store-Charts den dritten Rang aller Apps, war also richtig beliebt. Seitdem ging es bergab, bis auf Rang 27 am heutigen Dienstag. Identisch die Entwicklung im Google Play Store: Statt mit einem Platz in den Top 5 wie vor dem 20. Juni muss sich Vine heute mit Position 42 zufriedengeben. Instagram hingegen belegt aktuell im App Store und Google Play Store nach einem temporären Hoch rund um den 20. Juni in etwa die gleichen Positionen wie Anfang Juni. Wobei im App Store am Sonntag ein deutlicher Einbruch einsetzte. Mit Rang 23 im übergeordneten Ranking liegt Instagram zwar vor Vine, aber platziert sich dennoch so schlecht wie seit vielen Monaten nicht mehr.

Während es für ein endgültiges Fazit noch zu früh ist und Twitter Vine garantiert nicht kampflos aufgeben wird, lässt sich vorläufig feststellen, dass Instagram mit Video augenscheinlich den Bedarf an einer separaten Video-Sharing-App deutlich verringert. Wozu zwei Apps verwenden, wenn eine beides kann - dieser Gedanke erschien Puristen im Vorfeld fragwürdig. Doch Instagram-Mutter Facebook hat durchaus die richtige Balance gefunden. Videos sind unaufdringlich genug, um im Stream nicht zu stören, und wirken dank des von ihren Produzenten händisch auszuwählenden Vorschaubildes oft wie reguläre Instagram-Schnappschüsse.

Seit längerem sinniert die Webwirtschaft darüber, wer das "Instagram für Video" wird. Eine Antwortoption auf diese Frage erscheint seit drei Wochen sehr wahrscheinlich: das "Instagram für Video" heißt Instagram. /mw

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Kommentare: Smartphone-Clips: Instagram, das "Instagram für Video"

Das Problem an diesen App-Statistiken ist regelmässig, dass sie: 1. lediglich die aktuellen Download-Platzierungen miteinander vergleichen, ohne die absoluten Zahlen zu berücksichtigen (ich bin den Quellen nicht gefolgt!); 2. die kumulierten Downloads ausser Acht lassen; 3. das sie nicht das tatsächlichen Nutzerverhalten repräsentativ wiedergeben [können]. Vine hat seine hohen Downloadzahlen sicherlich der Integration mit Twitter zu verdanken. Hohe Downloadzahlen von Instagram nach Einführung der Videofunktion sind sicherlich mit "Ich will einfach einmal ausprobieren" zu erklären. Welche von beiden Apps tatsächlich dominieren wird oder ob dieses 'social media'-Funktion sich überhaupt mittel- bis langfristig durchsetzen wird, wird erst retrospektiv offenbar werden.

Diese Nachricht wurde von Das Skar am 09.07.13 (15:05:38) kommentiert.

Ja, aus den von dir genannten Gründen sind solche Statistiken isoliert betrachtet nicht perfekt. Im Kontext aber halte ich sie dennoch für aussagekräftig. Wenn seit dem Release von Instagram die Downloadzahlen von Vine schlagartig in den Keller gehen, dann legt dies nahe, dass Nutzer plötzlich etwas Besseres gefunden haben. Die alternative Erklärung einer maximalen Marktpenetration fällt bei einer jungen App wie Vine weg.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 09.07.13 (15:18:00) kommentiert.

Wenn ein Dienst wie Instagram jedoch nach einem Konkurrenten eine vergleichbare App auf den Markt wirft, wird zu diesem Zeitpunkt jedoch auch vermehrt über diese berichtet - in Blogs, Zeitschriften, Youtube-Videos...natürlich wird diese dann für einen gewissen Zeitpunkt sehr häufig heruntergeladen, da eben gerade diese App durch die Medien in das Bewusstsein der Anwender gedrückt wird. Und unerfahrene Nutzer bekommen dadurch oft genug auch nur von der Existenz dieser einen App etwas mit. Wie immer: Abwarten und Tee trinken. Am Ende bringt ein Newcomer oder ein kleiner Dienst wie EyeEM völlig überraschend DIE Killer-App, und alles sieht anders aus.

Diese Nachricht wurde von George am 09.07.13 (21:19:16) kommentiert.
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